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Cash-flow-basierte Finanzierungsstrukturen in der Filmindustrie - Einsatzvoraussetzungen, Bedeutung, Potentiale

Diploma Thesis, 2003, 76 Pages
Author: Stefanie Wolring
Subject: Economics / Business: Investment and Finance

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2003
Pages: 76
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V26977
ISBN (E-book): 978-3-638-29145-3

File size: 309 KB


Excerpt (computer-generated)

Westfälische Wilhelms-Universität

Diplomarbeit

Cash-flow-basierte Finanzierungsstrukturen in der Filmindustrie
 - Einsatzvoraussetzungen, Bedeutung, Potentiale

von

Stefanie Wolring

2003

 

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis ... I
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis ... III
Abkürzungsverzeichnis  ... IV

1 Einleitung  ... 1

2 Projektfinanzierung  ... 4
2.1 Grundlagen ... 4
2.1.1 Begriff der Projektfinanzierung und Charakteristika  ... 4
2.1.2 Beteiligte  ... 6
2.1.3 Risiken und vertragliche Gestaltung  ... 8
2.2 Einsatzvoraussetzungen und Erfolgsfaktoren  ... 11
2.2.1 Abgrenzbarkeit eines Projektes  ... 11
2.2.2 Risikomanagement  ... 11
2.2.3 Finanzierungsstrukturen ... 12

3 Filmindustrie ... 14
3.1 Betrachtungsgegenstand und Besonderheiten ... 14
3.1.1 Das Produkt „Spielfilm“  ... 14
3.1.2 Nachfrage nach dem Produkt Spielfilm  ... 15
3.1.3 Produktionsstandort Deutschland  ... 16
3.2 Beteiligte und Wertschöpfungskette einer Spielfilmproduktion ... 18
3.3 Das System Spielfilm ... 21
3.4 Risiken der Spielfilmproduktion ... 23
3.5 Filmfinanzierung  ... 25
3.5.1 Finanzierungsrelevante Besonderheiten der Spielfilmproduktion  ... 25
3.5.2 Traditionelle Finanzierungsinstrumente der Spielfilmproduktion  ... 27
3.5.2.1 Fremdfinanzierung  ... 27
3.5.2.2 Eigenfinanzierung  ... 28
3.5.2.3 Weitere Finanzierungsinstrumente ... 30
3.5.3 Status Quo der deutschen Filmfinanzierung  ... 31

4 Einsatzmöglichkeiten der Projektfinanzierung als Finanzierungsmethode in der deutschen Filmindustrie  ... 33
4.1 Prüfung der Einsatzvoraussetzungen und Erfolgsfaktoren  ... 33
4.1.1 Abgrenzbarkeit des Projektes „Spielfilmproduktion“  ... 33
4.1.2 Risikomanagement  ... 34
4.1.3 Finanzierungsstrukturen ... 38
4.1.3.1 Traditionelle Finanzierungsinstrumente ... 38
4.1.3.2 Innovative Finanzierungsinstrumente  ... 40
4.2 Bedeutung und Potenziale der Projektfinanzierung für die deutsche Filmindustrie  ... 42

5 Zusammenfassung und Ausblick  ... 47

Anhang ... 49

Literaturverzeichnis ... 63

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abb. 1: Anwendungsgebiete der Projektfinanzierung  ... 1
Abb. 2: Beteiligte einer Projektfinanzierung ... 7
Abb. 3: Beteiligte einer Spielfilmproduktion ... 18
Abb. 4: Wertschöpfungskette eines Spielfilms  ... 19
Abb. 5: Verwertungsstufen eines Spielfilms  ... 20
Abb. 6: Das System Spielfilm ... 21
Abb.7: Risikoquantifizierung mittels SDA-Ansatz ... 35
Abb. 8: Filmrechtsbewertung mittels EDCF-Ansatz  ... 36

Tab. 1: Kinobesucherzahlen ausgewählter Spielfilme  ... 15
Tab. 2: Kinoerstaufführungen in Deutschland und nationaler Marktanteil des deutschen Spielfilms  ... 17

Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
Abs. Absatz
AG Aktiengesellschaft
BMF Bundesministerium für Finanzen
bspw. beispielsweise
bzw. beziehungsweise
ca. circa
Co. Compagnie
DCF Discounted Cash Flow
d.h. das heißt
EAS Europäische Audiovisuelle Informationsstelle
EDCF Enhanced Discounted Cash Flow
EStG Einkommenssteuergesetz
etc. ecetera
e.V. eingetragener Verein
FBD Freshfields Bruckhaus Deringer
FFA Filmförderanstalt
FFG Filmfördergesetz
GATT General Agreement of Tariffs and Trade
GbR Gesellschaft bürgerlichen Rechts
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GuV Gewinn- und Verlustrechnung
HGB Handelsgesetzbuch
Hrsg. Herausgeber
i.d.R. in der Regel
i.S.d. im Sinne des
JVA Justizvollzugsanstalt
KAG Kapitalanlagegesellschaft
KG Kommanditgesellschaft
MBP GmbH Medienberatungs- und -produktionsgesellschaft mbH
Mio. Millionen
MPA Motion Picture Association
Mrd. Milliarden
No. Nummer
Nr. Nummer
o.V. ohne Verfasser
PWC PriceWaterhouseCoopers
S. Seite, Seiten
SDA Strategic Decision Advice
sog. sogenannte
SPIO Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.V.
Tab. Tabelle
TV Television, Fernsehen
u.a. und andere
Ufa Universum-Film AG
UrhG Urhebergesetzt
Ust Umsatzsteuer
usw. und so weiter
v. vom
vgl. vergleiche
z.B. zum Beispiel

 

1 Einleitung

Cash-Flow-basierte Finanzierungen zeichnen sich dadurch aus, dass ein zu finanzierendes Projekt und dessen finanzielle Leistungsfähigkeit (Cash Flows) die wesentliche Grundlage der gesamten Finanzierung darstellen.1 Dieses Charakteristikum wird Cash Flow Related Lending genannt und ist ein prägendes Merkmal der Projektfinanzierung. Aus diesem Grund werden die Begriffe Projektfinanzierung und Cash-Flow-basierte Finanzierung in der Literatur auch oft synonym verwendet.2 Die Projektfinanzierung ist eine Finanzierungsmethode für in sich geschlossene und meist einmalige Investitionsvorhaben, die sowohl die Finanzkraft als auch die Bilanzierungs- und Risikobereitschaft einzelner Unternehmen übersteigen.3 Obwohl bereits in der Antike ertragsorientierte Kreditvergaben existierten, wird der Ursprung der Entwicklung der Projektfinanzierung in den Explorationsfinanzierungen neuer Erdölvorkommen in den USA in den dreißiger Jahren gesehen.4 Heutzutage finden Projektfinanzierungen in vielen Bereichen Anwendung (vgl. Abb.1).


Abb. 1: Anwendungsgebiete der Projektfinanzierung, 
Quelle: Böger/Boll (2003), S. 41. 
[in Downloaddatei enthalten]

Abbildung 1 zeigt drei Anwendungsgebiete der Projektfinanzierung, die „klassische“ Projektfinanzierung, die private Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen (Public Private Partnership)5 und den Bereich der sog. „neuen“ Projektfinanzierungsbranchen. Projektfinanzierungen des letztgenannten Anwendungsgebietes finden bereits vereinzelt praktische Anwendung, wie z.B. im Telekommunikationsbereich, werden jedoch in der Literatur bislang selten ausführlich dargestellt.6 Aus diesem Grund soll aus den „neuen“ Projektfinanzierungsbranchen der Bereich „Medien und Entertainment“ näher betrachtet werden. Da der deutschen Film und Entertainment Branche in den kommenden Jahren 2003-2007 ein durchschnittliches Wachstum von ca. 7% jährlich prognostiziert wird,7 konzentriert sich diese Arbeit innerhalb der „Medien und Entertainment“ Branche speziell auf die deutsche Filmindustrie. Die Finanzierung von Spielfilmproduktionen wird in der relevanten Filmliteratur vereinzelt als Projektfinanzierung dargestellt.8 Ob die Autoren dabei Projektfinanzierung im finanzwissenschaftlichen Sinne meinen oder lediglich darstellen wollen, dass es sich um die Finanzierung eines einzelnen Projektes handelt, geht aus der Literatur nicht klar hervor.

Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, inwieweit sich die Projektfinanzierung als spezifische Finanzierungsmethode für Spielfilmfinanzierungen eignet. Dazu werden Einsatzvoraussetzungen der Projektfinanzierung herausgearbeitet, die es an Hand der Filmfinanzierung zu überprüfen gilt. Darüber hinaus soll dargestellt werden, ob die Methode der Projektfinanzierung bereits in der Spielfilmindustrie angewandt wird und welche Bedeutung dieser spezifischen Finanzierungsmethode zukommt bzw. welche Potenziale sie für die deutsche Filmindustrie aufweist.

Spielfilme können in vielerlei Hinsicht z.B. als Kommunikationsmedium, Wirtschafts-, Kunst-, Kultur- und Rechtsobjekt verstanden und untersucht werden. 9 Diese Arbeit beschränkt sich auf den Film als Wirtschaftsobjekt und dabei speziell auf den abendfüllenden deutschen Spielfilm10 der zur Uraufführung im Kino produziert wird. Darüber hinaus wird die Finanzierung einer Spielfilmproduktion aus dem Blickwinkel des Produzenten betrachtet. Daher kann die Finanzierung der Filmdistribution als auch die Finanzierung des Filmkonsums wie z.B. Kino-/Theaterhausfinanzierungen ausgeblendet werden. 

Die vorliegende Arbeit gliedert sich wie folgt: Kapitel 2 stellt die Grundlagen der klassischen Projektfinanzierung dar, aus denen nachfolgend die Einsatzvoraussetzungen und Erfolgsfaktoren für die Anwendung abgeleitet werden. In Kapitel 3 werden eingangs der Betrachtungsgegenstand sowie die Besonderheiten sowohl der Spielfilmindustrie allgemein als auch speziell der deutschen Spielfilmindustrie aufgezeigt. Des Weiteren werden die grundlegende Wertschöpfungskette einschließlich aller Beteiligten sowie die spezifischen Risiken einer Spielfilmproduktion beschrieben. Im letzten Abschnitt werden die finanzierungsspezifischen Besonderheiten sowie die traditionellen Finanzierungsinstrumente einer Spielfilmproduktion vorgestellt und abschließend der Status Quo der deutschen Filmfinanzierung beschrieben. Die in Kapitel 2 erarbeiteten Einsatzvoraussetzungen und Erfolgsfaktoren einer Projektfinanzierung werden in Kapitel 4 systematisch an Hand der in Kapitel 3 erarbeiteten Besonderheiten der Filmfinanzierung geprüft. Abschließend wird die Bedeutung und das Anwendungspotenzial der Projektfinanzierung für die deutsche Filmindustrie erörtert. Kapitel 5 fasst die zentralen Ergebnisse dieser Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf Ansatzpunkte für weiterführende Untersuchungen.

2 Projektfinanzierung

2.1 Grundlagen

2.1.1 Begriff der Projektfinanzierung und Charakteristika

Das heutige Verständnis des Begriffes der Projektfinanzierung ist i.d.R. an den Financial Accounting Standard No. 47 aus dem Jahre 1981 angelehnt. Hiernach versteht man unter Projektfinanzierung (Project Finance) die Finanzierung einer sich selbst tragenden Wirtschaftseinheit (Projekt), bei der die Kreditgeber primär die zukünftigen Cash Flows als Rückzahlungsquelle und die Aktiva des Projektes als Sicherheit für die von ihnen gewährten Kredite zu Grunde legen. 11 Das Projekt stellt dabei eine rechtlich selbstständige Einheit.12 Um die Haftung der Projektsponsoren auf die Projektaktiva, die Projekt Cash Flows und die mit dem Projekt verbundenen Verträge zu beschränken, wird eine Projektgesellschaft gegründet, die auch als Einzweckgesellschaft (Single Purpose Company) bezeichnet wird.13

In der Literatur werden neben der Gründung einer Projektgesellschaft übereinstimmend drei konstitutive Merkmale der Projektfinanzierung genannt: Cash Flow Related Lending, Off Balance Sheet Financing und Risk Sharing.14 Projektfinanzierung bedeutet, dass das zu finanzierende Projekt die Fähigkeit besitzen muss, Cash Flows zu erwirtschaften, die sowohl die Betriebskosten als auch den geplanten Schuldendienst decken.15 Projektfinanzierung stellt somit eine ertragsorientierte Kreditvergabe seitens der Fremdkapitalgeber dar. Die Bonität der Projektgesellschaft und der Projektträger spielt im Gegensatz zur klassischen Unternehmensfinanzierung keine oder nur eine untergeordnete Rolle.16 

[....]


1 Vgl. Heintzeler (1983), S. 600; Backhaus/Köhl/Hong (1998), S.4; Tytko (2003), S. 14 f.;

Frank/Moser (1987), S. 35.

2 Vgl. Tytko (2003), S. 14 f.; Uekermann (1993), S. 11 f.

3 Vgl. Reuter/Wecker (1999), S. 1.

4 Vgl. Schulte-Althoff (1992), S. 45; Hupe (1995), S. 8; Tytko (1999a), S. 3.

5 Public Private Partnership (PPP) entstehen durch eine gemeinsame Beteiligung von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft an einem Projektträger. Vgl. Lenz/Zinell (2001), S. 78.

6 Vgl. Klemm/Röver (2001), S. 32 f.; Pratt/Siderman (2001) S, 52-57; Seibert (1999), S. 164.

7 Vgl. PWC (2003a), S. 21.

8 Vgl. Storm (2000), S. 18; Eggers (1995), S. 13-15.

9 Vgl. Nowka (1983), S. 3; Thiermeyer (1994), S. 21-24.

10 Die Begriffe Film, Spielfilm und Kinofilm werden in dieser Arbeit synonym verwendet.

11 Vgl. Anhang B zu Statement of Financial Accounting Standards No. 47, abgedruckt bei Nevitt/Fabozzi (2000), S. 446.

12 Vgl. Röver (2001), S. 157; Reuter (1999), S. 34; Reuter/Wecker (1999), S. 25.

13 Vgl. Fahrholz (1998), S.259 f.; Finnerty (1996), S. 2 f.; Achleitner (1999), S. 345.

14 Vgl. Hupe (1995), S. 11; Frank/Moser (1987), S. 34; Achleitner (1999), S. 345 f.

15 Vgl. Uekermann (1990), S.18.

16 Vgl. Tytko (1999b), S. 97; Laux (1997), S. 842.

 


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