Autor: Nataliya Gudz
Fach: Filmwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (Institut für fremdsprachliche Philologien)
Jahr: 2004
Seiten: 20
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 205 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-28926-9
ISBN (Buch): 978-3-640-17838-4
Zusammenfassung / Abstract
Weil es für ein gutes Buch kein Geheimrezept gibt, nur "gewisse Minimalbedingungen von Ungewöhnlichkeit", muss man sich mehr oder weniger auf die Kriterien des Films beziehen. Generell gilt aber: je besser das Buch war (weniger in der Kritik als beim Leser), umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Film erfolgreich wird. Garantien gibt es jedoch nicht, ein schlechtes Buch ist schon erfolgreich verfilmt worden, ein gutes Buch war an den Kinokassen ein Flop. Ein wichtiges Kriterium ist auch die Aktualität: ein Roman aus dem 19. Jahrhundert kann von seiner Konzeption von den Zuschauern heute schlecht nachvollzogen werden, denn der Zuschauer muss sich mit dem Geschehen und den Figuren identifizieren können. Der Roman von Lew Tolstoi "Anna Karenina" (1875-1877) kann nicht sich über die Filmkunstabneigung beschweren, weil dieser epische Roman eine jener Geschichten erzählt, die versprechen, erfolgreiche Filme zu werden. Die unglückliche Liebe zwischen einer frustrierten Ehefrau und einem Offizier inspirierte Hollywood denn auch vom ersten Augenblick an. Als die bekannteste und gelungenste Verfilmung gilt nach wie vor diejenige mit Greta Garbo aus dem Jahr 1935. Nach Great Garbo übernahm in der Verfilmung von 1948 diesmal eine englische Schauspielerin Vivien Leigh die Titelrolle von Anna Karenina. In 1967 tat der russische Regisseur Alexander Sarchi seine Pflicht und Schuldigkeit - die russische tragische Heldin (Tatjana Samoilowa) hat endlich Russisch geredet. Auch Jacqueline Bisset erschien als Anna Karenina in der 1985 fürs Fernsehen entstandenen amerikanischen Inszenierung. Und in der neuesten, produzierten Ausgabe (1997) unter der Regie von Bernhard Rose versuchte sich Sophie Marceau als Anna Karenina. Die gegebene Hausarbeit analysiert die drei bekanntesten Verfilmungen von Tolstois Roman "Anna Karenina" (nämlich, von 1935, 1967 und 1997).
Textauszug (computergeneriert)
Otto-von-Guericke Universität Magdeburg
Institut für fremdsprachliche Philologien
Lehrbereich: European Studies
Proseminar: Europäische Romane als Film. Literatur und Film
Semester: 3
"Anna Karenina" von Lew Tolstoi: Vergleichanalysen
mit 3 Verfilmungen (1935, 1967, 1997)
von: Nataliya Gudz
Inhaltverzeichnis
Einleitung 3
1. Unterschiede zwischen Literatur und Film 4
1.1. Allgemeine Unterschiede 4
1.2. Zeit 4
1.3. Raum 6
1.4. Gedanken 7
2. "Anna Karenina" 8
2.1. Der Roman 8
2.2. Buch-Film-Vergleich - die wichtigsten Szenen 8
2.2.1. Einführung in den Roman 9
2.2.2. Die Bahnhof-Szene 9
2.2.3. Die Ball-Szene 9
2.2.4. Die Pferderenn-Szene 10
2.2.5. Annas Krankheit 10
2.2.6. Die Oper-Szene 11
2.2.7. Die Ende-Szene 11
3. Allgemeine Einschätzungen der Verfilmungen 12
3.1. "Anna Karenina" (1935) 12
3.2. "Anna Karenina" (1967) 13
3.3. "Anna Karenina" (1997) 13
Die Liste der ausgewerteten Quellen 14
Anhänge (Tabelle 1, 2, 3) 15
"Sie kennen doch sicher den Witz von den beiden Ziegen,
die die Rollen eines Films auffressen,
der nach einem Bestseller gedreht worden ist,
worauf die eine Ziege zur anderen sagt:
,,Mir war das Buch lieber"" (Alfred Hitchcock)1
Einleitung
Weil es für ein gutes Buch kein Geheimrezept gibt, nur "gewisse Minimalbedingungen von Ungewöhnlichkeit"2, muss man sich mehr oder weniger auf die Kriterien des Films beziehen. Generell gilt aber: je besser das Buch war (weniger in der Kritik als beim Leser), umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Film erfolgreich wird. Garantien gibt es jedoch nicht, ein schlechtes Buch ist schon erfolgreich verfilmt worden, ein gutes Buch war an den Kinokassen ein Flop. Ein wichtiges Kriterium ist auch die Aktualität: ein Roman aus dem 19. Jahrhundert kann von seiner Konzeption von den Zuschauern heute schlecht nachvollzogen werden, denn der Zuschauer muss sich mit dem Geschehen und den Figuren identifizieren können.
Der Roman von Lew Tolstoi "Anna Karenina" (1875-1877) kann nicht sich über die Filmkunstabneigung beschweren, weil dieser epische Roman eine jener Geschichten erzählt, die versprechen, erfolgreiche Filme zu werden. Die unglückliche Liebe zwischen einer frustrierten Ehefrau und einem Offizier inspirierte Hollywood denn auch vom ersten Augenblick an. Als die bekannteste und gelungenste Verfilmung gilt nach wie vor diejenige mit Greta Garbo aus dem Jahr 1935. Nach Great Garbo übernahm in der Verfilmung von 1948 diesmal eine englische Schauspielerin Vivien Leigh die Titelrolle von Anna Karenina. In 1967 tat der russische Regisseur Alexander Sarchi seine Pflicht und Schuldigkeit - die russische tragische Heldin (Tatjana Samoilowa) hat endlich Russisch geredet. Auch Jacqueline Bisset erschien als Anna Karenina in der 1985 fürs Fernsehen entstandenen amerikanischen Inszenierung. Und in der neuesten, produzierten Ausgabe (1997) unter der Regie von Bernhard Rose versuchte sich Sophie Marceau als Anna Karenina. Die gegebene Hausarbeit analysiert die drei bekanntesten Verfilmungen von To lstois Roman "Anna Karenina" (nämlich, von 1935, 1967 und 1997).
1. Unterschiede zwischen Literatur und Film
1.1. Allgemeine Unterschiede
Zuerst ist anzumerken, dass es sich bei Buch und Film um zwei unterschiedliche Medien handelt. Zwar erzählen beide dieselbe Geschichte, bedienen sich aber vollständig anderer Mittel. Im Roman steht der Erzähler stark im Vordergrund: er bringt die Geschichte zum Laufen, beleucht Hintergründe, verknüpft und erklärt. Er kann die Zeit zum Beispiel durch Reflexionen anhalten oder beschleunigen. Ein persönlicher Erzählstil, wie zum Beispiel der ironische, kann im Film oft nicht in gleicher Weise dargestellt werden. Des weiteren gibt es Kameraeinstellung, Perspektive, Ton, Beleuchtung und Requisite, aber auch Schauspieler, die durch Gestik und Mimik die Charakteristika einer Person oder Situation zum Ausdruck bringen. Was im Roman oft seitenlange Beschreibungen erfordert, kann im Film in wenigen Augenblicken dargestellt werden, zum Beispiel bei Landschaftsbeschreibungen. Die Funktion des Erzählers übernimmt im Film die Kamera.
1.2. Zeit
Die Zeit ist für Literatur äußerst wichtig, alles hängt von der Zeit ab. Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich um ,,Erzählzeit"3 oder ,,erzählte Zeit" handelt. Die subjektive Zeit ist eine Zeit, die voranschreitet: ,,So wie sich im lyrischen Wort... die feste gegenständliche Bedeutung nie aufheben lässt, so kann sich die epische Rede nie dem Nacheinander der Zeit entziehen"4; ,,die Zeit vergeht, indem der Dichter ein Bild nach dem anderen wahrnimmt und dem Hörer zeigt"5; ,,Erzählen ist in seinem Ursprung immer Erzählen von Vergangenem"6. Der Autor hat verschiedene Möglichkeiten der zeitlichen Darstellung: Raffung, Aussparung und Dehnung der Zeit - so kann zum Beispiel eine Minute erzählte Zeit fünf Seiten lang sein und ein Jahr nur eine halbe Seite in Anspruch nehmen. Auch im Film wird eine Zeit dargestellt, die mit der realen Zeit nicht identisch ist. Es gibt keine Beschränkungen, es kann in der Zeit gesprungen werden, es gibt Rückblenden, Vorschauen - häufig führt dieses Springen aber zur Verwirrung des Zuschauers, weshalb meist eine kontinuierliche Zeitabfolge vorherrscht. Aber innerhalb einer einzelnen Filmszene ,,bedeutet das Nacheinander der Einstellungen auch eine zeitliche Aufeinanderfolge"... ,,nicht nur, dass Gleichzeitiges nicht hintereinander gezeigt werden darf - es darf auch keine Zeit ausfallen... dies wirkt als gewaltsamer Einschnitt in den Vorgang"7.
[...]
1 Gast, Wolfgang, Literaturverfilmung, C.C.Buchners Verlag, Bamberg, 1993, S.7.
2 Quasthoff, Uta M. Sprachliche Formen des alltäglichen Erzählens: Struktur und Entwicklung. In: Erzgräber, Wille/Goetsch, Paul (hrsg.): Mündliches Erzählen im Alltag, fingiertes mündliches Erzählen in der Literatur, Tübingen, 1987, S.27
3 Alfred Estermann, Die Verfilmung literarischer Werke, H. Bouvier u. Co, Verlag, Bonn, S. 376.
4 S.o., S. 373.
5 Alfred Estermann, Die Verfilmung literarischer Werke, H. Bouvier u. Co, Verlag, Bonn, S. 374.
6 S.o., S, 374.
7 S.o., S. 380-381.
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