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Der "son cubano". Seine Charakteristik und Rolle als transkulturelles Element im musikgeschichtlichen Kontext Kubas

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 21 Pages
Author: Claudio Priesnitz
Subject: Romance Languages - Latin American Studies

Details

Event: Tango, Flamenco und Fado. Texte zu iberoromanischen und lateinamerikanischen Liedern und Tänzen
Institution/College: University of Bonn (Romanistisches Seminar)
Tags: Seine, Charakteristik, Rolle, Element, Kontext, Kubas, Tango, Flamenco, Fado, Texte, Liedern, Tänzen
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 21
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V27441
ISBN (E-book): 978-3-638-29494-2
ISBN (Book): 978-3-638-76048-5
File size: 236 KB
Notes :
Zusammen mit der Religion nimmt die Musik in Kuba einen enorm großen soziologischen und kulturellen Stellenwert für die armen, oft am Rande des Existenzminimums lebenden afrokubanischen Bevölkerungsschichten ein. Aber nicht nur für diese; die Musik unterstützt das gesamte kubanische Volk, diesem Schmelztiegel aus den Nachfahren afrikanischer Sklaven und der spanischen Eroberer sowie den Immigranten aus Europa und den USA bei seiner Identitätsfindung und -wahrung.


Abstract

Zusammen mit der Religion nimmt die Musik in Kuba einen enorm großen soziologischen und kulturellen Stellenwert für die armen, oft am Rande des Existenzminimums lebenden afrokubanischen Bevölkerungsschichten ein. Aber nicht nur für diese; die Musik unterstützt das gesamte kubanische Volk, diesem Schmelztiegel aus den Nachfahren afrikanischer Sklaven und der spanischen Eroberer sowie den Immigranten aus Europa und den USA bei seiner Identitätsfindung und -wahrung; sie stellt ein unabdingbares Element des kubanischen Lebensgefühls dar und formt aus den unterschiedlichen kulturellen Einflüssen, die Kuba im Laufe der letzten Jahrhunderte erfahren hat, DEN Kubaner bzw. DIE Kubanerin. Emilio Grenet charakterisiert die Bedeutung der Musik für das kubanische Volk als “[...] la elaboración espiritual de un pueblo que lucha desde hace cuatro siglos por encontrar su propia expresión” (Grenet, S. 45). Die Hintergründe dieser Bedeutung der Musik und des Tanzes für das kubanische Volk sollen in diesem vorliegenden kurzen Aufsatz unter Berücksichtigung der musikgeschichtlichen Entwicklung des Landes am Beispiel des son cubano näher beleuchtet werden. Dabei wird auch die politische und wirtschaftliche Historie Kubas im letzten Jahrhundert miteinbezogen, da diese Umstände zum Verständnis der Bedeutung bzw. der Entwicklung der Musik in Kuba entscheidenden Beitrag geleistet haben und daher nicht einfach ausgeklammert werden dürfen. In diesem Zusammenhang wird zunächst auf die musikgeschichtliche Situation der Karibikinsel Ende des 19. und Anfang des 20.Jahrhundert eingehen, die Zeit, in welcher die Vorläufer des Son im bergigen Osten der Insel nach heutigem Wissenstand erstmals gespielt, getanzt und gesungen wurden. Im folgenden wird dann näher auf die Charakteristika des Son - Instrumentation, Struktur und Texte – im musikhistorischen Kontext Kubas eingegangen und seine chronologische und geographische Entwicklung auf Kuba erläutert. Es folgt ein kurzer Abriss über die politisch und wirtschaftlich bedeutsamen historischen Wegpunkte Kubas, um vor diesem Hintergund in der anschließenden Analyse näher auf die transkulturelle Rolle des Son beim Abbau der Rassentrennung einzugehen. Letztendlich soll dann in der Kombination aus Punkt 1 und 2 zu einem möglichst umfassenden Gesamtbild des son cubano samt seiner Bedeutung für die Identitätsfindung und -wahrung des kubanischen Volkes beigetragen werden.


Excerpt (computer-generated)

Der son cubano - Seine Charakteristik und Rolle als transkulturelles
Element im musikgeschichtlichen Kontext Kubas

von: Claudio Priesnitz

 


Einleitung  4

1. Geschichte und Charakteristik des son cubano  5

Einleitung  5

1.1 Ursprung 6
1.2 Instrumentation 7
1.3 Struktur der Son-Kompositionen 8
1.4 Sprache und Texte 8
1.5 Popularität des Son in Havanna  11

1.5.1 Das conjunto sonero und die weitere Entwicklung des Son  12

2. Legalität und nationale Identität  14

2.1 Historischer Hintergrund  14
2.2 Der Son als transkulturelles Element kubanischer Identität 15

3. Zusammenfassung  17

Literaturverzeichnis 20

Internet 21

Anhang 22

Son-Gedichte von Nicolás Guillén  22


 

 

Einleitung

Zusammen mit der Religion nimmt die Musik in Kuba einen enorm großen soziologischen und kulturellen Stellenwert für die armen, oft am Rande des Existenzminimums lebenden afrokubanischen Bevölkerungsschichten ein. Aber nicht nur für diese; die Musik unterstützt das gesamte kubanische Volk, diesem Schmelztiegel aus den Nachfahren afrikanischer Sklaven und der spanischen Eroberer sowie den Immigranten aus Europa und den USA bei seiner Identitätsfindung und -wahrung; sie stellt ein unabdingbares Element des kubanischen Lebensgefühls dar und formt aus den unterschiedlichen kulturellen Einflüssen, die Kuba im Laufe der letzten Jahrhunderte erfahren hat, DEN Kubaner bzw. DIE Kubanerin. Emilio Grenet charakterisiert die Bedeutung der Musik für das kubanische Volk als “[...] la elaboración espiritual de un pueblo que lucha desde hace cuatro siglos por encontrar su propia expresión” (Grenet, S. 45). Die Hintergründe dieser Bedeutung der Musik und des Tanzes für das kubanische Volk sollen in diesem vorliegenden kurzen Aufsatz unter Berücksichtigung der musikgeschichtlichen Entwicklung des Landes am Beispiel des son cubano näher beleuchtet werden. Dabei wird auch die politische und wirtschaftliche Historie Kubas im letzten Jahrhundert miteinbezogen, da diese Umstände zum Verständnis der Bedeutung bzw. der Entwicklung der Musik in Kuba entscheidenden Beitrag geleistet haben und daher nicht einfach ausgeklammert werden dürfen.

In diesem Zusammenhang werde ich zunächst auf die musikgeschichtliche Situation der Karibikinsel Ende des 19. und Anfang des 20.Jahrhundert eingehen, die Zeit, in welcher die Vorläufer des Son im bergigen Osten der Insel nach heutigem Wissenstand erstmals gespielt, getanzt und gesungen wurden. Im folgenden wird dann näher auf die Charakteristika des Son - Instrumentation, Struktur und Texte – im musikhistorischen Kontext Kubas eingegangen und seine chronologische und geographische Entwicklung auf Kuba erläutert. Unter Punkt 2 wird zunächst ein kurzer Abriss über die politisch und wirtschaftlich bedeutsamen historischen Wegpunkte Kubas gegeben, um vor diesem Background in der anschließenden Analyse näher auf die transkulturelle Rolle des Son beim Abbau der Rassentrennung einzugehen. Letztendlich soll dann in der Kombination aus Punkt 1 und 2 zu einem möglichst umfassenden Gesamtbild des son cubano samt seiner Bedeutung für die Identitätsfindung und -wahrung des kubanischen Volkes beigetragen werden.

1. Geschichte und Charakteristik des son cubano

Der son cubano1 bzw. son oriental, wie er zunächst seiner geographischen Herkunft im Osten der Insel wegen hieß, in dieser vorliegenden Arbeit als ein markantes und populäres Beispiel der verschiedenen Musik- und Tanzgattungen Kubas des letzten Jahrhunderts herausgegriffen, birgt in seiner Vermählung afrikanischer Trommeln und Gesangsstrukturen mit spanischen Gitarren und Liedertraditionen mehr als bloße Unterhaltung und Zeitvertreib: er vermochte die Brücke zwischen arm und reich bzw. zwischen Afro-Kubanern und Weißen zu spannen und half entscheidend bei der kulturellen Identitätsfindung der Kubaner. Alejo Carpentier bringt es auf den Punkt, indem er feststellt, dass der Son „revela [...] un proceso de transculturación destinado a amalgamar metros, melodías, instrumentos hispánicos, con remembranzas muy netas de viejas tradiciones orales africanas“ [meine Untersteichung] (S. 41). Weder die rumba noch der danzón hatten einen derart großen Einfluss auf den Abbau der gesellschaftlichen Klassenunterschiede und der Rassentrennung. Im Gegenteil – letztere Musikgattungen zielten eher gerade daraufhin ab, jene Klassenunterschiede zu definieren und beizubehalten: die verschiedenen Rum- ba-Gattungen2 mit ihren sehr lasziven bis wollüstigen Bewegungen zu den schnellen, einnehmenden Rhythmen afrikanischer Trommeln lagen weit jenseits der Toleranz- und Akzeptanzgrenze der weißen Mittel- und Oberschicht, während die steifen, vorgegeben Tanzfiguren des contradanza zu iberoromanischer Salónmusik die afrokubanischen Einwohner Havannas nicht gerade zu spontanen Tanzorgien zu verleiten vermochten. Man grenzte sich durch diese Tänze bewusst voneinander ab. Europa von Afrika. Arm von Reich. Schwarz von Weiß. Der Son schaffte es, als erstes transkulturelles musikalisches Element auf Kuba, diese beiden Musikgattungen auf seinem Boden miteinander zu vereinen und entscheidend zum Abbau der Rassen – und Klassenunterschiede auf Kuba beizutragen.

1.1 Ursprung

[...]


1 Im folgenden einfach Son genannt. Es sei an dieser Stelle jedoch ausdrücklich auf die verschiedenen Ausdrucksformen des Son in anderen Ländern Lateinamerikas hingewiesen (z.B. son mexicano, son guatema lteco) und ebenfalls auf die verschieden Son-Arten, zwischen denen man in Kuba selbst und der Karibik unterscheidet: son montuno, changui, sucu-sucu, ñongo, regina, guajira son, bolero son, etc.(Orovio, S. 457).

2 Yambú, guaguancó, columbia, papalote (Carpentier, S. 188).


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