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Oswald von Wolkensteins "Gelück und Hail". Übersetzung, Kommentar und Interpretation

Scholary Paper (Seminar), 2004, 21 Pages
Author: Steffen Kuegler
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 21
Grade: 2,0 (Gut)
Language: German
Archive No.: V27399
ISBN (E-book): 978-3-638-29459-1
ISBN (Book): 978-3-638-76045-4
File size: 231 KB

Abstract

OSWALDS VON WOLKENSTEIN oft humoristische, beschwingte Lyrik ist so gut wie bei kaum einem anderen Dichter des Mittelalters überliefert. In zwei Pergamenthandschriften (Handschrift A und B) sind die Texte und Melodien seiner mehr als 100 Lieder in verschiedenen Fassungen aufgezeichnet. Darüber hinaus existiert eine dritte Handschrift, welche aber auf die beiden erstgenannten zurückzuführen ist. Sie ist für eine autornahe literarische Forschung daher eher wenig nutzbar. Seine Liedkunst ist ein wichtiger Bestandteil der mittelhochdeutschen Überlieferungen und vereinigt virtuose Dichtkunst mit derber Volkstümlichkeit. Dies sind nur einige Gründe, warum der Autor auch noch im 21. Jahrhundert so beliebt bei dem 600 Jahre jüngeren Publikum ist. Diese Arbeit soll sich nun mit einem kleinen Teil seines Wirkens beschäftigen, dem Frauenpreislied KL. 61 „GELÜCK UND HAIL“. In vielen Liedern greift er die Minnethematik der laudativen Rede auf und hat damit einen bemerkenswerten Beitrag zur Tradition der mittelalterlichen Minnelyrik geschaffen. In der vorliegenden Arbeit wird versucht, die Gattungstradition, in der sich KL. 61 "GELÜCK UND HAIL" befindet, in einer exemplarischen Einzelanalyse zu beleuchten. Dabei darf jedoch auch ein Blick über die Liedgrenzen hinweg nicht fehlen. Vorweg wird jedoch eine eigene Übersetzung des Liedes ins neuhochdeutsche gegeben und diese in einem angefügten Übersetzungskommentar ausführlich begründet. Außerdem soll eine Interpretation die Weise, mit der OSWALD dieses Frauenpreislied verfasst hat, aufzeigen und stilistische Merkmale erläutern.


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Institut für Germanistische Literaturwissenschaft
Proseminar: „Oswald von Wolkenstein“
6. Fachsemester

Oswald von Wolkenstein - GELÜCK UND HAIL – Ein
Frauenpreislied - Übersetzung, Kommentar und Interpretation

von: Steffen Kuegler

 


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG 2

1.1. GEGENSTAND DER ARBEIT  2
1.2. AUFBAU UND ZIELSETZUNG  2

2. ÜBERTRAGUNG INS NEUHOCHDEUTSCHE  3

3. KOMMENTAR ZUR ÜBERSETZUNG  4

3.1. STROPHE 1 (VERS 1-11)  4
3.2. STROPHE 2 (VERS 12-22)  7
3.3. STROPHE 3 (VERS 23-33)  10

4. INTERPRETATION 12

4.1. DAS FRAUENBILD IN OSWALDS LIEDERN  12
4.2. DIE NEUJAHRSTHEMATIK  14
4.3. GATTUNGSTRADITIONEN  15

5. SCHLUSSBEMERKUNGEN  18

6. LITERATURVERZEICHNIS  19

ANHANG A 20


 

 

1. EINLEITUNG

1.1. GEGENSTAND DER ARBEIT

OSWALDS VON WOLKENSTEIN oft humoristische, beschwingte Lyrik ist so gut wie bei kaum einem anderen Dichter des Mittelalters überliefert. In zwei Pergamenthandschriften (Handschrift A und B) sind die Texte und Melodien seiner mehr als 100 Lieder in verschiedenen Fassungen aufgezeichnet. Darüber hinaus existiert eine dritte Handschrift, welche aber auf die beiden erstgenannten zurückzuführen ist. Sie ist für eine autornahe literarische Forschung daher eher wenig nutzbar. Seine Liedkunst ist ein wichtiger Bestandteil der mittelhochdeutschen Überlieferungen und vereinigt virtuose Dichtkunst mit derber Volkstümlichkeit. Dies sind nur einige Gründe, warum der Autor auch noch im 21. Jahrhundert so beliebt bei dem 600 Jahre jüngeren Publikum ist. Diese Arbeit soll sich nun mit einem kleinen Teil seines Wirkens beschäftigen, dem Frauenpreislied KL. 61 „GELÜCK UND HAIL“. In vielen Liedern greift er die Minnethematik der laudativen Rede auf und hat damit einen bemerkenswerten Beitrag zur Tradition der mittelalterlichen Minnelyrik geschaffen.

1.2. AUFBAU UND ZIELSETZUNG

In der vorliegenden Arbeit wird versucht, die Gattungstradition, in der sich KL. 61 „GELÜCK UND HAIL“ befindet, in einer exemplarischen Einzelanalyse zu beleuchten. Dabei darf jedoch auch ein Blick über die Liedgrenzen hinweg nicht fehlen. Vorweg wird jedoch eine eigene Übersetzung des Liedes ins neuhochdeutsche gegeben und diese in einem angefügten Übersetzungskommentar ausführlich begründet. Außerdem soll eine Interpretation die Weise, mit der OSWALD dieses Frauenpreislied verfasst hat, aufzeigen und stilistische Merkmale erläutern.

2. ÜBERTRAGUNG INS NEUHOCHDEUTSCHE

Zunächst wird in dieser vorliegenden Untersuchung des Liedes KL. 61 „GELÜCK UND HAIL“ von OSWALD VON WOLKENSTEIN eine Übersetzung in Prosaform gegeben, zu deren Grundlage LEXERS (2002) „Mittelhochdeutsches Handwörterbuch“1 dient. Im Anschluss daran wird eine Kommentierung die vorliegende Übersetzungsvariante begründen sowie weitere verschiedene und vielfältige Auslegungsmöglichkeiten aufzeigen, und klären, warum es zu deren Umsetzung hier nicht gekommen ist. Strophe 1: Glück und Heil in großer Menge, wünsche ich dir, Frau, im neuen Jahr! An beständig aufrichtiger Treue werde ich in deinem Dienst wirklich niemals sparen, dem sollst du gewahr werden. Dies veranlassen dein hübsch gefärbter Mund mit den roten Wangen, ein liebliches Paar, hell umstrahlt von leuchtenden klaren Äuglein, die kleinen Öhrchen, darüber das Haar lockig, gewellt, gewunden, geringelt, gekräuselt, goldfarben und gelb durchdrungen.

Strophe 2: Nase, Zähne, Kinn, Kehle, der Hals führt in ganzem Maße hinab zum Sitz der weißen Brüstlein. Die harte Einsenkung ruft reiche Begeisterung hervor. Jedes Glied ist recht durchmessen. Arm und Finger sind lang, die schmalen Händchen, das helle glatte Bäuchlein und eine vollkommene Behaarung, hintersetzt mit runder Fülle, mit festem Gesäß ausgestattet, die Füßchen fein gewölbt. Strophe 3: Ihr lieblicher Körper lädt nie einen bösen Makel auf sich; Wohlerzogenheit, ausschließlich reine Tugend, Jugend, Anstand, edle Ausstrahlung zieren sie mit Wandel zu einer vollendeten Erscheinung. Sie ist frei von jedem Tadel. Liebe, treue Gefährtin, vergiss mich nicht! Seitdem ich nun dir versprochen bin, lass dir, Herzliebste, abgewinnen, was ich so lange begehrt habe und das mich leidenschaftlich anzieht.

3. KOMMENTAR ZUR ÜBERSETZUNG

Die vorliegende Übersetzung des Liedes KL. 61 „GELÜCK UND HAIL“ ins Neuhochdeutsche ist eine eigene, auf LEXER basierende Interpretation der mittelhochdeutschen Quelle. Aufgrund der abweichenden grammatischen und sprachlichen Bräuche vom Mittelalter zur heutigen Zeit ergeben sich beim Bearbeiten des Textes eine Vielzahl von Problemen und Unschlüssigkeiten, die durch interpretatorische Schlussfolgerungen des Übersetzers und mediävistische Kenntnisse ausgeglichen werden müssen. Oftmals ist daher eine Übersetzung mit strikter Wörterbuchbegleitung nicht möglich, da sich manche Konstrukte eben nur durch die Interpretation ergeben. Es ist oft notwendig, dass der Kommentar zur Übersetzung mehrfach auch Ansätze einiger Auslegungsversuche enthält, die hier eigentlich eher im Hintergrund gehalten werden sollten. Nichtsdestotrotz wird anhand folgender Ausführungen versucht, die Übersetzung im Detail zu durchleuchten und Lösungsvorschläge für Zweifelsfragen bei bestehenden Ambiguitäten zu nennen.

3.1. STROPHE 1 (VERS 1-11)

[...]


1 Lexer, Matthias: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Band 1 - 3. Stuttgart: Hirzel, 1992.


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