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Hauptseminararbeit, 2004, 18 Seiten
Autor: Magister Artium Nicole Boldt
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)
Details
Institution/Hochschule: Universität Konstanz (Sprachwissenschaft)
Tags: Sprachwandel, Hauptseminar, Einführung, Sprachgeschichte
Jahr: 2004
Seiten: 18
Note: 1
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-28674-9
Dateigröße: 227 KB
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Universität Konstanz
Fachbereich: Sprachwissenschaft
Hauptseminar: Einführung in die deutsche Sprachgeschichte
10. Semester
Sprachwandel - Ein Überblick
von: Nicole Wucher
Gliederung
1. Einleitung Seite 1
2. Umfassende Definition von „Sprachwandel“ 2
3. Sprachwandel versus Veränderung und Entwicklung 2
4. Sprachwandel – ein besonderes Phänomen 3
5. Sprachwandel und Sprachvariation 5
6. Theorien zum Sprachwandel 6
7. Veränderungen auf verschiedenen sprachlichen Ebenen 8
7.1. Lautwandel 8
7.2. Morphologischer Wandel 9
7.3. Syntaktischer Wandel 10
7.4. Semantischer Wandel 11
7.5. Sprachwandel durch Sprachkontakt 12
8. Ursachen und Gründe für Sprachwandel 12
9. Schluss 15
Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
„Sprachen wachsen nicht wie Bäume. Sie funktionieren nicht wie Maschinen. Sprachen sind feinstrukturierte Sozialgebilde, die ihren Ort im Bewusstsein vieler Sprecher haben und sich nach den wechselnden Bewusstseinszuständen dieser Sprache unaufhörlich verändern. Ob zum Besseren oder Schlechteren, das hängt von vielen Umständen ab.1“ Die beobachtbaren Veränderungen einer Sprache sind Gegenstand der historischen Sprachwissenschaft. Sprachwandel ist der Prozess der Veränderung von Sprachelementen in der Zeit. Ähnliche Begriffe sind Entwicklung und Veränderung, die in früheren Arbeiten noch an Stelle von Sprachwandel verwendet wurden. Dass sprachlicher Wandel ein ganz besonderes Phänomen ist, zeigt die Tatsache, dass sich jede Sprache in jedem Augenblick ändert, der Sprecher aber nie das Gefühl bekommt, dass die Sprache, die ihn umgibt, nicht dieselbe bleibt. Sprachwandel hängt sehr eng mit Sprachvariation zusammen, das heißt Veränderungen kommen unter anderem durch den Einfluss unterschiedlicher Varietäten zustande. Zahlreiche geschlossene und miteinander konkurrierende Theorien wurden bereits aufgestellt, welche die Entstehung bzw. Ausdifferenzierung von Einzelsprachen zu erklären versuchen. Sprachwandel vollzieht sich auf sämtlichen sprachlichen Ebenen, wie der Phonologie, der Morphologie, der Syntax, der Semantik und zu Guter letzt entsteht sprachlicher Wandel auch durch Sprachkontakt. Nach Ursachen und Gründen für Veränderungen in der Sprache wird immer wieder aufs Neue gesucht. Trotz allem ist es nicht möglich, Sprachwandel genau anzugeben, da er nicht mit Sicherheit und eindeutig vorhergesagt werden kann.
2. Umfassende Definition von „Sprachwandel“
Mit dem Wandel in der Sprache befasst sich die Historische Sprachwissenschaft, zu der allerdings viele Bereiche der deskriptiven und theoretischen Sprachwissenschaft beigetragen haben. Vor allem strukturalistische und generative Theorien spielen dabei eine Rolle. Wichtige Begriffe der Historischen Sprachwissenschaft sind neben Sprachwandel auch Sprachgeschichte2, Synchronie und Diachronie3 sowie Rekonstruktion4. Beim Sprachwandel handelt es sich also um einen Untersuchungsgegenstand der Historischen Sprachwissenschaft. Die englischen Begriffe lauten linguistic change, language change, changement linguistique5. Der sprachliche Wandel wird als Prozess der Veränderung von Sprachelementen in der Zeit gesehen6. Oder anders gesagt, Sprachwandel verändert die Eigenschaften sprachlicher Zeichen. Als Sprachwandel bezeichnet man die natürlichen Vorgänge, die jede Sprache, auch ohne äußere Einflüsse, davonträgt. Denn jede Sprache verändert sich ständig allein durch ihren Gebrauch. Sprachwandel vollzieht sich auf allen sprachlichen Ebenen, das heißt genauer im Bereich der Phonologie, der Morphologie, der Syntax und der Semantik. An den unterschiedlichsten Orten im Sprachvariationsraum kann sich durch den Wandel in der Sprache einiges ändern, wie beispielsweise die Strukturen auf Wort-, Satz- oder Textebene, usw. Es können sich die Bedeutungen und Sprachgebrauchskonventionen auf den verschiedenen Ebenen wandeln, die Aussprachen oder die Orthographie, Interpunktion, sowie die Umbruch- und Seitengestaltungskonventionen.
3. Sprachwandel versus Veränderung und Entwicklung 7
Der Begriff Sprachwandel findet sich bereits um 1950 bei Hugo Moser und Walter Porzig. Früher wurde nur allgemein von „Veränderungen des Sprachusus8“ oder „Entwicklungsvorgängen9“ gesprochen. Veränderung besagt lediglich, dass „sich ein Gegenstand in der Zeit nicht gleich bleibt, d.h. ihm zu verschiedenen Zeiten verschiedene Eigenschaften zukommen10“. Der Begriff wird oft mit Evolution gleichgesetzt und umfasst beobachtbare Oberflächenphänomene. Veränderungen können aber nicht erklärt, sondern nur nach Art und Zahl festgestellt werden. Es handelt sich also um eine quantitative Kategorie, die dem dynamischen Charakter von Sprache nicht gerecht wird. Mit dem Begriff der Entwicklung wird die Vorstellung von einem kontinuierlichen, zielgerichteten Ablauf und dessen Wertung verbunden. In diesem Fall sprechen wir über eine teleologische Kategorie, die ganz bestimmte Regulative, das heißt Entwicklungsgesetze, Einteilungen bzw. Entwicklungsstufen und Deutungen wie beispielsweise Sprachzerfall oder Sprachdifferenzierung impliziert.
Als Sprachwandel bezeichnet man schließlich die schon geordnete „Vielfalt der ständig verlaufenden Prozesse der Umgestaltung, des Verlusts und der Neubildung sprachlicher Elemente11“. Vorausgesetzt werden muss hier der dynamisch-veränderbare Charakter der Sprache, die Kontinuität in einem gleich bleibenden Grundbestand wie zum Beispiel der Wortschatz, die Interpretationsoffenheit einzelner Phänomene, sowie eine funktionelle Annahme bei der Erklärung von Veränderungen. Beim Sprachwandel handelt es sich um eine pragmatische Kategorie, die metaphysische Deutungen ausschließt und das Forschungsinteresse verlagert auf Bedingungen und Faktoren von Veränderungsprozessen.
4. Sprachwandel – ein besonderes Phänomen
[...]
1 Weinrich, Harald: Wege der Sprachkultur. Stuttgart 1985, S. 7
2 Sprachgeschichte befasst sich mit der systematischen Beschreibung von der Gesamtheit aller sprachlichen Veränderungen in der Zeit. Äußere Fakten wie politische Geschichte oder gesellschaftlicher Wandel werden mit einbezogen.
3 Hierbei handelt es sich um eine methodisch wichtige Unterscheidung für die Auffassung und Untersuchung von Sprache als geschlossenem Zeichensystem. Die synchrone Sprachbeschreibung bezieht sich auf einen zeitlich fixierten Zustand, die Diachronie betrachtet die Veränderung eines Sprachzustandes in unterschiedlichen Zeitintervallen.
4 Die Rekonstruktion ist ein Verfahren zur Ermittlung älterer, schriftlich nicht ausreichend belegter Sprachstufen.
5 Vgl. Lewandowski, Theodor: Linguistisches Wörterbuch 3. Heidelberg 1985, S. 1027
6 Vgl. Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart 1990, S. 721
7 Vgl. Wolff, Gerhart: Deutsche Sprachgeschichte - Ein Studienbuch. Tübingen 1999, S. 28-32
8 Paul, Hermann: Prinzipien der Sprachgeschichte. Tübingen 1968, S. 32
9 Saussure, Ferdinand de: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Berlin 1967, S. 23
10 Boretzky, Norbert: Einführung in die historische Linguistik. Hamburg 1977, S. 28
11 Lewandowski 1985, S. 1027
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