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Untertitel: Die jüdische Weltverschwörung als antisemitische Kollage für die Legitimation des Völkermords
Hausarbeit, 2004, 17 Seiten
Autor: Markus Hujara
Fach: Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Seminar für Allgemeine Rhetorik)
Tags: Protokolle, Weisen, Zion, Proseminar
Jahr: 2004
Seiten: 17
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-28903-0
ISBN (Buch): 978-3-638-82543-6
Dateigröße: 337 KB
Die jüdische Weltverschwörung wird als antisemitische Kollage für die Legitimation des Völkermords dargestellt. Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand
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Zusammenfassung / Abstract
Die Protokolle der Weisen von Zion – eine Fälschung, die keine ist: Aus einem brillanten Dialog abgeschrieben, von einem drittklassigen Roman inspiriert, zusammengestückelt aus alten religiösen Vorurteilen und neuen sozialen Vorwürfen gegen die Juden, angereichert mit einer abstrusen Verschwörungstheorie – judenfeindliches Gedankengut aller Zeiten vereint sich in den Protokollen zur wirkungsmächtigen Kollage des Antisemitismus.
Textauszug (computergeneriert)
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Seminar für Allgemeine Rhetorik
Proseminar: Haß und Hetze –
Rhetorische Strategien der Diffamierung am Beispiel des Antisemitismus
2. Semester
Die Protokolle der Weisen von Zion
von: Markus Hujara
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung 2
II. Vorlage und Prototypen der Protokolle 4
II.1. Die Vorlage : Dialogue aux Enfers entre Machiavel et Montesquieu 4
II.2. Die Prototypen: Biarritz und Ein Rabbiner über die Gojim 5
III. Die jüdische Weltverschwörung – eine antisemitische Kollage 7
III.1. Martin Luther und die religiösen Vorurteile 7
III.2. Adolf Stoecker und der soziale Antisemitismus 9
III.3. Die Weltverschwörung als Synthese 11
IV. Die jüdische Auctoritas 12
V. Die Widersprüche in den Protokollen 13
VI. Die Protokolle als Legitimation für den Völkermord 13
VII. Schlussbetrachtung 14
Bibliographie 16
I. Einführung
Die Protokolle der Weisen von Zion – eine Fälschung, die keine ist: Aus einem brillanten Dialog abgeschrieben, von einem drittklassigen Roman inspiriert, zusammengestückelt aus alten religiösen Vorurteilen und neuen sozialen Vorwürfen gegen die Juden, angereichert mit einer abstrusen Verschwörungstheorie – judenfeindliches Gedankengut aller Zeiten vereint sich in den Protokollen zur wirkungsmächtigen Kollage des Antisemitismus. Der Text ist ein angeblich wörtlicher Bericht über 24 geheime Sitzungen, geführt von den Köpfen der jüdischen Weltverschwörung. Auf rund 100 Seiten wird erläutert, wie alle konkurrierenden Religionen ausgelöscht, alle Staatsoberhäupter gestürzt werden sollen, um den Weg frei für das jüdische Weltreich zu machen, dessen Thron ein König aus dem Hause Davids besteigen soll. Dieses große Ziel heilige alle Mittel und so schrecke das Judentum vor nichts zurück. Mit Hilfe von Freimaurerlogen und der Presse würden die Gesellschaften unterwandert, sozialistisches, liberales und demokratisches Gedankengut verbreitet, der Klassenkampf unterstützt und intrigiert, verführt, gemordet werden. So stehe das Judentum samt seiner heimlichen Weltregierung hinter allen wichtigen Umwälzungen der Geschichte (zum Beispiel Französische Revolution). Die Juden seien genauso für Inflation, Verfall von Moral und Sitten wie für Seuchen, Krankheiten und interstaatliche Konflikte verantwortlich. Wenn die Welt der Nichtjuden in naher Zukunft schließlich vollständig im Chaos versinke, breche die Zeit für das despotische Weltreich an. Demokratie und Sozialismus würden dann sofort wieder abgeschafft werden.
Norman Cohn hat in seinem Standardwerk über die Protokolle in diesem Wust aus unterschiedlichsten Anschuldigungen und Ausführungen über die angeblichen Pläne der Juden drei Hautthemen ausfindig gemacht: „Kritik am Liberalismus, Methoden zur Erlangung der Weltherrschaft, Beschreibung des zu errichtenden Weltstaates“1. Nach einer weit verzweigten und undurchsichtigen Entstehungsgeschichte, die bis heute noch nicht vollständig aufgeklärt ist, sind Auszüge der Protokolle erstmals im Jahre 1903 in der russischen Zeitschrift Znamja (Das Banner) veröffentlicht worden. 2 Ihren weltweiten Siegeszug traten sie vor allem in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg an. Sie wurden in nahezu alle Kultursprachen der Welt übersetzt. Henry Ford sorgte 1920 in den Vereinigten Staaten für ihre Publizierung in englischer Sprache, erst in seiner Zeitung Dearbon Independent (Auflage: 300.000 Exemplare), später als Buch mit dem Titel: The International Jew: The World’s Foremost Problem mit 500.000 Exemplaren. Im selben Jahr kamen in Deutschland gleich zwei Versionen auf den Markt. Der engagierte Antisemit Ludwig Müller alias Gottfried zur Beek veröffentlichte die deutsche Übersetzung unter dem Titel Die Geheimnisse der Weisen von Zion, die bis 1933 nicht weniger als 33 Auflagen erlebte. Theodor Fritsch nannte seine Ausgabe Die Zionistischen Protokolle. Das Programm der internationalen Geheimregierung, die es bis Hitlers Machtergreifung immerhin auf zwölf Auflagen brachte.3
Selbst nach ihrer mehrfachen Entlarvung als Fälschung4 werden die Protokolle bis zum heutigen Tag in vielen Ländern weiter veröffentlicht. Zuletzt erschien 1996 eine neue Ausgabe in Zagreb. Die Juden trugen demnach die Schuld am Krieg in Kroatien.5 Scheinbar hat die Idee einer geheimen Verschwörung, einem unsichtbaren Übel, das die staatliche und gesellschaftliche Ordnung ins Wanken bringt, nicht s an ihrer Faszination verloren. Seinen traurigen Höhepunkt erlebte der Text jedoch im Dritten Reich, erst als Bettlektüre Hitlers, später als wichtiger Mosaikstein im antijüdischen Propagandagebilde des Nazi-Regimes. Dass die Protokolle nicht auf einer tatsächlich stattgefundenen jüdischen Geheimsitzung beruhen, kann auf unterschiedliche Art und Weise bewiesen werden. So spricht beispielsweise gegen die Behauptung, der Text sei auf dem Zionistischen Kongress im Jahre 1897 in Basel vorgetragen worden, ein einfaches Argument: Der Kongress war öffentlich. Die Zuhörer aus aller Welt vernahmen zionistische Pläne, wie den über den ganzen Erdkreis verstreuten Juden eine gemeinsame Heimat geschenkt werden kann; sie hörten jedoch kein Wort vo m Ziel einer jüdischen Weltherrschaft.6 Es ist unter diesen Umständen ausgeschlossen, daß der Vortrag der Protokolle, der ungefähr vier Stunden gedauert hätte, auch vor einer ausgewählten Zuhörerschaft hätte geheim gehalten werden können. 7 Der Beweis der Fälschung soll in der Ihnen vorliegenden Hausarbeit allerdings rein auf der Grundlage eigenständiger Textarbeit erbracht werden. Im Folgenden werden Textstellen aus der Rede Ein Rabbi über die Gojim, die auf einer Szene aus dem Roman Biarritz basiert, und dem Dialogue aux Enfers entre Machiavel et Montesquieu den Protokollen gegenübergestellt. So sollen die Protokolle als offensichtliches Plagiat entlarvt werden. Anschließend soll durch ein Vergleich mit Martin Luthers Schrift Von den Juden und ihren Lügen und dem Werk des Antisemiten Adolf Stoecker Unsere Forderungen an das moderne Judentum gezeigt werden, inwieweit gängige religiöse sowie soziale und gesellschaftliche Vorurteile in den Protokollen ihren Niederschlag finden.
Im Mittelpunkt dieser Hausarbeit soll die Frage stehen, warum ein Werk trotz ungeklärter Autorenschaft, trotz eiliger und stümperhafter Komposition voll ermüdenden Wiederholungen und auffälligen Widersprüchen, trotz des mehrfach erbrachten Beweises der Fiktionalität und Fälschung eine solch entscheidende Rolle in der Geschichte des 20. Jahrhunderts spielen konnte. Wo liegt der Unterschied zu den so zahlreichen anderen antisemitischen Schriften, die seit dem Mittelalter verfasst wurden, dass Norman Cohn von einem „Warrant for Genocide“8 sprechen kann: Es ist eine unumstößliche Tatsache, daß die [...] vergessenen Exzentriker einen Mythos schufen, mit dem Jahre später die Herren einer großen europäischen Nation einen Völkermord rechtfertigen konnten. 9 Haben die Protokolle der Weisen von Zion tatsächlich dazu beigetragen, „der Vernichtung der europäischen Juden den Weg zu bahnen“10?
II. Vorlage und Prototypen der Protokolle
II.1. Die Vorlage: Dialogue aux Enfers entre Machiavel et Montesquieu
[...]
1 Cohn, Norman: „Die Protokolle der Weisen von Zion“: der Mythos der jüdischen Weltverschwörung. Aus dem Englischen von Karl Röhmer. Mit einer kommentierten Bibliographie von Michael Hagemeister. Baden-Baden; Zürich 1998: S.63
2 vgl. Sammons, Jeffrey L.: Die Protokolle der Weisen von Zion: die Grundlage des modernen Antisemitismus – eine Fälschung. Text und Kommentar. Göttingen 1998: S.15
3 vgl. ebd.: S.19f.
4 vgl. Sammons (1998): S.22 Nach einer Strafanzeige gegen das Bernsche Schundgesetz konnte die Abhängigkeit der Protokolle von Herrmann Goedsches Roman Biarritz und Maurice Jolys Dialogue aux Enfers entre Machiavel et Montesquieu 1935 auch juristisch nachgewiesen werden. Schon zuvor erschienen in verschiedenen Ländern Arbeiten, in denen der Text als Fälschung entlarvt wurde.
5 vgl. Ben-Itto, Hadassa: „Die Protokolle der Weisen von Zion“ – Anatomie einer Fälschung. Aus dem Englischen von Helmut Ettinger und Juliane Lochner. 1.Auflage. Berlin 1998: S.399
6 vgl. Sammons (1998): S.16
7 ebd. Hervorhebung im Original
8 Original-Titel von Norman Cohns Standardwerk, das 1967 erschien.
9 Cohn (1998): S.12 10 ebd.: S.16
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