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Veranstaltung: Seminar: Park und Garten als Motive in der neueren deutschen Literatur
Institution/Hochschule: Universität Wien (Institut für Germanistik)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 25
Note: sehr gut (1)
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 282 KB
Archivnummer: V26411
ISBN (E-Book): 978-3-638-28755-5
ISBN (Buch): 978-3-638-64908-7
Anmerkungen :
Ausgehend vom Konzept der 2 Welten in Hoffmanns Werken soll hier der Zaubergarten im Haus des geheimnisvollen Archivarius Lindhorst als Knotenpunkt zwischen Realität und Illusion analysiert werden werden. Es stehen der illusionistische Charakter des Märchens und orientalistisches Gedankengut, das in der Romantik wichtig war, als Mittel der Illusionssteigerung und der Verzauberung im Zentrum der Arbeit.

Zusammenfassung / Abstract

Ausgehend von Hoffmanns Konzept der zwei Welten, die seine Geschichten wie auch die einzelnen Figuren auszeichnen soll der (Zauber)garten des Archivarius Lindhorst als Ort der Wandlung, des Transfers zwischen diesen Welten betrachtet werden. Um eine Welt der Verzauberung, eine Aura des Geheimnisvollen zu erschaffen, bedient sich Hoffmann mehrerer Mittel: Einerseits weckt der Garten Ahnungen an den Orient und Indien – beides noch relativ unerforschte Gebiete der Welt - und andererseits verliert sich der Leser wie auch Anselmus im Motiv der Arabeske, das in den Schriften des Archivarius auftaucht. Der Garten wird also zu einem Raum gemacht, in dem die Naturgesetze, die Logik außer Kraft gesetzt sind und fungiert als Ort, der Sehnsüchte nach einem Paradies, einem eigenen kleinen Garten Eden im Betrachter weckt. Anhand der Vorstellung von Atlantis hat mich die Rezeption der Kultur Indiens in der Romantik interessiert, die meiner Meinung nach Hoffmann inspiriert haben könnte, einige Aspekte davon in sein Werk einfließen zu lassen. Ähnlich wie die märchenhaften Elemente dient dies zur Illusionssteigerung in der Geschichte und im Endeffekt wird die Metamorphose im Garten dadurch möglich gemacht. Die Duplizität der Welt ist ein Motiv, das sich wie ein roter Faden durch alle Werke E. T. A. Hoffmanns zieht. Die Spaltung der Welt oder einer Figur in sich selbst, das Doppelgängermotiv oder Brillen, die den Blick auf die Welt verändern und Spiegelungen sind Erscheinungen dieser Konzeption und treten als entscheidende Motive immer wieder auf. Die dadurch entstehenden zwei Sphären oder Welten sind auch Charakteristika des Märchens, das ohne diesen Kontrast zwischen Realität oder Normalität und phantastischen Erscheinungen nicht existieren könnte.

Textauszug (computergeneriert)

E.T.A. Hoffmanss "Der goldne Topf" –
Der Zaubergarten als Schnittpunkt zweier Welten

von: Cornelia Wurzinger

 


Inhalt

c Einleitung

c Die doppelte Welt – Kontrast und Illusion als Elemente des Märchens

c Der (Zauber)Garten - Wandelbarer und wunderbarer Ort als Schnittpunkt zweier Welten

c Atlantis - Wunderland

c Indien – Atlantis der Romantiker

c Lilie, Lotus, blaue Blume

c Die Welt als Buch, dessen Schrift eine Geheimschrift bleibt.

c Exkurs: Hard boiled wonderland und das Ende der Welt. Haruki Murakami, ein Erbe Hoffmanns?

c Resumé

 

 

„Der goldne Topf“

Der Zaubergarten als Schnittpunkt zweier Welten “Es ist, als schlösse ich mir ein wunderbares Reich auf, das aus meinem Innern hervorgehe und sich gestaltend mich dem Drange des Äusseren entrückte.”1 „Die Idee so das ganz Fabulose, dem aber wie ich glaube, die tiefere Deutung gehöriges Gewicht giebt, in das gewöhnliche Leben keck eintreten zu lassen ist allerdings gewagt und und so viel ich weiß von einem teutschen Autor in diesem Maaß noch nicht benutzt worden.“ 2

Einleitung

„Angenommen Sumire war auf die andere Seite gegangen. Damit wäre alles geklärt. Sumire hatte den Spiegel zertrümmert und war auf die andere Seite vorgedrungen. (...) Logisch gesehen ist es ganz einfach. Wir brauchen nur zu träumen. Nicht mehr aus der Welt der Träume zurückkehren. Für immer dort leben. Dabei stellte sich nur ein Problem. Ein großes Problem. Wie kann man dorthin?“3

Ausgehend von Hoffmanns Konzept der zwei Welten, die seine Geschichten wie auch die einzelnen Figuren auszeichnen möchte ich den (Zauber)garten des Archivarius Lindhorst als Ort der Wandlung, des Transfers zwischen diesen Welten betrachten. Um eine Welt der Verzauberung, eine Aura des Geheimnisvollen zu erschaffen, bedient sich Hoffmann mehrerer Mittel: Einerseits weckt der Garten Ahnungen an den Orient und Indien – beides noch relativ unerforschte Gebiete der Welt - und andererseits verliert sich der Leser wie auch Anselmus im Motiv der Arabeske, das in den Schriften des Archivarius auftaucht. Der Garten wird also zu einem Raum gemacht, in dem die Naturgesetze, die Logik außer Kraft gesetzt sind und fungiert als Ort, der Sehnsüchte nach einem Paradies, einem eigenen kleinen Garten Eden im Betrachter weckt. Anhand der Vorstellung von Atlantis hat mich die Rezeption der Kultur Indiens in der Romantik interessiert, die meiner Meinung nach Hoffmann inspiriert haben könnte, einige Aspekte davon in sein Werk einfließen zu lassen. Ähnlich wie die märchenhaften Elemente dient dies zur Illusionssteigerung in der Geschichte und im Endeffekt wird die Metamorphose im Garten dadurch möglich gemacht. Die doppelte Welt – Kontrast und Illusion als Elemente des Märchens “A story is not something of this world. A real story requires a kind of magical baptism to link the world on this side with the world on the other side.”4 Die Duplizität der Welt ist ein Motiv, das sich wie ein roter Faden durch alle Werke E. T. A. Hoffmanns zieht. Die Spaltung der Welt oder einer Figur in sich selbst, das Doppelgängermotiv oder Brillen, die den Blick auf die Welt verändern und Spiegelungen sind Erscheinungen dieser Konzeption und treten als entscheidende Motive immer wieder auf. „Alle Taschenspiegel, Perspektive, Mikroskope, Brillen sind Mittel der Verfremdung. Personen, an die man denkt, steigen aus den geschliffenen Flächen hervor.“5 Die dadurch entstehenden zwei Sphären oder Welten sind Charakteristika des Märchens, denn ohne diesen Kontrast zwischen Realität oder Normalität und phantastischen Erscheinungen gibt es kein Märchen. „Entsprechend unterstehen sowohl die Figuren als auch die Ereignisse in Hoffmanns Märchen einem Prinzip der Duplizität und der verschobenen, metamorphotischen Identität: Ein alchemistisch geschulter Magier namens Lindhorst ist gleichzeitig beamteter Archivarius und esoterischer Feuersalamander. Serpentina, die ältere der drei spirituellen Tochterschlangen des Archivarius Lindhorst, überlagert sich mit ihrem bürgerlichen alter ego, einer gewissen Viktoria Paulmann (...). Und der ungeschickte Held selbst, Anselmus, schwankt zwischen seiner poetischen Seite und seiner bürgerlich philiströsen, die mit dem Namen des Registrators Heerbrand bezeichnet ist.“6

Von dieser poetischen Seite erfährt Anselmus erstmals, als er die seltsame Erscheinung der drei goldgrünen Schlänglein unter dem Holunderbusch wahrnimmt. Dieses Erlebnis wird ihn in Folge der vermeintlich realen, bürgerlichen Welt entfremden. Die phantastische Welt erscheint wie ein Spiegelbild der realen Welt mit ihren bürgerlichen Charakteren. Das Motiv des Spiegels spielt - wie schon erwähnt - in Hoffmanns Werk eine essentielle Rolle. Der Spiegel, der nur scheinbar ein identisches Bild der Wirklichkeit wiedergibt – ein Bild, das jedoch tatsächlich auch nur ein verzerrtes, auf eine Weise verfremdetes Bild der Realität wiedergibt. Doch immer mehr fällt auf, dass diese beiden Sphären parallel existieren und kaum voneinander zu trennen sind. „(...) die Welt des Irdischen ist eingebaut in eine weitere, die sich in Raum- und Zeitlosigkeit verliert...Der dazu berufene Mensch erlebt diese Wirklichkeit als Gegenwart, während seine Umgebung daran nicht teilhat. Es ist der Mythos, die Spiegelung des menschlichen Erlebens im Über- und Unterirdischen, der Sinn des Zufälligen.“7

Doch welche Welt die real existierende Welt ist und wo die Grenze der Illusion liegt, ist nicht so ganz ersichtlich, die Grenzen zwischen Realität und phantastischer Welt werden bei Hoffmann ständig verwischt. Was tatsächlich Illusion ist, ist nicht immer durchschaubar. Denn als sich Anselmus in einer Glasflasche gefangen wiederfindet, ist er der Einzige unter seinen „Mitgefangenen“, der diesen Zustand des Eingesperrtseins als die Realität erkennt, während die anderen der Illusion aufliegen, ihre schöne kleine Welt wäre tatsächlich real, wirklich, obwohl sie doch nur ein schöner Schein ist. Es ist ihnen aber nicht möglich, diesen Betrug zu durchschauen, da sie – als Vorgänger des Anselmus wie es scheint, gescheitert sind. Oder aber der Archivarius hält die scheinbare Realität in seiner Welt eingesperrt, sie steht dort unter Verschluss. Im Hinduismus und Buddhismus wird der Zustand, nur trügerische Formen sehen zu können, als Maya bezeichnet. „Die Unerleuchteten erblicken nur Maya, das ausgestaltete Reich trügerischer Formen und Begriffe; die Erleuchteten erfahren alles als die Große Leere jenseits der Differenzierung.“8

[...]


1 Brief Hoffmanns an Kunz, 19. August 1813; zitiert nach: Negus. Kenneth: E.T.A. Hoffmann´s other world, S. 53

2 Brief Hoffmanns an Kunz, 1. März 1814; zitiert nach: Schaukal, von Richard:E.T.A. Hoffmann. Sein Werk aus seinem Leben S. 108

3 Murakami, Haruki: Sputnik Sweetheart, S. 186

4 Sputnik Sweetheart, S. 17

5 Thalmann, Marianne: Zeichensprache der Romantik, S. 74f.

6 Kremer, Detlef: E.T.A. Hoffmann. Erzählungen und Romane S. 28

7 Schaukal, Richard von: Hoffmanns Leben aus seinem Werk, zitiert in Negus, Kenneth E.T.A. Hoffmann´s other world, S. 25

8 Zimmer, Heinrich: S. 115

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