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Examination Thesis, 2003, 77 Pages
Author: Mareike Rescher
Subject: Pedagogy - Miscellaneous Topics
Details
Tags: Sexueller, Missbrauch, Mädchen, Grundlegende, Psychodynamik, Familie
Year: 2003
Pages: 77
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-28557-5
File size: 451 KB
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Excerpt (computer-generated)
Humboldt-Universität Berlin
Institut für Rehabilitationswissenschaften
Wissenschaftliche Hausarbeit
zum
Ersten Staatsexamen für das Lehramt an Sonderschulen
Sexueller Missbrauch von
türkischen Mädchen.
Grundlegende Überlegungen
zur Psychodynamik in der Familie
vorgelegt von
Mareike Rescher
Berlin, 2. 8. 2003
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
2. Was ist sexueller Missbrauch? – Problematik eines Begriffes ... 3
3. Dunkelziffern und Schätzungen – Epidemiologie ... 6
4. Die Rechte des Kindes – Juristische Aspekte sexueller Gewalt in Deutschland ... 8
5. Die Rechte des Kindes II – Sexualität, Ehe und Gesetz im islamischen Kulturkreis ... 11
6. Tradition oder Anpassung? - Türkische Familien zwischen den Kulturen ... 14
7. Das Recht des Stärkeren – Zur Ätiologie des sexuellen Missbrauchs ... 17
7.1 Der individuumzentrierte Ansatz ... 17
7.2 Der interaktionszentrierte Ansatz ... 18
7.3 Der feministische Ansatz ... 19
7.4 Finkelhors „Modell der vier Voraussetzungen“ ... 21
8. „Eine Persönlichkeit voller Schamgefühle“ – Wer sind die Täter? ... 23
8.1 Persönlichkeit des Täters ... 23
8.2 Der Grooming Prozess nach Bullens ... 24
8.3 Der Kreislauf der Tat nach Wolf ... 26
8.4 Das Verantwortungs – Abwehr – System nach Deegener ... 27
9. Zwischen Liebe und Angst – Die Folgen des Missbrauchs für das Opfer ... 30
9.1 Eigenschaften der Opfer ... 30
9.2 Traumatisierungsfaktoren ... 32
9.3 Initialfolgen ... 35
9.4 Langfristige Folgen ... 36
10. Psychodynamik des sexuellen Missbrauchs in der Familie ... 39
10.1 Gibt es Risikofamilien? ... 39
10.2 Abwehrmechanismen und Reaktionen der Mütter ... 41
10.3 Reaktionen des Opfers ... 43
11. Sexueller Missbrauch in türkischen Familien ... 45
11.1 Zur Situation von Migrantenfamilien in Deutschland ... 45
11.2 Familienstrukturen ... 47
11.3 Abwehrmechanismen der Angehörigen bei sexuellem Missbrauch ... 55
11.4 Türkische Mädchen in Mädchenhäusern ... 57
12. Fazit ... 61
13. Anhang ... 63
14. Literatur ... 65
1. Einleitung
Kaum ein Verbrechen stößt in der Gesellschaft auf soviel Ratlosigkeit, Unverständnis und Abscheu wie der sexuelle Missbrauch eines Kindes. Sowohl Ärzte als auch Lehrer und Mitarbeiter der Jugendhilfe wissen oft nicht, wie sie mit missbrauchten Kindern umgehen sollen, da sie solche Fälle bisher lediglich aus skandalträchtigen Berichten der Massenmedien kannten. Auch die Angehörigen des Opfers sind mit der Situation meist überfordert, vor allem, wenn der Täter selbst aus dem familiären Umkreis stammt.
In den letzten Jahren wurden verstärkt Anstrengungen unternommen, das Thema „Sexueller Missbrauch in der Familie“ durch empirische Studien und wissenschaftliche Bearbeitung von den vielen Mythen, die es umgeben, zu befreien. Ein sachlicher Umgang und die systematische Erforschung sollen die Verunsicherung der professionellen Helfer mindern, um so die Entwicklung adäquater Hilfsangebote für alle Betroffenen zu ermöglichen.
Über den Umgang mit missbrauchten Kindern aus türkischen Familien gibt es leider außer einigen Erfahrungsberichten von Mitarbeiterinnen aus Hilfseinrichtungen noch keine wissenschaftliche Literatur. Diese Erfahrungsberichte sind zwar sehr informativ und praxisnah, lassen jedoch häufig eine objektive Sicht auf die islamische Kultur vermissen. Stattdessen werden als herausragende Merkmale dieser Kultur die Unterdrückung der Frau, rückständige Erziehungsmethoden und ein für uns unverständliches Konzept von „Ehre“ angesehen.
Aufgrund ihrer verschiedenen Sozialisation haben sexuell missbrauchte Mädchen aus türkischen Familien jedoch in vielen Punkten andere Hilfsbedürfnisse als deutsche Mädchen. Um auf diese Bedürfnisse angemessen reagieren zu können, ist es notwendig, die Situation nicht nur aus deutscher Sicht zu beurteilen, sondern sowohl der Migrationshintergrund als auch die Herkunft des Mädchens aus einer moslemischen Kultur müssen berücksichtigt werden.
Ziel dieser Arbeit ist eine sachliche Auseinandersetzung sowohl mit der Problematik des innerfamiliären sexuellen Missbrauchs als auch mit dem kulturellen Hintergrund türkischer Migrantenfamilien. Auf der Grundlage dieser Betrachtungen werden die besonderen Schwierigkeiten, die bei sexuell missbrauchten Mädchen türkischer Herkunft auftreten, dargestellt, um dann Schlüsse für die praktische Arbeit zu ziehen.
Da die Bedeutungen der verschiedenen Begriffe zum sexuellen Missbrauch stark voneinander abweichen, erfolgt zuerst ein Vergleich der verschiedenen Definitionen, aus denen die der Arbeit zugrunde liegende Definition hervorgehoben wird. Anschließend werden einige Studien zum Ausmaß des sexuellen Missbrauchs dargestellt, das aufgrund der hohen Dunkelziffer nur sehr schwer zu bestimmen ist.
Bezüglich der rechtlichen Situation sexueller Gewalt wird sowohl das deutsche als auch das islamische Gesetz untersucht, da türkische Migrantenfamilien in und mit beiden Kulturen leben. Im Falle des sexuellen Missbrauchs spielen beide Kulturen eine Rolle, auch wenn ein deutsches Gericht das tatsächliche Strafmaß festlegt. Diese Hin- und Hergerissenheit zwischen den Kulturen in allen Lebensbereichen, die besonders junge Migranten betrifft, wird im Anschluss beschrieben.
Nachdem dann die wichtigsten Ansätze zur Entstehung sexuellen Missbrauchs dargestellt werden, erfolgt eine Darstellung der verschiedenen Persönlichkeitsmerkmale des Opfers und des Täters. Außerdem werden die unterschiedlichen Erlebens - und Umgangsweisen beider Seiten vor und nach der Tat und die spezielle Psychodynamik der Familien, in denen sexueller Missbrauch auftritt, veranschaulicht.
Der letzte Teil der Arbeit verknüpft die theoretischen Grundlagen zum sexuellen Missbrauch mit den Überlegungen zur Situation türkischer Migrantenfamilien.
Im Fazit werden Schlüsse für die praktische Arbeit mit sexuell missbrauchten Mädchen türkischer Herkunft und den Umgang mit ihren Angehörigen gezogen.
2. Was ist sexueller Missbrauch? – Problematik eines Begriffes
Zur Problematik des sexuellen Missbrauchs existieren in der Literatur und in der Forschung viele verschiedene Begrifflichkeiten und Definitionen, die nach Bange und Deegener (1996, S.95) sehr unterschiedliche Auswirkungen auf die Forschungsergebnisse haben können. Einige dieser Begriffe sollen hier kurz dargestellt und diskutiert werden.
Der im Deutschen wohl gebräuchlichste Begriff ist der des „sexuellen Missbrauchs“, dessen größter Vorteil darin liegt, dass dem Täter die alleinige Verantwortung zugewiesen und so das Opfer entlastet wird. Andererseits könnte der Begriff „Missbrauch“ den Eindruck erwecken, es gebe auch einen gerechtfertigten „Gebrauch“ eines Kindes. In der Fachliteratur hat sich diese Bezeichnung jedoch durchgesetzt und sie wird auch in dieser Arbeit verwandt werden.
„Inzest“ bezeichnet den nicht legitimen sexuellen Kontakt zwischen Blutsverwandten. Da jedoch sexueller Missbrauch nicht nur zwischen leiblichen Eltern und Kindern geschieht, sondern im Gegenteil häufiger von anderen den Kindern nahestehenden Personen verübt wird, trifft dieser Begriff das Thema dieser Arbeit nicht genau. Außerdem verstehen einige von Amann und Wipplinger (1997, S. 17) aufgeführte Autoren unter Inzest nur den vollzogenen Geschlechtsverkehr, während die Bezeichnung „sexueller Missbrauch“ auch andere Handlungen umfasst.
Brockhaus und Kolshorn (1993, S. 30) verwenden den Begriff „sexuelle Gewalt“ als Bezeichnung für sexualisierte Gewalt gegen Frauen, Mädchen und Jungen. Um die gesellschaftliche Dimension und die „Faktoren struktureller Gewalt“ deutlich zu machen, umfasst der Begriff auch das Nachpfeifen oder anzügliche Blicke. Synonym verwenden Brockhaus und Kolshorn den Ausdruck „sexuelle Ausbeutung“, um den Machtaspekt zu betonen.
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