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Strukturen der Herrschaft Ottos des Großen

Termpaper, 2000, 24 Pages
Author: Hans-Joachim Frölich
Subject: History - Middle Ages, Early Modern

Details

Category: Termpaper
Year: 2000
Pages: 24
Grade: Sehr gut (1,3)
Language: German
Archive No.: V26920
ISBN (E-book): 978-3-638-29111-8
ISBN (Book): 978-3-638-64925-4
File size: 203 KB

Abstract

Die Katastrophe schien perfekt: Im Juli 955 erreichten Boten Herzog Heinrichs von Bayern König Otto den Großen in Sachsen mit einer schlimmen Nachricht. Die Ungarn, so berichteten sie, drängen in das Reich ein und suchten die Schlacht mit dem Herrscher. Dabei hatte Otto ganz andere Sorgen. Gerade erst hatte er mit letzter Kraft den Aufstand seines Sohnes Liudolf und seines Schwiegersohnes Konrads des Roten niedergeschlagen, und die Sachsen in seiner Heimat mussten sich der Slawen erwehren, fielen also zur Ungarnabwehr aus. Was tun? Nach 19 Jahren als König über Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben und Lothringen schien das Ende Ottos nah. Ein ruhiges Dasein war dem Sohn Heinrichs I. auch bis dahin nicht beschieden gewesen. Die eben verrauchende Empörung seines eigenen Sohnes hatte Otto zum zweiten Mal in Bedrängnis gebracht. Schon ganz zu Beginn seiner Herrschaft hatte er sich gegen seinen Bruder Heinrich zur Wehr setzen müssen, und sächsischer Adel war ohnehin immer mit von der Partie. Wie nun hatte Otto überhaupt den Thron verteidigen können? Und was trieb die Aufständischen? Die Strukturen der Herrschaft Ottos und die Hintergründe der Empörungen sollen im Folgenden erhellt werden. Einer Skizze der Ausgangslage und der Aufstände folgt eine Analyse der Motivationen der Rebellierenden. Nach Vorstellung der Lösungsversuche Ottos fällt schließlich der Blick auf die konkrete Herrschaftspraxis vor dem Hintergrund der Schlacht gegen die Ungarn, die auf dem Lechfeld stattfinden sollte.


Excerpt (computer-generated)

Strukturen der Herrschaft Ottos des Großen

Hausarbeit

Proseminar
„Otto der Große und die Schlacht auf dem Lechfeld 955”
Sommersemester 2000

von

Hans-Joachim Frölich

Neuere Geschichte
2. Fachsemester

Inhaltsverzeichnis 

1. Einleitung 1

2. Gewandelte Herrschaftsstruktur 1
2.1. Neues Konfliktpotential 2
2.2. Die Krisen der Herrschaft 3
2.3. Die Ursachen der Aufstände 4
2.3.1. Der Machtanspruch Ottos 4
2.3.2. Das Problem der Einzelthronfolge 6
2.3.3. Die Mitsprache im Reich 7

3. Lösungsversuche 9
3.1. Die Familienpolitik 9
3.2. Ein Reichskirchensystem? 10
3.2.1. Zum Verhältnis von Reichskirche und König 10
3.2.2. Auswirkungen auf die Herrschaftspraxis 13

4. Die Herrschaftspraxis Ottos und die Organisation seiner Gegner 13
4.1. Die horizontale Organisation des Adels 14
4.2. Herrschaftspraxis und kirchliche Feste 14
4.3. Herrschaftspraxis 954 bis 956 - Die Wege des Königs unter dem Eindruck der Krise 16

5. Schluss 19

 

1. Einleitung

Die Katastrophe schien perfekt: Im Juli 955 erreichten Boten Herzog Heinrichs von Bayern König Otto den Großen in Sachsen mit einer schlimmen Nachricht. Die Ungarn, so berichteten sie, drängen in das Reich ein und suchten die Schlacht mit dem Herrscher.1 Dabei hatte Otto ganz andere Sorgen. Gerade erst hatte er mit letzter Kraft den Aufstand seines Sohnes Liudolf und seines Schwiegersohnes Konrads des Roten niedergeschlagen, und die Sachsen in seiner Heimat mussten sich der Slawen erwehren, fielen also zur Ungarnabwehr aus. Was tun?

Nach 19 Jahren als König über Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben und Lothringen schien das Ende Ottos nah. Ein ruhiges Dasein war dem Sohn Heinrichs I. auch bis dahin nicht beschieden gewesen. Die eben verrauchende Empörung seines eigenen Sohnes hatte Otto zum zweiten Mal in Bedrängnis gebracht. Schon ganz zu Beginn seiner Herrschaft hatte er sich gegen seinen Bruder Heinrich zur Wehr setzen müssen, und sächsischer Adel war ohnehin immer mit von der Partie.

Wie nun hatte Otto überhaupt den Thron verteidigen können? Und was trieb die Aufständischen? Die Strukturen der Herrschaft Ottos und die Hintergründe der Empörungen sollen im folgenden erhellt werden. Einer Skizze der Ausgangslage und der Aufstände folgt eine Analyse der Motivationen der Rebellierenden. Nach Vorstellung der Lösungsversuche Ottos fällt schließlich der Blick auf die konkrete Herrschaftspraxis vor dem Hintergrund der Schlacht gegen die Ungarn, die auf dem Lechfeld stattfinden sollte.

2. Gewandelte Herrschaftsstruktur

23 Jahre war Otto I. alt, als er am 7. August 936 in Aachen den Thron Karls des Großen2 bestieg. Erzbischof Hildebert von Mainz überreichte dem jungen Herrscher die Insignien, die vier Herzöge übernahmen beim folgenden Krönungsmahl die Hofämter. Doch die von Widukind geschilderte Eintracht3 war nicht von langer Dauer.

Was Otto und die Herzöge auseinanderbrachte, war in der Krönungszeremonie schon symbolisch vorweggenommen.4 Der Sohn wollte die Politik seines Vaters Heinrich nicht unverändert fortsetzen. Zum einen deutete die Wahl Aachens vielmehr auf ein Anknüpfen an karolingische Traditionen hin.5 Zum anderen betonte die Weihe, auf die Heinrich I. noch verzichtet hatte, das Gottesgnadentum Ottos6 - an das „Reichskirchensystem” allerdings kann hier erst der moderne Leser denken7. Dennoch: Es zeigen sich bereits zwei politische Grundlinien des neuen ostfränkischen Königs, ohne die weder die bald aufkommenden Konflikte noch ihre Lösungen zu verstehen wären.

2.1. Neues Konfliktpotential

Anknüpfen an karolingische Tradition - das bedeutete vor allem einen erhöhten Machtanspruch Ottos.8 Dass sein Vater nicht auf einer unbedingten Verfügungsgewalt über die Fürsten des Reichs bestand, hatte sich schon darin ausgedrückt, dass er als Ungesalbter der Sakralität entbehrte, die ihn über die Herzöge prinzipiell erhoben hätte.9 Mit seiner amicitia-Politik war es Heinrich gelungen, eine Kräftebalance zwischen Fürsten und Königtum herzustellen.10

[....]


1 Widukind III, 44.

2 Vgl. Josef Fleckenstein, Das Reich der Ottonen im 10. Jahrhundert, in: Herbert Grundmann (Hg.), Gebhardt
Handbuch der deutschen Geschichte, Stuttgart9 1970, 2. Neudruck 1981, 217-83, 235; Zur Echtheit des Karlsthrons
vgl. „Zurück bis Salomon”, Norbayerischer Kurier v. 6. Juni 2000.

3 Widukind II, 1-2.

4 Vgl. Gerd Althoff, Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat (Urban-Taschenbücher Bd.473), Stuttgart et al.
2000, 75.

5 Vgl. etwa Helmut Beumann, Die Ottonen (Urban-Taschenbücher Bd.384), Stuttgart et al.2 1991, 53 f.; Josef
Fleckenstein, Grundlagen und Beginn der deutschen Geschichte (Deutsche Geschichte Bd.1, hg. v. Joachim
Leuschner), Göttingen 1974, 142 f.
2000, 75.

6 In deutlicher Verbindung mit den resultierenden Pflichten, hebt Althoff, Ottonen (wie Fn.4), 72 f., hervor.

7 Hier deute sich „aber doch auch eine veränderte Einstellung zur Kirche an”, formuliert Kurt Reindel, Königtum
und Kaisertum der Liudolfinger und frühen Salier in Deutschland und Italien (919-1056), in: Theodor
Schieder (Hg.), Handbuch der europäischen Geschichte Bd.1, Stuttgart3 1992, 665-730, 680, vorsichtig.

8 Vgl. Fleckenstein, Reich der Ottonen (wie Fn.2), 236.

9 Beumann, Ottonen (wie Fn.5), 61.

10Vgl. Gerd Althoff, Königsherrschaft und Konfliktbewältigung im 10. und 11. Jahrhundert, in: FMSt 23
(1989), 265-90, 289 m.w.N.


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