Gefüge und Eigenschaften der Stähle mit besonderer Beachtung der hochfesten Baustähle

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Details

Titel: Gefüge und Eigenschaften der Stähle mit besonderer Beachtung der hochfesten Baustähle
Autor: Prof. Dr.-Ing, Dipl.-Wirt.-Ing. Norbert Jost
Fach: Werkstoffkunde
Institution/Hochschule: Hochschule Pforzheim (Werkstoffentwicklungs- und -prüflabor)
Kategorie: Wissenschaftlicher Aufsatz
Jahr: 2004
Seiten: 24
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1286 KB
Archivnummer: V27495
ISBN (E-Book): 978-3-638-29533-8
ISBN (Buch): 978-3-638-64948-3

Zusammenfassung / Abstract

Hohe Festigkeiten, wie sie wegen der zunehmenden Tendenz zum Leichtbau erforderlich sind, werden bei Stählen i.A. durch höhere Kohlenstoffgehalte und durch Bildung harter Gefügebestandteile wie Martensit oder Zwischenstufengefüge erzielt. Bei Stählen mit guter Schweißeignung versagen jedoch diese Mechanismen. Der Kohlenstoffgehalt muss, um gefährliche Aufhärtungen zu vermeiden, auf Anteile unter 0,2% begrenzt bleiben. Feinkornbaustähle mit guter Schweißeignung erhalten daher ihre hohe Festigkeit durch Zugabe von Legierungselementen (Mn, Si, Cr, Cu, Ni, Mo), die u. a. eine Legierungsverfestigung im Ferritmischkristall bewirken. Weitere Legierungselemente wie z.B. AI, Ti, Nb und V bilden schwer lösliche und kornwachstumshemmende Nitride bzw. Karbide. Ein besonders feinkörniges Gefüge ist die Folge, wodurch die Streckgrenze weiter erhöht und gleichzeitig die Kerbschlagarbeit verbessert wird. Weitere Optimierungen, insbesondere bezüglich der Festigkeit werden durch gezielte thermomechanische und Vergütungsbehandlungen erreicht.

Textauszug (computergeneriert)

Norbert Jost

Gefüge und Eigenschaften der Stähle
mit besonderer Beachtung der
hochfesten Baustähle


1 Einleitung - Abgrenzung des Themas 3

2 Einteilung und Kennzeichen der Baustähle 5
2.1 Allgemeine unlegierte Feinkornbaustähle 13
2.2 Hochfeste mikrolegierte Feinkornbaustähle 16
2.3 Thermomechanisch behandelte Feinkornbaustähle 19
2.4 Vergütete Feinkornbaustähle 21

3 Ausblick 23

4 Literaturhinweise 24



Zusammenfassung

Hohe Festigkeiten, wie sie wegen der zunehmenden Tendenz zum Leichtbau erforderlich sind, werden bei Stählen i.A. durch höhere Kohlenstoffgehalte und durch Bildung harter Gefügebestandteile wie Martensit oder Zwischenstufengefüge erzielt. Bei Stählen mit guter Schweißeignung versagen jedoch diese Mechanismen. Der Kohlenstoffgehalt muss, um gefährliche Aufhärtungen zu vermeiden, auf Anteile unter 0,2% begrenzt bleiben. Feinkornbaustähle mit guter Schweißeignung erhalten daher ihre hohe Festigkeit durch Zugabe von Legierungselementen (Mn, Si, Cr, Cu, Ni, Mo), die u. a. eine Legierungsverfestigung im Ferritmischkristall bewirken. Weitere Legierungselemente wie z.B. AI, Ti, Nb und V bilden schwer lösliche und kornwachstumshemmende Nitride bzw. Karbide. Ein besonders feinkörniges Gefüge ist die Folge, wodurch die Streckgrenze weiter erhöht und gleichzeitig die Kerbschlagarbeit verbessert wird. Weitere Optimierungen, insbesondere bezüglich der Festigkeit werden durch gezielte thermomechanische und Vergütungsbehandlungen erreicht.

1 Einleitung - Abgrenzung des Themas

Moderne und innovative Stahlwerkstoffe müssen die vielfältigsten Forderungen erfüllen. Vor dem Hintergrund der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie heißt dies beispielsweise, dass der gewählte Werkstoff

  • die vorhandene Infrastruktur nutzen,
  • Serienfertigung ermöglichen,
  • die Fertigung rationalisieren,
  • optimierte Eigenschaften besitzen,
  • die Leistung steigern sowie
  • das Gewicht einer Konstruktion verringern

muss. Eine grundlegende Voraussetzung zur Erfüllung solcher Anforderungen ist, dass das Material in der Infrastruktur der weiterverarbeitenden Industrie eingesetzt werden kann. Das bedeutet, dass sich die hohen Investitionen in maschinelle Ausrüstung, wie beispielsweise Maschinen zum Fügen und zum Umformen, und die Investitionen in Schulung und Know-how rentieren müssen.
Eine andere, ebenso wichtige Voraussetzung ist, dass das Material in der industriellen Serienfertigung eingesetzt werden kann, wo immer höhere Anforderungen bezüglich kurzer Laufzeiten und besserer Produktionsergebnisse gestellt werden.
Das Material muss auch eine rationellere Fertigung ermöglichen. Ein Beispiel sind die Kaltumformeigenschaften von höherfesten Stahl, d.h. der Stahl muss in einem einzigen Stück gepresst und gebogen werden können, statt mehrere Teile zusammenschweißen zu müssen.
Das gewählte Material muss auch eine Verbesserung der wesentlichen Eigenschaften bieten. Das kann beispielsweise bedeuten, dass ein Teil oder Produkt eine längere Lebensdauer hat oder die Kosten seiner Wartung geringer sind.
Ein sehr deutliches Resultat der gesamten Produktentwicklung ist, dass eine neue Generation leistungsfähiger, leichter und kleiner ist als die Vorgängergeneration.

Unter allen technischen Werkstoffen werden Metalle auch weiterhin eine herausragende Rolle spielen. Dies gilt mit kleinen Einschränkungen ganz besonders für die Stähle, die als typische Vertreter der Strukturwerkstoffe noch erhebliches Entwicklungspotential besitzen /1-3/ Kein anderer technischer Werkstoff wird weltweit in solchen Mengen (ca. 700 Millionen Tonnen Rohstahl/Jahr) produziert wie Stahl, und kaum ein anderer verfügt über so vielfältige nützliche Eigenschaften. Die große technische Bedeutung beruht vor allem auf der guten Formbarkeit und der Eignung zur gezielten Einstellung von Eigenschaftskombinationen durch Legieren und/oder thermische bzw. mechanische Behandlungen. Insbesondere in dem großen und komplexen Bereich der mechanischen und thermo-mechanischen Beanspruchung sind Stähle nach wie vor die erste Wahl und bieten die höchste Sicherheit und Zuverlässigkeit. Hinzu kommt, dass eine extrem langjährige Erfahrung mit dem Umgang von Stählen existiert, d.h. Herstellungs-, Fertigungs-, Verarbeitungs- aber auch Reparaturverfahren sind weitestgehend etabliert. Nicht zuletzt ist einerseits die relativ preiswerte Verfügbarkeit von Eisen und seinen Legierungskomponenten (auch wenn bei Verfügbarkeit und Preis von Stahl und Stahlschrott in jüngster Zeit durch massive Aufkäufe aus dem asiatischen Raum eine deutliche Wendung festgestellt werden konnte), andererseits aber auch die Recycling-Fähigkeit von Stählen außerordentlich hoch und damit positiv zu bewerten.

Das folgende Beispiel zeigt, dass sich schon durch eine relativ leicht zu realisierende Anpassung der Konstruktion an die Eigenschaften von höherfesten Stählen wesentlich höhere Leistungen erzielen lassen:
So sind die vorderen Seitenträger wichtige Sicherheitskomponenten von Fahrzeugen. Deren Aufgabe besteht darin, bei einer Kollision die Energie aufzunehmen. Die Seitenträger wurden in diesem Fall aus einem weichen Stahl gefertigt und hatten quadratische Form. Durch Wechsel zu kaltgewalztem höherfesten Stahl wurde das Energieaufnahmevermögen verdoppelt. Wenn man außerdem die Form des Trägers von quadratisch zu sechseckig verändert, erhält man gleichzeitig eine weitere Erhöhung des Energieaufnahmevermögens um nicht weniger als 50 %.

Es gibt keine einheitliche Definition von höherfestem Stahl. Die Definition ist von Branche zu Branche unterschiedlich und beruht darauf, wie der höherfeste Stahl angewendet wird. Das Ziel dieses Aufsatzes soll deshalb darin bestehen, eine kurze aber prägnante Übersicht über die Wechselwirkungen zwischen Gefüge (also dem inneren Aufbau) und den Eigenschaften von Stählen zu geben, wobei wegen ihrer zunehmenden Bedeutung ein besonderer Schwerpunkt auf die höherfesten Baustähle gelegt werden soll.

[...]

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