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Hauptseminararbeit, 2002, 23 Seiten
Autor: Daniel Hess
Fach: Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein
Details
Institution/Hochschule: Otto-Friedrich-Universität Bamberg (Kommunikationswissenschaft)
Tags: Anwendung, Luhmanns, Massenmedien
Jahr: 2002
Seiten: 23
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-29219-1
Dateigröße: 205 KB
Die Arbeit stellt den Öffentlichkeitsbegriff Luhmann s dem von Habermas gegenüber. Luhmann versteht Öffentlichkeit weniger als politische Öffentlichkeit sondern vielmehr als Themenwissen. Der Luhmannsche Öffentlichkeitsbegriff wird nun durch Zeitungsartikel zum Thema "Amoklauf von Erfurt" zu bestätigen versucht. Dies wird getrennt in zeitlich, sachlicher und sozialer Hinsicht unternommen. Vor allem die Aufmerksamkeitsregeln und die Lebensgeschichte finden Bestätigung.
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Textauszug (computergeneriert)
Anwendung des Öffentlichkeitsbegriff Luhmanns
auf ein aktuelles Öffentlichkeitsthema
von: Daniel Hess
5. Semester
Gliederung
1. Stellungnahmen aus der Literatur 3
2. Methodische Vorüberlegungen 4
3. Öffentliche Meinung als Themenwissen 5
3.1. Theoretische Abgrenzung zu Habermas
3.2. Definition des empirischen Themas
4. Kontingenz der öffentlichen Meinung 7
4.1. Kontingenz in sachlicher Hinsicht 7
4.1.1. Die Aufmerksamkeitsregeln
4.1.2. Kontingenz der Aufmerksamkeitsregeln
4.1.3. Auswirkungen auf politische Entscheidungen
4.2. Kontingenz in zeitlicher Hinsicht 11
4.2.1. Die Themenkarriere
4.2.2. Einzelne Phasen der Themenkarriere
4.2.3. Zunehmende Anzahl von Meinungen
4.2.4. Zunehmende Abstraktion von Werten
4.3. Kontingenz in sozialer Hinsicht 15
4.3.1. Unterstellbarkeit der Akzeptiertheit von Themen
4.3.2. Bedeutung der politischen Prominenz
4.3.3. Umgang mit der öffentlichen Meinung
4.4. Einheit der öffentlichen Meinung 18
5. Anwendbarkeit der Theorie 19
6. Anhang 21
6.1. Quellenverzeichnis
6.2 Grafiken
1. Stellungnahmen aus der Literatur
"Öffentlichkeit gilt als irgendeine Art von Kollektiv, das sich in bestimmter Weise verhalten kann: Sie ist beunruhigt, interessiert sich, meint dies und das, fordert auch. (Neidhardt 1989, S. 25)" Diese Beschreibung mag keine Unwahrheiten enthalten - lässt dafür aber eine wissenschaftliche Exaktheit und Problemlösungswillen vermissen. Da sich Neidhardt aber nicht mit dieser Definition zufriedengeben hat, lässt sich vermuten, dass seine Absicht keine exakte Beschreibung sein sollte. Er hat vielmehr die Schwierigkeit veranschaulicht, den Begriff Öffentlichkeit auf einen allgemeingültigen Nenner zu bringen. Einen weiteren Versuch, dem Öffentlichkeitsbegriff näher zu kommen, hat Niklas Luhmann mit einem frühen Text zur öffentlichen Meinung (Luhmann 1971) vor dem autopoietischen Paradigmenwechsel unternommen. Sein Öffentlichkeitsbegriff ist zwar genauer bestimmt, wie noch zu zeigen sein wird, erregt jedoch Kritik anderer Art: "Mit seiner [Luhmanns, DH] Terminologie läßt sich jedes Problem darstellen, ohne unbedingt zur Klärung beizutragen (Stöber 1999, S.89)." Bei Luhmann "...gibt es Öffentlichkeit im Sinne eines empirisch beobachtbaren Phänomens nicht mehr... (Raupp 1999, S.113)" Raupp macht Luhmann den Vorwurf, dass sein Öffentlichkeitsbegriff ein rein theoretischer ohne Anwendbarkeit auf die Wirklichkeit sei und damit keinen praktischen Nutzen habe. Stöber geht noch weiter und behauptet dies nicht nur für den Öffentlichkeitsbegriff, sondern für jedes Problem. Mit dieser Arbeit will ich mich der Frage nach der empirischen Anwendbarkeit des Öffentlichkeitsbegriff Luhmanns stellen. Die Fragestellung lässt sich metaphorisch auch so stellen, ob man mit der Brille "Öffentlichkeitsbegriff Luhmanns" mehr von der Wirklichkeit sieht, als ohne. Als exemplarisches Beispiel habe ich den "Amoklauf von Erfurt mit direkten Reaktionen darauf" im April/Mai 2002 gewählt. Falls ich mit diesem einen Beispiel einen Nutzen im Falle des Öffentlichkeitsbegriffs zeigen kann, ist Raupps These im Sinne Poppers falsifiziert und damit auch die weitergehende These Stöbers.
2. Methodische Vorüberlegungen
Merten (vgl. 1999, S.215) schreibt der Öffentlichkeit wie allen Kommunikationssysteme einen flüchtigen Charakter zu. Dies entpuppt sich als Problem, da die wissenschaftliche Analyse etwas Festgehaltenes verlangt. Um dies zu gewährleisten, liegen Meinungsumfragen nahe, wogegen sich jedoch in der Literatur Widerstand regt. "Die Aggregatskonzepte ... treffen nicht die spezifische Struktur und Funktion in modernen funktional differenzierten Gesellschaften,.... (Gerhards/Neidhardt 1991, S. 41f. zitiert in: Bergmann 1994, S. 296f.)." "Daraus folgt, daß nicht alle Personen, Gruppen und Organisationen den gleichen Zugang oder das gleiche Gewicht auf diesem Meinungsmarkt haben und daß sich bestimmte Meinungen auf dem "Markt" durchsetzen und andere nicht (Bergmann 1994, S. 297)." Weil Einzelmeinungen unrealistischer Weise aufsummiert werden, geben Meinungsumfragen die öffentliche Meinung nur verfälscht wieder, und können damit höchstens einen Indikator für die öffentliche Meinung darstellen. Kriterium für einen Indikator ist nicht, ob er mit dem Gegenstand identisch ist, sondern wie gut er ihn beschreibt. Ich habe als Indikator für die öffentliche Meinung die Zeitungsartikel von drei Wochen der Süddeutschen Zeitung (Samstag, 27. April bis Samstag, 18. Mai 2002) und damit die veröffentlichte Meinung ausgewählt. Dies stützt sich auf die Hypothese, dass zwischen öffentlicher Meinung und Zeitung eine Wechselwirkung besteht: Was interessiert, wird abgedruckt; was abgedruckt wird, interessiert. Ich bin mir zwar bewusst, dass diesem Prozess Verzerrungen unterliegen, dieser Nachteil wird jedoch meiner Meinung nach durch den Vorteil der wissenschaftlichen Auswertbarkeit kompensiert. Mit dem Vorgehen, die Zeitung als Indikator für die öffentliche Meinung zu verwenden, stehe ich nicht alleine da. Schon Gerhards benutzte bei einer empirischen Überprüfung des Öffentlichkeitsbegriffs von Habermas neben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Süddeutsche Zeitung (vgl. Gerhards 1997, S. 12f.). Eine komplette Inhaltsanalyse wie Gerhards kann hier allerdings nicht geleistet werden, trotzdem bin ich von dem Nutzen meiner Untersuchung überzeugt. Mein Vorhaben will keine Theorie verifizieren, wie es bei einer soziologischen Theorie ohnehin nur in Ausnahmefällen möglich ist, sondern die empirische Basis einer Theorie mit Beispielen belegen. Ich habe mich entschlossen, Theorie, Empire und Bewertung parallel zu behandeln, um die Arbeit gut lesbar zu machen. Auch wenn mein Raster zur Beobachtung der Wirklichkeit grob ist, ist die Wahrscheinlichkeit letztendlich doch groß, dass ich die relevanten Aspekte nicht außer Acht lasse, da sich wichtige Aspekte vielfältig niederschlagen.
3. Öffentliche Meinung als Themenwissen
3.1. Theoretische Abgrenzung zu Habermas
Um seinen Öffentlichkeitsbegriff klar auszuarbeiten, stellt Luhmann ihn zunächst dem von Jürgen Habermas gegenüber. Habermas Begriff von Öffentlichkeit ist ein politischer; er schafft einen kollektiven, allgemeinen und rationalen Willen und löst damit das Problem des »volonté général« (vgl. Peters 1994, S.47f.). Dies geschieht durch den herrschaftsfreien Diskurs, indem nur das bessere Argument zählt. Luhmann bestreitet, dass dieser Öffentlichkeitsbegriff heute noch sinnvoll ist. Die Gesellschaft hat sich zu einer funktional differenzierten Gesellschaft durch Herausbildung von Funktionssystemen wie beispielsweise Politik, Religion und Wirtschaft (vgl. Luhmann 1971, S. 10) entwickelt. Da die Systeme untereinander zahlreiche Verbindungen aufbauen müssen, nimmt die Komplexität der Realität zu. Um diese Fülle für ein System, wie beispielsweise dem politischen System, von Möglichkeiten bearbeitbar zu machen, reduziert jedes System für sich die Komplexität nach eigenen Wahrheitsgrundlagen. Daraus würde folgen, dass ein einzelnes System kein allgemeines Interesse mehr vertreten kann. Eine neutrale, allumfassende Instanz der Gesellschaft gibt es nach Luhmann nicht. Der Aufgabe der öffentlichen Meinung ist aus dieser Theorieperspektive also eine ganz andere. Will Habermas das Problem lösen, wie man zu allgemeinen, vernünftigen Meinungen kommt, so fragt sich Luhmann, wie die Komplexität von vielen möglichen Themen auf wenige Themen reduziert wird. Neidhardt pointiert:
[...]
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