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Lesson Plan, 2002, 35 Pages
Author: Rainer Leyk
Subject: Art - Pedagogy
Details
Tags: Daniel, Spoerri, Unterrichtsentwurf
Year: 2002
Pages: 35
Grade: 1,5
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-28421-9
File size: 1460 KB
Fachdidaktische Seminarsarbeit für eine Unterrichtssequenz zum Künstler Daniel Spoerri. Anregungen und Arbeitsblätter!
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Excerpt (computer-generated)
Daniel Spoerri (Fallenbild) - Unterrichtsentwurf
von: Rainer Leyk
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeine Angaben
2. Lernvoraussetzungen
3. Vorkenntnisse der Schüler zum Thema / Verfahren und Umweltbezug
4. Kunstbezug
5. Lehrplanbezug
5.1 Der Bildungs- und Erziehungsauftrag des Faches Bildende Kunst
5.2 Das Thema im Bildungsplan
6. Ziele der Unterrichtseinheit
7. Sachanalyse zum Unterrichtsverlauf
8. Sachanalyse des Bildthemas
9. Sachanalyse Fallenbild
10. Unterrichtsverlauf unter meth. und didakt. Gesichtspunkten
11. Unterrichtsskizze
12. Wahl der Sozialformen
13. Medieneinsatz
14. Realisationsmittel
15. Dokumentation eigener Studien zum Unterricht
16. Literaturverzeichnis
17. Anlagen Arbeitsblätter
1. Allgemeine Angaben
Student: Rainer Leyk Unterrichtstitel: Der abgegessene Tisch Verfahren: Montage / Assemblage Stundenkonzeption: 4-6 Wochenstunden Art der Arbeit: Fachdidaktische Seminarsarbeit
2. Lernvoraussetzungen
Lernvoraussetzungen innerhalb einer Klasse sind immer sehr spezifisch. Da es sich hierbei nur um einen Unterrichtsentwurf handelt und daher keine real exsistierende Klasse vorhanden ist, werden an dieser Stelle einige Kriterienpunkte allgemein aufgeführt. Jeder Unterricht ist auf die anthropogenen und soziokulturellen Voraussetzungen der Schüler zu bedenken.
· Sozialstruktur der Klasse
· Beherrschen von Lerntechniken
· Beherrschen bestimmter Verfahren
· Vertrautheit der Klasse mit verschiedenen Sozialformen
· Einstellungen und Interessen
· Vorkenntnisse und Vorerfahrung der Schüler
3. Vorkenntnisse der Schüler zum Thema / Verfahren und Umweltbezug.
Der Unterricht wurde für eine Klasse ab der 8 Stufe konzipiert. Daher dürfte das Prinzip der Collage bereits bekannt sein, vor allem auch, da sich auch andere Fächer dieser Darstellungsform bedienen. Der Schritt von der Collage zur Assemblage / Montage und daraufhin zum Fallenbild dürfte daher für die Schüler nachvollziehbar sein. Allerdings dürften noch mal allgemein die Begrifflichkeiten geklärt und erweitert werden. Abfallmaterialien finden sich in unserer Konsumgesellschaft überall. Sie gehören zu unserem täglichen Leben, wir begegnen ihnen überall und doch nehmen wir sie nicht mehr bewusst war. Der tägliche Umgang beschränkt sich auf den Gang zum Mülleimer. Dabei wuchs in den letzten Jahren der Pro-Kopf-Verbrauch erheblich. Der Einzelne hingegen wird durch die Verwendung von zahlreichen Recycling- und Pfandsystemen in der Sicherheit gewogen etwas für die Umwelt zu tun. Gerade mit der direkten Konfrontation mit Abfallmaterialien können die Schüler angeregt werden über das eigene Konsum- und Freizeitverhalten nachzudenken, deshalb wird durchaus ein direkter Umweltbezug hergestellt. Vorrangig erhalten die Schüler einen wichtigen exemplarischen Einblick in Konzeption, Intention und künstlerischen Prozess eines Künstlers des Nouveau Réalisme.
4. Kunstbezug
Daniel Spoerri wurde als Daniel Isaak Feinstein am 27. März 1930 in Galati in Rumänien geboren. Er zog nach Paris und traf dort die Künstler Jean Tinguely, Arman, Dufrene und Klein. Sein Interesse für die bildende Kunst wird durch die Zusammenarbeit mit Tinguely geweckt. Anschließend entwickelt Spoerri eine eigenständige Objektkunst. Mit seinen Freunden begründet Spoerri den Nouveau Réalisme in Paris und wird einer ihrer Hauptvertreter. Sie wollen sich einerseits von der in Paris dominierenden informellen Malerei absetzen und andererseits von der in Amerika aufkommenden Popart abgrenzen. Der Gedanke, die Überbleibsel einer Mahlzeit zu fixieren und als absurde Reliquie mitsamt der Tischplatte aufzuhängen, kam Daniel Spoerri erstmals 1960, diese bildeten die ersten Fallenbilder, welche bis heute sein Markenzeichen sind. Es geht um die Fixierung des Zufälligen. Da werden zum Beispiel die Reste eines Abendmahls ( leere Gläser, Teller, Weinflaschen und Speisereste ) mit Klebstoff auf einer Tischplatte befestigt. Die Platte wird um 90 Grad gekippt und fertig ist das Kunstwerk. In diesen Artefakten stellt Spoerri dem Augenblick sozusagen eine Falle. Wie in einer >>Falle<< soll ein Stück Alltagswirklichkeit eingefangen werden. Er fixiert und konserviert zufällig vorgefundene Anordnungen von Gegenständen des Alltags als Kunstwerke. Dabei steht nicht das Essen im Vordergrund, sondern die Abwesenheit von Essen. Die Reste und Spuren, denn eigentlich sind die fi xierten und an die Wand montierten Tischplatten leer. Sie markieren etwas bereits Vergangenes. Entsprechend der klassischen Vorstellung vom >>Festhalten des Augenblicks<< ist es hier der >>Augenblick danach<<, der in den Mittelpunkt des ästhetischen Geschehens rückt. Man sieht dreckige Teller, Gläser mit Getränkeresten, zerknüllte Servietten. Das Essensgelage ist vorbei, die Gäste sind gegangen. Dadurch sind diese Tisch-Bilder mindestens doppelte, wenn nicht dreifache Werke. Das (vergangene) Essen gehört dazu, genauso wie das Kochen. Der Autodidakt Spoerri entwickelte sich als Objektkünstler zum virtuosen Resteverwerter der Wegwerfgesellschaft.
Spoerris Fallenbilder gehören zu den Klassikern der Kunstgeschichte, doch seine >>Eat-art<< umfasst weit mehr. Später betrieb Spoerri in der Altstadt von Düsseldorf das Restaurant Spoerri und die Eat-Art-Gallery. Des weiteren organisierte er thematische Bankette, in welchen es Spoerri um soziale Interventionen ging. „Ich hab zum Beispiel einmal ein Gefängnis-Essen gemacht. An einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Stunde bekamen die Leute exakt das, was in einem Gefängnis dieser Stadt - also die essen um 6 Uhr und um 8 Uhr - war bei uns exakt dasselbe. Und wir haben auch getrennt - Frauen und Männer. Wir haben das Licht gedämpft. Es gab also nur oben eine 15-Watt-Birne. Und die Frauen saßen hier und die Männer da und bekamen exakt dasselbe. Und das war ein sehr ernsthafter Abend. Es entstand eine sehr ernsthafte Diskussion.“1 Blumen und Früchte, Käse und Krustentiere, Schinken, Gebäck und Wein arrangierten niederländische Maler im 17. Jahrhundert aufs Appetitlichste zu lebensechten, opulenten Stillleben. Heutzutage allerdings sichern virtuos gemalte Viktualien keinen Platz mehr in der Kunstgeschichte. Unsere an immer raffiniertere Reklame gewöhnten Augen verlangen schärfere Reize und zuweilen durchaus auch Anti-Ästhetisches.
Das Sujet des Essens oder Kochens spielt bei Spoerri eine ganz besondere Rolle: „Das ist eine reine Kulturleistung - das Kochen. Lange vor dem Kunst-Machen und Bücher-Schreiben und Gedichte-Schreiben ist zuerst das Kochen die erste Kulturleistung des Menschen überhaupt in seiner Entwicklung.“2 Aus diesem Blick ist Kulinarisches nicht so peripher oder banal wie es zunächst scheinen mag. Als Motiv und als Material wird es zum Zugangsweg zur Wirklichkeit. Spoerri sichert damit Spuren. Selbst an unscheinbaren Gebrauchsgegenständen hängt Geschichte. Bei Spuren handelt es sich um unscheinbare Gegenstände des Alltags, die in ihrer Zusammenstellung ein Bild vom Leben ergeben. Wichtigstes künstlerisches Ausdrucksmittel sind die Aufbereitung und Präsentation des gesammelten Materials. Ziel ist die Schärfung der Sinne für die Zusammenhänge von Leben, Zusammenleben und Zeit.
5. Lehrplanbezug
5.1 Der Bildungs- und Erziehungsauftrag des Faches Bildende Kunst.
[...]
1 Kaindlstorfer, Günter : Kochen als Kunstform, Daniel-Spoerri-Retrospektive in Wien, http://www.dradio.de/cgi-bin/es/neufazit/ 1544.html.
2 Kaindlstorfer, Günter : Kochen als Kunstform, Daniel-Spoerri-Retrospektive in Wien, http://www.dradio.de/cgi-bin/es/neufazit/ 1544.html.
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