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Termpaper, 2004, 18 Pages
Author: Dennis Hippler
Subject: Speech Science / Linguistics
Details
Institution/College: Otto-von-Guericke-University Magdeburg (Germanistik)
Tags: Sprache, Deutschen, Russland, Dialektvergleich, Sprachgeschichte
Year: 2004
Pages: 18
Grade: gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-28987-0
File size: 360 KB
Thema ist der linguistische synchrone Vergleich einer in Russland gesprochenen südfränkischen Varietät mit einer schwäbischen. Maßgeblich war für mich dabei die "Vergleichende Laut- und Formenlehre" des Dialektforschers Viktor Schirmunski. Die Hausarbeit wurde entsprechend den Anmerkungen des Dozenten von mir korrigiert.
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Excerpt (computer-generated)
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Fakultät für Geistes- Sozial- und Erziehungswissenschaften
Lehrstuhl für Sprachgeschichte
3. Sem. Germanistik
Die Sprache der Deutschen in Russland –
ein Dialektvergleich
von: Dennis Hippler
Gliederung
1. Einleitung und Zielsetzung S. 3
2. Historische Ursachen und Umstände der Auswanderung S. 4
2.1. Weiterer Verlauf und sprachliche Situation S. 5
3. Zur Einordnung beider Varietäten S. 5
3.1. Sprachprobe: Südfränkische Varietät (Ukraine/Altai) S. 7
3.2. Sprachprobe: Schwäbischer Dialekt (Kaukasus/Kasachstan) S. 8
4. Analyse der Sprachproben S. 9
4.1. Vergleichende Lautlehre S. 9
4.1.1. Auswirkungen der hochdeutschen Lautverschiebung S. 9
4.1.2. Akzent und Reduktion S. 10
4.1.3. Dehnung S. 12
4.1.4. Vokale S. 13
4.1.4.1. Monophthongierung S. 13
4.1.4.2. Diphthongierung S. 13
4.1.4.3. Öffnung und Schließung von Vokalen S. 14
4.2. Vergleichende Formenlehre am Beispiel der Diminution S. 15
4.3. Diglossie und Codeswitching S. 15
4.4. Übergeifende Erkenntnisse / Fazit S. 17
4.5. Literaturverzeichnis S. 18
1. Einleitung und Zielsetzung:
Im Wintersemester 2003/2004 besuchte ich das Proseminar „Sprachgeschichte im Überblick“, in dessen Zusammenhang es galt, nach freigewähltem Thema und in Absprache mit der Dozentin eine Hausarbeit zu erstellen. Die Wahl meines Themas fiel dabei auf die Sprache der Russlanddeutschen bzw. ehemaligen Sowjetdeutschen, auch deshalb, weil ich durch meinen zehnjährigen Unterricht der russischen Sprache während der Schulzeit ein gewisses Interesse für Russland im allgemeinen entwickelt habe. In dem jetzigen Kontext liegt der Focus meiner individuellen Vertiefung auf der soziolinguistischen Darstellung gegenwärtiger deutscher Varietäten im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Nach einer einführenden Erläuterung historischer Ursachen und Umstände der Emigration Deutscher nach Russland werde ich im Hauptteil zwei aktuell auf dem Gebiet der früheren SU gesprochene deutsche Varietäten vorstellen und diese dialektologisch synchron vergleichend analysieren. Dabei werde ich mich gängiger Kategorien der Laut- und Formenlehre bedienen, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, die im Rahmen einer solchen Hausarbeit auch gar nicht möglich ist. Im Anschluss daran möchte ich übergreifende Erkenntnisse - auch im Hinblick auf die Bedingungen des Spracherhaltes und Sprachverlustes - formulieren und ein Fazit aufstellen.
2. Historische Ursachen und Umstände der Auswanderung
In diesem Kapitel möchte ich der Frage nachgehen, wie es in der Geschichte dazu kam, dass sich sehr viele Menschen aus dem deutschsprachigen Raum in die Gebiete des Zarenreiches Russland aufmachten, weshalb sie ihre angestammte Heimat verließen, um in ihnen unbekanntem Terrain ein neues Leben aufzubauen. In Beantwortung dieser Frage müssen wir gedanklich ca. 250 Jahre zurückgehen: in die Zeit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die Zeit des alten Goethe und des großen Schiller, in jene Epoche des Aufstieges und des Falls Napoleons Bonaparte und der Französischen Revolution. Politisch betrachtet herrschten im zersplitterten deutschen Raum absolutistische Verhältnisse. Der Keim nationalstaatlicher Bewegungen mit großem Expansionsdrang brachte nicht selten Kriege mit sich, in deren Folge Land- sowie Stadtbevölkerung Zerstörung und Hungersnöte erleben mussten. Insbesondere der von Preußen unter Friedrich II. geführte Siebenjährige Krieg um die Provinz Schlesien 1756-1763 gegen Österreich, dem Frankreich und Russland beistanden, brachte eine ungeheure Not mit sich. 1775 erinnerte sich „der große Fritz“ an das Kriegsende: „Um sich einen Begriff von der allgemeinen Zerstörung zu machen ... muß man sich völlig verheerte Landstriche vergegenwärtigen ... Städte, die von Grund auf zerstört ..., 13.000 Häuser, die bis auf die letzte Spur vertilgt waren. Nirgends bestellte Äcker, kein Korn zur Ernährung der Einwohner; 60.000 Pferde fehlten den Landleuten zur Feldarbeit.“ (Berger, 107, Q 2) Es fehlte an allem Notwendigem, gleichzeitig trieb ständige Kriegsangst die Menschen um. In jener unsicheren Zeit der Feldzüge Napoleons quer durch Europa waren die Familien zudem der ständigen Gefahr ausgesetzt, dass ihre Männer zum langjährigen Kriegsdienst herangezogen wurden.
Zum Ende des Siebenjährigen Krieges, der für Preußen keine Gebietserweiterung brachte, lud Russlands Zarin Katharina II. (1762-1796), Tochter des Fürsten Christian-August von Anhalt-Zerbst, in einem Manifest Kolonisten aus Mittel- und Südosteuropa ,u.a. Deutsche, dazu ein, in die russischen Gebiete hauptsächlich an der Wolga und auf bzw. an der Krim zu migrieren. (vgl. Eisfeld, 213) Diese Einladung geschah vor dem politischen Hintergrund, Russland in den europäischen Raum zu integrieren und es zur europäischen Großmacht aufsteigen zu lassen. Deutsche Bauern sollten dazu beim Aufbau der russischen Infrastruktur helfen und unbesiedelte Gebiete nutzbar machen. In Folge dieses Manifestes zogen 1764 die ersten deutschen Kolonisten in die russischen Gebiete und gründeten Siedlungen bei Petersburg, an der Wolga, im Schwarzmeergebiet um die Krim sowie im Kaukasus, später auch in Sibirien und Mittelasien. In der Ethnologie wird in diesem Zusammenhang oft von Push- und Pull-Faktoren (aus engl.: schieben und drücken) gesprochen. Der Siebenjährige Krieg hatte die Bauern um die Früchte ihrer Arbeit gebracht, die stark zerstörte Infrastruktur bedeutete einen mit großen Anstrengungen verbundenen Neuanfang, bei ständiger Gefahr eines neuen Krieges. Diese Tatsache `schob` eine Vielzahl von Bauern in die unbesiedelten russischen Gebiete weitab europäischer Kriegsschauplätze, in welche sie durch die Hoffnung auf ein ruhigeres und besseres Leben in stabileren Verhältnissen – initiiert durch Katharinas gezieltes Anwerben - nahezu `gezogen` worden. In den ersten drei Jahren dieser weitreichenden Migration zogen rund 23.000 Siedler vor allem in die Gebiete entlang der Wolga. Diese Menschen kamen aus dem gesamten deutschen Sprachraum, hauptsächlich jedoch aus Hessen, dem Rheinlande, der Pfalz, Württemberg, aus dem Elsaß und Lothringen sowie der Schweiz und den Niederlanden. (vgl. Boldt, 35)
2.1. Weiterer Verlauf und sprachliche Situation
„Im ersten Jahr wurden bereits 104 Siedlungen an der Wolga gegründet, in denen durchschnittlich ca. 220 Menschen lebten. Die Zusammensetzung der Bewohner eines Dorfes war oft rein zufällig. Eine Trennung erfolgte zwar streng nach der Konfession, nicht jedoch nach der Herkunft.“ [www.russlanddeutsche.de] (18.03.2004) Dies führte zu der Situation, dass sich in manchen Orten Kolonisten aus Dutzenden verschiedener Dialektgebiete trafen. Im Dorf Preuß beispielsweise versammelten sich Menschen aus 129 verschiedenen Orten Deutschlands, Österreichs und des Elsaß. Die sich daraus ergebende Vielfalt an Dialekten führte zwangsläufig zu anfänglichen Verständigungsproblemen. Da es in diesen multikulturellen Siedlungen keine Standardsprache gab, verständigten sich die Einwohner mittels eigener Dialekte. (vgl. Rosenberg, 593)
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