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Interkulturelles Missverständnis in Tarkowskijs NOSTALGHIA

Autor: MA Irina Giertz
Fach: Filmwissenschaft

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 21
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 224 KB
Archivnummer: V27538
ISBN (E-Book): 978-3-638-29568-0
Anmerkungen :
In dieser Arbeit wird untersucht, inwieweit interkulturelles Missverstehen eine Rolle für das Scheitern der Kommunikation spielt. Im ersten teil werden die Mechanismen des Missverstehens erläutert, um danach das Missverstehen in der interkulturellen Kommunikation zu beschreiben. Das Problem des Verstehens der fremden Kultur wird als eine Diskussion unterschiedlicher Ansätze vorgestellt. Im zweiten Teil der Arbeit wird auf einige konkrete Beispiele für das Missverstehen im Film eingegangen.

Zusammenfassung / Abstract

In dieser Arbeit wird untersucht, inwieweit interkulturelles Missverstehen eine Rolle für das Scheitern der Kommunikation spielt. Im ersten Teil werden die Mechanismen des Missverstehens erläutert, um danach das Missverstehen in der interkulturellen Kommunikation zu beschreiben. Das Problem des Verstehens der fremden Kultur wird als eine Diskussion unterschiedlicher Ansätze vorgestellt. Im zweiten Teil der Arbeit wird auf einige konkrete Beispiele für das Missverstehen im Film eingegangen.

Textauszug (computergeneriert)

Universität zu Köln
Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft
Hauptseminar: Die Filmsprache von Andrej Tarkowskij

Interkulturelles Missverständnis in Tarkowskijs NOSTALGHIA

von: Irina Giertz

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 3

1. Mechanismen des Missverstehens 3

2. Interkulturelles Missverständnis 7

2.1. Verstehen der fremdem Kultur 8

3. Missverstehen in Nostalghia 9

3.1. Analyse der Missverständnisse 9
3.2. Scheitern der interkulturellen Begegnung 14
3.3. Unmöglichkeit des Verstehens einer fremden Kultur 16

Fazit 18

Literaturverzeichnis 20
 



Einleitung

Nostalghia(1983) ist der erste Spielfilm, den der russische Regisseur Andrej Tarkowskij im Ausland gedreht hat. In einem Interview für Gideon Bachmann(Bachmann 1982) während der Dreharbeiten behauptete der Regisseur, der Film sei in der aller erster Linie über den tiefsitzenden Konflikt zwischen zwei verschiedenen Kulturen, zwei verschiedenen Lebens- und Denkweisen. Und zweitens sei der Film über die Schwierigkeiten, die den menschlichen Beziehungen innewohnen. Wie der Film zeigt, steht Tarkowskij den Beziehungen und der Kommunikation zwischen Menschen sehr pessimistisch gegenüber. Davon ausgehend, das seine Skepsis berechtigt ist, stellt sich die Frage, ob diesen Schwierigkeiten die kulturelle Differenz zugrunde liegt. In dieser Arbeit wird nun untersucht, inwieweit interkulturelles Missverstehen eine Rolle für das Scheitern der Kommunikation spielt. Im ersten Teil werden die Mechanismen des Missverstehens erläutert, um danach das Missverstehen in der interkulturellen Kommunikation zu beschreiben. Das Problem des Verstehens der fremden Kultur wird als eine Diskussion unterschiedlicher Ansätze vorgestellt. Im zweiten Teil der Arbeit wird auf einige konkrete Beispiele für das Missverstehen im Film eingegangen. Es wird gezeigt, welche unterschiedliche Gründe die Missverständnisse haben und warum die Kommunikation zwischen den Hauptcharakteren scheitert. Sind die Missverständnisse rein interkultureller Art oder spielen dabei auch intrakulturelle Faktoren (wie Geschlechterrollen oder sozialer Status) eine wichtige Rolle?

1. Mechanismen des Missverstehens

Um sich dem Problem der interkulturellen Missverständnisse anzunähern, muss man zunächst die allgemeinen Mechanismen des Missverstehens beschreiben. Wie die Recherche der wissenschaftlichen Literatur zeigt, werden diese Mechanismen unter verschiedenen Aspekten diskutiert, so dass es keine klare allgemein gültige Definition gibt. Der von Weigand (1999) angenommene Ansatz, das Missverstehen durch das Konzept vom Verstehen anzugehen, scheint am produktivsten zu sein und wird im Folgenden behandelt. Das Verstehenskonzept ist von dem jeweiligen Model des Sprachgebrauchs abhängig. Laut Weigand (1999:768) dient der Sprachgebrauch der Erfüllung der kommunikativen Ziele. Die Verfolgung dieser Ziele mit Kommunikationsmitteln führt zu kommunikativen Handlungen, deren Zweck darin besteht, eine Verständigung zu erreichen. Hier liegt der Unterschied zu dem Begriff Verstehen, der den kognitiven Zielen entspricht, während sich Verständigung als ein interaktiver sozialer Prozess auffassen lässt und für die Erfüllung der kommunikativen Zielen unerlässlich ist. Im Idealfall, solange die Kommunikationsmittel nur aus sprachlichen Mitteln bestehen, ist das Verstehen vorauszusetzen, da die Konventionen des Sprachgebrauchs für beide Gesprächspartner gelten, aufgrund ihrer Sprach- und Kommunikationskompetenz (davon ausgehend, die beiden Gesprächspartner kennen die Sprache). Wenn allerdings andere Kommunikationsmittel, wie kognitive und wahrnehmende Mittel, ins Spiel kommen, wird die kommunikative Handlung zu einem Aufeinandertreffen verschiedener Welten (Weigand 1999:769), aufgrund der Unterschiede zwischen den Gesprächspartnern. Auf der anderen Seite muss man auch die Mannigfaltigkeit der Welt einrechnen, was Tatsachen und Beziehungen beinhaltet, die gemeint werden und verstanden werden sollen. Aus diesen zwei Voraussetzungen folgt, dass nicht alles im Dialog gesagt wird, aufgrund der Sprachökonomie oder Konventionen. Da der Prozess der Verständigung im Dialog zu dem zentralen Punkt wird, wird dabei eine bestimmte Anzahl von Missverständnissen mit einberechnet, die dem Sprachgebrauch inhärent sind. Diese Art von Missverstehen besitzt nach Weigand (1999:760-770) folgende Eigenschaften:

•Missverstehen ist eine Form von Verstehen, das teilweise oder vollständig davon abweicht, was der Sprecher mitteilen wollte;
•als Form von Verstehen stellt Missverstehen ein kognitives Phänomen dar, das dem missverstehenden Gesprächspartner eigen ist;
•der Gesprächspartner, der missversteht, ist sich dessen nicht bewusst;
•Missverstehen kann nicht als ein kognitiver Akt betrachtet werden, weil sich der Hörer dessen nicht bewusst ist; es repräsentiert die (Un)fähigkeit des Hörers korrekt zu verstehen;
•Missverständnis wird normalerweise im Dialog korrigiert und dadurch Verständigung erreicht. Missverstehen unterscheidet sich vom Nichtverstehen in zwei entscheidenden Punkten:
•Nichtverstehen kann nicht als Form von Verstehen betrachtet werden;
•der Gesprächspartner, der nicht versteht, ist sich dessen bewusst.

Daraus folgt, dass sogar das Nichtverstehen, wenn der Hörer dies signalisiert, im Dialog geklärt werden und so dem Prozess der Verständigung dienen kann. Des weiteren untersucht Weigand den Begriff Misskommunikation (1999:770), der im Gegensatz zu Missverstehen, das eine kognitive Fähigkeit des Hörers ist, ein interaktives Phänomen zwischen dem Sprecher und dem Hörer bezeichnet. Misskommunikation entsteht, wenn Missverständnisse nicht korrigiert werden. Dabei läuft die Unterhaltung weiter, ohne dass der Hörer weiß, dass er missverstanden hat, und ohne dass der Sprecher das Missverständnis erkannt hat. Im Gegensatz zu Missverstehen (und Nichtverstehen) kann Misskommunikation nicht dem Ziel der Verständigung dienen.

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