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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 39 Pages
Author: Petra Leitmeir
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Deutsche und niederländische Philologie)
Tags: Amma, Darko, Interkulturelle, Literatur, Deutschland, Interkulturalität, Neigung, Vermischung, Entgegensetzungen
Year: 2004
Pages: 39
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-28572-8
ISBN (Book): 978-3-638-69200-7
File size: 295 KB
Diese Arbeit widmet sich einer afrikanischen Autorin, die in den 80er Jahren mehrere Jahre in Deutschland gelebt hat und in der deutschen Literatur der Migration bisher wenig beachtet worden ist. Ausgehend von dieser Problematik der Verortung zwischen den Kulturen und innerhalb eines literarischen Kanons jedweder Art, untersucht die Arbeit anhand der Texte "Der verkaufte Traum" und "Spinnweben" die spezifische, von Darko dargestellte, interkulturelle Erfahrung und deckt deren Probleme auf.
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Abstract
Diese Arbeit widmet sich einer afrikanischen Autorin, die in den 80er Jahren mehrere Jahre in Deutschland gelebt hat und in der deutschen Literatur der Migration bisher wenig beachtet worden ist. Ausgehend von dieser Problematik der Verortung zwischen den Kulturen und innerhalb eines literarischen Kanons jedweder Art, untersucht die Arbeit anhand der Texte "Der verkaufte Traum" und "Spinnweben" die spezifische, von Darko dargestellte, interkulturelle Erfahrung und deckt deren Probleme auf.
Excerpt (computer-generated)
Amma Darko - Interkulturelle Literatur in Deutschland ?
von Petra Leitmeir
Inhaltsverzeichnis
Einführung 2
I) Biographischer und theoretischer Rahmen 3
1.) Zur komplizierten Verortung der Schriftstellerin Amma Darko 3
2.) Der theoretische Rahmen der Untersuchung: Postkoloniale Theorie 5
a) Das Modell kultureller Hybridität 5
b) Homi Bhabhas Idee eines „third space“ 7
c) Feministische Positionen 8
II) Textanalytischer Teil : „Der verkaufte Traum“ und „Spinnweben“ 10
1.) „Der verkaufte Traum“ 11
a) Inhaltsangabe 11
b) Analyse und Reflexion 12
b1) Kulturverständnis 12
b2) Identitätsmodelle, Rollenzuweisungen und Handlungsmöglichkeiten der Protagonistinnen in „Der verkaufte Traum“ 17
2.) „Spinnweben“ 20
a) Inhaltsangabe 20
b) Analyse und Reflexion 21
b1) Kulturverständnis 21
b2) Identitätsmodelle, Rollenzuweisungen und Handlungsmöglichkeiten der Protagonistinnen in „Spinnweben“ 25
3.) Zur Erzählhaltung bei Darko 33
Conclusion 34
Einführung
Warum eine Seminararbeit über Amma Darko im Bereich der interkulturellen Literatur in Deutschland? Amma Darko fällt, in der neueren deutschen Literaturwissenschaft wie auch in der Komparatistik englischsprachiger post-kolonialer Literaturen, quasi „durch die Raster“ und verdient eben deshalb genauere Betrachtung. Denn ihre Situation steht symptomatisch für viele Autoren und gerade Autorinnen aus der sogenannten „Dritten Welt“, die sich den Schwierigkeiten einer eindeutigen Verortung innerhalb verschiedener Kulturen auf mehreren Ebenen ausgesetzt sehen, ohne letztlich irgendwo „beheimatet“ zu sein: Elisabeth Bronfen bemerkt, dass sich eben diese post-koloniale Identitätskrise von Ver- und Entortung eine für die multikulturelle Literatur Charakteristische ist: „a major feature of postcolonial literatures is the concern with place and displacement. It is here that the special post-colonial crisis of identity comes into being“.1 Diese Problematik der Ver- und Entortung betrifft damit auch die Person und Autorin Amma Darko, nicht zuletzt auch in Bezug auf den „literarischen Kanon”. Ihre Texte selbst werfen darüber hinaus die Frage nach der Verortung im Schnittpunkt von postkolonialer und weiblicher Identität auf. Sie führt uns in ihren Texten auf die Ebene der Lebensrealität afrikanischer Migrant/innen unterschiedlicher Bildungs- und Herkunftsniveaus in Deutschland. Da die behandelten Texte stark autobiographisch gefärbt sind, müssen sie entgegen der sonstigen Abneigung der Literaturwissenschaft gegen biographische Rekurse, ausnahmsweise sogar in den biographischen Kontext der Autorin gestellt werden. Daher möchte ich anfangs kurz die Situation der Autorin Amma Darko umreißen, um später die Problematik kultureller Verortung genauer anhand von Analysen zweier ihrer Texte, die beide sowohl in Afrika als auch in Deutschland spielen, genauer zu untersuchen. Als theoretischer Rahmen bietet sich die momentan in den interkulturellen Literaturwissenschaften sehr in Mode geratene „post-colonial theory“ an, die von Edward Saids Überlegungen zum Orientalismus und Homi Bhabhas Begriff der Hybridität aus seinem Buch „The location of culture“ geprägt und von feministischen Theoretikerinnen weitergedacht wurde. Dieser theoretische Rahmen soll in einem separaten Kapitel vor der Analyse der Texte umrissen werden. Meine Analysen selbst beginne ich zum besseren Verständnis mit einer kurzen Inhaltsangabe der Bücher. Es stellt sich mir die Frage, inwieweit die postkoloniale Theorie anhand der Analyse der in beiden Texten dargestellten Migrantinnenrealität sich für interkulturelle Identitätsentwürfe als brauchbar erweist. Gibt es in den Texten so etwas, wie einen von Bhabha postulierten „third space“2, einen „dritten Raum“, aus dem ein sich immer wieder neu konstituierendes hybrides „Ich“ sprechen kann? Welche Rolle spielt dabei die Weiblichkeit der Protagonistinnen? Amma Darkos Protagonistinnen sind sehr unterschiedlicher Herkunft, eine entstammt der ghanaischen Mittelschicht und hat Universitätsabschluss, die andere ist ein ungebildetes Dorfmädchen, das nicht lesen und schreiben kann. Trotz aller Unterschiede kollidiert die Suche nach Identitätskonzepten beider Figuren im Schnittpunkt zwischen Migrationserfahrung und der Erfahrung weiblichen Seins. Daher verdient genauere Betrachtung, inwiefern sich diese spezifisch weibliche Migrationserfahrung auf die Möglichkeiten hybrider Identitätskonstruktion auswirkt. Ein Fazit fasst die Ergebnisse meiner Untersuchung zusammen und positioniert Darko im weiteren Kontext der afrikanischen und afrikanisch-feministischen Migrationsliteratur.
I) Biographischer und theoretischer Rahmen
1.) Zur komplizierten Verortung der Schriftstellerin
Amma Darko Janós Riesz unterteilt im Handbuch „Interkulturelle Literatur in Deutschland“, herausgegeben von Carmine Chiellino, die schwarzafrikanische Literatur Deutschlands in vier Gruppen und zeigt damit die Heterogenität dieser „Gruppe“: Dies sind 1. afrikanische Autor/innen aus den ehemals deutschen Kolonien, 2. die Gruppe der in Deutschland geborenen Afrodeutschen, 3. afrikanische Autor/innen, die schon vor ihrer Ankunft in Deutschland ein substantielles literarisches Werk aufweisen können, das sie während eines dauerhaften oder zeitlich begrenzten Aufenthaltes (...) um aktuelle, auf Deutschland bezogene Komponenten erweitern und 4. Afrikaner/innen, die erst während ihres Aufenthaltes in Deutschland zu schreiben anfangen, um sich mit den in Deutschland gemachten Erfahrungen auseinander zu setzen.3 Tatsächlich ist auffällig, dass die Mehrzahl der von Riesz vorgestellten Autoren Deutschland inzwischen wieder verlassen hat, was natürlich Fragen nach dem „warum ?“ aufwirft, die diese Arbeit sicherlich anhand des Beispiels Amma Darko ein Stück mehr erhellen wird. Amma Darko bekommt innerhalb der 4. Gruppe von Autoren von Riesz einen „besonderen Platz (Hervorheb. der Verfasserin) in der Reihe der afrikanisch-deutschen Autor/innen“4 zugewiesen. Bereits in der ersten Zeile des Abschnittes über sie, findet sich schon ein versteckter Hinweis auf die zentrale Frage der Verortung, die hier positiv, im Sinne einer sogar herausragenden Zugehörigkeit zum „Kanon“ der „deutsch-afrikanischen Migrationsliteratur“, beantwortet wird. Riesz geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er betont: „In Deutschland gehört sie inzwischen zu den meistgelesenen (Hervorheb. der Ver.) afrikanischen Autor/innen“.5 Amma Darko verbrachte in den 80er Jahren 6 Jahre ihres Lebens in Deutschland und versuchte vergeblich, Asyl zu erhalten. Die Erfahrungen, die sie während dieser Zeit in der „Fremde“ machte, brachten sie zum Schreiben. Mittlerweile ist die studierte, ehemalige Finanzinspektorin wieder nach Afrika zurückgekehrt und eine der wenigen hauptberuflichen Schriftstellerinnen. Sie konnte mittlerweile im Rahmen eines Stipendiums sowie im Rahmen von Lesereisen erneut den deutschsprachigen Raum besuchen, diesmal allerdings unter anderen Vorraussetzungen. Nur die beiden untersuchten Texte spielen teilweise in Deutschland, jedoch sind alle bisher veröffentlichten Romane durch die Erfahrung einer „been to“6 geprägt. Der Großteil ihrer Leserschaft befindet sich in Deutschland, was mit Sicherheit aber auch auf ihre Publikationsgeschichte zurückzuführen ist. In einer der wenigen Arbeiten zu Amma Darko, die bisher unveröffentlicht geblieben ist, untersucht die Amerikanerin Louise Zak ihre Publikationsgeschichte. Obwohl Darko natürlich nicht nur die internationale, sondern eben auch die afrikanische Leserschaft erreichen will, um sie vor zu großem Illusionismus bezüglich des Lebens in Europa zu warnen, und sogar 1999 den Ghana Book Award erhielt, wird sie in Afrika mangels Verlagskapazitäten und Lesehaltung der Afrikaner kaum gelesen: „Difficulties in getting published – lack of publishers, inadequate financial backing, lack of marketing, lack of means for distribution of books throughout the region“.7 Zak sieht in einem der hier behandelten und in Deutschland entstandenen Texte: „Der verkaufte Traum“, englisch „Beyond the horizon“ gar ein „deutsches“ Buch: „So in a sense, this work began its life and continues to exist as a ‚german’ book. It was not published in English until 1995”.8 Das zweite Buch, das diese Arbeit behandelt, heisst „Spinnweben”, englisch “webs” und wurde 1996, bislang nur in Deutschland, publiziert. Tatsächlich erschienen die meisten Werke Amma Darkos in Übersetzung im Stuttgarter Schmetterling Verlag, der sie seit 1990 verlegt und viel Öffentlichkeitsarbeit für sie betreibt (Lesungen, Teilnahme an Literaturfestivals etc.).9
[...]
1 Ashcroft, Griffiths und Tiffin, zitiert bei Bronfen 1995, S.9 2
2 Bhabha 1994, S.37
3 Riesz 2000, S.248
4 Riesz 2000, S.257 3
5 Riesz 2000, S.257
6 ‚been to’ ist der im englischsprachigen Afrika gebräuchliche Begriff für eine/n aus Europa zurückgekehrten Landsmann oder –frau.
7 Zak 2001, S.12
8 Zak 2001, S.87
9 http://www.amma-darko.de
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