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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 41 Pages
Author: Katharina Stolte
Subject: Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Details
Institution/College: University of Bayreuth (Kulturwissenschaften)
Tags: Sollen, Ethisch-kritische, Anmerkungen, Vitro, Fertilisation, Präimplantationsdiagnostik, Ausgewählte, Probleme, Bioethik
Year: 2002
Pages: 41
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-28543-8
File size: 287 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Bayreuth
Seminar: Ausgewählte Probleme der Bioethik
5. Fachsemester
Sollen wir wollen was wir können? Ethisch-kritische
Anmerkungen zur In Vitro Fertilisation sowie zur
Präimplantationsdiagnostik
von: Katharina Stolte
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 2
2. TECHNIK UND VERFAHREN 4
2.1 In- vitro- Fertilisation 4
2.2 Präimplantationsdiagnostik 5
3. VOM KÖNNEN UND WOLLEN 7
3.1 In- Vitro- Fertilisation einmal näher betrachtet 7
3.1.1 Gibt es ein Recht auf Kinder? 9
3.1.2 Ist Kinderlosigkeit eine Krankheit? 9
3.1.3 Reproduktionsmedizin und ärztliche Ethik 11
3.1.4 Folgen für die Partnerschaft und die Kinder 15
3.1.5 Kosten und Kostenträger 18
3.2 Fazit 19
3.3. Präimplantationsdiagnostik einmal näher betrachtet 21
3.3.1 Dichtung und Wahrheit: was kann die PID? 22
3.3.2 Gibt es ein Recht auf ein gesundes Kind? 24
3.3.3 Zur Notwendigkeit der Präimplantationsdiagnostik 25
3.3.4 Die Frage nach der Verantwortung 28
Verantwortungsrhetorik 29
3.3.5 Ist die Menschwürde - Diskussion relevant? 31
3.4 Fazit 34
4. SCHLUSS 36
5. LITERATURVERZEICHNIS 38
1. EINLEITUNG
Die Meldung war eher klein, lediglich am Rande der Zeitungsseite untergebracht: ein britisches, weißes Ehepaar hatte nach erfolgreicher künstlicher Befruchtung schwarze Zwillinge bekommen. Keine Laune der Natur, keine Mulatten im Stammbaum sondern ein fataler Fehler im Labor war hier passier t. Gleichzeitig nämlich hatte sich ein schwarzes Ehepaar künstlich befruchten lassen – ohne Erfolg allerdings. Dachten sie. Denn was das weiße Ehepaar nun hat, sind genaugenommen die Kinder des schwarzen Ehepaars, zumindest genetisch gesehen. Die befruchteten Eizellen waren im Labor vertauscht und der falschen Mutter eingepflanzt worden. Das schwarze Ehepaar möchte jetzt seine Kinder haben, die das weiße Ehepaar jedoch nicht hergeben will, da sie sich als die Eltern der Zwillinge betrachten. Dieser Fall wird die englische Justiz – in dem Bemühen, hier ein salomonisches Urteil zu finden – voraus sichtlich einige Jahre beschäftigen. Was solange aus den Kindern werden soll, ist unklar. Sie werden höchstwahrscheinlich bei ihren weißen Eltern bleiben. Ob man sie dort in ein paar Jahren jedoch wegholen und dem anderen Elternpaar geben kann, ist moralisch mehr als fragwürdig. Neben all den Heilungsversprechen, die uns aufgrund der immer neuen Möglichkeiten in der Fortpflanzungsmedizin gemacht werden, ist dies eines der Probleme, die uns eben diese Möglichkeiten bescheren werden. Wir Menschen wagen uns hier in ein vollkommen neues, moralisch schwer faßbares Gebiet vor. Das muß per se nichts Schlimmes sein. In unserer Geschichte gab es immer wieder Neues, das uns bedrohlich erschien, wie beispielsweise die Dampfmaschine, die ersten Eisenbahnen, Dynamit usw., woran wir uns aber letzten Endes immer gewöhnt haben und das meiste davon auch nicht mehr missen möchten. Die Möglichkeiten, die sich durch die Gentechnik jedoch eröffnen, könnten durch das extrakorporale Vorhandensein von Embryonen und damit der Verfügbarkeit menschlichen Lebens unser Verständnis von Menschsein, Elternschaf t und Gesellschaft im allgemeinen in einem Ausmaß verändern, das wir bisher gar nicht abschätzen können. Durch In- Vitro- Fertilisation, Präimplantationsdiagnostik, verbrauchende Embryonenforschung und Stammzellenzucht wird auch der Mensch verstärkt Teil eines verbrauchs - und leistungsorientierten Denkens das in dieser Form nicht wünschenswert sein kann.
Am 23. Januar 2003 hat sich der Nationale Ethikrat zur Frage der Präimplantationsdiagnostik geäußert. Trotz heftiger Kritik der Gegner befürwortet er mit einer geringen Mehrheit eine begrenzte Zulassung des Diagnoseverfahrens. Die grundsätzliche Frage, der in dieser Arbeit nachgegangen wird, ist, ob wir tatsächlich unser Verständnis von Menschlichkeit, Ethik und Moral der normativen Kraft des Faktischen, der immer wieder betonten internationalen Wettbewerbsfähigkeit und der im Zuge der bedrohlichen Arbeitslosigkeit gerne thematisier ten Standortdebatte unterordnen wollen und ob dies sinnvoll wäre. Exemplarisch für die ethisch- moralischen Schwierigkeiten, die sich durch den rasanten Fortschritt in Medizin und Gentechnik vor uns auftun, werden in dieser Arbeit die In- Vitro- Fertilisation und die Präimplantationsdiagnostik behandelt. Obgleich das weite Feld der verbrauchenden Embryonenforschung sowie der Stammzellenzucht eng mit der Präimplantationsdiagnostik verbunden ist, kann hier aus Platzgrün den nicht darauf eingegangen werden.
2. TECHNIK UND VERFAHREN
Im Nachfolgenden werden die Begriffe „In- Vitro- Fertilisation“ und „Präimplantationsdiagnostik“ kurz erklärt, um die Grundlage der Arbeit zu definieren. Für tiefgreifendere Erläuterungen der wissenschaftlichen Fakten ist hier nicht der Raum, weshalb auf die weiterführen de Literatur in den Fußnoten bzw. im Literaturverzeichnis verwiesen werden muß.
2.1 In- vitro- Fertilisation1
Die In- Vitro- Fertilisation (IVF) ist eine in Deutschland seit den späten 70er Jahren angewendete Methode der künstlichen Befruchtung und damit die Grundlage der Präimplantationsdiagnostik (PID), sowie der verbrauchenden Embryonenforschung. Am 25.07.1978 wurde das erste IVF-Kind, Louise Brown geboren. Seitdem sind schätzungsweise über 500.000 Kinder auf diese Art und Weise gezeugt worden. 2 Für die IVF wird die Frau im Vorfeld einer starken Hormonbehandlung unterzogen, die die Produktion der Eierstöcke so anregt, daß mehr als nur ein befruchtungsfähiges Ei entsteht. In manchen Fällen kann der Arzt bis zu 20 Eizellen „ernten“. Diese Eizellen werden operativ unter Kurznarkose aus den Eierstöcken abgesaugt, indem eine Hohlnadel mit Schlauchsystem per Punktion durch die Bauchdecke oder die Scheidenwand eingeführt wird. Sie werden im Labor auf ihre Qualität hin überprüf t. 3 Danach werden sie mit den zuvor nach Möglichkeit per Masturbation abgenommenen und aufbereiteten Spermien des Mannes „in vitro“, d.h. in der Petrischale befruchtet. Dazu wurden bisher die Ei- und Samenzelle in einer Nährlösung 18 bis 20 Stunden in einem Brutschrank gelagert, wo der Vorgang der Befruchtung seinen „natürlichen“ Lauf nahm. In letzter Zeit wird jedoch verstärkt mit Hilfe von ICSI (Intracytoplasmatische - Spermainjektion) befruchtet. Hierbei werden die zuvor dem Mann per Hodenpunktion oder Masturbation entnommen en Spermien eingefangen und auf eine Hohlnadel aufgezogen, um dann vom Arzt direkt in die festgehaltene Eizelle eingespritzt zu werden. Gleichgültig wie die Befruchtung geschah, finden dann in der Petrischale – in einer speziellen Nährlösung – die ersten Zellteilungen bis hin zum Mehrzeller nach ca. 60 Stunden statt. Diese Embryonen werden der Frau wiederum operativ mit einer Kanüle in die Gebärmutter eingepflanzt. In der Regel sind es drei Embryonen, um die Chancen eines positiven Schwangerschaftbefundes zu vergrößern. Danach bleibt abzuwarten, ob sich einer oder mehrere der übertragenen Embryonen einnistet und sich eine Schwangerschaft etabliert. Wenn nicht, wird der gesamte Vorgang, von der extremen Hormonstimulation, über die Eierernte bis hin zum Embryotransfer, wiederholt. Dieses Prozedere kann sich über Jahre hinziehen. In Deutschland zahlen die Kassen bis zu vier Behandlungszyklen. Danach müssen Paare, die die IVF-Behandlung weiterhin fortsetzen möchten, die Kosten selbst aufbringen. 4
2.2 Präimplantationsdiagnostik5
[...]
1 vgl. Freudenberg u.a. 1990, S. 131 ff ausführlicher, aber für Laien bei de Jong, Th. 2002, S. 40ff einen wissenschaf tlich - exakten Überblick gibt Kollek, R. 2002, S. 27 ff
2 vgl. Internet: www.gyn.de , 2001 (Download am 23.01.2003)
3 vgl. Internet: www.ivfzent rum.de , 2001 (Download am 23.01.2003)
4 vgl. Internet: www.ivf - programm.de , 2000 (Download am 23.01.2003)
5 vgl. Kollek, R. 2002, S. 27 ff und im Internet: www.rzbd.haw- hamburg.de sowie ZEIT Dukument. 2002, S. 107
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