Milieus in der Erlebnisgesellschaft nach Schulze

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Details
Autor: Cynthia Dittmar
Fach: Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Veranstaltung: Arbeit, Technik uznd Gesellschaft
Institution/Hochschule: Universität Osnabrück (Soziologie)
Jahr: 2004
Seiten: 10
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 170 KB
ISBN: 978-3-638-29120-0
Textauszug
Milieus in der Erlebnisgesellschaft nach Schulze
von: Cynthia Dittmar
1. Einführung 3
2. Milieus in der Erlebnisgesellschaft nach Schulze 3
2.1. Milieubildende und -anzeigende Zeichen 4
2.1.1. Alltagsästhetischer Stil als Zeichen 4
2.1.2. Alter als Zeichen 4
2.1.3. Bildung als Zeichen 5
2.2. Die 5 Milieus nach Schulze 5
2.2.1. Niveaumilieu 6
2.2.2. Harmoniemilieu 6
2.2.3. Integrationsmilieu 7
2.2.4. Selbstverwirklichungsmilieu 7
2.2.5. Unterhaltungsmilieu 8
3. Fazit 8
4. Glossar 9
5. Literatur 10
1. Einführung
Gerhard Schulze beschreibt in seiner umfassenden Studie „Die Erlebnisgesellschaft – Kultursoziologie der Gegenwart“ die neue Gesellschaft deren kollektive Basismotivation die Erlebnisorientierung ist. Insbesondere versucht Schulze Gemeinsamkeiten von Milieus und Szenen herauszuarbeiten und empirisch zu belegen. Wichtige und interessante Ele mente von Schulzes These sind ein neues Milieuverständnis sowie ein Handeln der Individuen, welches nur noch auf das kurzfristige Erleben und eine erfolgreiche Ästhetisierung ausgerichtet sind und sich unter dem Einfluss innenorientierter Lebensauffassungen entwickeln 1. ,,Die Suche nach dem schönen Erlebnis ist zu einem wichtigen Bestandteil des Alltags geworden."2 Dieses Handeln führt auch zu einer Veränderung der sozialen Wahrnehmung. ,,Früher waren Milieus vor allem regional und ökonomisch definiert, es gab kaum einen individuellen Spielraum jenseits des Existenzminimums, in einer Warenwelt geringer Diversifizierung, eingeschränkt durch Konvention und kontrolliert durch Sanktionen. In einer Welt eines diversifizierenden Warenangebots, der schrankenlosen Kommunikation, der Aufhebung von Konventionen wird die Konstitution des Milieus immer stärker zu einem aktiven Akt der Menschen."3 Neu treten dabei ,,altersspezifische Milieus als gegeneinander abgegrenzte Kontaktfelder mit eigenen Mentalitäten"4 bzw. ,,kohortenspezifische Erlebnismilieus"5 auf. Die Zunahme der Bedeutung differenzierbarer Lebensstile zeigt sich in der heute schon für viele selbstverständlich erscheinenden, ,,zunächst kaum merklichen Veränderung der sozialen Unterscheidungspraxis."6 Die Menschen sind dazu übergegangen, sich selbst und andere nach Lebensstilkriterien zu beurteilen und Kommunikations- sowie Kontaktchancen davon abhängig zu machen. Im Prinzip sekundäre Geschmacksfragen werden dadurch zu Stilfragen und -urteilen erhoben, um zu definieren, ,,zu welchen Szenen wir uns zuordnen, zu
2. Milieus in der Erlebnisgesellschaft nach Schulze
Gerhard Schulze versteht unter sozialen Milieus ,,große Personengruppen mit ähnlichen subjektiven und situativen Merkmalen, die sich von einander durch erhöhte Binnenkommunikation abheben"7 und die typische Existenzformen aufweisen. Binnenkommunikation wiederum ,,manifestiert sich in erhöhter Wahrscheinlichkeit persönlicher Kontakte von Angehörigen derselben Gruppe, insbesondere in Partner- und Freundschaftsbeziehungen, im Bekanntenkreis, in Vereinen, in Szenen". 8 Sie bewirkt Stabilisierung, sorgt für ähnliche Verarbeitung von Erlebnissen und erzeugt Gruppenbewusstsein. Laut Schulze lässt sich die Entstehung sozialer Milieus nicht durch ein zeitloses Modell beschreiben. 9 Die Milieubildung läuft heute nach einem anderen Muster als früher ab: ,,Beziehungswahl ist an die Stelle von Beziehungsvorgabe getreten".10
2.1. Milieubildende und -anzeigende Zeichen
Die Binnenkommunikation sozialer Milieus erfolgt über die wechselseitige Dekodierung sozialer Stile. ,,Die Wahrnehmung erfolgt über milieuinduzierende Zeichen, die schnell und einfach dekodierbar sei müssen. Als wesentliche Eigenschaften gelten Evidenz und Signifikanz."11 Unter Evidenz ist leichte Wahrnehmbarkeit und unter Signifikanz relative Zuverlässigkeit zu verstehen. Daher sind für Gerhard Schulze drei Zeichen von besonderer Bedeutung: Stiltyp, Alter und Bildung.12
2.1.1. Alltagsästhetischer Stil als Zeichen
Der Kaufpreis einer Ware an sich sagt kaum noch etwas über die soziale Lage seines Besitzers aus. Denn durch den hohen Lebensstandard ist es im Prinzip jedem möglich, sich mit jeder Ware (und damit mit dem zugehörigen Status, bezogen auf die ,,alte" soziale Hierarchie mit ihren Zeichen Berufsposition und Vermögen) "auszustatten". Deshalb ist es wichtig, mit der Ware nicht nur einen Gebrauchs-, sondern auch einen Erlebniswert zu erwerben. Da Konsum in der Bundesrepublik kaum noch Notwendigkeitskonsum, sonder immer mehr Wunschkonsum ist, weisen angeeignete Dinge, die am anderen zu erkennen sind, nicht auf dessen Lebensbedürfnisse, sondern auf die ,,Erlebensbedürfnisse" hin. Die Ware zeigt nicht soziale Ungleichheit, sondern Subjektivität an:13 ,,Je mehr ich auf das, was ich habe, verzichten kann, desto mehr zeige ich, auf was ich nicht verzichten will."14
2.1.2. Alter als Zeichen
[...]
1 vgl. SCHULZE 1992, S. 54
2 MICHAILOW 1996, S. 89
3 vgl. ebd., S. 182
4 ebd., S. 188
5 ebd., S. 189
6 ebd., S. 80
7 SCHULZE 1992, S. 23
8 ebd. S. 174
9 vgl. ebd., S. 175
10 ebd., S. 88
11 KLOCKE 1993, S. 91
12 vgl. SCHULZE 1992, S. 184 ff
13 vgl. SCHULZE 1990, S. 415
14 ebd., S. 415
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