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Sandro Botticelli: "Primavera". Eine Werkanalyse

Scholary Paper (Seminar), 2004, 15 Pages
Author: Corinna Friedrich
Subject: Art - Painting

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 15
Grade: 2
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V26900
ISBN (E-book): 978-3-638-29097-5
ISBN (Book): 978-3-638-74739-4
File size: 159 KB

Abstract

Das Gemälde „Primavera“ von Sandro Botticelli wird in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert und gilt als ein Höhepunkt der Florentinischen Renaissance Malerei. Renaissance kommt aus dem Französischen und kann übersetzt werden mit: „Wiedergeburt der Künste“. Diese Kunst war von der Suche nach Neuerungen geprägt, zu denen unter anderem auch das Aufkommen mythologischer Bilder gehörte. Die Darstellungen orientieren sich an Geschichten aus vorchristlicher Zeit, in denen vom Leben der Götter und Helden und von ihrem Verhältnis zueinander die Rede ist . Für die Menschen war die Mythologie der bewunderten Griechen und Römer wesentlich mehr als eine Sammlung von heiteren, gefälligen Märchen. Sie waren so von der überlegenen Weisheit des Altertums durchdrungen, dass sie meinten, in diesen antiken Sagen müsse eine tiefe, geheimnisvolle Wahrheit verborgen sein . Die Künstler begaben sich mit dieser Art von Malerei auf ein neues Gebiet, denn für die Darstellung mythologischer Geschichten oder Personen gab es bisher kaum Vorbilder. Aufgrund der langjährigen Unklarheit über die genaue Datierung der „Primavera“ und die damit verbundenen möglichen Unterschiede in der Entstehungsgeschichte ist sie wie kaum ein anderes Gemälde immer wieder neu interpretiert worden. Im folgenden werde ich auf verschiedenen Interpretationsmodelle eingehen und sie weiter erläutern.


Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Kunstgeschichte
Propädeutikum Ikonographie
Wintersemester 2003/2004

Sandro Botticelli
„Primavera“

von

Corinna Friedrich

Amerikanische Kulturgeschichte 2. FS (HF)
Kunstgeschichte 2. FS (NF)

 

Gliederung:

1.) Mythen und ihre Bilder  1

2.) Sandro Botticelli „Primavera“
2.1) Bildbeschreibung  1
2.2) Die Mythologie des Bildes  3
2.3) Primavera als Bild der Hochzeit  5
2.4) Florenz als Garten der Venus  8

3.) Die Primavera als Schwellenbild  12

4.) Bibliographie  13

 

1.) Mythen und ihre Bilder

Das Gemälde „Primavera“ von Sandro Botticelli wird in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert und gilt als ein Höhepunkt der Florentinischen Renaissance Malerei. Renaissance kommt aus dem Französischen und kann übersetzt werden mit: „Wiedergeburt der Künste“. Diese Kunst war von der Suche nach Neuerungen geprägt, zu denen unter anderem auch das Aufkommen mythologischer Bilder gehörte. Die Darstellungen orientieren sich an Geschichten aus vorchristlicher Zeit, in denen vom Leben der Götter und Helden und von ihrem Verhältnis zueinander die Rede ist1. Für die Menschen war die Mythologie der bewunderten Griechen und Römer wesentlich mehr als eine Sammlung von heiteren, gefälligen Märchen. Sie waren so von der überlegenen Weisheit des Altertums durchdrungen, dass sie meinten, in diesen antiken Sagen müsse eine tiefe, geheimnisvolle Wahrheit verborgen sein2. Die Künstler begaben sich mit dieser Art von Malerei auf ein neues Gebiet, denn für die Darstellung mythologischer Geschichten oder Personen gab es bisher kaum Vorbilder. Aufgrund der langjährigen Unklarheit über die genaue Datierung der „Primavera“ und die damit verbundenen möglichen Unterschiede in der Entstehungsgeschichte ist sie wie kaum ein anderes Gemälde immer wieder neu interpretiert worden. Im folgenden werde ich auf verschiedenen Interpretationsmodelle eingehen und sie weiter erläutern.

2.) Sandro Botticelli „Primavera“

2.1) Bildbeschreibung

Das Gemälde „Primavera“ gilt als das grösste Tafelbild mythologischen Inhalts aus dem 15. Jahrhundert. Es wurde mit Tempera auf Holz gemalt und besitzt die Maße 203 x 314 cm und ist heute in den Uffizien in Florenz zu besichtigen. Es zeigt eine blumenreiche Wiese inmitten eines Orangenhains. Auf dieser Lichtung sind neun Personen zu erkennen, die scheinbar in unterschiedliche Beziehungsgefüge gruppiert sind. Die Dreiergruppe in der rechten Bildhälfte zeigt eine reich mit Blumen geschmückte, schreitende Frau, die in eine mit Blumen gefüllte Falte ihres Gewandes greift. Zu ihrer Rechten erkennt man eine junge Frau mit wehenden blonden Haaren und durchsichtigem Kleid, die zwar in den Vordergrund des Bildes zu flüchten scheint, ihren Kopf aber gleichzeitig zu einer hinter ihr befindlichen männlichen Person wendet. Dieser schräg aus den Bäumen schwebende Mann mit Flügeln versucht sie zu greifen. In der Mittelachse des Gemäldes befindet sich ebenfalls eine junge Frau mit einem roten Umhang in der Hand, die ihren Kopf etwas zur Seite neigt und den Betrachter direkt anblickt. Genau über ihr, am oberen Rand des Bildes schwebt ein pfeilschiessender Putto mit verbundenen Augen. Auf der linken Seite des Bildes, direkt neben der Zentralfigur erkennt man eine Gruppe von drei sich an den Händen haltenden Tänzerinnen mit durchsichtigen Schleiergewändern. Am linken Bildrand erscheint ein junger Mann, der mit erhobenem Arm einen Stab in die Blätterzone der Orangenbäume richtet. Im Hintergrund erblickt man zwischen den Bäumen eine hellblaue Atmosphäre, die nur an den äusseren Rändern des Gemäldes durch angedeutete Hügellandschaften und Felder unterbrochen ist. 

Die Bildkomposition ergibt eine ideale Verbindung von Mittel- und Hintergrund durch das gleichförmige, zur Mitte hin ansteigende Oval der Wiese, die Personenanordnung und die Baumkronen. Botticelli verstand es ausserdem einwandfrei, in diesem Bild eine Aufhebung der Grenze zwischen Bewuchs und Person herzustellen, so das eine harmonische Einheit zwischen Mensch und Natur entstand. „Den aufrecht sich bewegenden Gestalten der linken Bildhälfte entsprechen die hinter ihnen postierten geraden Stämme, während die gebogenen, durch den Sturmeinbruch gebeugten Bäume am rechten Bildrand das Niederfliegen des männlichen Flügelwesens ebenso aufnehmen wie die gekrümmte Haltung der fliehenden Frau.“3 Ein pflanzlicher Baldachin aus zwei Bäumen, der die Frau im Zentrum als Hauptperson des Bildes umgibt, ist eine weitere Grenzaufhebung, denn die Baumstämme sind jeweils die scheinbare Verlängerung von der Blumenfrau auf der rechten Seite, und einer der Tänzerinnen auf der linken Seite. All diese Komponenten verbinden die verschiedenen Personen kunstvoll miteinander, doch trotzdem erwecken sie den Eindruck von Einzelgängern mit einem gewissen Desinteresse an ihrer Umwelt.

[....]


1 Zöllner, Frank, Botticelli: Toskanischer Frühling. München 1998, S.6

2 Gombrich, E. H., Die Geschichte der Kunst. Berlin 1996, S.263

3 Bredekamp, Horst, Botticelli Primavera - Florenz als Garten der Venus. Frankfurt 1988, S.9


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