Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Aggression als musikalische Metapher und ihre Wahrnehmung - Ein alternativer Ans... close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Aggression als musikalische Metapher und ihre Wahrnehmung - Ein alternativer Ansatz zur Erklärung der Entstehung von Aggressionen durch Musik

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1999, 27 Pages
Author: Dietmar Korthals
Subject: Communications: Mass Media

Details

Event: Hauptseminar: Mediengewalt. Von Opfern, Tätern und sonstigen Betroffenen
Institution/College: Ruhr-University of Bochum (Sektion für Publizistik und Kommunikation)
Tags: Aggression, Metapher, Wahrnehmung, Ansatz, Erklärung, Entstehung, Aggressionen, Musik, Hauptseminar, Mediengewalt, Opfern, Tätern, Betroffenen
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1999
Pages: 27
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V2710
ISBN (E-book): 978-3-638-11637-4
ISBN (Book): 978-3-638-63790-9
File size: 228 KB
Notes :
Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, einen alternativen Ansatz zur Erklärung der Entstehung von Aggressionen durch Musik zu formulieren.


Abstract

Die Diskussion, ob Musik in der Lage sei, menschliche Verhaltensweisen derart zu beeinflussen, daß der Mensch aufgrund der Rezeption von Musik zur Anwendung physischer Gewalt1 neigt, oder aber die Musik zumindest die Ausführung von Gewalttaten begünstigen könne, mag wahrscheinlich im abendländischen Raum schon solange bestehen, seit Musik sich zu einem prägenden kulturellen Bestandteil des Okzidents entwickelt hat, und geht analog einher mit Diskussionen um die Frage, ob und inwieweit Musik in genera konkrete Auswirkungen auf Psyche und Verhalten des Menschen haben kann. Anliegen dieser Arbeit soll es sein, zunächst bestehende Erklärungsansätze zur Einflußnahme von Musik bei Akten der Gewalt durch Agressionsstimulation darzulegen und sie zu problematisieren, um dann schließlich den Versuch zu machen, einen neuen Erklärungsansatz zu formulieren, welchem die Grundannahme der Sprachlichkeit von Musik vorliegt. Dies bedeutet, daß Betrachtungen zu Auswirkungen des Musikkonsums auf die individuelle Gewaltbereitschaft Überlegungen zur generellen Wirkungsfähigkeit von Musik auf das menschliche Verhalten unter der Bedingung der Sprachähnlichkeit musikalischer Artefakte vorangestellt werden müssen. Deswegen soll zunächst solch grundlegenden Überlegungen, inwieweit Musik Aggressionen als Bedingung für ein gewalttätiges Verhalten auslösen oder aggressiv auf den Zuhörer wirken kann, Raum gegeben werden, auf deren Basis sich dann eine Aussage zur übergeordneten Frage, ob und auf welche Art und Weise denn Musik zur Gewaltanwendung stimulieren kann, treffen läßt. 1 Im Rahmen dieser Arbeit wird der Begriff ,,Gewalt" generell im Sinne von menschlich ausgeübter physischer Gewalt verwendet werden.


Excerpt (computer-generated)

Ruhr-Universität Bochum
Sektion für Publizistik und Kommunikation
Hauptseminar: ,,Mediengewalt. Von Opfern, Tätern und sonstigen Betroffenen"
Wintersemester 1998/99

Aggression als musikalische Metapher 
und ihre Wahrnehmung

Ein alternativer Ansatz zur Erklärung 
der Entstehung von Aggressionen durch Musik

Von Dietmar Korthals


Hat der Dichter das Materiale seiner Sprache so gewählet, und so geordnet, daß es dem Innern, dem. was die Logik das Formale nennt, entspricht, so erklärt die ganze Welt seinen Ausdruck für lebendigen Ausdruck. Der Dichter muß also, um sich dieses Verdienst zu erlangen, zu sanften Empfindungen sanfte Worte wählen, und sie auch so anordnen, daß auch ihre Verbindung den Charakter des Sanften hat. - Und in der Tonkunst ? Wenn das so ist, so ist der lebendige Ausdruck, nicht wie in der Dichtkunst, aus der Tonkunst etwas ungewöhnliches, sondern ihre gewöhnliche Sprache.

(Aus dem Vorwort von Versuch einer Anleitung zur Composition, 1782, von Heinrich-Christoph Koch)

Vorwort

Die Diskussion, ob Musik in der Lage sei, menschliche Verhaltensweisen derart zu beeinflussen, daß der Mensch aufgrund der Rezeption von Musik zur Anwendung physischer Gewalt1 neigt, oder aber die Musik zumindest die Ausführung von Gewalttaten begünstigen könne, mag wahrscheinlich im abendländischen Raum schon solange bestehen, seit Musik sich zu einem prägenden kulturellen Bestandteil des Okzidents entwickelt hat, und geht analog einher mit Diskussionen um die Frage, ob und inwieweit Musik in genera konkrete Auswirkungen auf Psyche und Verhalten des Menschen haben kann.
Das Vertrauen in die Wirkung von Musik auf den Menschen ist bei Platon so groß, daß er den Tönen nicht nur Gewalt über Sachen und menschliche Seelen, sondern darüber hinaus sogar über Verfassungen zumißt und der Musik sogar politische Umstürze zutraut.2 In diesem Kontext ist Platon nur konsequent, wenn er der Musik auch die Fähigkeit zuspricht, zu Gewalttaten animieren zu können oder aber bei Gewalttaten eine unterstützende Rolle zu spielen. Die dorische Tonart ist es, welche er als gewaltsam und für tapfere Krieger geeignet bezeichnet.3
Auch Aristoteles besitzt ein ähnlich großes Vertrauen in die Wirkung der Musik, spricht der Musik jedoch im Rahmen seiner Ethos-Lehre (Lehre von der Wirkung der Tonarten) andere Wirkungen als Platon zu: Vor dem Hintergrund, daß Musik vornehmlich keine zerstörerische Wirkung besitze, sondern zur Erziehung und Charakterbildung dienen kann und soll, besitze Musik unter anderem eine kathartische Funktion, da sie eine körper- und/oder seelenreinigende Fähigkeit aufweise, wobei der Effekt eher durch ,,Abreaktion" als durch Läuterung erreicht wird.4
Die Diskussion um die Wirkung von Musik und der Frage, ob denn Musik menschliche Gewalttaten auslösen oder aber zu Gewalttaten animieren könne, ist gegenwärtig immer noch aktuell. Vor dem Hintergrund einer steigenden Gewalt von Schülern an Schulen und eines Aufkommens neonazistischer, gewaltbereiter Jugendsubkulturen wird breit erörtert, inwieweit die von Jugendlichen konsumierte Musik im Prozeß der Gewaltentstehung involviert ist oder sogar Auslöser für Gewalttaten sein kann. Hierbei ist es interessant, daß es zwar in der gegenwärtigen Diskussion dezidierte Meinungen gibt, welche eine Partizipation von Musik bei der Entstehung von Gewalt bejahen,5 aber kaum wissenschaftlich fundierte Untersuchungen als Beleg oder zur Widerlegung dieser These. Ebensowenig wurde bislang der Versuch unternommen, Behauptungen zu dieser Fragestellung empirisch zu bestätigen oder zu entkräften.6
Anliegen dieser Arbeit soll es sein, zunächst bestehende Erklärungsansätze zur Einflußnahme von Musik bei Akten der Gewalt durch Agressionsstimulation darzulegen und sie zu problematisieren, um dann schließlich den Versuch zu machen, einen neuen Erklärungsansatz zu formulieren, welchem die Grundannahme der Sprachlichkeit von Musik vorliegt. Dies bedeutet, daß Betrachtungen zu Auswirkungen des Musikkonsums auf die individuelle Gewaltbereitschaft Überlegungen zur generellen Wirkungsfähigkeit von Musik auf das menschliche Verhalten unter der Bedingung der Sprachähnlichkeit musikalischer Artefakte vorangestellt werden müssen. Deswegen soll zunächst solch grundlegenden Überlegungen, inwieweit Musik Aggressionen als Bedingung für ein gewalttätiges Verhalten auslösen oder aggressiv auf den Zuhörer wirken kann, Raum gegeben werden, auf deren Basis sich dann eine Aussage zur übergeordneten Frage, ob und auf welche Art und Weise denn Musik zur Gewaltanwendung stimulieren kann, treffen läßt.

[...]

1 Im Rahmen dieser Arbeit wird der Begriff ,,Gewalt" generell im Sinne von menschlich ausgeübter physischer Gewalt verwendet werden.

2 vgl. Deutsches Institut für Fernstudien an der Universität Tübingen [Hg.]: Funkkolleg Musikgeschichte. Europäische Musik vom 12.-20.Jahrhundert. Studienbegleitbrief 11. Weinheim, Basel, Mainz 1988. S.30f.

3 vgl. Platon: Der Staat III. 399a-c. OA.: 374 v. Chr. (Günther Eigler [Hg.:]: Platon. Werke in 8 Bänden. Darmstadt 1971. Band 4. Bearbeitet von Dietrich Kurz, dt. Übersetzung von Friedrich Schleiermacher)

4 vgl. Dt. Institut für Fernstudien..., S.36f. Als weitere Funktionen der Musik nennt Aristoteles die Entspannung und die Erholung von Anstrengungen, die geistige Unterhaltung und die Erziehung der Kinder.

5 vgl. hierfür exemplarisch: Musik und Unterricht, Heft 36, 7.Jg.. Seelze 1996 (Themenschwerpunkt des Heftes: Musik und Gewalt); sowie Neitzert, Lutz: Rechte Musik und Fascho-Rock. http://home.rhein-zeitung.de/~dneitzer/homepage3/htm. Neuwied, o.J.

6 vgl. z.B. die Einschätzung von Palumbo, Frank: Testimony of the American Academy of Pediatrics on the Social Impact of Music Violence before the Senate Subcommittee on Oversight of Government Management, Restructuring, and the District of Columbia. http://www.senate.gov/~brownback/music/palumbo.html. [Kansas] 1997.


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Lernbehinderung als Stigma

Author: Angelika Hülsdunk
Psychology - Learning Psychology, Intelligence Research, 2000 Download as PDF-file for 7,99 EUR

Die Hitlerjugend

Author: Elena Kühltau
History - National Socialism, World War II, 2003 Download as PDF-file for 6,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/2710/aggression-als-musikalische-metapher-und-ihre-wahrnehmung-ein-alternativer
please wait Please wait