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Ironie in den frühen Erzählungen Thomas Manns

Hauptseminararbeit, 2004, 32 Seiten
Autor: Michael Fischer
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Veranstaltung: Hauptseminar: Thomas Manns Erzählungen
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum (Germanistisches Institut)
Tags: Ironie, Erzählungen, Thomas, Manns, Hauptseminar, Thomas, Manns, Erzählungen
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 32
Note: 2
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V25580
ISBN (E-Book): 978-3-638-28152-2

Dateigröße: 180 KB


Textauszug (computergeneriert)

Ruhr- Universität Bochum SS 2001
Germanistisches Institut

Hauptseminar: 
Thomas Manns Erzählungen

Ironie in den frühen Erzählungen
Thomas Manns

Michael Fischer 

15. Semester

 

1. Inhaltsverzeichnis 1

2. Einleitung 2

3. Ironie – Eine Begriffsbetrachtung 2
3.1. Sokratische Ironie 5
3.2. Romantische Ironie 5

4. Ironie in den frühen Erzählungen Thomas Manns 7
4.1. Der kleine Herr Friedemann 7
4.2. Der Weg zum Friedhof 12
4.3. Gladius Dei 15
4.4. Tonio Kröger 20
4.5. Das Eisenbahnunglück 25

5. Schlussbetrachtung 27

6. Literaturverzeichnis 30

 

2. Einleitung

Thomas Manns Erzählungen regen besonders wegen ihrer Originalität und ironisch amüsanten Sprache immer wieder zur Lektüre an. Wenn sich auch auf den ersten Blick die Handlung einer Erzählung dem Leser gut erschließt, so ist es doch oft mit dem geistigen Hintergrund und der eigentlichen Bedeutung des Erzählten weitaus schwieriger. Thomas Mann liebt das ironische Versteckspiel. Ernst Nündel schreibt, dass sich der Ironiebegriff bei Thomas Mann entfaltet habe.1 Die vorliegende Arbeit soll anhand der fünf frühen Erzählungen Der kleine Herr Friedemann, Der Weg zum Friedhof, Gladius Dei, Tonio Kröger und Das Eisenbahnunglück, die Verwendung von Ironie bzw. den Ironie- Begriff des jungen Thomas Mann untersuchen. Inwieweit kann von einer Entfaltung des Ironie- Begriffs bei Thomas Mann gesprochen werden? Dieser Frage nachzugehen wird Hauptaugenmerk der Untersuchung sein. In diesem Zusammenhang wird auch hinterfragt werden müssen, inwiefern Thomas Manns Ironie- Begriff von seinen Vorbildern Schoppenhauer, Nietzsche und Wagner geprägt war, denn so lesen wir in seinen Betrachtungen eines Unpolitischen: „Die drei Namen, die ich zu nennen habe, wenn ich mich nach den Fundamenten meiner geistigkünstlerischen Bildung frage, diese Namen für ein Dreigestirn ewig verbundener Geister, das mächtig leuchtend am deutschen Himmel hervortritt, - sie bezeichnen nicht intim deutsche sondern europäische Ereignisse: Schoppenhauer, Nietzsche und Wagner.“2 
Bevor aber mit einer Analyse begonnen werden kann, erscheint es sinnvoll den Begriff der Ironie selbst eingehend zu betrachten. Der verschiedene, oft auch bedenkliche, Gebrauch von Ironie in der Literatur macht diese Vorgehensweise unumgänglich.

3. Ironie – Eine Begriffsbetrachtung

Über den Begriff Ironie sind zahlreiche Betrachtungen angestellt worden. Es erscheint schwierig eine genaue Definition vornehmen zu können. So leistet das Grimmsche Wörterbuch z. B. keine Definition und was andere Autoren schreiben, klingt auf den ersten Blick meist zuerst verwirrend und entmutigend. Ironie lässt sich historisch gesehen dem Bereich der Rhetorik zuordnen und gilt als Stilmittel, um den Standpunkt eines anderen anzugreifen oder ihn ins Lächerliche zu ziehen.3

Wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang, dass die Ironie als übergreifendes Element in der Sprache, in Weltanschauungen oder als literarische Kunstform vorkommt und somit nicht nur als sprachwissenschaftliches, sondern als interdisziplinäres Phänomen zu betrachten ist.

Ironie ist ein geistiges Spiel und bedient sich einer Fülle von Möglichkeiten. Grundlegend ist die Distanzhaltung des Menschen von dem, was er ironisiert. Trotz des Versteckens fehlt alles Geheimnisvolle, es herrscht Klarheit. Für Aristoteles ist das Komische das „unschädlich Hässliche“4 und Kant erklärt das Lachen als einen „Affekt aus der plötzlichen einer gespannten Erwartung in nichts“.5 Aus diesen Definitionen lässt sich erkennen, dass dem Komischen ein Widerspruch zugrunde liegen muss, der das Lachen bewirkt. Ironie lebt genau von diesem Widerspruch. Ein Ironiker sagt das Gegenteil von dem, was er meint. Entscheidend hierbei ist, dass der Leser dies auch erkennen soll. Jancke formuliert dies folgendermaßen: „Die Lüge ist eine Unwahrheit derart, dass sie eine Wahrheit sein möchte, die Ironie ist eine Unwahrheit derart, dass sie eine solche bleiben möchte.“6 Oft ist es so, dass man eine ironische Äußerung ihre Unwahrheit nicht anerkennt. Dies gelingt einem erst mit der Erschließung des jeweiligen Zusammenhangs.

Zu unterscheiden sind subjektive und objektive Ironie. Erstere steht im Zusammenhang mit einer Selbstironisierung, in der man sich selbst kraft seines Geistes in seiner Hinterhältigkeit bloßstellt. Zweitere steht im Zusammenhang mit einer Art Weltsicht auf Grund einer geistig überlegenden Haltung.7 Die engste Definition der Ironie ist ihre Zuspitzung auf das klare Gegenteil des Gemeinten wie wir sie z. B. bei Shakespeare finden. So lässt er hier Antonius viermal über den Mörder Cäsars sagen: „Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann“8. Diese Hartnäckigkeit ließ das Volk begreifen was er meinte, nämlich dass Brutus ein Schurke war.

Die Ironie kennt verschiedene Formen der sprachlichen Gestaltung. Voraussetzung ist hierfür eine gut ausgebildete Sprache. Ironie kann deutlich werden durch die Wiederholung besonderer Ausdrücke, oder durch den gezielten Einsatz eines schwächeren Ausdrucks, der gerade im ganzen Zusammenhang mit seiner Lächerlichkeit für diesen Fall deutlich wird und den betreffenden Menschen dann dadurch bloßstellt.

[....]


1 Nündel: 1972, S. 112.

2 Thomas Mann: 2001, S. 90-91.

3 Meinhold: 1980, S. 9 ff.

4 Lipps: 1889, S. 15.

5 Ebda., S. 45.

6 R. Jancke: 1929, S. 26.

7 Strohschneider- Kohrs: 1977, S. 8ff u. 88ff.

8 Shakespeare: Julius Cäsar, Akt 3, 2. Szene.


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