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Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 15
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 347 KB
Archivnummer: V27481
ISBN (E-Book): 978-3-638-29522-2
ISBN (Buch): 978-3-640-13917-0

Zusammenfassung / Abstract

John Dewey(1859-1952) ist heute in Deutschland in erster Linie unter Erziehungswissenschaftlern, Soziologen und Philosophen bekannt. Das lässt sich leicht aus Deweys wissenschaftlichen Schwerpunkten erklären: Denn gerade pädagogische und philosophische Fragen waren es, mit denen sich Dewey am meisten beschäftigt hat, so zum Beispiel in einem seiner bekanntesten Bücher, ”Democracy and Education”. Aber auch für die Politikwissenschaft gibt es bei Dewey durchaus Anknüpfungspunkte, und zwar insbesondere in seiner Theorie der Demokratie. In Deutschland hat besonders Hans Joas zu einer Verbreitung von Deweys Gedanken beigetragen. In dieser Hausarbeit soll ein bisher noch wenig berücksichtigter Aspekt von Deweys Demokratietheorie, nämlich sein Öffentlichkeitsbegriff dargestellt und interpretiert werden. Dewey hat seine Gedanken zum Thema Öffentlichkeit in einem Essay mit dem Titel ”The Public and its Problems” verarbeitet. Der Essay entstand aus Deweys Auseinandersetzung mit einem Buch von Walter Lippmann. In Lippmanns Buch ”The Phantom Public” wird ein zunehmendes Versagen der demokratischen Kontrolle der Regierung konstatiert. In einer immer komplexer organisierten Gesellschaft könne der Bürger viele Fragen überhaupt nicht mehr sachgerecht entscheiden. Auch viele andere Politikwissenschaftler und Kulturkritiker waren skeptisch gegenüber der modernen Massendemokratie und wollten sie durch eine stärker von Experten gelenkte Regierungsweise ersetzen. Gegen diese Position hat sich Dewey immer gewandt: Die Prinzipien der Wissenschaft sind für ihn, wie er in „The Public and its Problems“ deutlich macht, mit denen der Demokratie insofern identisch, als sie beide auf freier Kommunikation beruhen. Eine wissenschaftliche und rationale Steuerung der Gesellschaft und ihre Demokratisierung schließen sich nach Dewey keineswegs aus. Im Gegenteil: Dewey versteht die Entstehung der Demokratie gerade als Fortschritt im rationalen Selbsterkenntnisprozess der Gesellschaft. In dieser Hausarbeit soll zunächst Deweys Gedankengang dargestellt werden. In der anschließenden Interpretation will ich zeigen, dass Deweys Öffentlichkeitsbegriff sich am besten vor dem Hintergrund von Hegels „Grundlinien der Philosophie des Rechts“, als Bestandteil einer linkshegelianischen Theorie der Demokratie, verstehen lässt.

Textauszug (computergeneriert)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Seminar für wissenschaftliche Politik
Geschichte (1) / Philosophie (1) / Wissenschaftliche Politik (1)

Der Begriff der Öffentlichkeit in John Deweys
"The Public and its Problems"

von: Moritz Deutschmann

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 4

2 "The Public and its Problems" 5

2.1 Die Öffentlichkeit und die Entstehung des demokratischen Staates 5
2.2 Great Society und Great Community 7

2.2.1 Demokratie als Selbsterkenntnis der Öffentlichkeit 7
2.2.2 Deweys Wissensbegriff 8

3 „The Public and its Problems“ als eine hegelianische Theorie der Demokratie 9

3.1 Deweys Verhältnis zu Hegel 9
3.2 Parallelen zwischen Dewey und Hegel in ”The Public and its Problems” 10

3.2.1 Kritik an einem formalen Freiheitsbegriff 10
3.2.2 Staat und Great Community 12
3.2.3 Demokratie als Ausdruck der vorhandenen Verhältnisse 13

4 Fazit 14

5 Literaturverzeichnis 16


 

 

1 Einleitung

John Dewey(1859-1952) ist heute in Deutschland in erster Linie unter Erziehungswissenschaftlern, Soziologen und Philosophen bekannt. Das lässt sich leicht aus Deweys wissenschaftlichen Schwerpunkten erklären: Denn gerade pädagogische und philosophische Fragen waren es, mit denen sich Dewey am meisten beschäftigt hat, so zum Beispiel in einem seiner bekanntesten Bücher, ”Democracy and Education”1. Aber auch für die Politikwissenschaft gibt es bei Dewey durchaus Anknüpfungspunkte, und zwar insbesondere in seiner Theorie der Demokratie. In Deutschland hat besonders Hans Joas zu einer Verbreitung von Deweys Gedanken beigetragen.2 In dieser Hausarbeit soll ein bisher noch wenig berücksichtigter Aspekt von Deweys Demokratietheorie, nämlich sein Öffentlichkeitsbegriff dargestellt und interpretiert werden.

Dewey hat seine Gedanken zum Thema Öffentlichkeit in einem Essay mit dem Titel ”The Public and its Problems”3 verarbeitet. Der Essay entstand aus Deweys Auseinandersetzung4 mit einem Buch von Walter Lippmann5. In Lippmanns Buch ”The Phantom Public”6 wird ein zunehmendes Versagen der demokratischen Kontrolle der Regierung konstatiert. In einer immer komplexer organisierten Gesellschaft könne der Bürger viele Fragen überhaupt nicht mehr sachgerecht entscheiden. Lippmanns Zweifel an der Funktionsfähigkeit der amerikanischen Demokratie ist keine Einzelerscheinung gewesen, sondern sie spiegelte grundsätzliche Veränderungen in der amerikanischen Politikwissenschaft nach dem Ersten Weltkrieg wider. Wie Robert Westbrook schreibt, glaubten viele Wissenschaftler immer weniger, dass sich die politischen Verhältnisse durch die klassische Demokratietheorie beschreiben ließen: ”The marriage of democratic values and objective science on which American political science had been founded came unraveled in the twenties.”7

Allerdings wollten die meisten Wissenschaftler die Demokratie nicht abschaffen, sondern nur die Kontrolle der Regierung durch die Öffentlichkeit einschränken und die wichtigsten Entscheidungen von einer wissenschaftlich legitimierten Expertengruppe treffen lassen. Die Sozialwissenschaften sollten dabei eine Führungsrolle übernehmen.8 Gerade gegen diese Position hat sich Dewey immer gewandt: Die Prinzipien der Wissenschaft sind für ihn, wie er in „The Public and its Problems“ deutlich macht, mit denen der Demokratie insofern identisch, als sie beide auf freier Kommunikation beruhen. Eine wissenschaftliche und rationale Steuerung der Gesellschaft und ihre Demokratisierung schließen sich nach Dewey keineswegs aus. Im Gegenteil: Dewey versteht die Entstehung der Demokratie gerade als Fortschritt im rationalen Selbsterkenntnisprozess der Gesellschaft. In ”The Public and its Problems” versucht er zu zeigen, wie aus einer weitgehend entdemokratisierten Industriegesellschaft, einer ”Great Society”, wie Dewey sie in Anlehnung an einen Begriff des britischen Politikwissenschaftlers Graham Wallas9 nennt, eine ”Great Community” entstehen könnte, in der Amerikas ursprüngliche, demokratische Ideale wieder Geltung haben. In dieser Hausarbeit soll zunächst Deweys Gedankengang dargestellt werden. In der anschließenden Interpretation will ich zeigen, dass Deweys Öffentlichkeitsbegriff sich am besten vor dem Hintergrund von Hegels „Grundlinien der Philosophie des Rechts“, als Bestandteil einer linkshegelianischen Theorie der Demokratie, verstehen lässt.

2 "The Public and its Problems"

2.1 Die Öffentlichkeit und die Entstehung des demokratischen Staates

[...]


1 Dewey, John: Demokratie und Erziehung, Weinheim 31993.

2 Joas, Hans (Hrsg): Philosophie der Demokratie. Beiträge zum Werk von John Dewey, Frankfurt/Main 2000. Joas, Hans: Pragmatismus und Gesellschaftstheorie, Frankfurt/Main 1992.

3 Dewey, John: The Public and its Problems, in: John Dewey. The Later Works 1925 - 1953, edited by Jo Ann Boydston, Vol. 2, Carbondale/Edwardsville 1984, S. 235-373. In deutscher Übersetzung: Krüger, Hans-Peter (Hrsg.): John Dewey: Die Öffentlichkeit und ihre Probleme, Bodenheim 1996. Die Übersetzung ist nicht sehr flüssig und teilweise schwer verständlich, weswegen ich hier immer nach dem Original zitiere.

4 Dewey hat eine Rezension zu dem Buch verfasst: Dewey, John: Practical Democracy, in: ders. The Later Works 1925 - 1953, a.a.O., S. 213-221.

5 Walter Lippman hat später mit seinem Buch ”Public Opinion” eine große Rolle für die Entstehung der Meinungsforschung in Amerika gespielt.

6 Lippmann, Walter: The Phantom Public, New York 1925.

7 Westbrook, Robert: John Dewey and American Democracy, New York 1991, S. 281.

8 Ebd., S. 285.

9 Siehe dazu: Wallas, Graham: Great Society, New York 1914.

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