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Der Weg zum Normalarbeitstag

Termpaper, 2004, 36 Pages
Authors: Alexandra Strathmann, Mirja Krüger
Subject: Sociology - Work, Profession, Education, Organisation

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 36
Grade: 2,3
Language: German
Archive No.: V25801
ISBN (E-book): 978-3-638-28324-3
ISBN (Book): 978-3-638-64884-4
File size: 210 KB
Notes :
Ein Geschichtlicher Überblick über die Entwicklung des Normalarbeitstages von 1850 bis 1918


Abstract

Thema dieser Hausarbeit ist die Entwicklung des Normalarbeitstages in Deutschland. Unter einem „Normalarbeitstag“ verstehen wir heute in Deutschland eine Höchstarbeitszeit von acht Stunden pro Werktag, das heißt von Montag bis einschließlich Freitag. Eine andere Verteilung der Wochenarbeitszeit ist dabei zulässig, solange eine Arbeitszeit von zehn Stunden täglich nicht überschritten wird (vgl. GLAUBRECHT 1984, 63-64). Bis zu dieser heutigen Regelung war es allerdings ein langer Weg, in dessen Verlauf die Arbeitszeiten erst ins Unermessliche gesteigert wurden, um dann Schritt für Schritt auf den jetzigen Stand gebracht zu werden. Dieser Prozess, der mit der Industrialisierung um 1850 begann und mit der gesetzlichen Vorschreibung des Normalarbeitstages 1918 endete, soll nachgezeichnet werden. Dabei ist zu beachten, dass sich während des gesamten Prozesses die ursprüngliche Betriebszeit immer stärker in Arbeitszeit und Freizeit aufgespalten wurde. Während es in der Phase der Frühindustrialisierung noch so war, dass in den langen Betriebszeiten sowohl Arbeit als auch Freizeit stattfand, wurden die Betriebszeiten im Laufe der industriellen Phase mehr und mehr komprimiert, sodass Arbeitszeit und Freizeit schließlich zeitlich und räumlich getrennt waren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang nicht nur die Veränderung der Betriebszeiten in Stunden, sondern auch die Veränderung in der Wahrnehmung von Zeit von etwas Organischem bis hin zur reflektierbaren Zeit, die das Individuum selbst füllen und gestalten kann. In der vorliegenden Arbeit orientieren wir uns vor allem an der Studie zur Entwicklung des Normalarbeitstages, die 1985 von Christoph Deutschmann veröffentlicht wurde.


Excerpt (computer-generated)

Universität Bielefeld
Fakultät für Soziologie
Abteilung Sozialwissenschaften
Wintersemester 2003/2004
Seminar: Integrationsveranstaltung I: Arbeit, Zeit und Lebensführung

Der Weg zum Normalarbeitstag

von: Mirja Krüger und Alexandra Strathmann

 


INHALT

EINLEITUNG 3

1. DIE STUDIE VON CHRISTOPH DEUTSCHMANN 5

2. DIE ORGANISCHE ZEITSTRUKTUR DER ARBEIT 6

3. DAS FRÜHINDUSTRIELLE ZEITARRANGEMENT 7

3.1 Datierung 7
3.2 Begriffsinhalte 7
3.3 Betriebszeit und alltägliches Arbeitszeitverhalten 9

3.3.1 Der „blaue Montag“ 10
3.3.2 Alkohol 11
3.3.3 Unpünktlichkeit 12

3.4 Arbeitszeit im Bereich der Frauenarbeit 14
3.5 Betriebszeit und Erwerbsleben 16

3.5.1 Unternehmenspolitik 17
3.5.2 Erwerbsorientierung der Arbeiter 18

3.6 Das frühindustrielle Zeitarrangement: Fazit 19

4. DAS INDUSTRIELLE ZEITARRANGEMENT 21

4.1 Der Begriff des industriellen Zeitarrangements 21
4.2 Arbeitszeit und Arbeitsintensität 22
4.3 Zwei Bewegungen zur Arbeitszeitverkürzung 23

4.3.1 Streik 23
4.3.2 Unternehmerseite 25

4.4 Veränderungen des alltäglichen Arbeitsverhaltens 27
4.5 Veränderung der betrieblichen Personalpolitik und der Erwerbsorientierung der Arbeiter 29

4.5.1 Ausbildungspolitik 29
4.5.2 Sozialpolitik 29

4.6 Institutionalisierung von Arbeitszeitregelung 31
4.7 Das industrielle Zeitarrangement: Fazit 33

5. SCHLUSSBEMERKUNG 34

LITERATUR 35

 


 

EINLEITUNG

Thema dieser Hausarbeit ist die Entwicklung des Normalarbeitstages in Deutschland. Unter einem „Normalarbeitstag“ verstehen wir heute in Deutschland eine Höchstarbeitszeit von acht Stunden pro Werktag, das heißt von Montag bis einschließlich Freitag. Eine andere Verteilung der Wochenarbeitszeit ist dabei zulässig, solange eine Arbeitszeit von zehn Stunden täglich nicht überschritten wird (vgl. GLAUBRECHT 1984, 63-64). Bis zu dieser heutigen Regelung war es allerdings ein langer Weg, in dessen Verlauf die Arbeitszeiten erst ins Unermessliche gesteigert wurden, um dann Schritt für Schritt auf den je tzigen Stand gebracht zu werden. Dieser Prozess, der mit der Industrialisierung um 1850 begann und mit der gesetzlichen Vorschreibung des Normalarbeitstages 1918 endete, soll nachgezeichnet werden. Dabei ist zu beachten, dass sich während des gesamten Prozesses die ursprüngliche Betriebszeit immer stärker in Arbeitszeit und Freizeit aufgespalten wurde. Während es in der Phase der Frühindustrialisierung noch so war, dass in den langen Betriebszeiten sowohl Arbeit als auch Freizeit stattfand, wurden die Betriebszeiten im Laufe der industriellen Phase mehr und mehr komprimiert, sodass Arbeitszeit und Freizeit schließlich zeitlich und räumlich getrennt waren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang nicht nur die Veränderung der Betriebszeiten in Stunden, sondern auch die Veränderung in der Wahrnehmung von Zeit von etwas Organischem bis hin zur reflektierbaren Zeit, die das Individuum selbst füllen und gestalten kann.

In der vorliegenden Arbeit orientieren wir uns vor allem an der Studie zur Entwicklung des Normalarbeitstages, die 1985 von Christoph Deutschmann veröffentlicht wurde. Aus diesem Grund wird die Studie zu Beginn dieser Arbeit kurz vorgestellt (A. Strathmann). Zunächst wird dann noch kurz auf die Ausgangssituation, in der die Industrialisierung einsetzte, eingegangen, um das damalige organische Zeitverständnis von den späteren abzugrenzen (M. Krüger). Danach werden im eigentlichen Hauptteil dieser Arbeit die verschiedenen Phasen der Einführung des Normalarbeitstages und ihre Besonderheiten sowie die jeweiligen Auswirkungen auf das Zeitempfinden detailliert dargestellt. Begonnen wird dabei mit den Ausführungen zum frühindustriellen Zeitarrangement von ca. 1850 bis 1891 (M. Krüger). Der Hauptteil setzt sich mit dem industriellen Zeitarrangement, beginnend im Jahre 1891, fort (A. Strathmann). Mit der dort beschriebenen Entwicklung bis zum Jahre 1918 ist das eigentliche Ziel, nämlich der Normalarbeitstag, erreicht. Über zwei einzelne Zwischenfazits zu den jeweiligen Phasen hinaus beenden wir diese Arbeit mit einer gemeinsamen Schlussbemerkung.

1. DIE STUDIE VON CHRISTOPH DEUTSCHMANN

Die Debatte über die 35-Stunden-Woche war 1985 sehr aktuell. Dies veranlasste Christoph Deutschmann die Studie über die „Arbeitszeitpolitik“ zu machen. Gegenstand der Untersuchung war es, einen geschichtlichen Prozess der Arbeitszeitverkürzung aufzuzeigen. Deutschmann vertrat die These, dass Arbeitszeitverkürzung, wenn sie nicht konjunkturbedingt ist, nicht alleine aus einer Vielzahl von sozialen und ökonomischen Daten erklärbar sei, sondern nur innerhalb des historischen Gesamtprozesses zureichend erklärt werden könne. Die Aufgabe der Studie war es, die Logik der gesellschaftlichen Prozesse zu klären, dessen Bestandteil Arbeitszeitverkürzungen sind. Untersucht wurde die Entwicklung der industriellen Arbeitszeiten in Deutschland vom Beginn der Industrialisierung im Jahr 1850 bis in die Gegenwart. Besonderes berücksichtig wurden acht Sektoren: die Druckindustrie, das Baugewerbe, die Holzindustrie, der Maschinenbau, die elektro-technische Industrie, die Eisen- und Stahlindustrie, die chemische Industrie und die Nahrungsmittelindustrie. Die Studie ist in drei Teile untergliedert: 1) 1850 bis 1918: Die Arbeitszeit bekam neben der Betriebszeit und dem Lebensrhythmus eine eigene Gestalt und durch die Institutionalisierung von Arbeitszeit gab es bis 1918 eine allmähliche Angleichung von Arbeitszeit und Betriebszeit. 2) Ende 1918 bis 1944: Durch die Kriegsfolgen gab es einen Rationalisierungsboom und der Prozess der Arbeitszeitverkürzung und der soziale Fortschritt blieben trotz anhaltender Auseinandersetzungen suspendiert. Intensive Kämpfe drehten sich um Arbeitszeitverkürzung und um die Normierung der Arbeitszeiten. 3) 1945 bis zu Gegenwart: Eine lange Wachstumsperiode und ein nachhaltiger Prozess der Verkürzung der Arbeitszeiten fallen zusammen. Die Arbeitszeitverkürzungen nahmen mit dem Wegfall der Samstagsarbeit, der Verlängerung des Jahresurlaubs und der Verbreitung von Teilzeitarbeit neue Formen an. Anhand von Befragungen in den verschiedenen Industriezweigen analysierte Christoph Deutschmann die Entwicklung der Arbeiter und der Arbeitszeitverkürzung.

2. DIE ORGANISCHE ZEITSTRUKTUR DER ARBEIT

Vor dem Beginn der Industrialisierung in Deutschland war die Zeit und damit auch die Arbeitszeit der Menschen organisch, d. h. „die Vorstellung von der Zeit als einem leeren Kontinuum, das durch Planung, Aktivität und Fortschritt gefüllt werden müsse“, war noch völlig unbekannt (DEUTSCHMANN 1985, 73). Zeit wurde nur durch die Naturvorgänge, welche wiederum das menschliche Leben beeinflussten, bestimmt. „Die Gegensätze zwischen Tag und Nacht, Sommer und Winter hatten eine normative, unmittelbar handlungsorientierende Bedeutung (ebd., 74). Die verschiedenen Vorstellungen von Zeit und deren Maßeinheiten hingen stark „von unterschiedlichen Arbeitssituationen und deren Bezug zu einem ‚natürlichen’ Rhyt hmus“ ab (THOMPSON 1973, 83).

Gerade in der agrarwirtschaftlich geprägten Gesellschaft Deutschlands vor Beginn der Industrialisierung „wurden produktive Tätigkeiten nicht durch abstrakte Zeitvorgaben bestimmt“, sondern richteten sich nach den oben benannten natürlichen Zeitgebern, allen voran natürlich nach „der Sonne, deren Verlauf die Klimaverhältnisse und die Wachstums- und Vegetationsperioden konstituiert“ (SCHARF 1987, 28-29). Allerdings gab es auch in der vorindustriellen Zeit schon Handwerk, und dort, vor allem wenn es in Zünften organisiert war, spielte die Uhrzeit schon eine viel größere Rolle, ebenso wie in der Kirche. Trotzdem blieb auch das handwerkliche Zeitbewusstsein, selbst wenn es eine „im Vergleich zur Landwirtschaft deutlich verringerte Abhängigkeit der menschlichen Arbeit von der Natur reflektierte“, aufgabenorientiert. (DEUTSCHMANN 1985, 74). Erst mit der Industrialisierung in Deutschland verschwand allmählich das organische Zeitverständnis der Menschen.

3. DAS FRÜHINDUSTRIELLE ZEITARRANGEMENT

3.1 Datierung

[...]


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