[...] Die meisten der hier vorzustellenden Äußerungen datieren aus dem ersten halben Jahr nach den Anschlägen. Sie beziehen sich vordergründig auf den Krieg in Afghanistan, welcher zu jener Zeit auf dem Höhepunkt des öffentlichen Interesses war. Nunmehr jedoch, nach 1 1/2 Jahren, bietet sich dem Beobachter ein veränderter Blickwinkel: Der Krieg in Afghanistan, obgleich keineswegs beendet, wird allgemein als "erledigt" betrachtet; dafür rückte seit Monaten der nächste militärische Einsatz näher, nämlich gegen den Irak, welcher am 20. März endgültig begonnen worden ist. Wenn dieser Einsatz auch offiziell als Fortführung des von George W. Bush ausgerufenen "Krieges gegen den Terror" behandelt wird, so gelten hierbei doch ganz andere Voraussetzungen als in Afghanistan. Vor diesem Hintergrund sollen die Reaktionen der US-amerikanischen Intelligenz noch einmal überprüft und kritisch beleuchtet werden. Im zweiten Kapitel werden verschiedene Standpunkte dargestellt. Im Mittelpunkt stehen dabei die von jeweils einer größeren Anzahl Intellektueller unterzeichneten Manifeste, dazu kommen Interviews, Essays u.ä. Im darauffolgenden Kapitel wird der Bogen zur aktuellen Situation zu schlagen sein: Inwieweit besitzen die alten Erklärungsansätze vor dem Hintergrund des Irakkonfliktes noch Gültigkeit? Haben einige der erwähnten Intellektuellen gar ihre Meinung revidiert? Aufgabe des 4. Kapitels wird schließlich der Versuch sein, aus dem Vorangegangenen ein Resümee zu ziehen. Der zentrale Aspekt wird dabei die Frage sein, ob die in zeitlicher Nähe zu den Anschlägen geäußerten Erklärungsmodelle auch auf den aktuellen Krieg bzw. die kommenden Kriege anwendbar sind: letztendlich beziehen sich alle Standpunkte ja auf die Reaktion auf die Terroranschläge - also auf den "Krieg gegen den Terror", den militärischen Kampf gegen die Urheber und Hintermänner des internationalen Terrorismus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Quellenlage
2. "Just war" oder "mad rush to war"?
2.1. "American Values"
2.2. "Dangerous folly"
2.3. Weitere Stimmen
2.4. Zusammenfassung
3. Von Afghanistan zum Irak
4. Zusammenfassung
4.1. Krieg gegen den Terror?
4.2. Krieg um Öl?
4.3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Reaktionen US-amerikanischer Intellektueller auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 und untersucht deren Haltung zur US-Außenpolitik, insbesondere im Hinblick auf die Kriege in Afghanistan und im Irak unter dem Vorzeichen des "Krieges gegen den Terror".
- Wahrnehmung und Legitimation des Krieges gegen den Terror durch US-Intellektuelle.
- Einfluss der Theorie des "gerechten Krieges" auf öffentliche Debatten.
- Kritische Auseinandersetzung mit der US-Sicherheitsstrategie und der Bush-Doktrin.
- Entwicklung und Wandel intellektueller Positionen im Zeitverlauf von Afghanistan bis zum Irakkrieg.
- Rolle von Manifesten, offenen Briefen und medialen Stellungnahmen.
Auszug aus dem Buch
2.1. "American Values"
Im Februar 2002 wurde auf der Internetseite des konservativen "Institute for American Values" ein offener Brief unter dem Titel "What We´re Fighting For" veröffentlicht. Unterzeichnet wurde er von 60 Intellektuellen, darunter recht prominenten wie Samuel Huntington, Francis Fukuyama oder Michael Walzer. Während die US-Truppen noch in Afghanistan kämpften, wurde in diesem Brief der Militäreinsatz nach folgendem Thesenmodell begründet und gerechtfertigt:
Der Terroranschlag richtete sich - da er mit keinerlei politischen Forderungen verbunden war - nicht nur gegen die US-amerikanische Regierung, sondern vor allem gegen die amerikanische Gesellschaft: "Clearly, then, our attackers despise not just our government, but our overall society, our entire way of living. Fundamentally, their grievance concerns not only what our leaders do, but also who we are."
Diese Gesellschaft definiere sich durch ihre Werte. Neben einigen Werten, die als "unattractive and harmful" bezeichnet werden, definiert der Brief vier grundlegende: "The first is the conviction that all persons possess innate human dignity as a birthright, [...] regardless of race or color." "Second, and following closely from the first, is the conviction that universal moral truths [...] exist and are accessible to all people." "The third is the conviction that [...] most disagreements about values call for civility, openness to other views, and reasonable argument in pursuit of truth." "The fourth is freedom from conscience and freedom of religion" als Grundlage anderer individueller Freiheiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Reaktionen US-amerikanischer Intellektueller auf die Anschläge vom 11. September und Definition des Untersuchungsrahmens.
2. "Just war" oder "mad rush to war"?: Darstellung der verschiedenen intellektuellen Standpunkte, insbesondere durch Manifeste wie "What We're Fighting For", und deren ethische Begründungen.
3. Von Afghanistan zum Irak: Analyse des Übergangs von der militärischen Intervention in Afghanistan zur Ausweitung der US-Strategie auf den Irak unter dem Aspekt der Bush-Doktrin.
4. Zusammenfassung: Resümee über die intellektuelle Debatte, die Aufteilung in "Afghanistan-" und "Irak-Phase" sowie die kritische Bilanz der Kriegslegitimation.
Schlüsselwörter
11. September, US-Intellektuelle, Krieg gegen den Terror, Gerechter Krieg, Afghanistan, Irak, Bush-Administration, Sicherheitspolitik, Intervention, Terrorismus, Politische Debatte, Manifeste, Bush-Doktrin.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die öffentliche Reaktion und die intellektuelle Debatte in den USA als direkte Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Debatten über die Legitimität militärischer Interventionen (Theorie des "gerechten Krieges"), die Definition amerikanischer Werte und die kritische Analyse der US-Außenpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie US-amerikanische Intellektuelle die militärischen Maßnahmen der Regierung bewertet haben und inwieweit sich diese Haltungen von der Afghanistan-Mission zum Irakkrieg gewandelt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medien- und diskursanalytische Betrachtung, die auf der Auswertung offener Briefe, Manifeste, Essays und Interviews basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Positionierungen von Intellektuellen, unterteilt in die Debatten um den Afghanistan-Einsatz und die darauffolgenden, kritischeren Analysen zum Irakkrieg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind "Krieg gegen den Terror", "gerechter Krieg", "US-Intellektuelle" und die "Bush-Doktrin".
Wie unterscheidet sich die "Afghanistan-Phase" von der "Irak-Phase" in der Debatte?
In der Afghanistan-Phase überwog teilweise eine patriotische Unterstützung als Strafaktion, während die Debatte beim Irakkrieg durch die Abkehr vieler Intellektueller von der offiziellen Begründung geprägt war.
Welche Rolle spielt die Theorie des "gerechten Krieges" in diesem Dokument?
Sie dient als moralischer Rahmen, mit dem sowohl die Befürworter (z.B. durch die Berufung auf Selbstverteidigung) als auch die Kritiker (durch den Nachweis fehlender Voraussetzungen) ihre Argumente stützen.
- Quote paper
- Maik Nolte (Author), 2003, Die Reaktion US-amerikanischer Intellektueller auf die Anschläge vom 11. September 2001, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25912