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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 54 Pages
Author: Ellen Dietzsch
Subject: Communications: Intercultural Communication
Details
Institution/College: Dresden Technical University (Institut für Kommunikationswissenschaft)
Tags: Al-Jazeera, Spannungsfeld, Aufklärung, Propaganda, Beeinflusst, US-amerikanische, Public, Diplomacy, Sender, Jazeera, Auslandsfernsehen, Krisenkommunikation
Year: 2003
Pages: 54
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-29488-1
File size: 397 KB
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Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Dresden Sommersemester 2003
Hauptseminar: Al Jazeera und westliches Auslandsfernsehen:
TV und globale Krisenkommunikation
7. Semester, MA
Al-Jazeera im Spannungsfeld von Aufklärung und Propaganda
– Beeinflusst US-amerikanische Public Diplomacy den Sender?
von: Ellen Dietzsch
I. Einleitung 2-3
II. Inwieweit trägt Al -Jazeera zur Aufklärung in der arabischen Welt und zur Verständigung mit dem westlichen Kulturkreis bei? 3-4
1. Geschichte 4-7
2. Trägt Al Jazeera zur Aufklärung bei? 7-16
3. Kann Al Jazeera die Kluft zwischen westlicher und arabischer Welt schließen ? 16-19
III. Beeinflusst US-amerikanische Public Diplomacy den Sender? 19-20
1. Public Diplomacy 20-23
2. Die Public Diplomacy seit dem 11. September 2001 23-29
3. Inwieweit spielt Al- Jazeera eine Rolle bei der Public Diplomacy Politik der USA? 29-37
4. Al Jazeeras als idealer Vermittler von Public Diplomacy? 37-38
IIII. Zusammenfassung 38-42
Bibliografie 43-53
I. Einleitung
Der katarsche Nachrichtenkanal Al Jazeera ist seit den Anschlägen des 11.09.2001 nicht mehr allein in der arabischen Welt bekannt. Vielmehr ist mittlerweile auch den Zuschauern in Europa, USA und Asien das Logo des Senders vertraut. Al Jazeera war in der Vergangenheit oftmals der einzige Fernsehsender, der exklusive Reportagen aus Krisen- und Kriegsgebieten wie Afghanistan ausstrahlte. Zudem erreichen den Sender in Katar immer wieder Videotapes von Osama bin Laden und in jüngster Vergangenheit auch Statements von Saddam Hussein, die Al Jazeera bisher, mit wenigen Ausnahmen, sendete. Aufgrund der exklusiven Bilder aus dem arabischen Raum und dieser Video- bzw. Tonbänder übernahmen viele westliche Fernsehkanäle Beiträge von Al Jazeera. Während des letzten Irakkriegs z.B. waren häufig arabische wie auch westliche Fernsehstationen von der Berichterstattung Al Jazeeras abhängig. Denn der Sender verfügte über die größte Zahl an Korrespondenten und Kameramännern im Kriegsgebiet (vgl: Ezzelarab 2003). Ein Journalist beschrieb das Verhältnis wie folgt: „Obviously we don´t want to use Al Jazeera. But if it´s Al Jazeera or nothing, we´ll take Al Jazeera” (Ezzelarab 2003). Einige Sender, wie CNN oder ZDF, schlossen Kooperationsverträge mit dem arabischen Nachrichtenkanal und ermöglichen daher dem Sender einen stetigen Zugang zu westlichen Rezipienten. Der Sender selbst gilt als „kleine Öffentlichkeitsrevolution“ (Hafez 2003:15) im arabischen Raum. Bisher zeichnete sich die arabische Medienlandschaft durch Staatsfernsehen, Zensur und Informationsministerien aus, welche die Medien anleiteten. Eine freie und kritische Berichterstattung war daher nicht möglich. Die arabischen Medien schienen bislang die Aufgabe zu haben, die „protocol news“ (Amin 2003) und die Tagesagenda der Regierung zu verlesen, von dem Informationsministerium gesiebte Nachrichten zu veröffentlichen sowie platte Unterhaltungssendungen auszustrahlen. Ein aufklärender Journalismus, der über politische Missstände und religiöse Streitfragen frei berichtet, entwickelte sich daher im arabischen Raum lange Zeit nicht. Erst die Gründung des als unabhängig geltenden Senders Al Jazeera 1996 kann als Beginn eines Umschwungs in der arabischen Medienlandschaft verstanden werden. Erstmals zeigte ein Sender aus dem Nahen und Mittleren Osten offene und kontroverse Diskussionen zwischen Regimegegner und Vertretern der Regierung, berichtete über bisherige Tabus wie Sex, Polygamie, Frauenrechte sowie über islamischen Fundamentalismus und interviewte israelische Führungspersonen (vgl.: El-Nawawy & Iskandar 2002/ Whitaker 2003). Mit seiner kritischen Berichterstattung trägt der Sender so zu einer verbesserten Verbreitung von politischen Informationen bei. Arabischen Fernsehzuschauern wird dadurch erstmals ermöglicht, sich via eines arabischen Nachrichtenkanals eine eigene Meinung über bestimmte Sachverhalte und Probleme zu bilden.
Auf der anderen Seite ist Al Jazeera einer unaufhörlichen Kritik von Regierungen und politischen Lagern ausgesetzt. Während in der westlichen Öffentlichkeit immer wieder von „Terroristen-Sender“ und „Sprachrohr Osama bin Ladens“ die Rede ist, wird dem Nachrichtenkanal im Nahen und Mittleren Osten eine zu starke Nähe zu der USA vorgeworfen. Außerdem kursiert in dieser Region immer wieder das Gerücht, Al Jazeera werde von dem CIA finanziert (vgl. Whitaker 2003/ Lidster & Rose 2001). Ebenso versuchen Regierungen stetig die kritische und kontroverse Berichterstattung des Senders zu unterbinden. So gehen Tag für Tag Beschwerden bei dem Emir von Katar ein, die ihn auffordern, die Berichterstattung Al Jazeeras zu mäßigen. Des weiteren lassen Staaten Korrespondentenbüros schließen und verweisen Journalisten des Fernsehsenders außer Landes. Selbst demokratische Staaten, in denen Presse- und Meinungsfreiheit gesetzlich garantiert werden, greifen zu diversen Maßnahmen, um die Journalisten des Senders in ihrer täglichen Arbeit zu behindern. Die vorliegende Seminararbeit wird im ersten Teil der Frage nachgehen, inwieweit Al Jazeera zur Aufklärung in der arabischen Welt und zur Verständigung mit dem westlichen Kulturkreis beitragen kann. Im zweiten Teil soll der Einfluss von Public Diplomacy seitens der USRegierung auf den Sender behandelt werden. Dabei wird zuerst theoretisch auf Public Diplomacy eingegangen und im Anschluss daran werden spezielle Maßnahmen der USRegierung vorgestellt.
II. Inwieweit trägt Al Jazeera zur Aufklärung in der arabischen Welt und zur Verständigung mit dem westlichen Kulturkreis bei?
Der katarsche Sender Al Jazeera sendete als erster weitgehend von der Regierung unabhängiger Fernsehkanal Nachrichten und Informationen aus der arabischen Perspektive. Daraus resultierte, dass neben einer kleinen arabischen Elite, die sich bisher via Satellit über die englischsprachigen Sender CNN und BBC informierte, auch andere gesellschaftliche Schichten Zugang zu unabhängigen Nachrichten erhielten. Sicherlich informiert Al Jazeera die Zuschauer im Nahen und Mittleren Osten ausgewogener als die staatlichen Sender. Der Nachrichtenkanal beleuchtet Probleme und Sachverhalte, die ohne unabhängige und kritische Medien im Dunkeln blieben. Dennoch soll im Nachfolgenden der Frage nachgegangen werden, ob der Sender aufklärt und inwieweit er der öffentliche Aufgabe, die die Medien in Demokratien erfüllen sollten, gerecht wird.
Freien Medien haben in demokratischen Gesellschaften die Aufgabe, wahrheitsgemäß, umfassend und ausgewogen zu informieren, einen pluralen Meinungsmarkt herzustellen und damit den Meinungs- und Willensbildungsprozess der Bürger in Gang setzen. Darüber hinaus sollen Presse und Rundfunk einen Beitrag zur Bildung leisten sowie eine Kontroll- und Kritikfunktion gegenüber dem gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen System einnehmen. Es muss daher das Ziel der Medien sein, dem Bürger zu ermöglichen, etwas zu sehen, zu wissen und zu verstehen. Dadurch tragen die Medien dazu bei, die Gesellschaft „aufzuklären“. Ein aufklärender Journalismus sollte demnach die Zuschauer objektiv informieren, zum kritischen Denken ermutigen und zum Gespräch anregen sowie die eigene Urteilsbildung des Zuschauers ermöglichen. Darüber hinaus könnte Al Jazeera insbesondere auch zur Verständigung zwischen arabischer und westlicher Welt beitragen. Da der Sender nicht nur Zuschauer im arabischen sondern auch im westlichen Raum erreicht, besteht die Möglichkeit, arabische Standpunkte und Sichtweisen dem westlichen Zuschauer näher zu bringen. Umgekehrt kann der Sender dem Rezipienten im Nahen und Mittleren Osten die westliche Perspektive vermitteln. Die Chance Al Jazeera als „two-way communications channel“ zu nutzen und dadurch die Kluft zwischen arabischer und westlicher Welt zu verringern sollte nicht vertan werden. Inwieweit der Sender zu einer Verständigung beitragen kann, soll ebenfalls im Nachfolgenden geklärt werden.
II.1 Geschichte des Senders
Im Februar 1996 gründete der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Khallifa Al Thani, per Dekret den staatlich unabhängigen Fernsehsender Al Jazeera. Mit einem Startkredit in Höhe von circa140 Millionen US-Dollar1 (vgl.: El-Nawawy/ Iskandar 2002) sicherte der Emir den Sendebeginn am 1. November 1996 und die folgenden fünf Jahre finanziell ab. Danach sollte sich Al Jazeera selbst tragen und sich aus Werbeeinnahmen finanzieren. Für ein demokratisch geprägtes Verständnis von Medienfreiheit klingt diese Gründungsgeschichte sicher merkwürdig. Doch in der arabischen Welt war sie der Beginn einer Medienrevolution und Katar konnte sich dadurch Gehör in der Welt verschaffen. 1995 übernahm Al Thani per „sanften“ Putsch die Macht von seinem Vater und bemühte sich von da an das Land in kleinen Schritten zu modernisieren und zu demokratisieren. Neben der für 2003 angekündigten Parlamentswahl und dem gewählten „consultative council“ weisen vor allem Veränderungen in der Medienlandschaft Katars auf die liberalere politische Einstellung des Emirs hin. So verringerte er 1995 den Einfluss der Pressezensur und schaffte das Informationsministerium ab. Diese staatliche Stelle war bis dato für die Zensur verantwortlich, betrieb Radio- und Fernsehstationen und legte die Qualitätsstandards für die lokale Presse fest. Außerdem überwachte das Ministerium ausländische Journalisten und Wissenschaftler bei deren Recherche im Land (vgl.: El-Nawawy/ Iskandar 2002). Für Al Jazeera untersagte der Scheich jegliche staatliche Einmischung in die Sendegestaltung. Demgemäß widerstand er bisher dem Druck arabischer Regierungen und auch dem der US- Administration der kritischen Berichterstattung des Senders Einhalt zu gebieten. Die Gründung Al Jazeeras steht daher im Einklang mit der Vision des Emirs, eine liberale Gesellschaft mit freien Medien in seinem Land aufzubauen. Dennoch unterscheidet sich die Medienfreiheit noch immer von westlichen Standards. So ist z.B. Kritik an der Herrscherfamilie und am Islam untersagt. Zudem sind Fernseh- und Radiostationen noch immer staatlich und werden von offizieller Seite kontrolliert. Nur Al Jazeera ist privatwirtschaftlich organisiert und kann unabhängig agieren (vgl.: El-Nawawy/ Iskandar 2002).
[...]
1 Die genaue Summe ist nicht bekannt u. variiert zwischen 100 (Thörner 2001) und 150 Mio. US Dollar (Berkowitz (2003)
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