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Hyperaktivität zwischen Schulmedizin und Systemtheorie

Termpaper, 2003, 19 Pages
Author: Dennis Hippler
Subject: Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education

Details

Event: Aspekte allgemeiner Pädagogik - Pädagogische Anthropologie
Institution/College: Otto-von-Guericke-University Magdeburg (Pädagogik)
Tags: Hyperaktivität, Schulmedizin, Systemtheorie, Aspekte, Pädagogik, Pädagogische, Anthropologie
Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 19
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V26668
ISBN (E-book): 978-3-638-28936-8

File size: 200 KB
Notes :
Herausragende Erstsemester-Arbeit im Aufbaustudium, daher mit großem Lob des Dozenten. Medizinische, pädagogische und systemtheoretische Perspektiven.



Excerpt (computer-generated)

Hyperaktivität zwischen Schulmedizin und Systemtheorie

von: Dennis Hippler

1. Fachsemester

 

 



Gliederung

1. Einleitung S. 1

1.1. Vorbemerkungen S. 1
1.2. Zielsetzung S. 1

2. Das Erscheinungsbild unter der psycho-medizinischen Lupe S. 3

3. Ursachenforschung – wissenschaftliche Kontroversen und aktuelle Studien S. 5

3.1. biogenetische Forschungen –Anlagefaktoren S. 5
3.2. Anthropologische Gedanken S. 6
3.3. Fazit S. 7
3.4. Anmerkungen zur medikamentösen Therapie S. 8

4. Systemtheorie und Anthropologie S. 10

5. Schulpädagogische Konsequenzen S. 14

6. Erkenntnisse und Ausblicke S. 16

7. Literaturnachweis S. 18

 

 

 

1.Einleitung

1.1. Vorbemerkungen

Diese Hausarbeit mit dem Titel „Hyperaktivität – Anlage oder Umwelt“ verfasste ich im Rahmen der Lehrveranstaltung „Aspekte allgemeiner Pädagogik: Pädagogische Anthropologie“ im ersten Semester meines Grundstudiums. Vorausgegangen war eine Podiumsdiskussion zum Thema von Anlage- und Umweltfaktoren in der menschlichen Entwicklung. Das Thema dieser Arbeit habe ich in Absprache mit meinem Dozenten frei gewählt. `Hyperaktivität` geistert derzeit oft in Form populärwissenschaftlicher Artikel durch die Presse oder flimmert als abendlicher Beitrag im Fernseher durch die Wohnzimmer deutscher Haushalte. Demnach scheint sich Hyperaktivität insbesondere von Kindern wie eine Epidemie in den Industrienationen auszubreiten. Mit einem augenscheinlichen Anstieg dieser bei Kindern am häufigsten diagnostizierten psychischen Störung gehen zunehmende Belastungen für insbesondere Eltern und Pädagogen einher. Während die Schulmedizin in einem ungeheuren Ausmaß mit medikamentöser Therapie in Form von Ritalin  oder vergleichbaren Präparaten versucht gegenzusteuern, mehren sich die Stimmen kritischer Eltern und Psychologen, soziale Ursachen für die Entstehung dieses „abweichenden Verhaltens“ zu berücksichtigen und daher mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen zu intervenieren.

1.2. Zielsetzung

So sind es gerade diese kritischen Stimmen, die mich veranlassten, eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit `Hyperaktivität` zu suchen, um mir ein eigenes Urteil über Ursachen und Behandlungsspielräume zu bilden. Es geht mir hier um die Frage auslösender Faktoren und Bedingungen zu einem Erscheinungsbild, dass als Krankheit definiert ist und zahlreiche Kinder in Deutschland betrifft. Ich bin bemüht, herauszufinden, ob und in welchem Maße genetische Prädispositionen verantwortlich sind, wie derzeit massenmedial postuliert wird, welche Hintergründe dafür mitverantwortlich sind und ob ich eine eigene kritische, vielleicht vom derzeitigen Meinungsbild abweichende Ansicht finden kann. Ich möchte in meiner Hausarbeit neuere biologische Erkenntnisse über Faktoren zur Entstehung von ADS und ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Störung ohne und mit Hyperaktivität) erläutern, um in einem nächsten Teil anthropologisch und systemtheoretisch kritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen. Damit werde ich Anlage- als auch Umwelt-Faktoren gegenüberstellen, um unter Berücksichtigung derzeit angewandter Therapieformen zu einem eigenen Verständnis dieses Erscheinungsbildes der AD(H)S zu kommen. Aus diesen neuen Erkenntnissen möchte ich mögliche Konsequenzen für den Umgang mit AD(H)S herausarbeiten, speziell aus pädagogischer Sicht und anthropologischem (Selbst-)Verständnis.

2. Das Erscheinungsbild und die Prävalenz unter der psycho-medizinischen Lupe

Hyperaktivität ist die von Ärzten am häufigsten diagnostizierte psychische Störung bei Kindern in Deutschland, wobei mittlerweile über 50000 Kinder medikamentös behandelt werden (SPIEGEL, 2002, Nr. 29, 122). Jenes äußerlich sichtbare Verhalten, was der Frankfurter Nervenarzt Dr. Heinrich Hoffmann bereits im Jahre 1845 in der Person des populären „Zappelphilipp“ in seinem Buch „Der Struwwelpeter“ schilderte, hat in der Medizin eigene wissenschaftliche Bezeichnungen gefunden. So unterscheidet die ICD-10 (International Classification Of Diseases And Causes Of Death) gleich zwei Erscheinungsbilder, hauptsächlich bei Kindern. Neben einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (F 90.0) benennt sie eine hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (Steinhausen, 2000, 86). Diese Begriffe werden heute weitgehend ersetzt durch die deutschen Bezeichnungen ADS (Aufmerkamkeits-Defizit-Störung) und ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung), nachzulesen im DSM IV (Diagnostic-Statistic-Manual, 4. Fassung). So werde ich in dieser Arbeit ebenso die letztgenannten Begriffe verwenden. Demnach werden Kinder als hyperaktiv und/oder hyperkinetisch bezeichnet, wenn sie primärsymptomatisch einen Überschuss an motorischen Bewegungen sowie Defizite in der Aufmerksamkeit aufweisen und ihre Impulse nur vermindert kontrollieren können. Dies bedeutet, jene Kinder haben im Vergleich zu „normalen Kindern“ einen erhöhten Drang, sich zu bewegen. Es fällt ihnen schwerer, sich ruhig zu verhalten, anderen Menschen zuzuhören und Anweisungen von zum Beispiel Lehrern und Eltern zu befolgen. Des weiteren ergeben sich Lernschwierigkeiten, da sie Aufgaben und Aktivitäten nur unzureichend koordinieren können, Einzelheiten häufig nicht beachten und sich stattdessen leicht durch Außenreize ablenken lassen. Länger andauernde, insbesondere geistige Tätigkeiten wie Schularbeiten werden oftmals nicht oder nur unzureichend zu Ende geführt, auch aufgrund von oppositionellem Verhalten und Verständnisproblemen.

[...]


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