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Der strukturanalytische Ansatz nach Michael Charlton und Klaus Neumann-Braun

Scholary Paper (Seminar), 2000, 20 Pages
Author: Katrin Miller
Subject: Pedagogy - Media Pedagogy

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2000
Pages: 20
Language: German
Archive No.: V27301
ISBN (E-book): 978-3-638-29386-0

File size: 252 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Augsburg
Lehrstuhl Medienpädagogik
Seminar: Qualitative Rezeptionsforschung –
Medienrezeption und –aneignung

Der strukturanalytische Ansatz nach Michael Charlton
und Klaus Neumann-Braun

von: Katrin Miller

 


GLIEDERUNG

1. Neuakzentuierung im forschungsmethodologischen Bereich  3

2. Der strukturanalytische Ansatz von Michael Charlton und Klaus Neumann-Braun 4

2.1 Die 3 Ebenen der Handlungskonstruktion bzw. -koordination 7

2.1.1 Situativer und kultureller Kontext 7

2.1.1.1 kulturelles Sinns ystem 7
2.1.1.2 Sozialer Kontext  8
2.1.1.3 Das Subjekt  9

2.1.2 Phasen des eigentlichen Rezeptionsprozeß  10

2.1.2.1 Handlungsleitendes Thema  10
2.1.2.2 Medienrezeptionshandlung  11

2.1.3 Aufgaben der Lebensbewältigung und Identitätswahrung 13

2.2 Methodologie und Verfahren 14
2.3 Einzelfalldarstellungen 15

2.3.1 Die Falldarstellung "Moritz"  16
2.3.2 Die Falldarstellung "Esther"  16
2.3.3 Die Falldarstellung "Paul"  16
2.3.4 Die Falldarstellung "Wolfram"  16

3. Kritische Anmerkungen 17

Literaturverzeichnis  19

 


 

1. Neuakzentuierung im forschungsmethodologischen Bereich

Ausgiebig gingen die Meinungen darüber auseinander, wie aktiv bzw. passiv die Rolle des Medienkonsumenten(und somit Rezipienten) zu sehen ist. Die traditionelle Rezeptionsforschung ging lange Zeit von einem sehr einfachen Stimulus-Response – Denken aus und ließ den Rezipienten damit eine eher passive Rolle zukommen, da sie „[...]als (mehr oder weniger) reizkontrollierte, in ihren Verhaltensweisen umweltdeterminierte und reaktive Menschen betrachtet [...]“1 wurden. Nicht zu Unrecht wurde von Kritikern der sehr einseitige und linear vom Sender zum Empfänger verlaufende Massenkommunikationsprozeß und die zu sehr isolierte Rolle des Rezipienten angefochten. Erst durch eine Wende in der Sozialforschung, die sich von der klassischen Wirkungsforschung abhob wurde der Rezipient als aktives Handlungssubjekt aufgefaßt, das selbstverantwortlich über sich und sein Leben in der Gesellschaft bestimmt und sein Handeln (auch sein Medienhandeln) zielgerichtet bestimmt. Aus dieser Perspektive werden Medieninhalte nicht mehr als Ursache angesehen, die im Konsumenten und somit Rezipienten Veränderungen nach regelhaften Schemata bewirken, sondern der Mediennutzer wird als selbstverantwortliche Person aufgefaßt, die in bestimmtem Rahmen selbst entscheidet, welche Medieninformation sie gebrauchen will und zieht den Medienkonsum heran, um ihren Alltag zu bewältigen. 2

Das entscheidende Postulat von Versuchen in den 80er Jahren, Medienpädagogik konzeptionell weiterzuentwickeln, bestand demnach in der Forderung nach einer stärkeren Lebensweltorientierung, nach Rückbesinnung auf das im beruflichen und privaten Alltag immer mehr mit Medien agierende Individuum. Mit dieser Entwicklung korrespondiert auch eine Neuakzentuierung im forschungsmethodologischen Bereich, gekennzeichnet durch strukturanalytische Rezeptionsforschung. Dieser von Michael Charlton und Klaus Neumann- Braun entwickelte Ansatz löst sich von der traditionellen Rezipientenforschung, indem sie nicht mehr die Medien und Produzenten in den Vordergrund ihrer Analysen stellen, sondern die subjektive Bedeutung, die Medienprodukte in den unterschiedlichen Lebenswelten der Nutzer durch aktive, der eigenen Situation entspringende Einordnung in den Alltag erlangen. Dies wird dadurch begründet, „[...] daß die Medienkommunikation mehr Gemeinsamkeiten mit der dialogischen Alltagskommunikation aufweist als mit der Informationsverarbeitung technischer Systeme[...]“3, da Medienkommunikation zum einen zur Orientierung, Bedürfnisbefriedigung, Identitätsbewahrung und Lebensbewältigung dient und zum anderen in ein spezifisches Interaktionsumfeld eingebettet ist. Dabei wird davon ausgegangen, daß der Nutzer eben nicht nur in der passiv erlittenen Einflußsphäre der Medien steht, sondern die Medien ja all- täglich aktiv zu seinem eigenen individuellen Lebensalltag arrangiert. Die vorliegende Arbeit will den strukturanalytischen Ansatz näher beleuchten und dadurch den Zusammenhang von Mediengebrauch und kindlicher Identitätsentwicklung im Rahmen der Familie herausstellen. Dazu soll zunächst näher auf das „Struktur- und Prozeßmodell“ eingegangen werden, um im Anschluß anhand einiger Fallbeispiele die methodologische Vorgehensweise aufzuzeigen.

2. Der strukturanalytische Ansatz von Michael Charlton und Klaus Neumann-Braun

Das Struktur- und Prozessmodell der Medienrezeption entspringt der Forschung zur Medienrezeption von Kindern. Die zentralen Aspekte der medienbiographischen Forschung wurden hier aufgegriffen. Michael Charlton und Klaus Neumann-Braun widmen sich besonders der Mediensozialisation von Kindern und Jugendlichen, ihr Modell ist jedoch nicht auf dieses Lebensalter beschränkt. Im Rahmen einer mehrjährigen Längsschnittuntersuchung zum Mediengebrauch von sechs 4-6jährigen Kindern wurde ein strukturanalytisches Modell von Medienrezeption entwickelt, in dem Umfang, Art und situative Bedingungen und Folgen des Medienkonsums untersucht werden. Die Autoren gliedern das im Anschluß an dieses Kapitel abgebildete Modell in Strukturelemente (kulturelles Sinnsystem; sozialer Kontext und Subjektstrukturen) und in Prozesselemente (Entwicklung eines handlungsleitenden Themas; eigentliche Rezeptionsphase mit thematisch voreingenommener Selektion und der Verarbeitung und Aneignung der Medienbotschaften). In ihrem Modell berücksichtigen sie dementsprechend subjektive Faktoren wie kognitive Entwicklung und Bedürfnisse, sozialen Kontext und gesellschaftlich vermitteltes Sinnsystem (Normen und Werte), die medial verbreitet werden.

Charlton und Neumann-Braun verstehen den Rezeptionsprozess als „regelgeleitetes Geschehen“, das „einen aktiven, intentionalen Prozess der Auseinandersetzung“ mit identitätsstiftenden Themen darstellt, an kontextuelle Bedingungen (z.B. ein schulisches Setting) gebunden ist und in einen „Vermittlungsprozess zwischen der eigenen Lage des Rezipienten (Subjektivität) und derjenigen Situation, über die in Medien berichtet wird (Intersubjektivität), münden kann“4 In Bezug auf die Medienrezeption stellen sich Charlton und Neumann-Braun folgende Fragen: Wie verarbeiten Kinder ihren Medienkonsum, wie setzen sie sich damit auseinander? Inwiefern steht der kindliche Medienkonsum in einem Zusammenhang mit alltäglichen Interaktionserfahrungen des Kindes in seiner Familie? Welche Bedeutung gewinnen die Medien für die Entwicklung und Sozialisation von heute?

[...]


1 Charlton, M.; Neumann, K., K.(1992a), S.10

2 vgl. Charlton, M.; Neumann, K., K.(1986), S.8

3 Hepp, A., S.29

4 Charlton, M.; Neumann, K.(1992a), S. 88.


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