Details

Kategorie: Magisterarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 95
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 484 KB
Archivnummer: V27190
ISBN (E-Book): 978-3-638-29306-8
Anmerkungen :
Die Arbeit beschreibt die Entwicklung der Familie und Ehe bis zur heutigen Form der Normalfamilie mit besonderem Blick auf die Paarbeziehung. Dem stellt sie die alternativen Lebensformen der Nichtehelichen Lebensgemeinschaft,der Partnerschaft in getrennten Haushalten und die Singles gegenüber.

Textauszug (computergeneriert)

Institut für Soziologie
RWTH-Aachen

Magisterarbeit mit dem Thema:

Strukturen von Ehe und Familie in der Gegenwart

eingereicht von

Mareike Schrödter

Abgabetermin: 28.04.2004

Inhaltsverzeichnis

Vorwort ... 1

Einleitung ... 2-4

Erstes Kapitel: Ehe und Familie

1. Einführung zu Ehe und Familie ... 5

2. Grundlagen für das soziologische Interesse an dem Thema Ehe und Familie ... 6

3. Die Soziologie der Familien ... 6
3.1. Die Anfänge der Familiensoziologie ... 7
3.2. Familienforschung nach dem zweiten Weltkrieg ... 8
3.3. Familienforschung im „golden age of marriage“ der 60er und 70er Jahre ... 9
3.4. Der Versuch von Erklärungen: Familienforschung der 80er Jahre ... 9-11
3.5. Forschungsstand der 90er Jahre bis heute ... 11

4. Die Verbindung von Ehe und Familie ... 12-13

5. Definitionen von Familie und Ehe ... 13
5.1. Der Begriff „Familie“ – Schwierigkeiten einer Definition ... 13-15
5.2. Der Begriff „Ehe“ - eine Definition mit weitgehender Übereinstimmung ... 15-16

6. Die Entwicklung der Familie und Ehe ... 16-17
6.1. Die historische Perspektive zur Entwicklung der Familie ... 17-18
6.2. Die historische Entwicklung der Ehe ... 19-21

7. Strukturell-funktionale Differenzierung von Familie und Ehe ... 21-22

8. Die Binnenstruktur von Ehe und Familie ... 22-24
8.1. Die Familiengröße als Kriterium für eine strukturelle Unterscheidung ... 24
8.2. Die Familien-Typen ... 24
8.3. Verwandtschaftsformen und Familienzugehörigkeit ... 25
8.4. Die Art des geschlechtlichen Zusammenlebens ... 25-26
8.5. Heiratsformen ... 26
8.6. Autorität und Herrschaftsformen ... 26
8.7. Die Normalfamilie ... 27-28
8.8. Die Formenvielfalt der Ehe in der Gegenwart ... 28-30

9. Funktionen und Aufgaben der Familie – die Leistungen der Familie für das Individuum in der Gesellschaft ... 30-31
9.1. Die Reproduktionsfunktion ... 31
9.2. Die Sozialisationsfunktion ... 32
9.3. Die Platzierungsfunktion ... 32
9.4. Die Haushaltsfunktion ... 33
9.5. Die Regenerationsfunktion ... 33

10. Funktionen der Ehe ... 34-35

11. Der soziale Wandel in der Familie ... 36
11.1. Die vorindustrielle Familie ... 36
11.2. Die industrielle Familie ... 37
11.3. Die Familie der Nachkriegszeit ... 37-38

12. Sozialer Wandel der Ehe ... 38-39 

13. Der Wandel von Ehe und Familie in Zahlen – einige demographische Daten ... 39-41
13.1. Ehescheidungen ... 41-43

14. Wissenschaftliche Theorien zum Thema Familie und Ehe ... 43
14.1. Der Funktionsverlust der Familie ... 43-45
14.2. Die Krise der Familie – ist die Familie durch die hohen Scheidungszahlen ein Auslaufmodell? ... 45-47
14.3. Die Deinstitutionalisierung der Familie und Ehe nach Tyrell ... 47-50
14.4. Das Individualisierungstheorem von Beck in bezug auf die Strukturveränderungen von Ehe und Familie ... 50-52
14.5. Die These der Pluralisierung von Lebensformen nach Nave-Herz ... 52-53

15. Was kommt nach der Familie? ... 54

Zweites Kapitel: alternative Lebensformen

1. Einführung zu alternativen Lebensformen ... 55

2. Die alternative Lebensform der nichtehelichen Lebensgemeinschaften ... 55-56
2.1. Der Begriff „nichteheliche Lebensgemeinschaft“ und seine Abgrenzung ... 56-57
2.2. Die Aspekte der historischen Entwicklung von nichtehelichen Lebensgemeinschaften ... 58-59
2.3. Die Formen von nichtehelichen Lebensgemeinschaften ... 60-61
2.4. Nichteheliche Lebensgemeinschaften – ein Äquivalent zur Ehe? ... 61-65
2.5. Nichteheliche Lebensgemeinschaften in Zahlen ... 65-67
2.6. Makrosoziologische Veränderungen die zur Etablierung nichtehelicher Lebensgemeinschaften führten ... 67-68
2.7. Mikrosoziologische Basis der Familiensoziologie und ihr Bezug zu den nichtehelichen Lebensgemeinschaften ... 68-69
2.8. Soziologische Erklärungen der Form „nichteheliche Lebensgemeinschaft“ ... 69
2.8.1.Individualisierung nach Beck ... 70
2.8.2. Deinstitutionalisierung / Monopolverlust der Ehe nach Tyrell und Meyer ... 70-71
2.8.3. Bedeutungsverlust und Pluralisierung nach Nave-Herz ... 71-72

3. Die alternative Lebensform der Partnerschaften mit getrennten Haushalten ... 72-74
3.1. Grundformen der Partnerschaft mit getrennten Haushalten ... 74-75
3.2. Einige Daten zu Partnerschaften mit getrennten Haushalten ... 76

4. Familienstand Single – Mythos oder Gegenwart ? ... 77-79
4.1. Wer oder Was sind Singles? ... 79-81
4.2. Alleinlebende ... 81-83
4.3. Findet eine Entwicklung zur „Single-Gesellschaft“ statt? ... 83-84

5. Fazit ... 84-86

Literaturverzeichnis

 

Vorwort:
In meiner Magisterarbeit wollte ich mich mit einem Thema beschäftigen, dass in meiner Lebenswelt vorkommt, und mit dem ich mich gut identifizieren kann. So bin ich auf das Thema Familie gekommen, da Familie nicht nur ein vielseitig diskutierter Bereich in der Soziologie ist, sondern auch jeder Einzelne spezifische Erfahrungen mit diesem Thema gemacht hat.
Vor ungefähr zwei Jahren war ich auf der goldenen Hochzeit meiner Großeltern eingeladen. An der Festtafel kreisten meine Gedanken um die unfassbar lange Zeit, die meine Oma und mein Opa schon ein Paar sind, und was sie schon gemeinsam durchgestanden haben. Bei der weiteren Betrachtung meiner Verwandten fiel mir die Vielfalt von familialen Lebensformen auf. So sind meine Eltern schon seit 27 Jahren verheiratete und meine Tante und mein Onkel stehen dem in nichts nach. Im Gegensatz zu diesen langjährigen Ehen, lebt die jüngste Schwester meiner Mutter momentan in ihrer zweiten Scheidung, gleichzeitig hat sie aber eine neue Beziehung. Jedoch zögert sie noch mit ihrem neuen Partner zusammen zu ziehen, da sie ein Kind aus der zweiten Ehe hat. Neben diesen partnerschaftlichen Lebensformen habe ich aber auch einen Onkel, der mit seinen vierzig Jahren noch immer Single ist. Diese Vielfalt an unterschiedlichen Strukturen von Lebensformen gibt es nicht nur in meiner Familie. So gibt es in meinem Freundeskreis neben eheähnlichen Lebensgemeinschaften auch junge unverheiratete Eltern, frisch verheiratete Paare und vor allem viele Singles. Genau diese Phänomene in meiner Umgebung haben mich neugierig gemacht, wie die Wissenschaft, insbesondere die Soziologie, diese Vorgänge deutet und erklärt.
Natürlich ist das Thema Familie und Ehe viel zu kompakt, um es auch nur ansatzweise vollständig behandeln zu können. Da ich selbst noch keine Familie gegründet habe, aber in einer langjährigen Beziehungen lebe, habe ich mich besonders auf die Paarbeziehungen in der Familie und Ehe konzentriert. Interessant fand ich hier besonders, wie die Paarbeziehungen heute in alternativen Lebensformen zur Ehe und Familie gelebt werden. Das Thema meiner Magisterarbeit lautet daher „Strukturen von Ehe und Familie in der Gegenwart“.

 

Einleitung:
Die meisten Einleitungen, die ich zu dem Thema Familie oder Ehe in Vorbereitung auf meine Arbeit gelesen habe, fingen mit einer diagnostisierten Wiederentdeckung des selbigen an. Die Familie sei wieder ins Gerede gekommen1 oder der Trend gehe zur Wiederentdeckung des Themas Familie und Ehe2 sind da nur zwei Beispiele. Diese Behauptungen setzen aber voraus, dass das Thema Familie und Ehe irgendwann auch mal unwichtig und uninteressant für die Wissenschaft gewesen sein muss. Diese Feststellung kann ich mir nur so erklären, dass die Familie lange Zeit als erforscht galt und kaum neuen Stoff für die Wissenschaft lieferte, was sich anscheinend jetzt wieder geändert hat. Wieso also ist das Thema Familie und Ehe wieder so interessant für die Wissenschaft geworden?
Die Familie und die Ehe sind ohne Zweifel die elementaren Strukturen in unserer Gesellschaft. Die Familie wird sogar als „Keimzelle des Staates“ bezeichnet und stellt somit die Grundlage der gesellschaftlichen Entwicklung dar. Deshalb gehörte die Gründung einer eigenen Familie lange Zeit ganz automatisch zur eigenen Lebensplanung und die Ehe war die dazu passende, gefestigte und anerkannte Form der Paarbeziehung. Doch diese gesellschaftlich höchst anerkannte Stellung der Familie und der Ehe ist ins Wanken geraten. Die Institutionen Ehe und die Familie haben den Modernisierungsprozess nicht ohne Verluste durchgemacht, sie mussten sich einem Wandel in ihrer Struktur und Form ergeben. Aber was noch wichtiger ist, sie haben von alternativen Lebensformen Konkurrenz bekommen. Die alternativen Lebensformen passen sich individuellen Bedürfnissen flexibler an und lassen sich meist besser und einfacher als die etablierten Institutionen leben. So kann auch das Alleinwohnen oder das unverheiratete Zusammenleben ein individuelles Bedürfnis sein, das sich dank der Pluralisierung von Lebensformen auch verwirklichen lässt. Das Thema Familie und Ehe ist also deswegen wieder interessant für die Wissenschaft geworden, weil die Strukturen einem Wandel unterlegen sind, in dessen Verlauf alternative Lebensformen ihr Schattendasein aufgeben und genau wie die Familie und die Ehe von den Mitgliedern der Gesellschaft gelebt werden.
In der folgenden Darstellung der Strukturen von Ehe und Familie in der Gegenwart soll geklärt werden, wie sich diese Strukturen verändert haben und ob die Familie durch die Pluralisierung von Lebensformen an Bedeutung verloren hat. Außerdem stelle ich einige alternative Lebensformen vor, um heraus zu finden, ob sie wirklich in Konkurrenz zur Familie und Ehe stehen.
In fast jeder Gesellschaft gibt es bestimmte soziale Normen, gesellschaftliche und kulturelle Standards, die generelle Zulässigkeiten von Familien- und Eheformen bzw. Formen partnerschaftlichen Zusammenlebens regeln. Ein Blick zurück auf die Geschichte der Familie und Ehe zeigt, dass die Formenvielfalt des Zusammenlebens grenzenlos zu sein scheint. Die allgemeinste Form des partnerschaftlichen Zusammenlebens ist hierbei die Ehe. Variabel scheint nicht die Existenz der verschiedenen Standards, sondern vielmehr der Grad ihrer Institutionalisierung bzw. der sozialen Kontrolle. In den westlichen Gesellschaften gibt es eine Vielzahl von Variationsmöglichkeiten, vielleicht auch weil die sozialen Sanktionen nicht so groß sind. Trotzdem bleiben auch hier bestimmte Standards bedeutsam, wie z.B. die Ehe als institutionalisierte Form des Zusammenlebens von Mann und Frau. Lebensformen, die sich an der Grenze des Möglichkeitsspektrums befinden, werden nach wie vor stigmatisiert, wie z.B. homosexuelle Paare.
Wenn ich im folgenden von Strukturen der Ehe und Familie in der Gegenwart spreche, dann ist damit auch der Prozess gemeint, den diese Institutionen im Wandel der Zeit durchschritten haben. Somit analysiere ich nicht nur die Wandlungsprozesse, denen die Familie und die Ehe im Zuge der Modernisierung unterliegen, sondern auch die daraus resultierende Pluralität familialer Lebensformen. Dabei muss vor allem geklärt werden, ob die weit verbreiteten Thesen, die Familie würde einen Bedeutungsverlust erleiden oder sie befände sich in einer Krise, so aufrechterhalten werden können. Außerdem muss zwischen der Familie und der Ehe unterschieden werden, da es sich hier um zwei verschiedene Aspekte handelt.
Das Thema „Strukturen von Ehe und Familie in der Gegenwart“ ist nicht nur ein sehr interessantes Thema, es ist auch sehr weitreichend. Daher möchte ich den Bereich meiner Magisterarbeit einschränken. Ich werde die Strukturen von Ehe und Familie in der Gegenwart mit dem Schwerpunkt der Paarbeziehung untersuchen. Damit möchte ich den Bereich der Kinder, Sozialisation von Kindern, Patchworkfamilien etc. ausgrenzen bzw. ihn nur am Rande erwähnen. Des weiteren habe ich den Raum meiner wissenschaftlichen Untersuchung eingegrenzt. Die Strukturen von Ehe und Familie in der Gegenwart werden in den westlichen Industrienationen beschrieben, mit besonderem Augenmerk auf Deutschland.
Die Arbeit ist in zwei Kapitel unterteilt. Im ersten Kapitel beschäftige ich mich mit der Familie und der Ehe. Dabei möchte ich zuerst klären, warum dieses Thema für die Soziologie interessant ist und wie sich die Familiensoziologie entwickelt hat. An die Familiensoziologie anknüpfend, beschäftige ich mich dann mit den Grundlagen, wie Definitionsproblemen, die Entwicklung der Familie und Ehe, strukturell-funktionale Differenzierung und die Binnenstruktur von Familie und Ehe. Auf diesen Grundlagen aufbauend, untersuche ich die Funktionen von Familie und Ehe und deren Wandel. Damit diese Darstellungen nicht zu abstrakt sind, werde ich auch einige Daten zu diesem Thema aufgreifen, wie z.B. die aktuellen Eheschließungs- und Ehescheidungszahlen.
Bevor ich dann frage, was nach der Familie kommt, setze ich mich mit den wichtigsten wissenschaftlichen Theorien zu dem Thema auseinander. Neben der Deinstitutionalisierungsthese nach Tyrell, behandle ich die Individualisierungstheorie von Beck und die These der Pluralisierung von Lebensformen nach Nave-Herz.
Im zweiten Kapitel beschäftige ich mit einigen alternativen Lebensformen, die am ehesten in Konkurrenz zur Ehe und Familie stehen. Deshalb untersuche ich schwerpunktmäßig nichteheliche Lebensgemeinschaften. Dabei gehe ich, ähnliche wie im ersten Kapitel, von den Grundlagen wie Definition und Historie zu der Frage über, ob die nichtehelichen Lebensgemeinschaften ein Äquivalent zur Ehe sind. Um das Thema nicht nur abstrakt zu analysieren, schaue ich mir auch hier einige Daten an, bevor ich die makrosoziologischen und mikrosoziologischen Aspekte beschreibe, die zur Etablierung nichtehelicher Lebensgemeinschaften geführt haben. In Anlehnung an das erste Kapitel interessiert mich, was die Soziologen Beck, Tyrell und Nave-Herz zum Thema nichteheliche Lebensgemeinschaften sagen. Um den Spagat zwischen den nichtehelichen Lebensgemeinschaften und den Singlen zu schaffen, stelle ich Partnerschaften in getrennten Haushalten vor. Diese Form hat sowohl einige Komponenten der nichtehelichen Lebensgemeinschaft als auch den Aspekt des „alleinigen Wirtschaftens“ von Singles. Als absoluten Kontrast zur Familie und Ehe beschäftige ich mich zum Schluss mit den Singles und Alleinwohnenden, deren quantitativer Anstieg zu einer prognostizieren Single-Gesellschaft seitens der Wissenschaft und Medien führte. Wichtig ist für mich dabei der Aspekt, ob diese Form der Lebensführung wirklich freiwillig gewählt wurde, oder ob die individuellen Wünsche, wie ein Partner zu sein hat, einfach noch nicht erfüllt wurden bzw. ob die Individualisierung so weit vorangeschritten ist, dass sich viele Menschen nicht mehr auf eine Ehe oder Familie einlassen können, da sie fürchten, an persönlicher Freiheit zu verlieren.
Meine These lautet folglich: Die Ehe und die Familie sind nicht vorm Aussterben bedroht, sie passen nur nicht so flexibel in die Lebenspläne der Menschen wie die alternativen Lebensformen. Diese Entwicklung ist nur die logische Konsequenz des Individualisierungs- und Modernisierungsprozesses der Gesellschaft.

Erstes Kapitel: Ehe und Familie

1. Einführung zu Ehe und Familie
Die Ehe und die Familie sind für die meisten Menschen etwas Selbstverständliches. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass eine enorme Vielfalt sozialer Zusammenhänge und Hindergründe eine besondere Aufmerksamkeit seitens der Wissenschaft notwendig macht. So hat es sich die Soziologie zur Aufgabe gemacht, ihren Beitrag zur Darstellung und Erklärung der Phänomene Ehe und Familie zu leisten.
Warum aber ist das Thema Familie und Ehe für uns Menschen denn überhaupt so selbstverständlich? Eine Antwort auf diese Frage könnte sein, dass das Phänomen Familie schon immer da war.

[...]


1 Peukert, 1999

2 Vaskovics, 1995

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/27190/