Autor: Timo Blaser
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Details
Institution/Hochschule: Pädagogische Hochschule Weingarten (Gesellschaftswissenschaftliches Institut)
Jahr: 2004
Seiten: 14
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 202 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-28220-8
ISBN (Buch): 978-3-638-90170-3
Zusammenfassung / Abstract
Ausgehend von Rousseaus Naturzustandskonzeptions wird seine Vertragslehre zur Darstellung gebracht und anhand zentraler Begriffe (wie Gemeinwille, Volkssouveränität etc.) eingehend erläutert. In einer kritischen Auseinandersetzung mit den Schwachstellen seiner Theorie wird schließlich auch deren Einfluss auf die Jakobiner der französischen Revolution beleuchtet und eine allgemeine Verortung in der Tradition der Politischen Theorie vorgenommen.
Textauszug (computergeneriert)
Rousseaus Demokratiemodell
von: Timo Blaser
Inhalt
0. Einleitung 2
1. Rousseaus Menschenbild
1.1. Der Mensch im Naturzustand 3
1.2. Der Mensch nach der Vergesellschaftung 4
2. Mit dem Gesellschaftsvertrag zur bürgerlichen Freiheit 5
3. Volkssouveränität und Gemeinwille 5
4. Einschränkungen und Schwachstellen in Rousseaus politischer Theorie 7
5. Rousseau: Demokrat oder Vorläufer des Totalitarismus? 10
6. Der Gesellschaftsvertrag und die Französische Revolution 11
7. Literatur 13
0. Einleitung
Rousseau, 1712 als Sohn eines Genfer Uhrmachers geboren, hatte seine effektivste Schaffenszeit zwischen den Jahren 1750 und 1762. Er bewegte sich zwischen verschiedenen Ständen, Konfessionen und Ländergrenzen und konnte sich so einen reichen Schatz an Beobachtungen und Erfahrungen aneignen und diesen schließlich in seine Werke integrieren. Während der Zeit des absolutistisch regierten Frankreichs unter Ludwig XV., wirkte er als Komponist, Romancier, Pädagoge und politischer Denker auf vielfältigen Wegen. Als Anhänger der Aufklärung, wirkte er durch seine Kritik an der Zivilisation, der Betonung des Gefühls und der von Gott geschaffenen Natur, jedoch schon über diese hinaus. Das Schlagwort „Zurück zur Natur“ wird gemeinhin als seine zentrale Botschaft aufgefasst. In seinem Erziehungsroman Emile beschrieb er eine Pädagogik, die vor allem die Aufgabe hat, dem Kind in, einem von negativen Einflüssen der Zivilisation und der Gesellschaft, geschütztem Umfeld, eine natürliche Entwicklung zu ermöglichen. „Alles ist gut“, schreibt er zu Beginn des Emile, „was aus den Händen des Schöpfers kommt; alles entartet unter den Händen des Menschen.“1
Für die vorliegende Arbeit sind aber vor allem zwei Werke wichtig, in denen Rousseau seine politische Theorie entwickelte: Die Discours sur l´inégalité, in dem er ausführlich sein Menschenbild darlegt und der Contrat social, dem Kern seiner politischen Theorie, in dem er zeigt, wie die vergesellschaftete Menschheit zur bürgerlichen Freiheit gelangen könne. Die Entwicklung des Menschen vom Naturzustand, den Rousseau als überwiegend positiv schildert, bis hin zur bürgerlichen Gesellschaft, in der der Mensch entfremdet lebe, soll im ersten Kapitel dargelegt werden. In den darauffolgenden Punkten, wird der Gesellschaftsvertrag mit seinen Kernelementen, der Volkssouveränität und des Gemeinwillens erläutert. Im Anschluss dazu, sollen die Einschränkungen, die Rousseau selbst für seinen Gesellschaftsvertrag aufgezeigt hat, sowie die Schwachstellen, die sich in Rousseaus politischer Theorie erkennen lassen, umrissen werden. Die Fragen, ob man Rousseau einen Vertreter der Demokratie nennen und / oder ob er als Vorläufer des Totalitarismus gelten kann, werden im nächsten Punkt aufgeworfen. Hier sollen zudem mögliche Klassifizierungen seines Modells, im Kontext der Demokratietheorien, kurz zusammengefasst werden. Zum Schluss sollen schließlich noch die Einflüsse des Contrat social auf die Französische Revolution untersucht werden.
1. Rousseaus Menschenbild
1.1. Der Mensch im Naturzustand
Um seine Kritik an dem Zustand des Menschengeschlechts zu verdeutlichen und zu zeigen, wie sehr sich dieser vom Ursprung entfremdet habe, versucht Rousseau, durch eine Rekonstruierung des Naturzustandes, dem eigentümlichen Wesen des Menschen näher zu kommen.
Demnach seien „in der natürlichen Ordnung [...] alle Menschen gleich“2. Gebe es Ungleichheit, so sei diese nur eine physische, deren Unterschiede wie Alter und Gesundheitszustand, von der Natur eingerichtet seien. Auch sei der Mensch noch ohne Sprache und sein Verstand nur soweit entwickelt, wie er für das Überleben gebraucht werde. Der noch wilde Mensch lebe für sich allein und sei unabhängig. Diese indépendance lässt sich auch als „Gleichgültigkeit gegenüber allen anderen Menschen“3 deuten. Rousseaus Mensch im Naturzustand hat nur sporadisch Kontakt zu anderen, weshalb auch keine moralischen Regeln auf ihn wirken: Kategorien wie Gut und Böse spielen in der Eigenbrötelei keine Rolle. Gefahren drohten ihm nur von Tieren, „die mehr Stärke besitzen, als der Mensch Geschicklichkeit [...], furchtbarere Feinde, gegen die der Mensch nicht die gleichen Mittel hat, sich zu verteidigen, sind die natürlichen Gebrechen, die Kindheit, das Alter und die Krankheiten.“4
[...]
1 Rousseau, Jean-Jacques: Emil oder Über die Erziehung, Paderborn, 2001, S. 9.
2 ebd. S.14.
3 Maier, Hans: Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), in: Maier, Hans/ Denzer, Horst (Hg.): Klassiker des politischen Denkens. Bd.2. Von John Locke bis Max Weber, München, 2001, S. 65.
4 Rousseau, Jean-Jacques: Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen, Stuttgart, 2003, S. 38f.
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