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Fremdheitserfahrungen in der interkulturellen Literatur in Deutschland

Intermediate Examination Paper, 2004, 26 Pages
Author: Yvonne Plonka
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Interkulturelle Literatur
Institution/College: University of Duisburg-Essen
Tags: Fremdheitserfahrungen, Literatur, Deutschland, Interkulturelle, Literatur
Category: Intermediate Examination Paper
Year: 2004
Pages: 26
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V26166
ISBN (E-book): 978-3-638-28587-2

File size: 285 KB


Excerpt (computer-generated)

Fremdheitserfahrungen in der interkulturellen
Literatur in Deutschland

von: Yvonne Plonka

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Die interkulturelle Literatur in Deutschland  4

3. Zum Begriff des Fremden 8

4. Sevgi Emine Özdamar: „Die Brücke vom goldenen Horn“  9

4.1. Kurzüberblick  9
4.2. Fremdheit und Verfremdungen auf der Metaebene  11
4.3. Fremdheitserfahrungen 12

5. Sten Nadolny: „Selim oder die Gabe der Rede“  18

5.1. Kurzüberblick  18
5.2. Fremdheit auf der Metaebene  19
5.3. Fremdheitserfahrung und Fremdheitsverarbeitung im Text  20

6. Schlussbemerkung  23

7. Literaturverzeichnis  26


 

 

1. Einleitung

Die vorliegende Zwischenprüfungsarbeit beschäftigt sich mit der Reflexion von Fremdheitserfahrungen innerhalb der interkulturellen Literatur in Deutschland. Um dieser Thematik gerecht zu werden, sieht es die Verfasserin als notwendig an, zuerst allgemein auf Entwicklung und Stand der interkulturellen Literatur einzugehen. Hierbei stehen folgende Fragestellungen im Mittelpunkt:

- Wie lässt sich der Begriff der interkulturellen Literatur definieren?
- Welche Voraussetzungen muss ein Text erfüllen, damit man ihn der interkulturellen Literatur zuordnen kann?
- Welche spezifischen Eigenarten und Aspekte sind für diese Gattung konstituierend?

Nach dieser sehr allgemein gehaltenen Einführung in die Problematik der interkulturellen Literatur soll ein hieraus resultierender Teilaspekt erklärt und erläutert werden: Die interkulturelle Literatur stellt nicht zuletzt eine dichterische Reflexion der Einwanderung dar. Die Begegnungen und/oder Konfrontationen unterschiedlicher Lebensweisen, Kulturen und Auffassungen haben sich in literarischen Modellen niedergeschlagen. 1 Ein signifikanter Aspekt, der hieraus resultiert, ist der Begriff des „Fremden“. Dabei sollen nicht nur Theoriemodelle der Literaturwissenschaft, sondern auch die der Linguistik berücksichtigt werden, um zu klären, was die Begriffe der „Fremdheit“ und des „Fremden“ beinhalten und umfassen können. Die linguistische Begriffsvariante ist dann auf den Bereich der interkulturellen Literatur übertragbar und kann somit verifiziert werden. Der Be griff des „Fremden“ ist eng mit dem Begriff des „Eigenen“ verbunden, denn nur wenn etwas „fremd“ erscheint, wird das „Eigene“ bewusst.2 Dieser Aspekt ist genau zu definieren und die beiden Begriffe sind voneinander abzugrenzen. In einem weiteren Schritt sollen die hier herausgearbeiteten definitorischen Ansätze an ausgewählten Textbeispielen übergeprüft werden. Hierzu sollen zwei Romane in Bezug auf Fremdheitserfahrungen in der interkulturellen Literatur unter- sucht werden: Einerseits „Die Brücke vom goldenen Horn“ von Emine Sevgi Özdamar und andererseits „Selim oder die Gabe der Rede“ von Sten Nadolny. Es handelt sich hierbei um zwei völlig unterschiedliche Romane, die jedoch beide der interkulturellen Literatur zuzuordnen sind und nach Meinung der Verfasserin bezüglich des Aspektes der Beschäftigung mit Fremdheitserfahrung sehr ergiebig sein können. Bei der Analyse sollen nicht nur die impliziten Fremdheitserfahrungen untersucht werden. Vielmehr soll zudem analysiert werden, wie das „Fremde“ beschrieben und erzähltechnisch dargestellt wird. Weiter sollen Textpassagen, die den aus Fremdheitserfahrungen resultierenden Kulturschock thematisieren, untersucht werden. Hier soll gezeigt werden, wie die Figuren auf die Erfahrungen des „Fremden“ reagieren und vor allem, wie diese Erfahrungen verarbeitet werden. Aufgrund dieser Textanalysen lassen sich sehr gut Rückschlüsse auf die jeweiligen Gesellschaftsbilder der Autoren Özdamar und Nadolny ziehen. In der Schlussbemerkung soll zusammenfassend dargestellt werden, wie die beiden Romane in die interkulturelle Literatur einzuordnen sind und welche gattungstypischen Aspekte sie erfüllen. Vor allem aber soll der durch die Analyse der beiden Texte herausgearbeitete Aspekt der Fremdheitserfahrung abschließend vergleichend diskutiert werden. Zur Analyse der beiden Romane ist es natürlich notwendig, Texte aus der Sekundärliteratur heranzuziehen. Besonders hilfreich bei der Einführung in die Thematik der interkulturellen Literatur in Deutschland sind der Aufsatz von Sargut Sölcun, sowie die Aufsätze von Carmine Chiellino und Aglaia Blioimi. Zur Definition des Begriffs des Fremdverstehens wird unter anderem der Aussatz von Fred Lönker herangezogen. Daneben findet natürlich der Aufsatz von Sten Nadolny über seinen Roman „Selim oder die Gabe der Rede“ besondere Berücksichtigung.

2. Die interkulturelle Literatur in Deutschland

Literatur reflektiert die politischen und sozialen Verhältnisse ihrer Zeit.3 Dies gilt natürlich auch für die die vorliegende Thematik betreffenden, demographischen Veränderungen seit dem Ende des 2. Weltkrieges in Deutschland. Nach dem 2. Weltkrieg setzte eine Wanderungsbewegung ein, die man zu den großen Wanderungsbewegungen innerhalb der deutschen Geschichte rechnen kann. Von 1955- 1973 siedelten nach Deutschland viele so genannte „Gastarbeiter“ über, die die deutsche Wirtschaft wieder mit aufbauen sollten. Der Aufenthalt dieser ausländischen Arbeitskräften war nur für eine kurze Periode geplant. Kamen die ersten dieser ausländischen Arbeitskräfte aus Italien, Spanien und Portugal, so stiegen seit dem Ende der sechziger Jahre die Anteile türkischer und jugoslawischer Arbeits- Migranten erheblich an. Der Großteil dieser ausländischen Arbeitskräfte verrichtete ungelernte oder angelernte Tätigkeiten in den Zentralbereichen der industriellen Produktion. 4 Aufgrund dieser Migration begegneten sich unterschiedliche Lebensweisen und Kulturen, deren Konflikte und Ineinandergreifen die Literatur reflektiert.

[...]


1 Vgl. Sölcün, Sargut: Literatur der türkischen Minderheit, in: Chiellino, Carmine (Hrsg.): Interkulturelle Literatur in Deutschland, Ein Handbuch, Stuttgart 2000, S. 135-153, hier S. 135.

2 Vgl. Lönker, Fred: Aspekte des Fremdverstehens in der literarischen Übersetzung, in: Lönker, Fred (Hrsg.): Die literarische Übersetzung als Medium der Fremderfahrung, Berlin 1992, S. 41-63, hier S. 43 ff.

3 Vgl. Sölcün, Sargut: Literatur der türkischen Minderheit, in: Chiellino, Carmine (Hrsg.): Interkulturelle Literatur in Deutschland, Ein Handbuch, Stuttgart 2000, S. 135-153, hier S. 135.

4 Vgl. Bade, Klaus J. 1993:Deutsche im Ausland, Fremde in Deutschland, S. 393ff.


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