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William Faulkners "A Rose for Emily" - Interpretation der narrativen Instanz

Termpaper, 2004, 19 Pages
Author: Sascha Lübbe
Subject: American Studies - Literature

Details

Event: Einführung in die Literaturwissenschaft
Institution/College: Free University of Berlin (Nordamerikastudien / JFKI)
Tags: William, Faulkners, Rose, Emily, Interpretation, Instanz, Einführung, Literaturwissenschaft
Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 19
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V26232
ISBN (E-book): 978-3-638-28637-4

File size: 203 KB
Notes :
untersucht die Erzählperspektive in Faulkners "A Rose for Emily"



Excerpt (computer-generated)

William Faulkners "A Rose for Emily" –
Interpretation der narrativen Instanz

von: Sascha Lübbe

 


INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung Seite 3

2. Hauptteil Seite 4

3. Fazit Seite16

4. Literaturverzeichnis Seite17


 

Für Hans H. Skei ist sie die bekannteste von William Faulkners Kurzgeschichten1 – „A Rose for Emily“ war die erste seiner Geschichten, die in einem nationalen Magazin publiziert wurde und die erste die sogar ins Französische übersetzt wurde. Zudem war es aber auch die erste Geschichte, in der Faulkner über seine unmittelbare Umgebung schrieb. Faulkner, aufgewachsen in der Stadt Oxford, Mississippi, benannte seine Heimat in Jefferson um und plazierte fast alle seiner Romane und Kurzgeschichten hier mit seinen Nachbarn, in abgeänderter Form, als Protagonisten.

“A Rose for Emily” stammt aus seiner wohl produktivsten Schaffensphase und gehört mit seinem Erscheinen 1930 in die Literaturepoche der Moderne (Faulkner hatte ein Jahr zuvor mit seinem Roman ”The Sound and the Fury“ einen der drei bedeutendsten Romane dieser Epoche vorgelegt). Die Geschichte der Emily Grierson ist seit ihrem Erscheinen mehrfach diskutiert worden - sei es die Bedeutung der Rose im Titel, die Bedeutung der Uhr, seien es Probleme bei der Chronologie des Textes bis hin zur zentralen Frage: Warum hat sie ihren Geliebten getötet? Die Erklärungen reichen hier von einem Ödipuskomplex bis hin zur Darstellung der Geschichte als Sinnbild für das Ende des Südens. Ziel dieses Essays ist es nicht, eine eindeutige Antwort auf diese Fragen zu finden. Ich versuche vielmehr zu ergründen, warum Faulkner dieses Thema aufgriff. Es scheint, als ob bei der Untersuchung der Motive des Mordes, der Druck den die Bevölkerung Jeffersons auf Miss Emily ausübt vernachlässigt wurde. Ziel ist es, zu ergründen wie Emily dem Leser präsentiert wird und was das über die Meinung der Bevölkerung und insbesondere über die des Erzählers aussagt. “A Rose for Emily” ist die Geschichte der Miss Emily Grierson - einer Frau, die einer aristokratischen und angesehenen Südstaatenfamilie entstammt und die sich nach dem Tod ihres vermögenden Vaters, arm geworden, für längere Zeit in ihr Haus zur ückzieht. Als die Straßen der Stadt asphaltiert werden, kommt ein Nordstaatler nach Jefferson – der Vorarbeiter Homer Barron. Obwohl dieser aufgrund seines wortschatzreichen Fluchens ziemlich beliebt ist, steht die Bevölkerung der Affäre, die er mit Miss Emily beginnt, skeptisch gegenüber und beginnt schließlich sogar sich in das Leben der beiden einzumischen. Nach dem plötzlichen Verschwinden Homers verläßt Miss Emily ihr Haus gar nicht mehr. Als man dann nach ihrer Beerdigung ihr Schlafgemach öffnet, welches seit über 40 Jahren niemand mehr von innen gesehen hatte, findet sich dort die Leiche Homers zusammen mit einem Haar Emilys. „A Rose for Emily“ wirkt durch seine finale Motivierung wie eine Kriminal- geschichte, mit der Einschränkung, daß sich die Gewißheit eines Verbrechens erst am Ende einstellt. Der Kauf des Rattengiftes und der Geruch der Miss Emilys Haus umgibt stellen zwar Hinweise dar – Gewißheit erlangt der Leser (und die Stadt) trotzdem erst am Ende.

Beginnend mit ihrer Beerdigung und endend mit dem Fund ihres Haares neben dem Leichnam des Opfers besitzt der Text eine geschlossene Struktur. Faulkner begnügt sich jedoch nicht mit einer chronologischen Aufzählung der Ereignisse vom Tod Miss Emilys‘ Vater bis hin zu ihrer eigenen Beerdigung. Durch seine unzähligen Sprünge zwischen den einzelnen Ereignissen in der Vergangenheit löst er das Zeit-konstrukt völlig auf. Frank A. Littler spricht in “The Tangled Thread of Time: Faulkner’s ‘A Rose for Emily‘“ von assoziativem Erzählen und charakterisiert dies wie folgt: “one memory brings up another and various incidents of the past are brought into the foreground of the story.” (82). Eine Chronologie ist demnach we-niger aussagekräftig als eben jenes assoziatives Erzählen, da es letztlich von geringerer Bedeutung ist, wann etwas passiert ist. Viel wichtiger ist die Tatsache, daß es passiert ist und in welchen Kontext es von Bedeutung ist. Der Zeitablauf ist dabei jedoch so zerstückelt, daß Gene M. Moore 1992 acht verschiedene Auffassungen über die Chronologie der Geschichte feststellte2. Dies verwirrt einerseits, läßt aber Miss Emilys Geschichte und ihre ganze Person andererseits zeitlos erscheinen. Gene M. Moore , “Of Time and its Mathematical Progression: Problems of Chronology in Faulkner’s ‘A Rose for Emily‘“, Studies in Short Fiction 29.2 (1992): 195-204. Mit dem eher begrenzten Ensemble an Hauptfiguren (Miss Emily, Homer, der Vater) wirkt die Geschichte zwar übersichtlich und geschlossen; die Vielzahl von Neben- figuren und Querverweise auf Miss Emilys Großtante Lady Wyatt oder auf Colonel Sartoris (eine der Hauptfiguren in anderen Geschichten und Romanen Faulkners) unterstreichen jedoch einen realistischen Eindruck der Geschichte, lassen sie „aus einer eigenen Realität“ – dem fiktionalen Universum Jefferson entnommen erscheinen.

[...]


1 Hans H. Skei , William Faulkner: The Short Story Career, Oslo: Universitetsforlaget, 1981. 54.

2Er fügt dem eine neunte hinzu. Große Unstimmigkeiten bestanden über das Jahr, in dem Emily verschieden ist. Moore ermittelt hier 1930.


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