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Zu: Georg Heyms "Der Gott der Stadt"

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 19 Pages
Author: Magistra Artium Melanie Kindermann
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Lyrik um 1900
Institution/College: University of Heidelberg (Germanistisches Seminar)
Tags: Georg, Heyms, Gott, Stadt, Lyrik
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 19
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V27342
ISBN (E-book): 978-3-638-29418-8
ISBN (Book): 978-3-638-78187-9
File size: 196 KB

Abstract

Deutsche Großstadtlyrik nimmt in der Lyrik des Expressionismus einen besonderen Stellenwert ein. Die Großstadt als Produkt der Industrialisierung im 19. Jahrhundert verkörpert die moderne Welt, der die expressionistischen Lyriker kritisch und misstrauisch gegenüberstehen. Sie bewerten die neuen, auf Versachlichung und Rationalisierung ausgerichteten Zivilisationsformen, die durch das Wesen der Großstadt in dieser entstehen, negativ. Die Großstadt ist einer der „Fluchorte des Expressionismus“ und deren Darstellung zumeist mit düsteren Bildern des Schreckens, der Katastrophe und Zerstörung verbunden. Die Metropole als „Ort der Moderne“ wird gerade von Dichtern problematisiert, die in einer solchen, z. B. Berlin, leben. Eines der bekanntesten Gedichte der Großstadtlyrik ist "Der Gott der Stadt" von Georg Heym, das Ende des Jahres 1910 entstand. Es erschien im Jahr 1911 in Heyms Gedichtband "Der ewige Tag" und gehört nach eigener Aussage zu einem seiner besten Werke. Diese Arbeit widmet sich einer ausführlichen Interpretation dieses Gedichts.


Excerpt (computer-generated)

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Germanistisches Seminar
Sommersemester 2004
Hauptseminar: Lyrik um 1900

Georg Heym: Der Gott der Stadt

von: Melanie Kindermann

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 2

Georg Heym: Der Gott der Stadt  3

1. Form und Metrik  4

2. Interpretation  5

2.1 Inhaltliche Gliederung  5
2.2 Interpretation 6
2.3 Die Bedeutung der Bildlichkeit bei Georg Heym  12

2.3.1 Mythisierung, Dämonisierung und Personifizierung  12
2.3.2 Farbmetaphorik  14

3. Schlussbetrachtung: Der Gott der Stadt als Zivilisationskritik 17

Literaturverzeichnis  18

Primärliteratur 18

Sekundärliteratur 18


 

 

Einleitung

Deutsche Großstadtlyrik nimmt in der Lyrik des Expressionismus einen besonderen Stellenwert ein. Die Großstadt als Produkt der Industrialisierung im 19. Jahrhundert verkörpert die moderne Welt1, der die expressionistischen Lyriker kritisch und misstrauisch gegenüberstehen. Sie bewerten die neuen, auf Versachlichung und Rationalisierung ausgerichteten Zivilisationsformen, die durch das Wesen der Großstadt in dieser entstehen, negativ.2 Die Großstadt ist einer der „Fluchorte des Expressionismus“3 und deren Darstellung zumeist mit düsteren Bildern des Schreckens, der Katastrophe und Zerstörung verbunden. Die Metropole als „Ort der Moderne“ 4 wird gerade von Dichtern problematisiert, die in einer solchen, z. B. Berlin, leben.

Eines der bekanntesten und wichtigsten Gedichte dieser Großstadtlyrik ist Der Gott der Stadt von Georg Heym, das Ende des Jahres 1910 entstand. Es erschien im Jahr 1911 in Heyms Gedichtband Der ewige Tag und gehört nach eigener Aussage zu einem seiner besten Werke, wie er in einem Brief an seinen Verleger Ernst Rowohlt schreibt.5 Diese Arbeit widmet sich einer ausführlichen Interpretation des Gedichts Der Gott der Stadt. Zunächst erfolgt eine Untersuchung der äußeren Form und der Metrik, der sich eine Gliederung der Strophen in inhaltlich sinnvolle Abschnitte anschließt, wobei auch der Gedichtinhalt kurz wiedergegeben wird. Daraufhin wird das Gedicht hinsichtlich seines Inhalts gründlich analysiert. Anschließend wird die zugrunde liegende Bildlichkeit einer genaueren Betrachtung unterzogen, um die Aussage des Gedichts aufzuzeigen. In der Schlussbetrachtung werden die wichtigsten Aspekte dieser Untersuchung noch einmal kurz zusammengefasst dargestellt.

Georg Heym: Der Gott der Stad t 6

Der Gott der Stadt
Auf einem Häuserblocke sitzt er breit.
Die Winde lagern schwarz um seine Stirn.
Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit
Die letzten Häuser in das Land verirrn.
Vom Abend glänzt der rote Bauch dem Baal,
Die großen Städte knien um ihn her.
Der Kirchenglocken ungeheure Zahl
Wogt auf zu ihm aus schwarzer Türme Meer.
Wie Korybanten-Tanz dröhnt die Musik
Der Millionen durch die Straßen laut.
Der Schlote Rauch, die Wolken der Fabrik
Ziehn auf zu ihm, wie Duft von Weihrauch blaut.
Das Wetter schwelt in seinen Augenbrauen.
Der dunkle Abend wird in Nacht betäubt.
Die Stürme flattern, die wie Geier schauen
Von seinem Haupthaar, das im Zorne sträubt.
Er streckt ins Dunkel seine Fleischerfaust.
Er schüttelt sie. Ein Meer von Feuer jagt
Durch eine Straße. Und der Glutqualm braust
Und frißt sie auf, bis spät der Morgen tagt.

1. Form und Metrik

[...]


1 Vgl. Noh, Hee-Jik: Expressionismus als Durchbruch zur ästhetischen Moderne. Tübingen 2001. S. 74.

2 Vgl. Noh, S. 86.

3 Rothe, Wolfgang: Deutsche Großstadtlyrik vom Naturalismus bis zur Gegenwart. Stuttgart 1973. S. 16.
 
4 Noh, S. 74.

5 Vgl. Schneider, Nina: Am Ufer des blauen Tags. Glinde 2000. S. 114.

6 Georg Heym. Dichtungen und Schriften. Band 1: Lyrik. Hg. von Schneider, Karl Ludwig. Hamburg. München 1964. S. 192.


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