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Essay, 2002, 6 Seiten
Autoren: Oliver Uschmann, Clemens Flach
Fach: Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Details
Tags: Religion, Scheins, Versuch, Mulholland, Drive
Jahr: 2002
Seiten: 6
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 5 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-28586-5
Dateigröße: 160 KB
Systemtheorie, Metaphysik, die kafkaeske Technik der "Sinnstimulation bei gleichzeitiger Sinnverweigerung", die Mehrdeutigkeit des "Schein"-Begriffes und die moderne psychologische Theorie der Transaktionsanalyse sind die Beobachtungsstandpunkte dieser dicht geschriebenen und ambitionierten essayistischen Betrachtung zu David Lynch's anregendem Film "Mulholland Drive". Kein wissenschaftlicher Aufsatz, aber ein Anstoß zu vielen, die daraus entstehen könnten...
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Zusammenfassung / Abstract
An einem warmen Sommertag gingen die beiden Studenten Oliver Uschmann und Clemens Flach ins Kino. Den Kopf voll mit Theorien von Luhmann, Nietzsche, Foucault und Berne sowie ausgestattet mit einer Vorliebe für Existentielles und Absurdes sahen sie "Mulholland Drive" von David Lynch. Danach sahen sie ohne Drogeneinfluss Farben und Formen des Universitätsviertels klarer und zugleich unwirklicher als je zuvor. Sie fuhren in das Zimmer im 11. Stock und diskutierten bis 3 Uhr nachts. Sie konnten nicht anders. Daraufhin schrieb Oliver Uschmann diese Interpretation des Films, die in ihrer Sprunghaftigkeit und Folgerichtigkeit denselben Rausch darstellt wie ihr Objekt. Lynch kann man nur so erklären, im erregten Fluss der Ideen. Möge der Text eine Anregung dazu sein...
Textauszug (computergeneriert)
Die Religion des Scheins - Versuch über "Mulholland Drive"
von: Oliver Uschmann
Er hat alles verloren.
Seine Frau, seinen Film, sein Vermögen.
So vollkommen aus der Bahn des geordneten Erfolges geworfen, geht der junge Hollywood-Regisseur dem merkwürdigen Treffen nach, das für ihn auf einem Hügel weit abseits der Stadt arrangiert worden ist. Dort eröffnet eine Glühlampe - stilsicher unter dem Rinderschädeleingang einer Farm montiert - langsam flackernd anspringend den Auftritt des „Cowboys“, einer der Schlüsselfiguren im Zeichenkosmos von „Mulholland Drive“.
„Sag: ‚Die ist die Richtige!‘“, lautet seine Offenbarung, nachdem er den Regisseur mit sokratischer Spitzfindigkeit in seine Logik gelockt hat und dieser bereit ist, die merkwürdige Losung anzunehmen, die ihn auf die Straße des Glücks zurückführen soll. „Die ist die Richtige!“, heißt es dann auch wenig später beim Casting der potentiellen Protagonistinnen seines neuesten Films und wir werden sehen, dass dieses Losungswort, dieser „Schlüssel“, ihn zu Ruhm und Glück an den sauberen, nächtlichen, sektumsprudelten Pools verglaster Häuser in den Hollywood Hills zurückführen wird.
Der Cowboy nötigt den Regisseur zu einer Entscheidung für eine Seite der Differenz. Die Frau, die er aussuchen soll, verkörpert den „Typus Hollywood“, den „schönen Schein“, sie macht das Schauspiel als „Form“ vor dem „Hintergrund“ ihres eigenen Dilettantismus sichtbar. Als sie vorsingt (sinnigerweise ist schon der Film, indem sie spielen soll, ein 50er-Jahre-Retro-Stück, ein Abbild des glamourösen Hollywood schlechthin), sieht man ihr das Spiel an, verschmilzt sie nicht mit dem Dargestellten zu einer illusorischen Einheit, sondern bleibt ganz Maske, ganz Schein. „Camilla Rhodes“ heißt sie und schon früher wurde sie dem Regisseur angeboten, bei einer merkwürdigen Besprechung, als Foto nur, als reiner Signifikant, während zwei Mafiosi ihm und seinem Agenten gegenübersaßen und immer wieder das Losungswort des Cowboys vorwegnahmen: „Die ist die Richtige!“
Weil er auf diese Propheten nicht hören wollte, weil er sie sogar ihre Windschutzscheibe mit seinem Golfschläger zertrümmernd lästerte, fällt er in Ungnade und verliert wie aus heiterem Himmel seine fremdgehende Frau, seinen Film und sein Vermögen. „Sie“ werden es ihm genommen haben und „sie“ wissen, wo er ist, finden ihn selbst in dem versteckten Hotel, wo er sich verkrochen hat und navigieren ihn zum Berg der Ranch, wo er die magischen Worte aus dem Munde des göttlichen Cowboys erfährt. Gott nötigt ihn - als der Urheber aller Differenz - dazu, eine Unterscheidung zu machen und so, wie „am Anfang das Wort“ Gott von der Welt und dann Himmel und Erde, Land und Wasser, Mann und Frau usw... differenzierte, so bringt der Gehorsam des Regisseurs ihm die Welt des Reichtums zurück, die Welt des schönen Scheins, den amerikanischen Traum. Er dreht seinen Film, hält Parties am Pool und lebt Hollywood. Und der Cowboy - jene göttliche Erscheinung der „Frontier“ und Gründer der amerikanischen Religion - huscht dort im Hintergrund auch noch mal vorbei.
Wo jedoch Gott, da ist der Teufel nicht fern, er, „der in bezug auf Gott ‚eine Beobachtungsposition, einen Reflexionswert etablieren wollte‘, was in Relation zur göttlichen Positivität nur negativ möglich war: ‚als Prinzip des Bösen (...) Wie anders hätte man Licht in die Welt bringen können.“ (Werber 1993, S.18) Dieser Teufel sitzt hinter dem Café Winkie’s und eine frühe Szene stellt ihn uns zunächst mittels der Erzählung einer Figur vor, die ebenso eine Schlüsselposition einzunehmen scheint. Es ist ein junger Mann (dessen ängstliche Ähnlichkeit mit Kafka nun wirklich
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