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Seminararbeit, 2000, 24 Seiten
Autor: Magistra artium Yvonne Rudolph
Fach: Theaterwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Institut für Theater-, Film und Medienwissenschaft)
Tags: Figur, Klytaimnestra, Orestie, Aischylos, Mutter, Herrscherin, Liebende, Krieges, Beendigung, Frauenfiguren, Antike
Jahr: 2000
Seiten: 24
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-29564-2
ISBN (Buch): 978-3-638-72370-1
Dateigröße: 211 KB
Die Arbeit wurde im Rahmen eines Proseminars verfasst und als Referat vorgetragen. Aufgrund besonderer Leistung wurde ein Hauptseminarschein dafür ausgestellt.
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Zusammenfassung / Abstract
Es hat sich als fruchtbar erwiesen, bei der Analyse Klytaimestras aus Aischylos´ Orestie chronologisch vorzugehen und die Ereignisse innerhalb der Trilogie zunächst einer werkimmanenten Interpretation zu unterziehen. Nach dieser Vorgehensweise beschäftigt sich der erste Teil der Arbeit mit einer textlichen Untersuchung, die ihre Konzentration auf Klytaimestras Erscheinen als Herrscherin, Mutter und Liebende richtet, wie sie uns Peter Stein in seiner Übersetzung des Aischylos vorlegt. Der zweite Teil bietet eine literaturpsychologische Analyse, die es sich zur Aufgabe macht die extremen Verhaltensweisen Klytaimestras im Kontext ihres familiären Umfeldes zu erhellen und anhand der zuvor angeführten Textstellen zu belegen, sowie aus dem dramatischen Geschehen zu deuten. Allerdings muss eingeräumt werden, dass sich sämtliche Betrachtungen nur auf Information und Darstellung der mythologischen Charaktere der Orestie beziehen. Weitere Stücke, die sich mit der Sage um das Atridengeschlecht und konkret mit den Angehörigen der königlichen Familie um Agamemnon befassen, (wie beispielsweise „Iphigenie in Aulis“ „Elektra“ „Orestes“ ) und zur Erhärtung von Argumenten bei einer Analyse Klytaimestras hätten dienlich sein können, bleiben ausgeklammert, da an dieser Stelle das Augenmerk gänzlich auf Aischylos‘ Klytaimestra gelenkt werden soll.
Textauszug (computergeneriert)
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
PS: Frauenfiguren in der griechischen Antike
bei Aischylos, Sophokles und Euripides
Die Figur der Klytaimestra aus der "Orestie" des Aischylos
als Mutter, Herrscherin und Liebende während des
trojanischen Krieges und nach seiner Beendigung
von: Yvonne Manske
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung S. 3
Teil 1: Werkimmanente Interpretation
1.1 Charakterisierung Klytaimestras als Herrscherin während des Krieges S. 4
1.2 Charakterisierung Klytaimestras als Herrscherin nach Ende des Krieges S. 7
1.3 Charakterisierung der Klytaimestra als Herrscherin nach Ankunft und Ermordung Agamemnons S. 8
2.1 Was erfährt man über Klytaimestras Mutterrolle während des Krieges? S. 12
3.1 Klytaimestras Darstellung als „Liebende“ während des trojanischen Kriege S. 15
3.2 Klytaimestras Verhältnis zu ihrem Liebhaber Aigisthos S. 17
Teil 2: 1.1 Literaturpsychologische Interpretation S. 19
1.2 Analyse der drei Rollen Klytaimestras S. 20
2.1 Schlussbetrachtung S. 24
Vorbemerkung
Es hat sich als fruchtbar erwiesen, bei der Analyse Klytaimestras chronologisch vorzugehen und die Ereignisse innerhalb der Trilogie zunächst einer werkimmanenten Interpretation zu unterziehen. Nach dieser Vorgehensweise beschäftigt sich der erste Teil der schriftlichen Arbeit mit einer textlichen Untersuchung, die ihre Konzentration auf Klytaimestras Erscheinen als Herrscherin, Mutter und Liebende richtet, wie sie uns Peter Stein in seiner Übersetzung des Aischylos vorlegt. Der zweite Teil bietet eine literaturpsychologische Analyse, die es sich zur Aufgabe macht die extremen Verhaltensweisen Klytaimestras im Kontext ihres familiären Umfeldes zu erhellen und anhand der zuvor angeführten Textstellen zu belegen, sowie aus den bisherigen Vorfällen zu deuten. Allerdings muss eingeräumt werden, dass sich sämtliche Betrachtungen nur auf Information und Darstellung der mythologischen Charaktere der Orestie beziehen. Weitere Stücke, die sich mit der Sage um das Atridengeschlecht und konkret mit den Angehörigen der königlichen Familie um Agamemnon befassen, (wie beispielsweise „Iphigenie in Aulis“ „Elektra“ „Orestes“ ) und zur Erhärtung von Argumenten bei einer Analyse Klytaimestras hätten dienlich sein können, bleiben ausgeklammert, da an dieser Stelle das Augenmerk gänzlich auf Aischylos‘ Klytaimestra gelenkt werden soll.
Teil 1 Werkimmanente Interpretation
1.1 Charakterisierung Klytaimestras als Herrscherin während des Krieges
Bereits zu Beginn der Orestie liefert der Wächtermonolog ausreichend Informationen zu Klytaimestra als Herrscherin über das Volk der Argiver. Der Wächter macht Aussagen zur Situation des Landes und des Hauses der königlichen Herrscher während des trojanischen Krieges, die zunächst eine Akzeptanz der Königin als Stellvertreterin Agamemnons vermuten lassen:
„So hat es die Frau angeordnet, die mit männlicher Entschlusskraft und voll Zuversicht im Hause herrscht.“1 Diese oft zitierte Stelle, welche Klytaimestras männliches Wesen als dominierendes Charakterkennzeichen in den Vordergrund rückt, ist ein Hinweis auf ihre rationale Vorgehensweise als Herrscherin. Sie verhält sich „männlich“, indem sie vernunftgesteuert agiert, Entscheidungen trifft und sich mit dem Chor, den Repräsentanten der Polis gegenüber der Herrschaft, zu beraten hat. Klytaimestra trägt die Verantwortung für den Staat, sie verfügt über legislative, judikative und exekutive Gewalt und kommt dieser Rolle nach, indem sie sich am Vorbild des Männlichen orientiert. An späterer Stelle bekennt der Wächter, dass das Haus seit Agamemnons Abwesenheit nicht mehr so gut verwaltet wird und er sich nach dessen Rückkehr sehnt: „Könnte ich jetzt die liebe Hand des Hausherrn, bald mit dieser meiner Hand berühren....Ich verbrenn‘ mir nicht das Maul. Wenn dieses Haus selbst eine Stimme hätte, es würde nur zu deutlich sprechen.“2
Dies ist nichts anderes, als die Anspielung auf Klytaimestras Ehebruch, was durch ihre Position im Staate keine private Angelegenheit ist, sondern von Bedeutung für die gesamte Gesellschaft der Argiver. Die Kritik an ihrer verbotenen Liebschaft hat politische und gesellschaftliche Dimension, da mit ihr eine Kritik an der weiblichen Führung einhergeht, die durch den im Anschluss folgenden Auftritt des Chors bestätigt wird. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang das Schweigen Klytaimestras über die Bedeutung ihrer Opfer. Sie bleibt dem Chor eine Antwort schuldig und man erkennt, dass hier kein Gegenseitiges Beraten und Achten vorliegt, wie es normalerweise zwischen Herrscher und Volk der Fall sein sollte. Siegfried Melchinger charakterisiert die Stimmung des Chores, der ständig neues Unheil wegen des Atridenfluchs zu befürchten hat folgendermassen: „Herrscher und Volk waren tief entzweit; es regierte Tyrannei. Was war den Alten noch geblieben? Sorge und Hoffnung, Trauer und Angst...“ 3 Nach derartigen Erschütterungen, wie sie unter der Herrschaft Agamemnons und dem nicht enden wollenden Krieg um Troja sich zugetragen haben ist es nicht verwunderlich, dass der Chor, wie auch der Wächter ein gespaltenes Verhältnis zu Klytaimestra hegt. Auf der einen Seite legitimiert er ihre Macht und bestätigt ihre Kompetenz, um sie andernorts wieder in Frage zu stellen :
„...Klytaimestra, der einzige Schutz unseres Landes. Wir ehren und anerkennen deine Macht, Klytaimestra, weil es recht ist, den Herrscher in seiner Frau zu ehren, wenn der Thron des Mannes leersteht. Hast du geopfert, weil du gute Nachrichten empfingst oder weil du auf gute Nachrichten hoffst? Wir wüssten es gern, fänden uns aber auch mit deinem Schweigen ab.“4 Wenig später eröffnet Klytaimestra dem Chor, dass Troja gefallen ist. Die Reaktion des Chors ist verräterisch in Bezug auf seine Einschätzung der Herrscherin und gleicht einem Misstrauensvotum: „Vielleicht hast du geträumt? Vielleicht vertraust du einem Traumgesicht?“ Klytaimestra versteht dies als Vorwurf, man zweifle an ihren Führungsqualitäten und dem Wahrheitsgehalt ihrer existentiellen Nachricht.
[...]
1 Die Orestie des Aischylos/ übers. Von Peter Stein. Hrsg. von Bernd Seidensticker, München, 1997, S.13
2 ebenda S. 14 u.16
3 Melchinger, Siegfried: Die Welt der Tragödie, Bd. 1, München 1979, S.65
4 Die Orestie des Aischylos/ übers. Von Peter Stein. Hrsg. von Bernd Seidensticker, München, 1997, S. 26
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