Autor: Anonym
Fach: Politik - Int. Politik - Allgemeines und Theorien
Details
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (Geschwister Scholl Institut für Politische Wissenschaft)
Jahr: 2002
Seiten: 8
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 72 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-28978-8
Vergleich der Begriffe Macht, Gestaltung der internationalen Ordnung und Menschenbild aus der Perspektive des Politischen Realismus (Morgenthau) und des Strukturellen Neorealismus (Waltz). Das Problem der Analyseebene in der internationalen Politik und seine Konsequenzen. Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen dem Ansatz des Strukturellen Neorealismus (Waltz) und dem Interdependenzansatz von Keohane/Nye. Kernaussagen der Anarchischen Gesellschaft von Hedley Bull.
Textauszug (computergeneriert)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Geschwister-Scholl-Institut für Polittische Wissenschaft
Lehrstuhl Internationale Politik
Vergleich der Begriffe Macht, Gestaltung der internationalen
Ordnung und Menschenbild aus der Perspektive
des Politischen Realismus (Morgenthau) und
des Strukturellen Neorealismus (Waltz)
Gliederung:
1. Vergleichen Sie folgende Begriffe aus der Perspektive des Politischen Realismus (Morgenthau) und des Strukturellen Neorealismus (Waltz):
1.1 Macht
1.2 Gestaltung der internationalen Ordnung
1.3 Menschenbild
1.4 Bedingungsfaktoren für politisches Handeln im internationalen System
2. Was bedeutet das „Problem der Analyseebene“ in der internationalen Politik und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?
3. Stellen Sie die Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen dem Ansatz des Strukturellen Neorealismus (Waltz) und dem Interdependenzansatz von Keohane/Nye fest.
4. Wie lauten die Kernaussagen der „Anarchischen Gesellschaft“ von Hedley Bull?
1. Vergleich von Politischem Realismus (Morgenthau) und Strukturellem Neorealismus (Waltz)
1.1 Macht
Sowohl der Politische Realismus, als auch der Strukturelle Neorealismus betrachten Macht als Kernfaktor für die internationalen Beziehungen. Jedoch gibt es einige wesentliche Unterschiede zwischen beiden Theorien, die es zu beachten gilt. Der Politische Realismus setzt mit der Feststellung an, dass die Politik durch den „im Sinne von Macht verstandene[n] Begriff des Interesses“1 geleitet und von objektiven Gesetzen beherrscht wird. Morgenthau betont, dass Internationale Politik nichts anderes sei, als ein „ein Kampf um Macht“2. Unter diesem weiten Begriff von Macht fasst er „alle gesellschaftlichen Beziehungen, die diesem Ziel dienen, von der physischen Gewaltanwendung bis zu den feinsten psychologischen Bindungen, durch die ein geistiger Wille einen anderen beherrschen kann“3, zusammen.
Außerdem versteht Morgenthau Macht, in Anlehnung an Max Weber, als Herrschaft von Menschen über Menschen4; Machstreben definiert er als menschlichen Trieb, um zu überleben. In seinem Werk „Politics among Nations“ hebt er drei mögliche Ziele der Politik hervor: Erstens den Machterhalt (status quo), zweitens die Machterweiterung (Imperialismus), und drittens die Machtdemonstration (Prestigepolitik).5 Die Macht selbst ist im Politischen Realismus ein übergeordnetes Gesetz, demnach also von Zeit und Ort unabhängig. Jedoch ist zu bemerken, dass ihr Inhalt, d.h. ihre Umsetzung oder Ausübung eng mit den kulturellen und zeitgeschichtlichen Gegebenheiten verknüpft ist. Ferner ist Macht rational und immer relativ. Sie dient einzig und allein dem Selbstzweck. Der Machtbegriff bei Waltz definiert sich dagegen über das sogenannte Sicherheits- und Machtdilemma. Da sich ein Staat bei jeder seiner Handlungen unsicher über der Erfolg und die Gewinnverteilung sein muss, können niemals alle Staaten von einer Veränderung profitieren. Demnach muss es das Ziel eines Staates sein, sich selbst zu erhalten und ein Selbsthilfesystem zu entwerfen.6 Im Gegensatz dazu propagiert der Realismus die Machterweiterung. Ferner steht die „Balance of Power“7, das Gleichgewicht der Mächte, als zentraler Begriff im Vordergrund der neorealistischen Überlegungen. Durch dieses Gleichgewicht, welches laut Waltz automatisch entsteht, wird das Verhalten der einzelnen Staaten erklärt. Es lässt sich behaupten, dass der Begriff von Macht im realistischen Sinne eher eng gefasst ist und sich v.a. auf die militärische Stärke bezieht, wohingegen der neorealistische Ansatz das Machtverständnis weiter ausdehnt, indem er vorwiegend vom Begriff der Sicherheit spricht und auch ökonomische und ökologische Faktoren miteinbezieht.
1.2 Gestaltung der internationalen Ordnung
Morgenthau stellt die Staaten als Akteure in den Vordergrund und betont den ständigen Wettbewerb und Egoismus, sowie die Bedeutung der Außenpolitik. Da jeder Staat nach Macht strebt, existiert ein ständiger Kampf jeder gegen jeden, was wiederum bedeutet, dass derjenige zum Untergang verurteilt ist, der aufgibt. Die internationale Ordnung entsteht, so der Realismus, durch ein Gleichgewicht der Mächte, welches sich durch Stabilität im Sinne einer Abwesenheit von Krieg definiert. Dieses Gleichgewicht der Mächte entsteht zwangsläufig und ist unvermeidlich.8 Konsequenz dieser Gleichgewichtssituation ist das Entstehen von Bündnissen auf der Basis gemeinsamer Interessen. Dabei muss aber unter allen Umständen immer verhindert werden, dass einer der beteiligten Staaten zu mächtig wird und eine dominante Position, einer Weltherrschaft gleichbedeutend, erlangt.
[...]
1 Morgenthau, Hans: Macht und Frieden. Gütersloh, 1963. S. 50.
2 Ebd.: S. 69.
3 Ebd.: S. 55.
4 Ebd.: S. 124.
5 Ebd.: S. 81.
6 Waltz, Kenneth W.: Theory of International Politics. New York, 1979. S. 118.
7 Ebd.: S. 118.
8 Morgenthau, Hans: Macht und Frieden. S. 145/ 146.
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