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Der Einsatz des Computers beim Schriftspracherwerb - Eine fachdidaktische Bestandsaufnahme

Examination Thesis, 2003, 107 Pages
Author: Beate Womelsdorf
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2003
Pages: 107
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V26047
ISBN (E-book): 978-3-638-28503-2
ISBN (Book): 978-3-638-72765-5
File size: 1023 KB

Abstract

Nach jahrelangen Diskussionen zum Thema "Grundschule und Computer" hat der PC inzwischen in vielen deutschen Grundschulen Einzug gehalten und die Anzahl der nunmehr auch auf Praxisebene erfolgenden Forschungsprojekte sowie immer komplexer werdender Lernsoftware steigt stetig. Diese Arbeit widmet sich insbesondere einem dieser Projekte ("ComputerLernWerkstatt" nach KOCHAN und SCHRÖTER), die solch einen Wandel überhaupt erst möglich gemacht haben, indem sie Unterrichtsforschung u. a. vorbereiteten. Dadurch soll geklärt werden, ob bzw. inwiefern der Computer und eine speziell für die Phase des Schriftspracherwerbs konzipierte Lernsoftware ("LolliPop Multimedia" Deutsch, Klasse 1) zum besseren Erlernen des Lesens und Schreibens führen können. Aus diesem Grund wird der Computer nicht als Gegenstand, sondern als Mittel bzw. Werkzeug des Unterrichts in Betracht genommen. Da sich eine empirische Untersuchung thematisch auf den kompletten Prozess des Schriftspracherwerbs beziehen müsste, um annähernd etwas über diesbezügliche Vor- oder Nachteile des Computers und der Lernsoftware aussagen zu können, basieren die Ausführungen nicht auf einer Erhebung, sondern auf fachwissenschaftlicher Literatur.


Excerpt (computer-generated)

Universität Siegen

Der Einsatz des Computers
beim Schriftspracherwerb -
Eine fachdidaktische
Bestandsaufnahme

Schriftliche Hausarbeit
im Rahmen der Ersten Staatsprüfung
für das Lehramt Primarstufe,
dem staatlichen Prüfungsamt für Erste Staatsprüfungen für Lehrämter an Schulen
in Dortmund vorgelegt von:

Beate Womeldorf

03.11.2003

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ... 5

2 Schriftspracherwerb ... 8
2.1 Theoretische Grundlagen zum Schriftspracherwerb ... 8
2.2 Drei Stufenmodelle zum Schriftspracherwerb ... 12
2.2.1 VALTINS Entwicklungsmodell der Rechtschreibung ... 12
2.2.2 BRÜGELMANN - Stufen des Schriftspracherwerbs und Ansätze zu seiner Förderung ... 16
2.2.3 REICHEN - Der Prozess des Schreibenlernens in Phasen ... 19
2.3 Vergleich der Modelle ... 21
2.4 Der Spracherfahrungsansatz ... 22
2.5 Ein didaktisches Konzept: entfaltender Unterricht ... 26
2.6 Schriftspracherwerb im Spiegel des Lehrplans ... 33

3 Computer und Schriftspracherwerb ... 37
3.1 Ein Projekt mit zukunftsweisenden Ergebnissen ... 37
3.2 Der Computer als Möglichkeit im Konzept entfaltenden Unterrichts ... 38
3.2.1 Zur Tastatur ... 38
3.2.2 Zum Drucker ... 42
3.2.3 Zur Löschfunktion in Verbindung mit dem Monitor ... 43
3.2.4 Zur Internetanbindung ... 45

4 Lernsoftware ... 46
4.1 Besondere Qualitäten von Lernsoftware ... 48
4.2 LolliPop Multimedia – Lernsoftware mit hohem didaktischen Anspruch ... 47
4.3 LolliPop Multimedia Deutsch Klasse 1 ... 49
4.3.1 Lesen und Schreiben lernen mit LolliPop Multimedia Deutsch Klasse 1 ... 51
4.3.1.1 Lesen von Anfang an ... 52
4.3.1.2 Schreiben von Anfang an ... 54
4.3.2 Die LolliPop-Lernzettel ... 63
4.3.2.1 Lernbegleitung durch zwei Konzepte der Lernzettel ... 65
4.3.2.2 Die Aufgaben der Lernzettel ... 67
4.3.3 Lesen und Schreiben zusammen mit anderen: Das Internet-Haus ... 93
4.3.4 Die Schulversion von LolliPop Multimedia ... 95
4.4 SCHRÖTERS Qualitätsmerkmale multimedialer Software für den Schriftspracherwerb ... 96
4.5 KOCHANS und SCHRÖTERS Studie zu LolliPop Multimedia ... 97
4.6 Eigene Kritik an LolliPop Multimedia ... 100

5 Fazit ... 101

6 Literaturverzeichnis ... 103

 

1 Einleitung
Mit der Verbreitung des Computers zu Beginn der 80er Jahre begann weltweit eine z. T. heftig geführte Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern der neuen Technik. Schnell griff diese auch auf den Bildungsbereich über. In Deutschland wird das Thema „Computer und Grundschule“ in der breiten Öffentlichkeit erst seit einiger Zeit diskutiert. Davor galt der Computer für den Grundschulbereich faktisch als verboten. Mitte der 80er Jahre hatten deutsche Politiker die Entscheidung getroffen, wonach der informationstechnische Unterricht vorerst nicht in der Grundschule Einzug halten sollte.1 In dem „Gesamtkonzept für die informationstechnische Bildung“ der Bund- Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (künftig: BLK) aus dem Jahre 1985 bzw. 1987 heißt es: In den meisten Ländern der Bundesrepublik Deutschland ist bisher [Text 1985: „ist bereits“] eine Festlegung dahingehend getroffen, daß die Grundschule zumindest vorerst von einer systematischen Einführung in die informationstechnische Bildung ausgenommen werden soll. Dafür spricht, daß Schülern der Grundschule in erster Linie die traditionellen Kulturtechniken vermittelt werden müssen, deren Beherrschung für das tägliche Leben weiterhin erforderlich bleibt; auch für den Umgang mit dem Computer sind diese Kulturtechniken eine grundlegende Voraussetzung.“2

Neu gegenüber der zwei Jahre früheren Fassung ist jedoch der Zusatz:


Inwieweit Computer diese Lernprozesse unterstützen können, wird derzeit in einigen Ansätzen erprobt.3

Durch die überarbeitete Version hat die BLK ihre ursprüngliche Aussage, dass Lesen und Schreiben „eine grundlegende Voraussetzung“ für den Umgang mit dem Computer sind, als falsch deklariert. Die Neufassung zeigt die Einsichtigkeit der BLK, wodurch didaktische Computernutzung zur Förderung des Schreiben- und Lesenlernens positiv in Betracht gezogen wurde, wenn auch noch unter dem Vorbehalt von Erprobungs- bzw. Forschungsbedarf.4

Trotz dieses Wandels sind Forschungsprojekte, die unter Bezugnahme auf Praxiserfahrungen beantragt wurden, von Seiten der Schulbehörden seither überwiegend abgelehnt worden.5 Denn auch so war der Computer für die Hand des Kindes in vielen Kreisen umstritten. Die Diskussion war (und ist teilweise auch heute noch) vielfach emotionsbeladen. Sie reicht von unkritischer Euphorie bis hin zur vehementen Ablehnung. Letztere beruht zumeist auf Ängsten.

„So wird u. a. befürchtet, daß der Computer:

  • die Kinder sozial isoliert und die Entwicklung ihrer kommunikativen Fähigkeiten behindert;
  • die ‚Welt des Kindes’ vertechnisiert;
  • Realitätsverlust mit sich bringt;
  • gesundheitliche Probleme, wie Haltungs- und Augenschäden provoziert bzw. verstärkt;
  • der Spielsucht bei Kindern Vorschub leistet;
  • den Beruf des Lehrers überflüssig macht und
  • die Ausprägung der Handschrift verhindere.“6

Diese Situation hat sich inzwischen geändert.7 Durch einige empirische Studien, die anlässlich der zumeist abgewiesenen Unterrichtsforschung unter anderen Bedingungen durchgeführt werden mussten, neigte sich bereits 1997 die Waage in der Diskussion zur Seite der Computerbefürworter. Viele der anfänglichen Ängste haben sich als reine Spekulation erwiesen. Dies gilt in besonderem Maße für das fiktive Bild übernächtigter „Computer-Kids“, die nach stundelanger, nahezu süchtiger Computernutzung in die Schule kommen und deren Denken nur noch auf den Computer ausgerichtet ist. Die Studien, die solchen Computer-Kids – von denen die hypothetischen Debatten der 80er Jahre erfüllt waren – nachspürten, suchten erfolglos.8

Inzwischen hat der Computer in vielen deutschen Grundschulen Einzug gehalten und die Anzahl der nunmehr auch auf Praxisebene erfolgenden Forschungsprojekte zum Thema „Grundschule und Computer“, sowie immer komplexer werdender Lernsoftware steigt stetig.

Im Rahmen dieser Arbeit werde ich mich insbesondere einem dieser Projekte widmen, die solch einen Wandel überhaupt erst möglich gemacht haben, indem sie Unterrichtsforschung u. a. vorbereiteten. Dadurch soll geklärt werden, ob bzw. inwiefern der Computer und eine speziell für die Phase des Schriftspracherwerbs konzipierte Lernsoftware, zum besseren Erlernen des Lesens und Schreibens führen können. Aus diesem Grund wird der Computer nicht als Gegenstand, sondern als Mittel bzw. Werkzeug des Unterrichts in Betracht genommen.

Da sich eine empirische Untersuchung thematisch auf den kompletten Prozess des Schriftspracherwerbs beziehen müsste, um annähernd etwas über diesbezügliche Vor- oder Nachteile des Computers und der Lernsoftware aussagen zu können, basieren meine Ausführungen nicht auf einer Erhebung, sondern auf fachwissenschaftlicher Literatur. Aufgrund des Themas, wird der Schwerpunkt dieser Arbeit auf dem Anfangsunterricht liegen.

Zugunsten einer besseren Lesbarkeit, verzichte ich an einigen Stellen auf eine umständliche maskuline und feminine Personenbeschreibung. Im Hinblick auf das Mehrheitsverhältnis in der Primarstufe wird nur von Lehrerinnen die Rede sein. Ähnliches gilt für die Schüler und Schülerinnen, allerdings wird hier - zugunsten eines Ausgleichs - die männliche Form vorgezogen.

2 Schriftspracherwerb
2.1 Theoretische Grundlagen zum Schriftspracherwerb

Bevor gezeigt werden kann, inwiefern der Computer als Werkzeug beim Lesen- und Schreibenlernen sinnvoll einzusetzen ist, muss zunächst der Lerngegenstand als solcher ins Zentrum der Betrachtung gerückt werden.

[...]


1 Vgl. SCHRÖTER, 1999, 65. (Die genaueren Angaben finden sich im Literaturverzeichnis. Dieses Verfahren gilt für die gesamte Arbeit).

2 BLK, 1987, 12.

3 BLK, 1987, 12.

4 Vgl. KOCHAN, 1996, 134.

5 Vgl. KOCHAN, 1996, 134.

6 SCHRÖTER, 1999, 65.

7 Wie u.a. auch zahlreiche Titel, der für diese Arbeit herangezogenen Literatur zeigen. Vgl. Literaturverzeichnis.

8 Vgl. MITZLAFF, 1996, 23.


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