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Angriffs- und Eroberungskrieg oder Präventivkrieg? Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges in der Geschichtsforschung der Bundesrepublik seit der Fischer-Kontroverse

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 21 Pages
Author: Maik Nolte
Subject: History - World War I, Weimar Republic

Details

Event: HS: Von der Weltpolitik zum Ersten Weltkrieg. Deutsche Außenpolitik im Zeitalter des Imperialismus 1896 - 1914
Institution/College: Carl von Ossietzky University of Oldenburg (Fakultät IV)
Tags: Angriffs-, Eroberungskrieg, Präventivkrieg, Ausbruch, Ersten, Weltkrieges, Geschichtsforschung, Bundesrepublik, Fischer-Kontroverse, Weltpolitik, Ersten, Weltkrieg, Deutsche, Außenpolitik, Zeitalter, Imperialismus
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 21
Grade: 2
Language: German
Archive No.: V25914
ISBN (E-book): 978-3-638-28411-0

File size: 271 KB
Notes :
Der Erste Weltkrieg wurde sowohl in der Weimarer Republik als auch in den 50er Jahren in der Regel als kaum vermeidbares Unglück angesehen, an dem alle Beteiligten mitschuldig gewesen seien. Erst in den 60er Jahren gab Fritz Fischer der Weltkriegsforschung durch seine provokanten Thesen neue Impulse, die schließlich zu einer geradezu revolutionären Umgestaltung der gesamten Geschichtswissenschaft in vor allem in den 70er Jahren führte.



Excerpt (computer-generated)

Angriffs- und Eroberungskrieg oder Präventivkrieg? Der
Ausbruch des Ersten Weltkrieges in der Geschichtsforschung
der Bundesrepublik seit der Fischer-Kontroverse

von: Maik Nolte

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

1.1. Fragestellung 3
1.2. Quellenlage und Forschungsstand 4

2. Die Fischer-Kontroverse 5

2.1. Das deutsche Geschichtsbild bis 1960 5

2.1.1. Weimarer Republik und Drittes Reich 5
2.1.2. Nachkriegszeit 6

2.2. Der "Griff nach der Weltmacht" 7

2.2.1. Fischers Thesen zum Kriegsausbruch 8
2.2.2. Die Kritiker 9
2.2.3. Die Kontroverse in den 60er Jahren 10

2.3. Die Fischer-Kontroverse in der Öffentlichkeit 12
2.4. Zusammenfassung 12

3. Die bundesdeutsche Geschichtsforschung nach Fischer 13

3.1. Geschichte und Sozialwissenschaft 15
3.2. Die "neue Generation" 16

4. Zusammenfassung: Die Kontroverse und ihre Folgen 17

Literatur 20


 

 

1. Einleitung

"In den zwanziger Jahren war fast die ganze deutsche Zeitgeschichtsschreibung damit beschäftigt, den Beweis zu versuchen, daß Deutschland am Kriegsausbruch unschuldig gewesen sei; und noch in den frühen sechziger Jahren war es eine mutige Leistung des Hamburger Historikers Fritz Fischer, diese These zu erschüttern. Heute kann man dank der ′Fischer-Kontroverse′ etwas freier über diese Dinge reden." (Sebastian Haffner)1

1.1. Fragestellung

Dieser Arbeit liegt eine Streitfrage zugrunde, die schon während des Ersten Weltkrieges aufkam und bis zum Zweiten aktuell blieb: die Frage nämlich, wer die Verantwortung für diese Katastrophe trage. Aufgrund des §231 des Versailler Vertrages, welcher dem Deutschen Reich die alleinige Verantwortung am Ausbruch des Krieges zuschob, besaß diese Frage in der deutschen Öffentlichkeit einen bedeutenden Stellenwert, der sich erst mit den durch den Zweiten Weltkrieg hervorgerufenen Probleme verminderte. In der Zeit nach 1945, als die Aufarbeitung des Hitlerregimes oberste Priorität in der Geschichtswissenschaft genoß, wurde die "Suche nach dem Schuldigen" in gegenseitigem Einvernehmen mit den ehemaligen Kriegsgegnern quasi zu den Akten gelegt. Fast ein halbes Jahrhundert nach Kriegsbeginn veröffentlichte der Hamburger Historiker Fritz Fischer in einem Aufsatz die vorläufigen Ergebnisse seiner langjährigen Studien zu den deutschen Kriegszielen im Osten2, dem er 1961 ein umfangreiches Werk zu der deutschen "Kriegszielpolitik" während des Krieges folgen ließ3. Dieses Werk schlug in der etablierten Historikerzunft ein wie eine Bombe, und die nächsten Jahre der deutschen Geschichtsforschung waren geprägt von der Auseinandersetzung zwischen den Anhängern und den Gegnern von Fischers Thesen (Kap.2).

Wenngleich in der Geschichtsforschung noch keine Einigung in der Frage der Kriegsschuld erzielt worden ist, hat die Kontroverse - obwohl dies nicht in Fischers Absicht lag - einen tiefgreifenden Strukturwandel in der Geschichtswissenschaft hervorgerufen. Die Kritik an Fischers neuer Theorie offenbarte gleichzeitig die Schwächen der überkommenen Geschichtsschreibung: die Betrachtung der Geschichte als vornehmlich politischer Geschichte, die durch die individuellen Handelsmustern der maßgeblich beteiligten Personen bestimmt wird, wich allmählich der Erkenntnis, welche Rolle soziale, ökonomische und andere Faktoren für das Verständnis von Geschichte spielen. Eine führende Rolle in dieser Entwicklung spielte etwa Hans- Ulrich Wehler4. Diese Entwicklung wird in Kap.3 näher beleuchtet. Im Schlußkapitel soll der Versuch unternommen werden, unter Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Kontoverse der Frage nachzugehen, inwieweit die Problematik der tieferen Kriegsursachen und der Rolle Deutschlands an der Kriegsauslösung in der Forschung beantwortet bzw. überhaupt beantwortbar ist.

1.2. Quellenlage und Forschungsstand

Die Kontroverse wurde zum größten Teil in den geschichtswissenschaftlichen Fachzeitschriften geführt, vor allem durch Aufsätze in der "Historischen Zeitschrift" zu Beginn der 60er Jahre. Die Argumentationen verschiedener Beteiligter der Kontroverse wurden z.T. auch in Aufsatzsammlungen zusammengefaßt5. Im Verlauf der Kontoverse wurden die bekannten Quellen zur Geschichte des Krieges größtenteils einer Neuüberprüfung unterzogen (s. Kap.2), während andere Quellen, wie etwa das von Fischer so genannte "Septemberprogramm" Bethmann-Hollwegs erst durch die Debatte einen höheren Stellenwert bekamen. Etwa 10 Jahre nach dem Erscheinen von "Griff nach der Weltmacht" konstatierten Wolfgang Schieder und John C.G. Röhl eine allgemeine Rezeption der Ergebnisse Fischers in der internationalen Forschung6. In einem Aufsatz von 1980 überprüfte Volker Berghahn diese These, stellte eine "zumindest indirekte" Präsenz von Fischers Werk fest, kommt jedoch zu dem Schluß: "Die Substanz der Argumentationsführung wird dadurch allenfalls marginal berührt. [...] Die Analyse wandert in eine rational nicht faßbare Begriffswelt ab und weicht einer Beantwortung des Verursachungs- und Verantwortungsproblems aus. So haben wir´s auch vor Fischer schon gehabt." Er ssah dabei auch für die nähere Zukunft keine große Umwälzung nahen7. Wie in Kap.4 näher beschrieben werden wird, fand diese in gewissem Maße doch statt - allerdings begleitet von einer "Historisierung der Kontroverse selbst", wie Gregor Schöllgen zum "Jubiläum" der Kontroverse 1986 schrieb und dabei einen "Rückgriff auf bewährte Deutungsmuster" wahrnahm8.

2. Die Fischer-Kontroverse

2.1. Das deutsche Geschichtsbild bis 1960

[...]


1 Sebastian Haffner, Von Bismarck zu Hitler. Ein Rückblick, München 1987, S.113.

2 Fritz Fischer, Deutsche Kriegsziele. Revolutionierung und Seperatfrieden im Osten 1914-18, in: HZ188, 1959, S.249ff.

3 ders., Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914 /18, Düsseldorf 1961.

4 Hans-Ulrich Wehler, Historische Sozialwissenschaft und Geschichtsschreibung, Göttingen 1980.

5 z.B.: Ernst Wilhelm Graf Lynar (Hrsg.), Deutsche Kriegsziele 1914 -1918, Frankfurt a.M. 1964; Wolfgang Schieder (Hrsg.), Erster Weltkrieg. Ursachen, Entstehung und Kriegsziele, Köln 1969.

6 Volker R. Berghahn, Die Fischer-Kontroverse - 15 Jahre danach, in: Geschichte und Gesellschaft, 6.Jg. 1980, S.403.

7 ebd., S.418.

8 Gregor Schöllgen, Griff nach der Weltmacht? 25 Jahre Fischer-Kontroverse, in: HJb 106 (1986), S.401.


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