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Wissenskünste: Die Ars Electronica

Termpaper, 2004, 19 Pages
Author: Stefan Möller
Subject: Theater Studies

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 19
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V25802
ISBN (E-book): 978-3-638-28325-0
ISBN (Book): 978-3-638-84250-1
File size: 156 KB
Notes :
Die Arbeit beschäftigt sich mit der im Rahmen der ARS ELECTRONICA geführten Diskussion um die Verschmelzung von neuen Technologien und künstlerischer Praxis. Schwerpunkt ist der künstlerische Umgang mit Möglichkeiten, die vor allem Biotechnologie, AI-Forschung und die Überlegungen bezüglich der Schaffung von künstlichem Leben bieten.


Abstract

Verschmelzung von Wissenschaft und Kunst „Warum eigentlich sind die Hunde noch immer nicht blau mit roten Flecken? Und warum eigentlich leuchten die Hasen noch immer nicht wie Irrlichter in den nächtlichen Gefilden? [...] Warum eigentlich betreiben wir Viehzucht noch immer mit wirtschaftlichen Absichten und noch immer nicht mit künstlerischen? Flussers Aufsatz aus dem Jahr 1988 beginnt mit dieser (provokanten) Fragestellung. Als Kontext der Fragestellung steht die Tatsache, dass einerseits die tierische Produktion in der westlichen Welt größer als der Verbrauch ist, andererseits die Techniken, die es ermöglichen können, künstliche Tierarten herzustellen. Durch die technisch und kulturell bedingte Veränderung der uns umgebenden Natur hat der Mensch künstliche Lebensumwelten geschaffen. Perspektivisch sieht Flusser den Menschen in einem „Disneyland, in welchem dank Automatisation arbeitslos gewordene Menschenmassen aufeinander stoßen.“ Der künftige Disney wird, u.a. Molekularbiologe sein. Tierische Organismen scheiden Farbstoffe aus, die eine wichtige Lebensfunktion haben, sie dienen dem Überleben des Individuums in Form von Tarnfarbe oder dem Überleben einer Art in Form von Lockfärbung. Die Genetik kann in diesen Prozess schöpferisch eingreifen. Für Flusser wandelt sich das Ausscheiden von Farbstoffen bei tierischen Organismen zu einer wichtigen, ästhetischen, Funktion für das Überleben des Menschen. „Das Disneyland wird von bunten Tieren wimmeln, damit die Menschen darin nicht vor Langeweile sterben.“ Zu einem relativ frühen Zeitpunkt gibt dieser Aufsatz Einblick in die Perspektiven, Möglichkeiten und auch Gefahren, die der Umgang mit den technischen Möglichkeiten der Genetik und der Biotechnologie bietet. Neben der Gentechnik sind auch die Forschungen zu künstlicher Intelligenz vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Beide werden das Leben in der (nicht allzu fernen) Zukunft nachhaltig beeinflussen. Die Ars Electronica hat, vor allem seit Beginn der 90er Jahre, diese Themen als Schwerpunkte der Ausstellungen und Symposien gesetzt.


Excerpt (computer-generated)

Universität Leipzig
Institut für Theaterwissenschaft
Seminararbeit: Wissenskünste: Die Ars Electronica
Forschungsseminar: Wissenskünste

Wissenskünste: Die ARS ELECTRONICA

von: Stefan Möller

 


Inhalt

1 Die Verschmelzung von Kunst und Wissenschaft 3

2 Die Veränderung des Bildes vom Menschen 4

3 Künstliches Leben 5

3. 1 Begriff Lebewesen 6
3. 2 Künstliches Lebewesen 6
3. 3 Das Gen als kulturelles Ikon 6
3. 4 Projekt „Green“ 7
3. 5 Transgene Kunst – Eduardo Kac 8
3. 6 SymbioticA – Forschungslabor für Kunst und Wissenschaft 9

4 Künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence) 11

4. 1 Natürliche neuronale Netzwerke 11
4. 2 Intelligenzbegriff 11
4. 3 Geschichte der ‚Artificial Intelligence’ 12
4. 4 Entwicklungslinien 12
4. 5 Voraussetzungen für die Verbindung AI und Kunst 14

5 Kunst und AI 15

6 Poly World 16

Bibliographie 19
 


 

 

1 Verschmelzung von Wissenschaft und Kunst

„Warum eigentlich sind die Hunde noch immer nicht blau mit roten Flecken? Und warum eigentlich leuchten die Hasen noch immer nicht wie Irrlichter in den nächtlichen Gefilden? [...] Warum eigentlich betreiben wir Viehzucht noch immer mit wirtschaftlichen Absichten und noch immer nicht mit künstlerischen?1 Flussers Aufsatz aus dem Jahr 1988 beginnt mit dieser (provokanten) Fragestellung. Als Kontext der Fragestellung steht die Tatsache, dass einerseits die tierische Produktion in der westlichen Welt größer als der Verbrauch ist, andererseits die Techniken, die es ermöglichen können, künstliche Tierarten herzustellen. Durch die technisch und kulturell bedingte Veränderung der uns umgebenden Natur hat der Mensch künstliche Lebensumwelten geschaffen. Perspektivisch sieht Flusser den Menschen in einem „Disneyland, in welchem dank Automatisation arbeitslos gewordene Menschenmassen aufeinander stoßen.“2 Der künftige Disney wird, u.a. Molekularbiologe sein.

Tierische Organismen scheiden Farbstoffe aus, die eine wichtige Lebensfunktion haben, sie dienen dem Überleben des Individuums in Form von Tarnfarbe oder dem Überleben einer Art in Form von Lockfärbung. Die Genetik kann in diesen Prozess schöpferisch eingreifen. Für Flusser wandelt sich das Ausscheiden von Farbstoffen bei tierischen Organismen zu einer wichtigen, ästhetischen, Funktion für das Überleben des Menschen. „Das Disneyland wird von bunten Tieren wimmeln, damit die Menschen darin nicht vor Langeweile sterben.“3 Zu einem relativ frühen Zeitpunkt gibt dieser Aufsatz Einblick in die Perspektiven, Möglichkeiten und auch Gefahren, die der Umgang mit den technischen Möglichkeiten der Genetik und der Biotechnologie bietet. Neben der Gentechnik sind auch die Forschungen zu künstlicher Intelligenz vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Beide werden das Leben in der (nicht allzu fernen) Zukunft nachhaltig beeinflussen. Die Ars Electronica hat, vor allem seit Beginn der 90er Jahre, diese Themen als Schwerpunkte der Ausstellungen und Symposien gesetzt.

2 Die Veränderung des Bildes vom Menschen

Gegenstand der Diskussionen sind vor allem zwei Bereiche, die durch ihre rasante Entwicklung das menschliche Leben in immer stärkerem Maße beeinflussen werden: Computerwissenschaft und Gentechnik. Technik kann als von Menschen gemachte Natur verstanden werden.4 Mittels neuer Technologien vollzieht sich eine kulturell bedingte Mutation unserer Wahrnehmung des menschlichen Körpers von einem natürlichen selbstregulierten System zu einem künstlich kontrollierten und elektronisch transformierten Objekt. Seit Turing verlor ‚Leben’ seinen natürlichen, carbonbasierten Kontext, auf das Konzept von ‚künstlicher Intelligenz’ folgte das Konzept von ‚künstlichem Leben’. Biowissenschaften lösen Physik und Chemie als ‚Leitwissenschaften’ im 21. Jahrhundert ab.

Genetik entstand im 20 Jahrhundert. 1910 gelang es Thomas H. Morgan nachzuweisen, das eine lineare Anordnung von Genen auf den Chromosomen existiert. Die moderne molekulare Gentechnologie ist eine Weiterentwicklung der Bakterien- und Phagengenetik der 60er Jahre. Der jüngste Zweig, die Bioinformatik , bildet die Basis der industriellen Anwendung. Mit dem Human Genom Project gelang es in den 80er Jahren erstmals, Forschungsgelder in einer Höhe zu erhalten, die bisher nur etwa Hochenergiephysik vorbehalten waren. Ca. 3 Mrd. US$ wurden bereitgestellt, um die 3 Mrd. Basenpaare DNA des menschlichen Genoms zu sequenzieren. Im Jahr 2000 wurde die Entschlüsselung durch die Firma Celera Genomics weitestgehend abgeschlossen.

Die Möglichkeit eines gezielten Eingriffs und die Veränderung des Genotyps, der ererbten und zur weiteren Vererbung vorgesehenen Grundlagen, werden in absehbarer Zukunft realisiert werden. Das klonen von menschlichen Körpern oder einzelner Organe wird in nicht allzu ferner Zukunft stattfinden. Durch diese Entwicklung stellen sich weit reichende ethische Fragen. Es geht hierbei nicht darum, ob man einen Menschen klonen darf, die Fragen müssen darauf abzielen, wie geht man mit der realen Möglichkeit um, welche Rechte und Verpflichtungen müssen zum Umgang geschaffen werden. Den Genen wird das Attribut zugeschrieben, Code des Lebens zu sein und damit die Möglichkeit verbunden, die komplexen Abläufe und Wechselwirkungen des Lebens zu verstehen und zu beherrschen.

3 Künstliches Leben

[...]


1 Flusser; Blaue Hunde; Ars Electronica 1999

2 ebd.

3 Ebd.

4 Weibel; Über gentische Kunst; in: Ars Electronica 1993
 


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