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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 25 Pages
Author: Markus Schubert
Subject: Sociology - Political Sociology, Majorities, Minorities
Details
Institution/College: Carl von Ossietzky University of Oldenburg (Institut für Politikwissenschaft)
Tags: Goldhagen, Presse, Nationalsozialismus, Streitpunkt
Year: 2004
Pages: 25
Grade: gut (2)
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-28608-4
File size: 220 KB
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Excerpt (computer-generated)
Goldhagen in der Presse
von: Markus Schubert
8. Semester
Inhaltsverzeichnis
Einführung S. 3-4
1. Die Thesen Goldhagens
1.1. Eine neue Sichtweise des Antisemitismus S. 5
1.2. Die Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland S. 5-6
1.3. Die Polizeibataillone S. 7
1.4. Die Arbeitslager S. 7-8
1.5. Die Todesmärsche S. 8
1.6. Die Motivation der Täter S. 8-9
2. Daniel Goldhagens Methode S. 9
2.1. Der anthropologische Ansatz S. 9-10
3. Die Goldhagen-Debatte in der Presse S. 10-11
3.1. Die Initiierung in der Presse S. 11-13
3.2. Die Ablehnung Goldhagens in der „FAZ“ S. 13-17
3.3. Die Debatte in der Süddeutschen Zeitung S. 17-19
3.4. Die Debatte in der Neuen Zürcher Zeitung S. 19-20
3.5. Die „Presse“ aus Wien zur Goldhagen-Debatte S. 20-21
4. Fazit und abschließende Bemerkungen S. 21-23
5. Quellen- und Literaturverzeichnis S. 24-25
Einführung
Das Buch „Hitlers willige Vollstrecker - Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust“ von Daniel Jonah Goldhagen führte besonders in Deutschland zu heftigen Kontroversen. Bereits vor seinem Erscheinen in deutscher Sprache löste die Dissertation Goldhagens, die im Frühjahr 1996 in New York herausgeben wurde, eine erregte Debatte aus. In Deutschland entsprach diese Debatte wie keine Geschichtsdebatte zuvor den Mediengesetzen. Die Debatte war geprägt von Frontstellungen, überspitzten Formulierungen und Emotionen. Dabei kam es in bisher nicht gekannter Form zu einem Werben der Geschichtswissenschaft in den Medien um Öffentlichkeit, die Medien ihrerseits befriedigten ihr Skandalbedürfnis.1 Initiiert hat die Mediendiskussion Volker Ulrich in der „Zeit“ vom 12.4. 1996 mit dem Titel: Die Deutschen - Hitlers willige Mordgesellen. Ein Buch provoziert einen neuen Historikerstreit: Waren die Deutschen alle schuldig? Mit Goldhagens Buch sah Ulrich den Auftakt für einen zweiten, einen noch schärferen Historikerstreit. Daniel J. Goldhagen „Hitlers willing Exekutioners“ sei einer der Provokationen, die mitten in große Debatten führen. Trotz aller Einwände, so Ulrich, handle es sich um ein diskussionswürdiges Buch. 2 Chronologisch fand die Goldhagen-Debatte in zwei Phasen statt: Die erste dauerte, initiiert von Volker Ulrichs Publikation, vom 12. 4.1996 bis Juni 1996. Die zweite Phase wurde ausgelöst durch das Erscheinen der deutschen Ausgabe und der anschließenden „Deutschland – Tournee“ Goldhagens und ging von August/September bis Oktober 1996.3 In der ersten Phase war es aufgrund der Initiative der ZEIT möglich geworden, dass acht Historiker ihre Meinung über Goldhagen Ausdruck geben konnten. Dann hatte Goldhagen in der Serie der ZEIT Gelegenheit bekommen, seinen Kritikern zu antworten. Die Debatte endete schließlich mit der Antwort Mommsens auf die Ausführungen Goldhagens.4 Daneben wurde die Debatte in der ersten Phase auch von Journalisten geführt. Jost Nolte in der „Welt“ führte aus, Goldhagen habe die Deutschen wieder in die Verderbnis ewiger Schuld zurückgestoßen. 5 Aber auch in der zweiten Welle der Debatte bestimmten Fachwissenschaftler die Diskussion. Bereits in den ersten Stellungnahmen wurden die gegensätzlichen Positionen deutlich. Die Reaktionen auf das Buch und die „Zeit-Initiative“ waren zunächst, d. h. bis Mitte April1996, eindeutig negativ. Exemplarisch für diese Reaktion sei der Artikel von Frank Schirrmacher in der FAZ genannt. Schirrmacher ordnete Goldhagens Werk in das Arsenal der Belehrungs- Selbstbezichtigungsliteratur der frühen fünfziger Jahre“6 ein. Goldhagens Buch wurde Mitte/Ende April vollends zu einem Top-Thema der Medien. Mit Erich Böhmes „Talk im Turm“ (Sat1) am 28.4. 1996 übertrug sich die Debatte auch auf das Medium Fernsehen. 7 Bei den untersuchten Zeitungsquellen zur Goldhagen-Debatte gilt es folgende Kriterien zu berücksichtigen: Bei den Medien muss zunächst deren Funktion dargelegt werden. Welche Absicht verfolgt der Autor mit diesem Artikel? Dabei muss festgestellt werden, dass im allgemeinen Fakten nie wertfrei, sondern stets in einem bestimmten Kontext dargestellt werden. Die Autoren selber sind Träger eines bestimmten Geschichtsbewusstseins und einer ideologischen Prägung, der so genannten „Tendenz“. 8 Anhand dieser erwähnten Kriterien einer Quelle muss untersucht werden, was in den Presseartikeln an Goldhagen sowohl inhaltlich als auch methodisch kritisiert wurde. Wird in den jeweiligen Artikeln die politische Grundeinstellung des Autors beziehungsweise der Zeitung deutlich erkennbar? Wirkt sich diese Grundeinstellung auf die Bewertung Goldhagens aus? Ausgelöst wurde die Kritik an Goldhagen in der Forschung vor allem durch die These Goldhagens, die bisherige Holocaust-Forschung habe den Charakter des Judenmordes nicht verstanden. 9 Sein Pauschalurteil über die Deutschen wirkte verletzend. Die Kernthese Goldhagens lautete nämlich, der „eliminatorische Antisemitismus“ sei im Laufe des 19. Jahrhunderts zum „nationalen Projekt“ der Deutschen geworden. 10 Zahlreiche Journalisten und Forscher kritisierten diese provokanten Urteile Goldhagens. Die Frontlinien in der Öffentlichkeit und Forschung waren schnell aufgebaut. Der Gegensatz zwischen den so genannten „Vergangenheitsbewältigern“ und der „kühlen Wissenschaft“ war klar ersichtlich. Teile der Wissenschaft gerieten dabei in den Ruch, einen „Schlussstrich“ unter die nationalsozialistische Vergangenheit der Deutschen zu ziehen. In den folgenden zwei Kapiteln wird die Arbeit Goldhagens vorgestellt. Dabei werden seine Thesen erörtert und es wird versucht seine methodischen Ansätze zu beschreiben.
1. Die Thesen Goldhagens
1. Eine neue Sichtweise des Antisemitismus
In Teil I im ersten Kapitel seines Buches beschreibt er die Formen und den Wandel des Antisemitismus in Europa. Der Antisemitismus, den es zu allen Zeiten gegeben habe, sei zunächst vor allem religiös motiviert gewesen. Der christlich begründete Judenhass speiste sich aus zwei Hauptargumenten. Zum einen zogen die Juden den Hass der Christen auf sich, weil sie Christus als Messias ablehnten. Zum anderen galten die Juden für die Christen als das Volk der Jesusmörder. Einer der Hauptthesen Goldhagens lautet, dass sich dieser christlich motivierte Judenhass in Form des Antisemitismus in Europa gehalten habe.11 Im neunzehnten Jahrhundert ließe sich überall in Europa feststellen, dass der mittelalterlich religiös bestimmte Antisemitismus sich zu einem neuen säkularen rassischen Antisemitismus umformte.12
1.2. Die Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland vor und während des Nationalsozialismus
[...]
1 Vgl.: Michael Schneider: Die „Goldhagen- Debatte“: ein Historikerstreit in der Mediengesellschaft (Electronic ed.), 1997, S.2.
2 Vgl.: Volker Ulrich: Hitlers willige Mordgesellen, erschienen in die „ZEIT“ vom 12.4.1996, S.1.
3 Vgl.: Michael Schneider: ebd., S.3.
4 Vgl.: Marion Gräfin Dönhoff: Warum Daniel J. Goldhagens Buch in die Irre führt, erschienen in die „ZEIT“ Ausgabe: 37/96.
5 Vgl.: Jost Nolte: Sisyphos ist Deutscher; erschienen in die „Welt“ vom 16. 04.1996.
6 Vgl.: Frank Schirrmacher: Hitlers Code. Holocaust aus faustischem Streben? Daniel J. Goldhagens Remythisierung der Deutschen, erschienen in der FAZ vom 15.4. 1996.
7 Vgl.: Frank Schirrmacher: Starke Thesen viel zu leicht. Daniel J. Goldhagens Buch im Gespräch, erschienen in der FAZ vom 30.4. 1996.
8 Vgl.: Hans-Werner Götz: Proseminar Mittelalter, S. 86.
9 Vgl.: Daniel J. Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker, Einleitung S. 6. und S.15- 54.
10 Vgl.: Daniel J. Goldhagen: ebd., S. 59.
11 Vgl.: Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker, S. 62.
12 Vgl.: ebd., S. 63.
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