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Hauptseminararbeit, 2003, 29 Seiten
Autor: Daniel Koschera
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Details
Institution/Hochschule: Universität zu Köln (Historisches Seminar)
Tags: Monate, Namen, Kalendergedicht, Wandalberts, Prüm, Aussagen, Wertung, Handarbeit, Zeit, Hauptseminar
Jahr: 2003
Seiten: 29
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-29035-7
Dateigröße: 837 KB
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Textauszug (computergeneriert)
„De mensium duodecim nominibus – Von der zwölf Monate
Namen“. Das Kalendergedicht Wandalberts von Prüm und
seine Aussagen über die Wertung der Handarbeit in karolingischer Zeit.
von: Daniel Koschera
10. SEMESTER
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 01
1. Wandalbert von Prüm. Leben und Werk inmitten karolingischer Renovatio. 04
2. Wandalberts Umfeld: Charakteristika der Abtei Prüm und ihre Bedeutung im Karolingerreich. 08
3. De mensium doudecim nominibus: Wandalberts Kalendergedicht und seine Interpretation im Hinblick auf die Wertung der Handarbeit zur Zeit der Karolinger. 10
3.1 Überlieferung und Gattungseinordnung. 10
3.2 „Labor placet.“ Aussagen und Wertungen zu Arbeit in Wandalberts Gedicht. 11
4. Parallelen zu Wandalbert: Weitere Zeitgenössische Arbeitsbilder in Dichtung und Illustration. 17
Schlussbetrachtung 19
Literaturverzeichnis 22
Anhang 25
Einleitung
„Von der zwölf Monate Namen, den Sternbildern, Dem Wetter und der Arbeit im Jahreslauf [...] Was der Erde verleiht der Monde beständiger Wandel, Welche Geschäfte er bringt und was an Besitz er gestaltet; Will ich gebührender Art in Kürze dir, Leser, berichten.“ Diese ersten Zeilen eines von Wandalbert von Prüm verfassten Kalendergedichtes1 machen direkt deutlich, welche Schwerpunkte der karolingische Dichter in diesem 848 von ihm selbst herausgegebenen Werk setzt. Das Thema „Arbeit“ steht mit an vorderster Stelle. Was das Jahr an „Geschäften“ bringt, will Wandalbert hier (unter anderem) schildern.
Das mittelalterliche Verständnis des Begriffes „Arbeit“, seine Wertung durch die Zeitgenossen, erschließt sich nur mühsam aus den herkömmlichen Quellen. Das gilt auch für die Zeit der Karolinger. Die Historiographen schweigen zu diesem Thema weitgehend. Zwischen den Schilderungen der fränkischen Politik, den Taten Karls des Großen und den Konflikten seiner Nachfahren, ist für die Beobachtung des Alltäglichen kaum Platz. Rückschlüsse für die Mentalitätsgeschichte sind schwierig. Es erscheint daher durchaus legitim, ein Gedicht wie das Wandalberts heranzuziehen, um mehr über die Wertvorstellungen der karolingischen Lebenswelt zu erfahren. Natürlich birgt eine literarische Quelle gewisse Risiken, auch wenn Platons Aussage vom lügenden Dichter2 in diesem Zusammenhang etwas überspitzt erscheint. In einer Fragestellung, die nach allgemeinen Werten der Vergangenheit fragt, ist die zeitgenössische Literatur aber möglicherweise aufschlussreicher als die Historiographie, „denn die Dichtung teilt mehr das Allgemeine, die Geschichtsschreibung hingegen das Besondere mit.“3 Daher soll im Folgenden Wandalberts Gedicht „Von der zwölf Monate Namen“ auf seine Aussagen über die Wertung der Arbeit in karolingischer Zeit hin untersucht werden. Die Literatur zu dieser Problematik ist recht übersichtlich. Auch wenn seit Jacques le Goff die Mentalitätsgeschichte einen Aufschwung genommen hat und er selbst das Problem Arbeit immer wieder deutlich thematisiert,4 sind die Auseinandersetzungen mit „De mensium duodecim“5 spärlich. Auch sind sie entweder rein literaturwissenschaftlichen Interesses oder begreifen die Aussagen Wandalberts unreflektiert als historische Realitäten.6 Dass ein Großteil der Literatur darüber hinaus älteren Datums ist, bringt weitere Probleme mit sich.7 Die Auseinandersetzung mit Wandalberts Kalendergedicht, dem „kulturhistorisch bedeutsamste[n]“ 8 Teil seiner Dichtung, erscheint daher durchaus sinnvoll und aktuell.
Ausgangspunkt dieser Arbeit ist ein Referat, dass ich im Rahmen eines Hauptseminars, welches Begriff und Wertung der Handarbeit im Mittelalter zum Thema hatte, an der Universität zu Köln erstellte. Dieses Referat soll hier nun ausgearbeitet werden. Geht man davon aus, dass die vorkarolingische Einstellung zur (Hand-)Arbeit durch eine „Haltung der Geringschätzung“9 oder gar „Verachtung“10 geprägt war, die Arbeit „als Fluch“11 und für die Sünden der Menschheit von Gott verhängte Buße verstand,12 soll nun anhand der Aussagen Wandalberts untersucht werden, ob sich diese Mentalität mit den Karolingern weiter tradiert oder ob es möglicherweise zu einer Neubewertung kommt. Kann das Gedichts Wandalberts vielleicht Indikator für einen Mentalitätswandel sein?
Es ist daher zu fragen, welche Aussagen Wandalbert über die Arbeit macht. Das heißt: welche Art von Arbeit schildert der Dichter und wie wertet er sie möglicherwei- se? Dabei ist stets das Problem der Quellenart zu beachten. Diese Hausarbeit wird daher auch versuchen, darzustellen, welche Schilderungen Wandalberts zeitgenössisch sind, den eigenen Beobachtungen des karolingischen Autors entspringen, und welche unter Umständen literarische Zitate sind, Topoi oder gar Kopien antiker Vorbilder. Vor dieser im Zentrum der Arbeit stehenden, zum Großteil Werk imanenten Auseinandersetzung mit „De mensium duodecim“, bei der literaturwissenschaftliche Aspekte nur am Rande thematisiert werden sollen, ist daher ein Blick auf den Dichter selbst und seine Lebenswelt unumgänglich. Zunächst soll folglich Wandalbert als historische Person thematisiert werden. Woher kommt dieser Dichter? Was wissen wir über sein Leben und sein Werk? Und vor allem: Welche Bildung hat er erhalten, die möglicherweise sein literarisches Schaffen beeinflusst hat? Darüber hinaus ist nach seinem Umfeld zu fragen. Was ist Kennzeichen der Epoche, in der Wandalbert lebt – politisch, ökonomisch, gesellschaftlich und kulturell? Unabdingbar ist aber auch ein Blick auf die nähere Umgebung des Dichters. Wie stellte sich die Abtei Prüm, in der Wandalbert während seiner schriftstellerischen Tätigkeit lebte13, für den Zeitgenossen dar? Welche Relevanz und Funktion hatte sie im Gefüge des Karolingerreichs? Für das Verständnis des Gedichtes sind diese Fragen essentiell. Sie können einen Hinweis darauf geben, ob Wandalbert seine Beobachtungen zur Arbeit dem wirtschaftlichen Alltag der klösterlichen Grundherrschaft Prüms entnommen hat.
[...]
1 De mensium duodecim nominibus signis culturis aerisque qualitatibus. In: Monumenta Germaniae Historica. Poetae Latini II. Weimar, 1884, S. 604-616. Ich verwende in dieser Arbeit die deutsche Übersetzung nach: Schlagberger, Franz X.: Wandalbert von Prüm. Das Kalendergedicht. Bilder des Eifeler Landlebens vor 1150 Jahren. Prüm, 1992, S. 21-52, hier S. 21. Schlagberger selbst fußt auf der ersten deutschen Version der Wandalbertschen Verse, die Paul Herzsohn bereits Ende des 19. Jahrhunderts verfasst hat und die erstmals von Karl Theodor von Inama-Sternegg zur Veröffentlichung gebracht wurde. Vgl.: Von Inama-Sternegg, Karl Theodor: Rheinisches Landleben im 9. Jahrhundert. Wandalberts Gedicht über die 12 Monate. In: Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst 1 (1882), S. 277-290. Herzsohns Version findet sich darüber hinaus weiter publiziert bei: Kentenich, G.: Rheinisches Landleben im 9. Jahrhundert. In: Rheinische Heimatblätter 2/1924, S. 107-119; sowie bei Önnerfors, Alf: Von Heiligen und Jahreszeiten. Die literarische Leistung Wandalberts von Prüm. Olsberg, 1976. Schlagbergers Textvariante hat einige Fehlübersetzungen korrigiert und die bei Herzsohn nicht erfassten Ausführungen zu Monatsnamen und Sternzeichen hinzugefügt. Ansonsten sind beide deutschen Textfassungen weitgehend identisch.
2 „Alle Dicher [...] ahmen Bilder der Tüchtigkeit nach[...]. Mit der Wahrheit aber haben sie nichts zu tun“. Siehe Platon: Der Staat. Über das Gerechte. Übersetzt und erläutert von Ottto Appelt. Hamburg, 1961, S. 393.
3 Aristoteles: Poetik. Hg. von Fuhrmann, Manfred, bibliographisch ergänzte Ausgabe, Stuttgart 1994 (1982), S. 29.
4 Siehe beispielweise seine Ausführungen in: Le Goff, Jacques (Hrsg.): Der Mensch des Mittelalters. Frankfurt am Main/New York, 1989, S. 11f.; Le Goff, Jacques: Für ein anderes Mittelalter. Zeit, Arbeit und Kultur im Europa des 5.-15. Jahrhunderts. Frankfurt am Main/Berlin/Wien, 1984; oder seine zahlreichen Arbeiten für die einschlägigen Nachschlagewerke, u.a. die TRE (s. Anmerkung 9). Dass Le Goff hierbei allerdings zur Wiederholung neigt, lässt sich nicht verkennen.
5 Ich verwende im weitern Verlauf der Arbeit diesen Kurztitel.
6 Allen voran Melchior und Kentenich. Siehe: Melchior, Ludwig: Beiträge zu Kulturgeschichte der Rheinlande im 8. und 9. Jahrhundert. Darmstadt (Diss.), 1904. Melchior nimmt die Schilderungen Wandalberts wortwörtlich für Realität. Dieses unreflektierte Vorgehen zeigt sich auch in anderen Passagen seiner Dissertation, in denen er beispielweise Schilderungen der Annales Fuldenses zu Heuschreckeneinfällen, die doch allzu sehr biblischen Plagen nachempfunden scheinen, übernimmt. Siehe Melchior, Kulturgeschichte, S. 27f.
7 So lassen sich bei Kentenich deutschtümelnde Phrasen und eine bemühte Vereinnahmung des „alte[] germanische Freude“ schildernden Wandalberts in Abgrenzung zu Frankreich nicht verhehlen. Die zeitgenössischen Umstände Kentenichs (Besetzung des Rheinlandes!) machen dies zwar nachvollziehbar, aber historiologisch nicht entschuldbar. Schlagbergers Begeisterung im Sinne einer Einigung des Dreiländer-Ecks, und seine pseudo-europäische Idealisierung Wandalberts und Prüms erscheint mir auf der anderen Seite aber auch problematisch und den Umständen des 9. Jahrhunderts nicht gerecht werdend.
8 Stiene, Heinz Erich: Wandalbert von Prüm. In: Bischoff, Bernhard: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, Sp. 704-710, hier Sp. 707.
9 Le Goff, Jacques: Arbeit (Mittelalter). In: Theologisches Realenzyklopädie, Bd. III. Berlin/New York, 1978, S. 613-669.
10 Wessel, K.: Arbeit. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. I. München, 1980, Sp. 870-888. Hier Sp. 871.
11 Le Goff: Mensch des Mittelalters, S. 11.
12 Siehe Genesis 3, 17-19: „So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln läßt er dir wachsen, und die Pflanzen des Feldes mußt du essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“ Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Altes und Neues Testament. Stuttgart, 1988, S. 8.
13 Ob das Monatsgedicht allerdings in Prüm entstanden ist, wird in der Literatur unterschiedlich beantwortet. Schlagberger ist sich „sicher“, Melchior geht hingegen von Köln als Produktionsort aus. Vgl.: Schlagberger, Franz Xaver: Prüm. Lotharingiens Klosterzentrum im 9. Jahrhundert. Prüm, 1997, S. 80; und Melchior: Kulturgeschichte, S. 7.
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