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Analyse der Novelle von Martin Walser: "Ein fliehendes Pferd"

Termpaper, 2004, 27 Pages
Author: Magistra Artium Melanie Kindermann
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Novellen des 20. Jahrhunderts II
Institution/College: University of Heidelberg (Germanistisches Seminar)
Tags: Analyse, Novelle, Martin, Walser, Pferd, Novellen, Jahrhunderts
Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 27
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 25  Entries
Language: German
Archive No.: V26909
ISBN (E-book): 978-3-638-29100-2
ISBN (Book): 978-3-638-64666-6
File size: 256 KB

Abstract

In dieser Arbeit stehen die Analyse der Struktur und der Figuren von Martin Walsers Novelle "Ein fliehendes Pferd" im Mittelpunkt. Bezeichnet Walser sein GLANZSTÜCK mit Recht als Novelle? Um dieser Frage nachzugehen wird Walsers Werk anhand Definition, Aufbau und Struktur der Gattung Novelle untersucht. Zentral ist außerdem eine eingehende Analyse der Charaktere, die mit einem ausführlichen Vergleich der beiden männlichen Protagonisten schließt.


Excerpt (computer-generated)

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Germanistisches Seminar
SoSe 2002

Hauptseminar: Novellen des 20. Jahrhunderts II
Bereich: Neuere deutsche Literatur

Martin Walser: „Ein fliehendes Pferd“
Eine Novelle

Verfasserin:

Melanie Kindermann

abgegeben am
25.06.2004

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung  3

1. Zum Novellenbegriff  4
1.1 Zur Geschichte der Novelle  4
1.2 Zur Novellendefinition  5

2. Martin Walser: Ein fliehendes Pferd. Eine Novelle  8
2.1 Inhalt  9
2.2 Struktur und Aufbau  10
2.3 Die Charaktere  15
2.3.1. Zur Symbolik der Namen  16
2.3.2 Helmut und Sabine Halm  17
2.3.3 Klaus und Helene Buch  21
2.3.4 Vergleich Helmut – Klaus  23

3. Schlussbetrachtung  25

Literaturverzeichnis  26

 

Einleitung

Martin Walsers Novelle Ein fliehendes Pferd erschien im Jahr 1978. Marcel Reich- Ranicki urteilte nach ihrem Erscheinen in der FAZ: 


„Martin Walsers Novelle ‚Ein fliehendes Pferd’ halte ich für sein reifstes, sein schönstes und bestes Buch. Diese Geschichte zweier Ehepaare, die sich zufällig während ihrer Ferien in einem Ort am Bodensee treffen, ist das Glanzstück deutscher Prosa dieser Jahre, in dem sich Martin Walser als Meister der Beobachtung und der Psychologie, als Virtuose der Sprache bewährt.“1

Diese Arbeit untersucht Walsers Novelle hinsichtlich ihrer formalen Struktur sowie bezüglich ihrer Protagonisten. Es stellt sich die Frage, ob Walser sein GLANZSTÜCK mit Recht als Novelle bezeichnet. Um dieser Frage nachzugehen wird im ersten Kapitel die Gattung der Novelle allgemein vorgestellt. Zunächst wird die literaturgeschichtliche Entwicklung der Novelle kurz umrissen. Daraufhin wird eine Definition der Novelle gegeben. Da es in der Literaturforschung keinen einheitlichen Novellenbegriff gibt werden einige wichtige Novellentheorien erläutert. Insbesondere sollen die formalen Bedingungen, die eine Novelle erfüllen muss, vorgestellt werden. Im zweiten Kapitel wird Walsers Novelle Ein fliehendes Pferd behandelt. Nach einer kurzen Wiedergabe des Geschehens wird die Novelle bezüglich Aufbau und Struktur untersucht. Es soll festgestellt werden, ob die formalen Bedingungen, der eine Novelle unterliegt, gegeben sind. Es folgt eine ausführliche Interpretation der Charaktere, insbesondere eine Betrachtung der beiden Protagonisten Helmut Halm und Klaus Buch, wobei auch die Symbolik der Namen beachtet wird. Die Untersuchung der Figuren schließt mit einem Vergleich der beiden männlichen Charaktere. Abschließend werden die Ergebnisse dieser Arbeit noch einmal zusammengefasst dargestellt.

1. Zum Novellenbegriff

Um Walsers Ein fliehendes Pferd hinsichtlich der Frage, ob sein Werk die formalen und inhaltlichen Bedingungen einer Novelle erfüllt, untersuchen zu können, muss zunächst der Begriff der Novelle dargestellt werden. Im folgenden Kapitel wird daher die literaturgeschichtliche Entwicklung der Novelle als Gattung im Überblick dargestellt. Darauf folgend werden der Novellenbegriff im Allgemeinen sowie seine gegebenen Bedingungen erläutert, indem einige wichtige Novellentheorien der deutschen Novellenforschung seit dem 18. Jahrhundert in Kürze dargelegt werden.

1.1 Zur Geschichte der Novelle

Das Wort Novelle geht etymologisch auf lat. novus neu zurück. Es ist aus it. novela kleine Neuigkeit entlehnt.2 Ursprünglich stammt der Ausdruck Novelle aus dem Bereich der Rechtswissenschaft und bezeichnet ein Nachtragsgesetz. Von italienischen Humanisten wurde der Begriff der Novelle auf den Bereich der Literatur und der Dichtkunst übertragen.3 In Europa hat die Bedeutung des Worts Novelle eine wandlungsreiche Geschichte erfahren. Im Laufe von Jahrhunderten wurde der Begriff unterschiedlich verwendet sowie auf verschiedene Bereiche übertragen. 4 

Um 1350 schreibt der Italiener Giovanni die Boccaccio einen Novellenzyklus mit dem Titel Il Decamerone. Dieser Zyklus beinhaltet 100 Erzählungen, die in eine Rahmenerzählung gebettet sind, inhaltlich aber kaum etwas miteinander gemeinsam haben, außer dem Hauptthema Liebe.5 Boccaccio gilt seitdem als Urvater der Gattung Novelle.6 Die so genannte Falkennovelle gilt als bekannteste aus dem Decamerone-Zyklus. Der Falke in dieser Erzählung gilt als Leitmotiv, so genanntes Dingsymbol, das die gesamte Handlung der Novelle beeinflusst und forciert. Das Leitmotiv einer Novelle wird daher auch üblicherweise als Falke bezeichnet.7 

Die Konzeption des Decamerone galt durch viele Jahrhunderte hindurch als Vorbild für die europäische Novellendichtung. Novellenerzählungen gibt es aber nicht erst seit dem 14. Jahrhundert. Themen, Motive sowie Methoden novellistischen Erzählens reichen lange zurück bis in die Antike. Als Beispiel gelten die Erzählungen über die Perserkriege des griechischen Geschichtsschreibers Herodot, aber auch Heiligenlegenden des Mittelalters oder Verserzählungen des französischen Hochmittelalters.8

[....]


1 Reich-Ranicki, Marcel: Entgegnung. Zur deutschen Literatur der siebziger Jahre.1981, S. 182.

2 Vgl. Meid, Volker: Sachlexikon Literatur, 2000. Novelle.

3 Vgl. Degering, Thomas.: Kurze Geschichte der Novelle, 1994. S. 7.

4 Vgl. Aust, Hugo: S. 18.

5 Vgl. Degering, S. 13.

6 Vgl. ebd. S. 11.

7 Vgl. ebd. S. 15f.

8 Vgl. Degering: S. 11.


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