Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Diploma Thesis, 2004, 116 Pages
Author: Dominik Sommer
Subject: Sociology - Political Sociology, Majorities, Minorities
Details
Tags: Integriertheit, Gesellschaft, Adornos, Adaption, Alexis, Tocquevilles, Merkmalen, Massenkunst, Gesellschaften
Year: 2004
Pages: 116
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-29255-9
File size: 594 KB
Other users also were interested in the following titles:
Excerpt (computer-generated)
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Lehrbereich politische Soziologie und Sozialpolitik
Diplomarbeit aus den Sozialwissenschaften:
Die Integriertheit der demokratischen höfischen Gesellschaft
Adornos integrative Adaption von Alexis de Tocquevilles Merkmalen marktvermittelter Massenkunst in demokratischen Gesellschaften
vorgelegt von
Dominik Sommer
15.03.2004
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Masse, Markt, Alltäglichkeit ... 5
A. Kunst- und Kultursoziologie bei Alexis de Tocqueville und Theodor W. Adorno
I. Alexis de Tocqueville
1. Kontextualisierung von Tocquevilles Kultursoziologie in Über die Demokratie in Amerika ... 8
2. Die deduzierte Gleichheit: Zur Methodologie Tocquevilles ... 10
3. Tocquevilles Kunstsoziologie
1. die Architektur ... 14
2. das Handwerk ... 15
3. die schönen Künste ... 17
4. die Literatur ... 19
5. das Theater ... 21
II. Theodor W. Adorno ... 23
1. Ureigenstes und gesellschaftliches Ganzes: Die Methodologie Adornos ... 24
2. Kontextualisierung der Dialektik der Aufklärung ... 26
1. Kernaussage ... 26
2. Struktur und Aufbau ... 27
3. Geschichtlicher Kontext ... 28
4. Die Ideologiekritik der Ideologiekritik ... 29
5. Die Wirkungsmacht der Dialektik der Aufklärung ... 30
3. Die Kontextualisierung der Kulturindustrie innerhalb der Dialektik der Aufklärung ... 31
4. Bestimmung des Kulturindustriebegriffs: Definition und Merkmale ... 32
5. Kunstbegriff Adornos
1. Ökonomische Vermittlung ästhetischer Phänomene ... 36
2. Versöhnung von Mensch und Natur ... 37
3. Funktionslosigkeit als Aufgabe der Kunst ... 37
4. Beschaffenheit der Kunst ... 38
5. Ästhetischer Schein ... 40
6. Gesellschaftskritik vs. Vergesellschaftung ... 41
7. Zusammenfassung ... 42
6. Theorie der Kulturindustrie ... 43
1. Charakteristika kulturindustrieller Produkte ... 43
2. Ideologien der Kulturindustrie ... 45
3. Schließungsmechanismen der Kulturindustrie ... 49
4. Innere und äußere Herrschaft der Kulturindustrie ... 50
5. Kulturindustrie als Bewusstseinsindustrie ... 52
6. Manipulation und rückwirkendes Bedürfnis ... 53
7. Folgen ... 54
B. Vergleich
I. Übereinstimmungen in der Sache ... 55
II. Zwei Perspektiven auf Kultur ... 60
1. Tocquevilles Blick auf demokratische Massenkultur
1. Gleichheit als Vorsehung: Tocquevilles geschichtsphilosophische Prämisse ... 61
2. Ideologie aristokratischer Kultur und Politik: Tocquevilles persönliche Perspektive ... 63
3. Die demokratische höfische Gesellschaft: Demokratie und individuelles Bewusstsein ... 66
2. Adornos Blick auf Kulturindustrie ... 72
1. Die Masse als Träger sozialen Fortschritts ... 73
2. Scheitern der Masse als revolutionären Subjekt ... 75
3. Kunst als Widerstand gegen universelle Vermittlung ... 77
4. Entsubjektivierung und Manipulation durch Kulturindustrie ... 80
5. Die Reaktion auf den Verlust progressiver Dialektik: Negative Geschichtsphilosophie ... 81
6. Kritik 1: Zweiseitige Kausalzurechnung ... 82
7. Kritik 2: Pessimismus gegenüber den kommunikativen Formen der Rationalität ... 84
8. Die ästhetische Betrachtungsweise der Moderne ... 86
9. Adorno als Vertreter der bürgerlichen Werkskunst ... 87
10. Zusammenfassung ... 89
III. Die Integriertheit der demokratisch-„höfischen Gesellschaft“: Adaptive Elemente von Tocquevilles Kunstdiagnose bei Adorno ... 93
C. Kritik (Fortsetzung) und Ausblick
I. Affirmative Zeitdiagnose: Die Bestätigung Adornos ... 97
II. Kritik 3: Die kulturkonservative Verengung Adornos ... 98
III. Kritik 4: Selbstkorrektur Adornos ... 100
1. Medienspezifische Vermittlungsformen ... 101
2. Betrug und Selbstbetrug: das doppeltes Bewusstsein der Rezipienten ... 103
3. Veränderung kulturindustrieller Inhalte ... 105
4. Erziehung der Rezipienten ... 106
IV. Kritik 5: Die Differenzierung des Rezipientenverhaltens in den Cultural Studies ... 107
V. Kritik 6: Kritik an der postmodernen Kritik
1. Täuschung und Wiederkehr des Verdrängten ... 109
2. Künstler in den Kontrollturm ... 111
Schluss ... 113
Literaturverzeichnis ... 114
Einleitung: Masse, Markt und Alltäglichkeit
Masse, Markt und Alltäglichkeit sind Begriffe, die dem Konzept der amerikanischen Popular Art gerecht werden können. Roy Lichtenstein und Andy Warhol, als zwei ihrer prominentesten Vertreter, holten durch Provokation mit dem Trivialen die darstellende Kunst von ihrem Sockel der „Hohenkünste“ in die Welt des Alltags einer demokratisierten westlichen Welt. Ihr Kunstkonzept, bevor es als fetischisierte corporate identity den Markt eroberte, basierte auf der bewussten Provokation mit alltäglichen Inhalten oder auf der Veralltäglichung vormaliger gehobener Sinnzusammenhänge.
Eine inhaltliche Profanisierung der Malerei, die an die Stelle von Heiligen oder Herrschern den privaten Alltag durchschnittlicher Menschen stellt, bestimmt das Werk Lichtensteins. Portraits von Männern und Frauen, die in Sprechblasen einen kurzen Einblick in ihre privatistische Beziehungswelt geben, sind im als trivial geltenden Comic-Stil aufbereitet. Der Stil stellt die Antithese zur Werksästhetik bürgerlicher Kunst dar, verweist er doch auf die Anonymität unbekannter Zeichner und die technische Reproduzierbarkeit billiger Hefte. Als Beispiel für die Veralltäglichung gehobener Sinnzusammenhänge können die in knalligen Farben aufbereiteten Drucke Warhols gelten, die Mao Tse-tung in eine Reihe mit Marilyn Monroe stellen. Warhols und Lichtensteins Produktionen gelten gerade auch deshalb als Kunst, weil sie die High-Art radikal und plakativ in Frage stellten und diese mit den Mitteln der Low-Art bis in den Kitsch transszendierten. Natürlich wurden sie für ihre Entweihungen der hohen Kunst entlohnt: Die auf Grund ihrer trivialen Inhalte voraussetzungslose individuelle Zugänglichkeit machten sie zum künstlerischen Standartgut der modernen Weltgesellschaft und trieben die Preise ihrer Bilder und die Anzahl ihrer wie auch immer gearteten Reproduktionen in schwindelerregende Höhen. Ergibt sich der künstlerische Wert Warhols und Lichtensteins eher aus ihrem Platz innerhalb eines Diskurses der Kunst über ihre Grenzen, so ist ihr marktlicher Wert der Perfektionierung eines Prinzips zu verdanken, dessen Funktionsprinzipien bei Alexis de Tocqueville und Theodor W. Adorno grundsätzlich untersucht werden.
Auf den Alltag ihrer Rezipienten bezogene Selbstbezüglichkeit macht bei Tocqueville neben der marktlichen Vermittlung von Kunst, der damit verbundenen Publikumsorientierung und dem Wert der Unterhaltung, die Merkmale demokratischer Kunst aus. Im zweiten Band von Über die Demokratie in Amerika untersucht Tocqueville Bedingungen und Beschaffenheit der Kunst in demokratischen Gesellschaften. Vor dem Hintergrund (s)einer aristokratischen Kunst diagnostiziert und prognostiziert er die Veränderungen der Kunst unter den Bedingungen der sozialen Gleichheit.
Auch Adorno spricht im Kulturindustriekapitel der Dialektik der Aufklärung von der „Entkunstung der Kunst“ im Sinne ihrer Veralltäglichung. Die Verfransung von Kunst durch deren Vermischung von hoch- und alltagskulturellen Elementen erscheint ihm als fundamentale Bedrohung bürgerlicher Werksästhetik und hat den Verlust der Autonomie des Kunstwerks und damit den Verlust dessen gesellschaftstransszendierenden Gehalts zur Folge. Ihr falsches Ende findet die autonome Werksästhetik in der Kulturindustrie.
Analog zu Tocqueville bedingt bei Adorno die Marktvermittlung von Kunst die wesentlichen Merkmale von kulturindustriellen Produkten. Und ebenfalls analog zu Tocqueville sind die Publikumsorientierung der Kulturindustrie, ihr Unterhaltungscharakter, ihre soziale Indifferenz und ihr voraussetzungsloser Zugang charakteristisch für diese. Andererseits ist die Theorie der Kulturindustrie Adornos, als Modus der Vergesellschaftung zu Zeiten einer regressiven Vernunft, dem Aufkommen der Massenmedien einerseits und dem theoretischen Zusammenhang kulturkritischer Psychologie und Marxistischer Gesellschaftstheorie andererseits geschuldet.
Den hier geschilderten Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den Kunstsoziologien Alexis de Tocquevilles und Theodor W. Adornos soll in dieser Arbeit komparatistisch nachgegangen werden. Auf Grund einer weitgehenden Übereinstimmung empirischer Merkmale demokratischer Kunst bei Tocqueville und kulturindustrieller Produkte bei Adorno, bei gleichzeitiger fundamentaler Unterschiedlichkeit in der theoretischen wie weltanschaulichen Vermittlung dieser Merkmale durch beide Autoren, soll hier die These vertreten werden, dass sich Adorno in Form einer „integrativen Adaption“ der empirischen Befunde Tocquevilles bedient hat, freilich nicht ohne sie in den Gesamtzusammenhang seiner Theorie zu stellen. Die der „Tyrannei der Mehrheit“ bei Tocqueville geschuldete soziokulturelle Vergesellschaftung individuellen Denkens einer demokratisch-„höfischen Gesellschaft“ geht mit der wirtschaftlich bedingten Vergesellschaftung durch Kulturindustrie in der Hemmung des Gedankens (Selbstzensur) konform. Die Denkfigur vorauseilenden Gehorsams gesellschaftsbedingter Selbstzensur stellt das Bindeglied zwischen beiden Kunstdiagnosen und die Integrationsmöglichkeit Tocquevilles durch Adorno dar.
Im ersten Teil dieser Arbeit werde ich die kultursoziologischen Analysen Tocquevilles und Adornos vorstellen, die aus dem Kontext ihrer Zeit und dem methodologischen wie inhaltlichen Zusammenhang ihres jeweiligen Gesamtwerkes betrachtet werden müssen, schon um hermeneutische Probleme zu umgehen und um einen informierten Umgang mit beiden Kultursoziologien zu gewährleisten. Besonderes Gewicht erhält dabei aus Gründen der Operationalisierung eine Trennung von Adornos empirischen kulturindustriellen Befunden einerseits und seiner Theorie der Kulturindustrie andererseits.
Der zweite vergleichende Teil der Arbeit wird mit der Darstellung gemeinsamer empirischer Befunde der beiden Autoren in Bezug auf die Kunst in einer sozial nivellierten Gesellschaft eingeleitet. Dieser Vergleich empirischer Identitäten in der Sache wird durch die Gegenüberstellung ihrer jeweiligen Betrachtungsperspektive von Kunst erweitert, und somit werden die empirischen Befunde in den Kontext ihrer jeweiligen Gesamtanalyse gestellt. Neben der individuell-autorenbezogenen Perspektivität und den geschichtsphilosophischen Prämissen der Verfasser stelle ich den Begriff der „Masse“ (Adorno) bzw. „Mehrheit“ (Tocqueville) in den Mittelpunkt des Perspektivenvergleichs, da er den Hauptbezugspunkt der beiden Autoren bei ihrer jeweiligen Betrachtung einer sozial nivellierten Kunst darstellt.
Der dritte und abschließende Teil dieser Arbeit ist der Kritik des problematischen Adornoschen Kunstverständnisses gewidmet. Ausgehend von der Hinterfragung der verfallstheoretischen Prämissen der Dialektik der Aufklärung werde ich die dichotomisierende Gegenüberstellung von den Apokalyptikern und Kunstverständigen (einer informierten kritischen Theorie) einerseits und den Integrierten der betrogenen Massen andererseits durch die Differenzierungen des Rezipienten in den Cultural Studies, aber auch durch Adornos selbstkritische Einführung eines „doppelten Bewusstseins“, darstellen. Dass die postmoderne Medientheorie einer sozial differenzierten Gesellschaft nicht gerecht wird, soll abschließend am Beispiel von Norbert Bolz gezeigt werden.
Als Primärliteratur dieser Arbeit dienten im wesentlichen Tocquevilles „Über die Demokratie in Amerika“ und Horkheimers und Adornos „Dialektik der Aufklärung“, sowie speziell in Bezug auf Kulturindustrie Adornos „Resumé über Kulturindustrie“. Ergänzend wurde zur Darstellung von Adornos Kulturindustriethese sowie seines Kunstbegriffs Michael Kauschs Überblicksbuch zur Medientheorie der Kritischen Theorie „Kulturindustrie und Populärkultur“ verwendet. Bezüglich Adornos Methodologie beziehe ich mich auf Wolfgangs Bonß Artikel „Empirie und Dechiffrierung von Wirklichkeit“. Die Kritik der „Dialektik der Aufklärung“ ist in weiten Teilen Jürgen Habermas` Artikel „Die Verschlingung von Mythos und Aufklärung“ in seinem Vorlesungsband „Der philosophische Diskurs der Moderne“ geschuldet. Der Massenbegriff der kritischen Theorie wurde mir durch Alex Demirovics Artikel „Kritische Theorie bürgerlicher Herrschaft und die Widersprüchlichkeit der Massen“ sowie Herfried Münklers Artikel „Vom Verlust des revolutionären Subjekts – Die politische Dimension moderner und postmoderner Ästhetiken“ vermittelt. Meine soziokulturelle Darstellung von Tocquevilles „Tyrannei der Mehrheit“ stütz sich auf die Argumentation in Morton Horwitz Artikel „Tocqueville and the Tyranny of the Majority“. Darüber hinaus wurde mir eine generelle Heranführung an die Kritische Theorie durch die rezipierende Teilnahme an der Adorno-Konferenz am Institut für Sozialforschung in Frankfurt Ende September 2003 sowie an Claus Offes Adorno-Vorlesungen am selben Ort im November des letzten Jahres ermöglicht.
A. Kunst- und Kultursoziologie bei Alexis de Tocqueville und Theodor W. Adorno
I. Alexis de Tocqueville
1. Kontextualisierung von Tocquevilles Kultursoziologie in Über die Demokratie in Amerika
Als Grundlagentext dieser Untersuchung dient in Bezug auf Alexis de Tocquevilles Analyse soziokultureller Erscheinungen der Demokratie dessen zweibändiges Werk „Über die Demokratie in Amerika“, dessen erster Band 1835 und der zweite 1840 erschienen ist.
[...]
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
POP ART- Andy Warhol und seine Kunst
Author: Eva GalovaArt - Painting, 2003 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Herrschaft des Begriffs und das Nichtidentische bei Adorno
Author: Peter FaulstichPhilosophy - Philosophy of the Present, 2003 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Die Dialektik der "Dialektik der Aufklärung" von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno
Author: Jutta FaehndrichPhilosophy - Philosophy of the Present, 2001 Download as PDF-file for 4,99 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: