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Außergewöhnliche Geschichten? Edgar Allan Poe in der Verfilmung von Louis Malle, Roger Vadim und Federico Fellini

Hauptseminararbeit, 2002, 18 Seiten
Autor: Tobias Schneider
Fach: Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 18
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V25943
ISBN (E-Book): 978-3-638-28432-5
ISBN (Buch): 978-3-638-78915-8
Dateigröße: 225 KB

Zusammenfassung / Abstract

Der amerikanische Autor Edgar Allan Poe (1809–1849) gilt auch heute noch als Meister der unheimlichen Kurzgeschichte. Seine Erzählungen stellen das Abgründige der menschlichen Seele dar. Sie vermitteln eine düstere Atmosphäre, die Protagonisten sind psychologisch komplexe Charaktere, die dem Bösen verfallen sind und oftmals daran zu Grunde gehen. Bekannte Beispiele sind: „Das verräterische Herz“, „Das ovale Portrait“ und „Die Morde in der Rue Morgue“. Viele seiner Werke sind verfilmt worden. So auch die Erzählung „William Wilson“ aus dem Jahr 1839, die auf dem literarischen Doppelgänger-Motiv basiert, mit dem die Diskrepanz zwischen Taten und Gewissen des Protagonisten deutlich gemacht wird. Die einzige Filmadaption, die sich vollständig auf Poes Vorlage bezieht, ist 1967 von dem französischen Regisseur Louis Malle (1932-1995) auf Zelluloid gebannt worden. Sie ist Teil des französisch-italienischen Episodenfilms „Histoires Extraordinaires“ („Außergewöhnliche Geschichten“), der noch aus zwei weiteren Poe-Bearbeitungen besteht: „Metzengerstein“ von Roger Vadim und „Toby Dammit“ von Federico Fellini. Im Zentrum der Arbeit steht die Film-Version von „William Wilson“. Es geht darum, wie Louis Malle die Motive des Originals umsetzt und auf welche Art er das Werk Poes interpretiert. Zudem wird abschließend eine Einordnung des Beitrages in sein Gesamtwerk vorgenommen. Zuerst werden aber die wichtigsten Aspekte der anderen beiden Verfilmungen skizziert und deren Herangehensweise an die komplexen Stoffe beleuchtet.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Paderborn
Hauptseminar : Louis Malle
5. Semester

Außergewöhnliche Geschichten?
Edgar Allan Poe in der Verfilmung von Louis Malle, Roger Vadim und Federico Fellini

von: Tobias Schneider

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung  2

Vadim und Fellini  3

Malle: William Wilson  6

Schluss  15

Literaturangaben  17






Einleitung

Seine Geschichten sind phantastisch wie Träume - Träume voller bizarrer Gestalten und mysteriöser Situationen. Der amerikanische Autor Edgar Allan Poe (1809-1840) gilt auch noch heute als der Meister der unheimlichen Kurzgeschichten, die das Abgründige der menschlichen Seele darstellen. Die Erzählungen vermitteln eine düstere Atmosphäre, die Protagonisten sind psychologisch komplexe Charaktere, die dem Bösen verfallen sind und oftmals daran zu Grunde gehen. Seine berühmtesten Erzählungen sind unter anderem Die Maske des Roten Todes, Das ovale Portrait und Die Morde in der Rue Morgue.
Fast alle seiner Werke haben ihren Ausdruck in zahlreichen Musikbearbeitungen oder Filmen gefunden. Eins davon, mit dem ich mich in meinen Ausführungen hauptsächlich beschäftigen möchte, ist William Wilson. Obwohl das dieser Geschichte zu Grunde liegende Motiv des Doppelgängers oft in Filmen verwendet wurde, ist die einzige Version, die sich vollständig auf Poes Vorlage bezieht, erst 1967 von dem französischen Regisseur Louis Malle (1935 - 1992 ) auf Zelluloid gebannt worden. Sie ist Teil des Episodenfilms Histoires Extraordinaires (Außergewöhnliche Geschichten), der aus weiteren zwei Poe - Bearbeitungen besteht: Metzengerstein von Roger Vadim und Toby Dammit von Federico Fellini.
In meiner Arbeit möchte ich mich hauptsächlich damit befassen, wie Louis Malle die Motive des Originals umsetzt und auf welche Art er das Werk Poes interpretiert und abschließend eine Einordnung seines Beitrages in sein Gesamtwerk vornehmen. Zuerst möchte ich aber die wichtigsten Aspekte der anderen beiden Verfilmungen herausstellen, um deren Herangehensweisen an den komplexen Stoff zu beleuchten. Da sich zu den Außergewöhnlichen Geschichten kaum Sekundärliteratur finden lässt, stützen sich meine Ausführungen fast ausschließlich auf meine eigenen Überlegungen und Gedanken.

Vadim und Fellini

Poes Metzengerstein reflektiert das Thema Seelenwanderung. Der Erzähler berichtet von den lange zurückreichenden Streitigkeiten zwischen den ungarischen Adelsgeschlechtern Metzengerstein und Berlifitzingen. Nachdem das alte Oberhaupt der letztgenannten Familie nach einem rätselhaften Brand im Pferdestall umgekommen ist, wird der junge Herr Friedrich Metzengerstein von einem rätselhaften schwarzen Hengst, der Wiedergeburt seines Feindes, in Bann gezogen und ins Verderben geritten.
Vadim orientiert sich recht deutlich an Poe und übernimmt auch dessen Erzählperspektive, indem er einen Sprecher aus dem Off einsetzt. Allerdings nimmt er eine bedeutende Umbesetzung vor und lässt seine damalige Ehefrau Jane Fonda die Hauptfigur spielen und aus Friedrich wird Gräfin Friedrique. Der Beginn des Filmes entwirft ein üppiges Sittengemälde einer mittelalterlichen Gesellschaft um die Burgherrin, die grausam, sadistisch und selbstgerecht über ihre Mitmenschen befiehlt und die sich gerne erotischen Ausschweifungen hingibt. Vom Erzähler aus dem Off wird sie als „weiblicher Caligula“ tituliert und der Regisseur zieht alle Register, um dem Zuschauer die Facetten ihres abgründigen Charakters darzustellen: Sie macht sich ihre Bediensteten sexuell gefügig (Männer und Frauen), beim Anblick zweier Gehängter zuckt sie nicht mal mit der Wimper, sie macht sich über ihre Verwandtschaft lustig etc... Da sie reiche Erbin und mächtige Herrin über viele Schlösser im Land ist, wagt keiner ihrer Diktatur zu wiedersprechen.
Bis zu diesem Punkt des Filmes ist die Sache noch recht interessant, spätestens als sich die Handlung zu entwickeln beginnt, lässt die Qualität stark nach. Die Herrin fühlt sich zu ihrem Pferde liebenden Cousin (Peter Fonda) hingezogen, als der sie aber abweist, zündet sie aus verletzter Eitelkeit seine Ställe an, in denen er dann leider auch verbrennt. Von nun an ändert sich das Verhalten der sinnlichen Gräfin und sie wird melancholisch und verdrossen.

[...]


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