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Hauptseminararbeit, 2003, 26 Seiten
Autor: Svenja Schäfer
Fach: Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Details
Institution/Hochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (Institut der Soziologie)
Tags: Gender, Movement, Geschlechter, Bewegung, Neue, Geschlechtersoziologie
Jahr: 2003
Seiten: 26
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-29174-3
ISBN (Buch): 978-3-638-64894-3
Dateigröße: 169 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Die Schöpfungsgeschichte der Menschheit beginnt mit dem alles entscheidenden Satz: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild {...}. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: >> Seid fruchtbar, und vermehrt euch, {...}.<<“ [Herder Bibel, 1980: Gen 1,27f]. Die religiöse überlieferte Weltordnung basiert auf einem klaren „Zweigeschlechter-System“. Zweigeschlechtlichkeit meint dabei die gesellschaftliche Verfasstheit, in der es nur zwei Geschlechter gibt, die naturgebunden und unveränderbar vorausgesetzt wird. Gleichwohl grenzen sich die beiden Geschlechter streng voneinander ab, ergänzen sich jedoch heterosexuell [Genschel, 2001: S.822]. Diese Ordnung bietet Sicherheit und weist jedem Geschlecht einen klaren Platz zu. Im Mittelpunkt steht die arterhaltende Fortpflanzung, die auf natürlichem Wege auch nur von Mann und Frau geleistet werden kann. Diese Gemeinschaft präsentiert das Prinzip der Normalität und kennt neben sich nur Abnormalität. An den Inhaber des jeweiligen Geschlechts werden klare Anforderungen und Erwartungen seitens der Gesellschaft gestellt. Doch der Transsexuelle fällt aus diesem Rollenschema heraus und seine Sexualität wird gesellschaftlich als Anomalie wahrgenommen. Im Dschungel der Zweigeschlechtlichkeit macht er sich auf die Suche nach seiner Identität, seiner Daseinsberechtigung und seinem Leben. "Gender Movement- Geschlechter in Bewegung" beschreibt die besonderen Herausforderungen, mit denen Transsexuelle sowohl vor, als auch während und nach einer Geschlechtsumwandlung konfrontiert werden. Im zentralen Blickfeld stehen hierbei die Bereiche Gesellschaft, der eigene Körper und die persönliche Einstellung, d.h. die individuelle Person, die Bewegung in ihrem Leben spürt und alles in Bewegung setzt, um erneut Einklang in das Wechselspiel aus Psyche und Physis zu bringen. Der Ausblick im abschließenden Kapitel 6 bietet Impulse, dieses sensible Thema zu fassen und mit neuen Aspekten zu begegnen.
Textauszug (computergeneriert)
Gender Movement Geschlechter in Bewegung
von: Svenja Schäfer
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1-2
1.2 Begriffserläuterung 2
1.2.1 Die Gesellschaft 3-4
1.2.2 Transsexualität und Transvestismus 4-5
2 Konstruktion der Transsexualität 5
2.1 Gründe für den Geschlechstwechsel 5-7
2.2 Stationen, Aufgaben, Ziele 7-9
3 Der Körper 9
3.1 Das Geschlecht als Zwangsordnung 9-12
3.2 Der erlebte Körper 12-13
3.3 Geschlecht und Begehren 13-14
3.4 Schmerzen 15-16
3.5 Transvestismus als Alternative 17-18
4 Kleider machen Leute 18
4.1 Das Protom 18-19
4.2 Performanz 19
5 Que(e)r Denken und handeln 20-21
6 Ausblick 21-22
7 Literaturverzeichnis 23-24
1 Einleitung
Der Transsexuelle ist im Dschungel der Zweigeschlechtlichkeit auf der Suche nach seinem Körper und der dazugehörigen Existenzweise. Die Gesellschaft akzeptiert sein Auftreten nicht und in der Schöpfungsgeschichte kommt er auch nicht vor. Biologisch dürfte er nicht existieren, da er als Geschlechtswechsler nicht zur arterhaltenden Fortpflanzung beitragen kann.
Die Schöpfungsgeschichte der Menschheit beginnt mit dem alles entscheidenden Satz: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild {...}. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: >> Seid fruchtbar, und vermehrt euch, {...}.<<“1 Die religiöse überlieferte Weltordnung basiert auf einem klaren „Zweigeschlechter System“. Zweigeschlechtlichkeit meint dabei die gesellschaftliche Verfasstheit, in der es nur zwei Geschlechter gibt, die naturgebunden und unveränderbar vorausgesetzt wird. Gleichwohl grenzen sich die beiden Geschlechter streng voneinander ab, ergänzen sich jedoch heterosexuell2. Diese Ordnung bietet Sicherheit und weist jedem Geschlecht einen klaren Platz zu. Im Mittelpunkt steht die arterhaltende Fortpflanzung, die auf natürlichem Wege auch nur von Mann und Frau geleistet werden kann. Diese zweigeschlechtliche Gemeinschaft präsentiert das Prinzip der Normalität und kennt neben sich nur Abnormalität. An den Inhaber des jeweiligen Geschlechts werden klare Anforderungen und Erwartungen seitens der Gesellschaft gestellt.
In unserer Alltagspraxis fällt Transsexualität als Anomalie immer noch auf. Anomalie bezeichnet eine Abweichung vom Konventionellen und kann biologisch auch eine körperliche Fehlbildung beinhalten3. Auffälligkeiten werden bis zu einem gewissen Maße von der Gesellschaft akzeptiert und mit Normalisierungsstrategien eingegliedert. Das höfliche Übersehen oder Totschweigen sind signifikante Verhaltensweisen4. Nun stellt das Phänomen des Geschlechtswechslers eine markante Konfrontation mit der alltäglichen Lebenspraxis dar und kann von den anderen Mitgliedern der Gemeinschaft nicht mehr mit einfachen Mitteln normalisiert werden. Daraus entsteht ein lebensweltliches Problem, da sich die Gesellschaft durch das „Outing“ des Geschlechtswechslers in ihrem Alltag angegriffen fühlt. Eine Person, die deutlich als Mann zu erkennen ist, sich jedoch wie eine Frau kleidet stellt eine massive Skurrilität dar. Das ist für die anderen Teilnehmer der Zweigeschlechter-Gesellschaft inakzeptabel. Umgekehrt nimmt sich der Geschlechtswechsler als Angehöriger der Kultur und Soziabilität nimmt sich der Geschlechtswechsler als Außenseiter wahr und konstruiert sich selber zum Problem: Er wird sich fremd, weil er nicht zu und in die Ordnung paßt und noch von „uns“ unterschieden wird5. Transsexualität ist in vielerlei Hinsicht noch ein wenig erforschtes Phänomen. Voreilig und irrtümlich wird es als Synonym für Transvestismus verwendet. Ich möchte im folgenden eine Abgrenzung dieser beiden Begriffe in Kapitel 1.2.2 geben. Zuvor wird der in dieser Arbeit verwendete Sinngehalt von Gesellschaft kurz dargelegt (1.2.1). Der Absatz 2 zeigt im Anschluß daran, in wie weit Transsexualität ein künstliches Konstrukt darstellt. Darauf aufbauend steht die Suche des Transsexuellen nach der eigenen Identität, nach dem eigenen bzw. richtigen Körper im Vordergrund meiner Überlegungen. In Bezug dazu werde ich den Terminus des Schmerzes in Abschnitt 3.4 stellen, um zu zeigen, welche psychischen und physischen Qualen der Transsexuelle durchlebt und auf sich nimmt. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Reaktion der Gesellschaft in der Passage 3.1, die maßgeblich für die gelebte und erlebte Körperidentität der Transsexuellen (mit-) verantwortlich ist. Die Passagen 4 und 5 beschreiben, welche Vielfalt es auf verschiedenen Ebenen (Kleidung 4, Performanz 4.2, untypischem Denken und Handeln 5) geben kann. Diese Aussagen werden durch differenzierte Theorien herausgestellt und untermauert. Der Ausblick im letzten Teil 6 bietet Impulse dieses sensible Thema zu erfassen.
1.2 Begriffserläuterung
Um im Verlauf der Hausarbeit deutliche Aussagen und Thesen formulieren zu können, werden zunächst die grundlegenden Begriffe erläutert und voneinander abgegrenzt.
1.2.1 Die Gesellschaft
In diesem Kapitel möchte ich den Begriff "Gesellschaft", der für das Leben der Transsexuellen eine zentrale Rolle spielt, näher erklären. Gesellschaft bedeute dem Wortursprung nach den „Inbegriff räumlich vereint lebender oder vorübergehend auf einen Raum vereinte Personen“ (Theodor Geiger).6 Von dieser Definition ausgehend ist Gesellschaft einer der komplexesten Begriffe der Soziologie. Die menschliche Gesellschaft ist primär aus der Vereinigung zur Befriedigung und Sicherstellung gemeinsamer Bedürfnisse entstanden. Sie umgibt den Menschen mit einem Netz bestehend aus Kultur, Religion, Gesetzen, Sitten und Bräuchen. Dieser Handlungsrahmen übersteigt die individuelle Erfahrungswelt. Gesellschaft ist in gewisser Weise immer ein Konstrukt.7 Man wird nicht in „die“ Gesellschaft hinein geboren, sondern in ihren Zusammenschluß aus spezifischen Vereinen, Organisationen und Institutionen. Diese stellen die geltenden Paradigmen. In Form eines Habitus werden sie automatisch angeeignet und ausgelebt. Bestimmte Verhaltensweisen, wie das Einhalten von Vorschriften, werden zusätzlich durch Sanktionen gefestigt. In einem unbewußten Prozeß ist man so ein Mitglied einer eingeschworenen Gemeinschaft geworden. Eine Gemeinschaft ist nach Ferdinand Tönnies überall da vorhanden, „wo immer Menschen in organischer Weise durch ihren Willen miteinander verbunden sind und einander bejahen“.8
[...]
1 Herder Bibel, 1980: Gen 1,27f
2 Genschel, 2001: S.822
3 Fremdwörterduden, 2001: S.68
4 vgl. Hirschauer, 2001: S.336
5 vgl. Hirschauer, 2001: S:336
6 Schäfers, 2001: S.109
7 vgl. Schäfers, 2001: S.110
8 Schäfers, 2001: S.99
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