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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 39 Pages
Author: Maik Philipp
Subject: Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Details
Institution/College: University of Lüneburg (Institut für Soziologie)
Tags: Konflikt, Geschichte, Nutzen, Sichtweise, Konfliktregelung, Organisationen
Year: 2004
Pages: 39
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-28255-0
File size: 792 KB
Entgegen der hemdsärmeligen Macher-Attitüde geht es in dieser Arbeit über Konflikte um die theoretische Basis.
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Excerpt (computer-generated)
Universität Lüneburg
Sommersemester 2004
Einzelveranstaltung: Konfliktregelung in Organisationen
Fach: Kulturvermittlung und -organisation
Abgabetermin: 23. Juli 2004
Fachsemester: 6
Ein Konflikt war ein Konflikt ist ein Konflikt wird ein Konflikt.
Der Konflikt als "(fast) unendliche Geschichte": Der Nutzen
einer dynamisch-prozessualen Sichtweise
von: Maik Philipp
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
1 Annäherungsversuche an den Konfliktbegriff 3
2 Konflikt – eine unendliche Geschichte? 5
3 „Die Hölle, das sind die anderen“: Was Konflikte in uns bewirken 9
3.1 Der Blick mit Scheuklappen: Reduzierte Perzeption 13
3.2 Abgeschnitten von der Außenwelt: Beeinträchtigungen im Gefühlsleben 15
3.3 „Jetzt erst recht“: Das versteinernde Willensleben 16
3.4 Verheerender Minimalismus: Veränderungen im Verhalten und dessen Effekte 17
4 Drallkräfte der Zuspitzung: Glasls Basismechanismen der Eskalation 19
4.1 Kampf gegen das Ich: Zunehmende Projektion bei wachsender Selbstfrustration 19
4.2 Immer weniger Verständnis für immer mehr Disput: Ausweitung der Streitthemen bei zeitgleicher kognitiver Komplexitätsreduktion 21
4.3 Vereinnahmung durch den Anderen: Wechselseitige Verflechtung von Ursachen und Wirkungen bei gleichzeitiger Simplifizierung der Kausalitätsbeziehungen 22
4.4 Ausweitung der Kampfzone: Expansion des sozialen Rahmens bei gleichzeitiger Tendenz zum Personifizieren 23
4.5 Der Konflikt als Wettbewerb: Beschleunigung durch pessimistische Antizipation 24
5 Von der kleinen Flamme zum Flächenbrand: Die Eskalationsstufen des Konflikts 26
Fazit 31
Literatur 34
Der Krieg der Liliputaner …
Außerdem erwähnt unsere Geschichte von sechstausend Monaten keine andere Weltgegend als Liliput und Blefescu. Diese beiden großen Mächte führen, wie ich Ihnen berichten will, seit sechsunddreißig Monaten den heftigsten Krieg miteinander. Letzterer begann auf folgende Weise: Überall wird zugestanden, daß die ursprüngliche Weise, Eier zu öffnen, darin besteht, daß man das breitere Ende der Schale zerbricht oder abschneidet. Allein der Großvater Seiner gegenwärtigen Majestät schnitt sich, da er als Kna be einst ein Ei essen und auf die alte Weise öffnen wollte, bei dieser Gelegenheit in den Finger. Darauf publizierte der Vater ein Edikt, welches allen Untertanen bei schwerer Strafe verbot, das breitere Ende des Eies zu eröffnen. Das Volk geriet über dieses Gesetz in solche Wut, daß sechs Rebellionen, wie die Historiker berichten, bei der Gelegenheit entstanden. Ein Kaiser verlor dabei sein Leben, ein anderer seine Krone. Diese bürgerlichen Zwiste wurden fortwährend durch die Könige von Blefescu geschürt, und wenn sie unterdrückt wurden, flüchteten die Verbannten gewöhnlich in dies Reich. Man berechnet, daß an elftausend Personen zu verschiedenen Zeiten den Tod lieber erleiden als die Eier an den kleinen Enden öffnen wollten. Viele Hunderte von dicken Bänden sind über diesen Streit geschrieben worden, allein die Bücher der Breitendigen sind schon lange verboten, und ein Gesetz hat die ganze Partei für unfähig erklärt, öffentliche Ämter zu verwalten. Während dieser Unruhen machten uns die Kaiser von Blefescu häufige Vorstellungen durch ihre Gesandten und zugleich den Vorwurf, eine Spaltung in der Religion zu bewirken, da wir gegen die Grundlehre unseres großen Propheten Lustrog im vierundfünfzigsten Kapitel des Blundecral (dieses ist der Koran von Liliput) uns vergehen. Dies scheint jedoch eine bloße Verdrehung des Textes zu sein, denn die Worte lauten: Alle wahren Gläubigen öffnen die Eier an dem passenden Ende. Was nun das passende Ende ist, muß nach meiner demütigen Meinung dem Gewissen eines jeden überlassen bleiben oder die Obrigkeit besitzt das Recht, es zu bestimmen.
Jetzt aber haben die verbannten Breitendigen so viel Einfluß am Hofe des Kaisers von Blefescu und so viel Unterstützung und Ermutigung für ihre Partei hier in unserem Vaterlande erlangt, daß ein blutiger Krieg zwischen beiden Reichen schon sechsunddreißig Monate lang geführt worden ist, und zwar mit verschiedenem Erfolge. Während dieser Zeit haben wir vierzig große und noch viel mehr kleinere Schiffe sowie dreißigtausend unserer besten Soldaten und Matrosen verloren. Jedoch der Verlust des Feindes ist noch etwas größer wie der unsrige. Dennoch hat er jetzt eine zahlreiche Flotte ausgerüstet und trifft Vorbereitungen zu einer Landung an unserer Küste.
(Jonathan Swift: Gullivers Reisen. Eine Reise nach Liliput)
Einleitung
In der berühmten und mit viel Ironie gespickten „Anleitung zum Unglücklichsein“ gibt der österreichische Psychotherapeut Paul Watzlawick seinen Lesern diverse Verhaltensanweisungen, wie sie ihr eigenes empfundenes und tatsächliches Unglück maximieren und mit ihrer Umwelt in stetem Clinch liegen können. Aus dem äußerst amüsant geschriebenen Werk ist ein Beispiel für das selbstgemachte Unglück sehr bekannt: die Geschichte mit dem Hammer. Ein Mann will ein Bild aufhängen. Er hat bereits einen Nagel; was ihm fehlt, ist der Hammer. Der Mann weiß, dass der Nachbar einen besitzt, und will ihn sich borgen. Plötzlich
„kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war seine Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich.“
Der Mann stürmt nun hinüber und klingelt, der Nachbar öffnet, „doch bevor er ‚Gu ten Tag‘ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: ‚Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel!‘“1 Man kann sich ausmalen, wie diese Geschichte weitergehen wird. Ein Nachbarschaftskrieg scheint durchaus im Bereich des Möglichen zu liegen. Watzlawicks Geschichte, in der ein Hammer bzw. die Gedanken, die sich um den Nachbarn drehen, zu einem Konflikt führen dürften, soll als Illustration zu dieser Referatsausarbeitung dienen.2 Das Exempel bietet sich aus mehreren Gründen an: Es ist erstens evident, dass hier ein Eskalationsprozess stattgefunden hat, der maßgeblich den weiteren Verlauf des Konflikts determinieren wird. Zweitens liegt der Fokus auf den sich ändernden Perzeptionen des Mannes, der das Bild aufhängen will. Drittens verdeutlicht es, wie wenig es objektiver bzw. Sachprobleme bedarf, um einen Konflikt auszulösen.
Es sind entsprechend diese Fragen, denen die vorliegende Ausarbeitung nachgeht: Wie kommt es zu der bei Konflikten zu beobachtenden Eskalation? Was schürt sie? Welche Mechanismen wohnen ihr inne? Wie erleben sich die Konfliktparteien dabei? Es wird also um Konflikte nicht aus strukturaler, sondern aus prozessualer und dynamischer Sicht gehen, die in der Literatur einerseits häufig marginalisiert, andererseits als elementar angesehen wird. Das Ziel ist, um das Verständnis für Konflikte zu sensibilisieren, den Konflikt als (fast) unendliche Ge schichte zu begreifen.3
1 Annäherungsversuche an den Konfliktbegriff
[...]
1 Watzlawick (1983), S. 37f.
2 Das kohärente Referat wurde am 28. Mai 2004 gehalten.
3 Der Ansatz dieser Arbeit ist eher theoretisch, da sich m. E. zu wenige Autoren, vor allem die der pragmatischen Ratgeberliteratur, mit der Theorie befasst haben. Es ist allerdings diesen Autoren (häufig zugleich Trainer, Moderatoren und/oder Coaches) zu verdanken, dass Konflikte überhaupt thematisiert werden.
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