Autor: Susanne Täntzler
Fach: Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Details
Jahr: 2003
Seiten: 13
Note: zwei
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 63 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-29394-5
Textauszug (computergeneriert)
Martin- Luther- Universität Halle- Wittenberg
Institut für Politikwissenschaften
Seminar: Bildung und Sozialstruktur
2. Semester
Milieu-Ansätze
von: Susanne Täntzler
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Definition 3
3. Allgemeines 4
4. Sinus- Milieu 5
4.1. Allgemeines 5
4.2. Westdeutsche Milieus 6
4.3 Ostdeutsche Milieus 8
5. Pluralisierung 10
6. Milieuspezifika 11
7. Gesamtdeutsches Sinus- Modell 11
8. Abschlussbemerkung 12
Literaturverzeichnis: 13
1. Einleitung
Die bisher untersuchten Modelle sozialer Ungleichheit (Stand, Klasse, Schicht) konzentrierten sich auf „objektive“ Merkmale von Menschen oder Gesellschaften. Die individuellen Aspekte sozialer Ungleichheit, die immer mehr an Bedeutsamkeit gewann, wurden außer Acht gelassen. Diese Schrift wird sich mit dem Modell der Milieu- Ansätze befassen, in dem „objektive“ sowie „subjektive“ Faktoren von Bedeutung sind. Sie soll einen Einblick darüber geben, was unter einem Milieu zu verstehen ist, wie die allgemeinen Gegebenheiten sind und welche Milieus es gibt. Darüber hinaus kommt es zu der Fragestellung der Trennung der Milieus in Ost und West. Ist es heute nicht mehr notwendig, Milieus nach Ost und West zu unterscheiden?
2. Definition
Um in das komplexe und vielseitige Thema der Milieus einzusteigen, ist es notwendig eine allgemeingültige Definition zu finden. Dies erweist sich als schwierige Aufgabe, da unterschiedliche Auffassungen der einzelnen Sozialwissenschaftler (z.B. Michael Vester oder Gerhard Schulze) vorhanden sind. Hermann Korte und Bernhard Schäfers geben einen kleinen und übersichtlichen Einblick: “Hierbei versteht man unter Milieu die bei einer bestimmten Personengruppe typischerweise zusammentreffenden Grundwerte, Grundeinstellungen und Verhaltensmuster, z.b. die Verzahnung traditioneller Werte, politisch konservativer Einstellungen und Pflichtbewußtsein im konservativen Milieu. Das Leben in solchen Milieus prägt Menschen und lässt sie ihre jeweilige Um- und Mitwelt, z.b. das berufliche Umfeld, den Stadtteil oder die Nachbarn, in unterschiedlichst wahrnehmen und nutzen.” (Hradil, 1992, S. 161ff.) In Milieu- Konzepten wird die Bevölkerung nach Unterschieden in ihren Lebenszielen, Lebenslagen und Lebensstilen unterschieden. Die Milieuforschung ist ein sehr junger Zweig der Ungleichheitsanalyse. Bis Ende der 80er Jahre haben nur wenige Sozialwissenschaftler im Zusammenhang mit sozialer Ungleichheit mit Konzepten der Milieu- und Lebensstilforschung gearbeitet. Hierbei herrschte kaum Einigkeit darüber, was im engeren Sinne unter Lebensstilen und Milieus zu verstehen ist. Selten wird der Milieu- und Lebensstilbegriff ausdrücklich voneinander getrennt. Gerhardt Schulze meint: “Statt von Milieus zu sprechen, könnte man auch andere Ausdrücke verwenden, etwa Lebensstilgruppen, Subkulturen, ständische Gemeinschaften, soziokulturelle Segmente, erlebbare gesellschaftliche Großgruppen.” (Schulze 1992, S.174) Da die Begriffe Milieu und Lebensstil oft in einem gleichen Zusammenhang genannt werden, müssen sie unterschieden werden. Der gewichtigste Gegensatz ist die zeitliche Veränderung. Soziale Milieus lassen sich nicht so leicht ändern wie Lebensstile. In den Milieus bestehen typische verankerte Wertehaltungen und Grundeinstellungen (z.B. Liberalismus oder Konservativität).
Diese Grundhaltungen ändern sich meist erst durch einschneidende Ereignisse (z.B. Arbeitsplatzwechsel, Heirat, Unfall, Krankheit etc.). “Als Lebensstil bezeichnet man typische Regelmäßigkeiten in der Gestaltung des Alltags.”(Hradil, 1992, S.162) Lebensstile sind von den jeweils aktuellen Lebenszielen, Moden, derzeitigen Lebensformen, persönlichen Entscheidungen und den zur Verfügung stehenden aktuellen materiellen Gütern abhängig. So können sich Verhaltens- und Meinungsroutinen schnell ändern. Das aktuelle Lebensziel kann sich verändern und somit auch die Lebensweise.
3. Allgemeines
In der Regel wird davon ausgegangen, dass mit bestimmten Lebensbedingungen (z.B. die eines Langzeitarbeitslosen) auch eng bestimmte innere Haltungen (z.B. Pessimismus, Gefühl der Unbrauchbarkeit) einhergehen. Soziale Milieus und deren individuelle Lebensführungen (z.B. die Kindererziehung) werden zwar durch ihre äußeren Lebensumstände (z.B. die Einkommenshöhe) angeregt, begrenzt oder beeinflusst, aber keineswegs völlig geprägt. So kann die Kinderziehung in weniger reichen Familien genauso gut beziehungsweise genauso schlecht sein, wie in vermögenderen Elternhäusern. Einkommenshöhe, Bildungsstand und die berufliche Stellung können aber durchaus die Wertehaltung und Lebenseinstellung bestimmen. Die Struktur von Ober-, Mittel- und Unterschicht ist heute zwar immer noch zu erkennen, aber es kann nicht mehr an Hand der Lebensbedingungen einer Schicht eine Aussage über die Milieuzugehörigkeit getroffen werden.
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