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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 17 Pages
Author: Magistra artium Yvonne Rudolph
Subject: Theater Studies
Details
Institution/College: University of Frankfurt (Main) (Institut für Theater-, Film und Medienwissenschaft)
Tags: Karl, Heinz, Bohrers, Schreckens, Shakespeares, Titus, Andronicus, Theatermotive, Schrecken, Titus, Andronicus
Year: 2002
Pages: 17
Grade: 2
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-29480-5
ISBN (Book): 978-3-640-12797-9
File size: 178 KB
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Abstract
Vorbemerkung Karl Heinz Bohrers 1978 erstmals erschienene „Ästhetik des Schreckens“ bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten theoretischer Reflexion des Schreckens und seiner Spielarten am Beispiel ausgewählter Schauerliteratur E.T.A. Hoffmanns und E.A. Poes. Den roten Faden der bohrerschen Theorie bildet Ernst Jüngers Frühwerk, insbesondere eine Abhandlung über die Thematik des Schreckens und dessen ästhetische Wirkungen, sowie die Erzählung >>Das Abenteuerliche Herz<<. Die Verfasserin hat es sich zur Aufgabe gemacht Bohrers Argumentation soweit möglich auf das Theater zu übertragen und anhand Shakespeares Titus Andronicus prägnante Thesen zu verifizieren, bzw. Motive des Schreckens und deren Strukturen zu belegen Um diesem Ziel gerecht zu werden, beschränkt sich die Studie auf jene Kapitel von Bohrers Ästhetik des Schreckens, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Forschungsziel, der Anwendung auf Shakespeares Tragödie stehen. Das Thema, wie den Rahmen einer Hausarbeit, im Auge behaltend wird somit auf andere interessante Kapitel verzichtet, was jedoch zur Verdichtung der selbstgestellten Aufgabe führen soll, die wohl keinen Anspruch auf Vollständigkeit sich zu erheben traut, dennoch einige Einblicke in Bohrers Theorie des Schreckens, und deren Übertragbarkeit auf das Theater zu leisten hofft. 1.1 Theorie und Begriff des Schreckens Karl Heinz Bohrer nimmt anhand Jüngers Erzählung des „Abenteuerlichen Herzens“ eine dreifache Unterscheidung der „Bilder des >>Entsetzens<<“ vor: „1. Das >>Erschrecken<< als Akt argwöhnischer Wahrnehmung beunruhigender oder rätselhafter Vorgänge. Hier ist die Qualität der Sinnesorgane des Hörens und Sehens ausgewogen. 2. Das >>Entsetzen<< beim Anblick einer schreckenerregenden Erscheinung, sei es die Vorstellung eines Traums oder Halluzination der Wachträume. Es handelt sich um den klassisch vermittelten Typus des Horrors, wo der Anblick des schreckenerregenden Phänomens überwiegt. 3. Das >>Grauen<< grausamer Szenen, wie es bei der Darstellung kannibalischer, mörderischer, den Menschen verletzender Akte entsteht.“ [...] Sie strukturieren alle zusammen die Ästhetik des >>Schreckens<<.“1 1 1 Bohrer, Karl Heinz: Die Ästhetik des Schreckens. Frankfurt am Main, 1983, S.186-187.
Excerpt (computer-generated)
Karl Heinz Bohrers "Ästhetik des Schreckens"
angewandt auf Shakespeares "Titus Andronicus"
von: Yvonne Mansk
Vorbemerkung S. 3
1.1 Theorie und Begriff des Schreckens S. 4
1.2 „Poetische Traumtheorie“ und “Inszenierung des Bösen“ S. 5
2.1 Der Schrecken bei Shakespeare S. 9
2.2 Folter, Ritualmord und Kannibalismus in Titus Andronicus S. 13
Bibliographie S. 16
Vorbemerkung
Karl Heinz Bohrers 1978 erstmals erschienene „Ästhetik des Schreckens“ bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten theoretischer Reflexion des Schreckens und seiner Spielarten am Beispiel ausgewählter Schauerliteratur E.T.A. Hoffmanns und E.A. Poes. Den roten Faden der bohrerschen Theorie bildet Ernst Jüngers Frühwerk, insbesondere eine Abhandlung über die Thematik des Schreckens und dessen ästhetische Wirkungen, sowie die Erzählung >>Das Abenteuerliche Herz<<. Die Verfasserin hat es sich zur Aufgabe gemacht Bohrers Argumentation soweit möglich auf das Theater zu übertragen und anhand Shakespeares Titus Andronicus prägnante Thesen zu verifizieren, bzw. Motive des Schreckens und deren Strukturen zu belegen Um diesem Ziel gerecht zu werden, beschränkt sich die Studie auf jene Kapitel von Bohrers Ästhetik des Schreckens, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Forschungsziel, der Anwendung auf Shakespeares Tragödie stehen. Das Thema, wie den Rahmen einer Hausarbeit, im Auge behaltend wird somit auf andere interessante Kapitel verzichtet, was jedoch zur Verdichtung der selbstgestellten Aufgabe führen soll, die wohl keinen Anspruch auf Vollständigkeit sich zu erheben traut, dennoch einige Einblicke in Bohrers Theorie des Schreckens, und deren Übertragbarkeit auf das Theater zu leisten hofft.
1.1 Theorie und Begriff des Schreckens
Karl Heinz Bohrer nimmt anhand Jüngers Erzählung des „Abenteuerlichen Herzens“ eine dreifache Unterscheidung der „Bilder des >>Entsetzens<<“ vor: „1. Das >>Erschrecken<< als Akt argwöhnischer Wahrnehmung beunruhigender oder rätselhafter Vorgänge. Hier ist die Qualität der Sinnesorgane des Hörens und Sehens ausgewogen. 2. Das >>Entsetzen<< beim Anblick einer schreckenerregenden Erscheinung, sei es die Vorstellung eines Traums oder Halluzination der Wachträume. Es handelt sich um den klassisch vermittelten Typus des Horrors, wo der Anblick des schreckenerregenden Phänomens überwiegt. 3. Das >>Grauen<< grausamer Szenen, wie es bei der Darstellung kannibalischer, mörderischer, den Menschen verletzender Akte entsteht.“ [...] Sie strukturieren alle zusammen die Ästhetik des >>Schreckens<<.“1
Bei Titus Andronicus wird das Augenmerk insbesondere auf die dritte Entsetzens-Form zu richten sein. Ebenso finden sich Ereignisse in der Tragödie, die mit zentralen Begriffen Jüngers untersucht werden können, jedoch an dieser Stelle nur mit einem kurzen Beispiel erörtert werden. Zu den Termini zählen: >>Das Plötzliche<<, >>Die Überraschung<<, >>Das Moment der Erschütterung<< und >>Das Andere<< 2 was Bohrer mit „der plötzliche, überraschende Eintritt von etwas, mit dem das Bewusstsein nicht rechnet.“3 definiert. S. 189 Die Wirkung des Plötzlichen zeigt sich in Titus Andronicus sehr deutlich im Fünften Akt, bei der raschen Tötung Lavinias, wo besonders für den Kaiser, der nichtsahnend sich zum Gastmahl niederlassen will >>Die Überraschung<<, und das >>Moment der Erschütterung<< erfolgen, was das >>Andere<< bereits impliziert. Titus: „Stirb, stirb Lavinia! Mit dir stirbt die Schande, Und mit der Schande deines Vaters Leid.“ Saturninus: „Was tust du da, du Unhold, Ungeheuer!“4 S. 146 Die >>Überraschung<< des Kaisers, der plötzliche Einbruch des >>Grauens<< in die “Realität“ ist kennzeichnend für die Präsenz des Schreckens, und wird vom Zuschauer ähnlich wahrgenommen. Saturninus reagiert an dieser Stelle stellvertretend für unsere Empfindungen.
1.2 Poetische Traumtheorie und Inszenierung des Bösen
[...]
1 Bohrer, Karl Heinz: Die Ästhetik des Schreckens. Frankfurt am Main, 1983, S.186-187.
2 Ebd.
3 Ders., S.189.
4 Shakespeare, William: Titus Andronicus. Übers. u. hg. v. Erich Fried, S.146.
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