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Das japanische Gesundheitssystem

Presentation (Elaboration), 2004, 56 Pages
Authors: Master of Science in Public Health and Administration Franziska Bittner, Ute Hehmann
Subject: Economics / Business: Political Economics

Details

Event: Sozial- und Gesundheitssysteme im internationalen Vergleich
Institution/College: University of Applied Sciences Neubrandenburg
Tags: Gesundheitssystem, Sozial-, Gesundheitssysteme, Vergleich
Category: Presentation (Elaboration)
Year: 2004
Pages: 56
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V26849
ISBN (E-book): 978-3-638-29065-4
ISBN (Book): 978-3-638-80205-5
File size: 341 KB
Notes :
1.Mastersemester


Abstract

Das japanische Gesundheitssystem wurde im Jahre 1961 eingeführt und ermöglicht es jedem, die notwendige medizinische Versorgung zu erhalten, die er benötigt. Hierfür ist es erforderlich, Mitglied einer Krankenkasse zu sein. So verfügt Japan – ähnlich wie Deutschland – über ein gegliedertes Krankenversicherungssystem, mit einem Unter-schied. Die gesetzliche Krankenversicherung umfasst die gesamte Bevölkerung, so dass es keine Möglichkeit für Personen höherer Einkommensgruppen gibt, von der gesetzlichen in eine private Krankenversicherung zu wechseln. In Japan gibt es mehr als 5000 Krankenkassen, darunter 1.800 Betriebskrankenkassen und 3.000 Ortskran-kenkassen. Die Finanzierung der Leistungen erfolgt Größtenteils (49,9 Prozent) durch Sozialbeiträge, aber auch durch Steuern und private Zuzahlungen. Dem „Japan Information Network“ (JIN) zufolge ist das japanische Gesundheitssystem beispiellos in der Welt, so dass diesem international vielseitig Lob und Anerkennung entgegengebracht wurde. In diesem Sinne besteht das Ziel dieser Hausarbeit darin, das japanische Gesundheitssystem anhand verschiedener Kriterien vorzustellen: (1) die wirtschaftlichen und demographischen Rahmenbedingungen Japans, (2) die Grundstruktur des Gesundheitswesens, (3) die Mittelaufbringung im Gesundheitswesen, (4) die Leistungserbringung und Inanspruchnahme im Gesundheitswesen, (5) die Mittelverwendung und Vergütung der Leistungserbringer, (6) die Qualitätssicherung der Gesundheitsversorgung, (7) die Mündigkeit und Autonomie der Versicherten und Patienten und (8) die Anforderungen an zukünftige Reformen. Im Anschluß daran erfolgt eine gedankliche Auseinandersetzung mit den hier dargestellten Inhalten, die positive Rückschlüsse erkennen lassen.


Excerpt (computer-generated)

F a c h h o c h s c h u l e N e u b r a n d e n b u r g
Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit
Studiengang Gesundheitswissenschaften

Das japanische Gesundheitssystem

von: Franziska Bittner

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung  5

2 Wirtschaftliche und demographische Rahmenbedingungen  6

3 Grundstruktur des Gesundheitswesens  9

3.1 Leistungserbringer  9
3.2 Versicherungsträger (Krankenversicherung)  10

3.2.1 Das medizinische Versorgungssystem für Rentner  13
3.2.2 Krankenpflege- und medizinisches Versorgungssystem für ältere Menschen  14
3.3 Zentralverband der Krankenversicherungsträger  15

3.4 Pflegeversicherung  17

4 Mittelaufbringung im Gesundheitswesen  19

4.1 Finanzierung der Krankenversicherungsträger  20

4.1.1 Beitragssätze  22
4.1.2 Staatliche Subventionen  23
4.1.3 Zuzahlungen  24
4.1.4 Finanzierung des medizinischen Versorgungssystems für Rentner  26
4.1.5 Finanzierung des Krankenpflege- und medizinisches Versorgungssystems für ältere Menschen  26

4.2 Finanzierung der Pflegeversicherung  27
4.3 Fazit  29

5 Leistungserbringung und Inanspruchnahme im Gesundheitswesen  30

5.1 Ärzte  31
5.2 Krankenhäuser  35
5.3 KrankenpflegerInnen und Apotheken  38

6 Mittelverwendung und Vergütung der Leistungserbringer  40

6.1 Kostenentwicklung im Gesundheitswesen  40
6.2 System der Vergütung medizinischer Leistungen  41
6.3 System der Medikamentenabgabe und Arzneimittelfreisetzung  44
6.4 Leistungsvergütung für die Versorgung alter Menschen  46

7 Qualitätssicherung der Gesundheitsversorgung  47

8 Wettbewerb und Eigenverantwortung: Mündigkeit und Autonomie der Versicherten und Patienten  48

9 Anforderungen an zukünftige Reformen  49

10 Fazit: Was kann man von Japan lernen?  52

Literaturverzeichnis  53
 

 


 

1 Einleitung

Das japanische Gesundheitssystem wurde im Jahre 1961 eingeführt und ermöglicht es jedem, die notwendige medizinische Versorgung zu erhalten, die er benötigt. Hierfür ist es erforderlich, Mitglied einer Krankenkasse zu sein.1 So verfügt Japan – ähnlich wie Deutschland – über ein gegliedertes Krankenversicherungssystem, mit einem Unterschied. Die gesetzliche Krankenversicherung umfasst die gesamte Bevölkerung, so dass es keine Möglichkeit für Personen höherer Einkommensgruppen gibt, von der gesetzlichen in eine private Krankenversicherung zu wechseln. In Japan gibt es mehr als 5000 Krankenkassen, darunter 1.800 Betriebskrankenkassen und 3.000 Ortskrankenkassen. Die Finanzierung der Leistungen erfolgt Größtenteils (49,9 Prozent) durch Sozialbeiträge, aber auch durch Steuern und private Zuzahlungen.2 Dem „Japan Information Network“ (JIN) zufolge ist das japanische Gesundheitssystem beispiellos in der Welt, so dass diesem international vielseitig Lob und Anerkennung entgegengebracht wurde.3 In diesem Sinne besteht das Ziel dieser Hausarbeit darin, das japanische Gesundheitssystem anhand verschiedener Kriterien vorzustellen:

(1) die wirtschaftlichen und demographischen Rahmenbedingungen Japans,
(2) die Grundstruktur des Gesundheitswesens,
(3) die Mittelaufbringung im Gesundheitswesen,
(4) die Leistungserbringung und Inanspruchnahme im Gesundheitswesen,
(5) die Mittelverwendung und Vergütung der Leistungserbringer,
(6) die Qualitätssicherung der Gesundheitsversorgung,
(7) die Mündigkeit und Autonomie der Versicherten und Patienten und
(8) die Anforderungen an zukünftige Reformen.

Im Anschluß daran erfolgt eine gedankliche Auseinandersetzung mit den hier dargestellten Inhalten, die positive Rückschlüsse erkennen lassen.

2 Wirtschaftliche und demographische Rahmenbedingungen

Mit einer Gesamtbevölkerung von 127 Millionen und einer Bevölkerungsdichte von 336 Personen pro km2, nimmt Japan in der globalen Rangordnung den neunten Platz ein. Die Altersstruktur hat sich in den Jahren von 1960 bis 2000 mit einer Erhöhung der Lebenserwartung um 13,4 Jahre deutlich verändert. Im OECD-Vergleich wies Japan diesbezüglich im Jahr 2001 mit einem Anteil von 17,8 Prozent, neben Italien, die zweithöchste Rate auf. Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 81 Jahren liegt Japan an der Spitze der Rangordnung weltweit (siehe Tab.1). Dieser Umstand wird einerseits durch eine extrem niedrige Sterblichkeitsrate von Kindern unter 5 Jahren begleitet. Japan nimmt hier mit 3,1 Todesfällen auf 1000 Lebendgeburten welt-weit den ersten Platz ein, dicht gefolgt von Finnland mit 3,2 Fällen4. In den 60er und 70er Jahren stellte der Schlaganfall die häufigste Todesursache dar, allerdings konnte in der letzten Hälfte der 70er Jahre diesbezüglich ein starker Rückgang beobachtet werden. Seit den 80er Jahren zählt vielmehr Krebs zu der häufigsten Todesursache bei einem kontinuierlichen Jahresanstieg. Ein Überblick des Gesundheitsministeriums veranschaulicht die prozentualen Verteilungsverhältnisse der Todesursachen aus dem Jahr 1995: Krebs (28,2%), cerebrovaskuläre Erkrankungen (15,9%), Herzerkrankungen (15,1%) und Lungenentzündungen (8,6%).5 Der Trend immer älter werdender Menschen kombiniert mit einer Reduktion der Fertilitätsrate, führt zu einem ständigen Anstieg der älteren Bevölkerung – eine Entwicklung wie sie in anderen OECD-Ländern gleichen Falls zu beobachten ist6. Diese Entwicklung geht mit hohen Gesundheitsausgaben einher. Mit einem Level von 8 Prozentpunkten des Bruttoinlandproduktes wendet Japan jedoch weit aus weniger Kosten auf, als dies für ein OECD-Land mit einem derartigen Lebensstandard erwartet werden könnte. Im Vergleich hierzu weist Deutschland eine Rate von 10,7 Prozentpunkten auf und ist damit OECD-führend. Die Vereinigten Staaten von Amerika hinge- Tabelle 1: wirtschaftliche und demographische Rahmenbedingungen in Japan [Tabelle in der Downloaddatei vorhanden]

Abbildung 1: Entwicklung der Gesundheitsausgaben 1970-2001, in % des Bruttoinlandproduktes [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]

3 Grundstruktur des Gesundheitswesens

Das Gesundheitssystem Japans ist durch private Besitzstände der Anbieterseite (Krankenhäuser, Arztpraxen, Apotheken, Pflegeeinrichtungen) einerseits und durch die öffentliche Finanzierung der Nachfrageseite (Krankenversicherung) andererseits charakterisiert. So sind es hauptsächlich private Einrichtungen, die Gesundheitsleistungen anbieten. Allerdings steht der Erwerb von Gesundheitsleistungen der gesamten Bevölkerung unter Kontrolle des Staates und der Versicherungsträger. In Japan besteht von daher eine Versicherungspflicht der gesamten Bevölkerung.10 Zu den drei Hauptakteuren des japanischen Gesundheitssystems zählen die Patienten, die Leistungserbringer und die Versicherungsträger. Da letztere in öffentlicher Hand liegen und in vertraglicher Beziehung mit privaten Anbietern stehen, handelt es sich bei dem japanischen Gesundheitssystem um ein „öffentliches Vertragsmodell“ („public contract model“).11

3.1 Leistungserbringer

[...]


1 (vgl. www.jinjapan.org, Stand: 08.01.2004)

2(vgl. Schneider et al., 1995, S. 313)

3 (vgl. www.jinjapan.org, Stand: 08.01.2004)

4 Im Vergleich dazu: Deutschland weist 4,5 Todesfälle auf 1000 Lebendgeburten auf.

5 (vgl. JIN, www.jinjapan.org/ccess/health/insurance.html; [Stand: 08.01.2004])

6 (vgl. www.oecd.org/dataoecd/...; [Stand: 12.01.2004])

7 (Quelle: Wallraf, Wolfram, 2000, S. 17)

8 Zahl stammt aus dem Jahr 1999

9 gemessen an aktuellen Preisen und Wechselkursen; Quelle: http://cs4-hq.oecd.org)

10 (vgl.: OECD, 2001, S. 10)

11 (vgl.: OECD, 2001, S. 10)
 


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