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Termpaper, 2003, 32 Pages
Author: Kirsten M. van der Neut
Subject: Psychology - Work, Business, Organisational and Economic Psychology
Details
Institution/College: University of Hagen (Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften Psychologie)
Tags: Aggressionen, Gewalt, Arbeitsplatz, Voraussetzungen, Konsequenzen, Implikationen, Mitarbeiter, Führungskräfte, Konfliktgenese, Konfliktbewältigung, Organisationen
Year: 2003
Pages: 32
Grade: bestanden
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-29591-8
File size: 237 KB
Die Arbeit besticht durch die Gründlichkeit der Literaturrecherche, der Stringenz der Argumentation und die Flüssigkeit der spachlichen Darstellung.
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Excerpt (computer-generated)
Aggressionen und Gewalt am Arbeitsplatz -
Voraussetzungen, Konsequenzen und Implikationen für Mitarbeiter und Führungskräfte
von: Kirsten M. van der Neut
1 Einleitung 4
2 Konzepte und Modelle der Aggression 6
2.1 Übertragungsmöglichkeiten auf die Organisation 9
2.2 Stand der empirischen Forschung zu Gewalt am Arbeitsplatz 11
2.3 Verbreitung und Auswirkung von Gewalt und Aggressionen am Arbeitsplatz 12
3 Theoretische Konzepte für Aggressionen am Arbeitsplatz 13
3.1 Situative Voraussetzungen 16
3.1.1 Wahrgenommene Gerechtigkeit 16
3.1.2 Stress 16
3.1.3 Reziproke Aggression 17
3.1.4 Handlungsstrukturen und Normen in der Organisation 17
3.2 Persönlichkeitsfaktoren für aggressives Verhalten 18
3.2.1 Ärger 19
3.2.2 Impulsivität 20
3.2.3 Alkohol- und Drogenmissbrauch 20
3.2.4 Handlungs- und Emotionsregulation 20
4 Konsequenzen und Implikationen für Organisationen 21
4.1 Personalselektion 22
4.2 Aus- und Weiterbildung 23
4.3 Unternehmenskultur 24
5 Konsequenzen und Implikationen für Mitarbeiter 25
6 Diskussion und Ausblick 27
Literaturverzeichnis 29
1 EINLEITUNG
„2000: Amokläufer tötet drei Menschen und sich selbst: Ein Amokläufer hat am 19. Februar 2000 im oberbayerischen Freising drei Menschen erschossen und sich anschließend selbst getötet. Nach Angaben der Polizei fand man die Leiche des 22-Jährigen in dem Freisinger Schulzentrum, wo er sich verschanzt hatte. Nach Polizeiangaben hatte der Mann gegen acht Uhr eine Dekorationsfirma in Eching mit einer großkalibrigen Pistole gestürmt. Dort habe er zwei ehemalige Kollegen, Männer im Alter von 39 und 41 Jahren, gezielt erschossen. Danach sei er mit einem Taxi ins nahe gelegene Freising gefahren. Nach Angaben der Polizei verschanzte sich der Schütze dort in der Wirtschafts- und Fachoberschule. Er soll weiter um sich gefeuert und vor dem Direktorat zwei Rohrbomben gezündet haben. Der 52-jährige Direktor sei dabei tödlich getroffen worden und eine weitere Lehrkraft erlitt einen Wangendurchschuss. Eine Angestellte erlitt einen Schock. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand der Polizei soll dem 22-Jährigen vor wenigen Tagen die Arbeitsstelle in der Eichinger Dekorationsfirma gekündigt worden sein. Außerdem soll er mehrere Jahre die Wirtschaftsschule in Freising besucht haben. Der Amokläufer habe sich gezielt einen besonders strengen Lehrer als "Opfer" aussuchen wollen, der aber an diesem Tag krank war. Wie die Polizei berichtete, habe er daraufhin den Direktor getötet.“ (mdr, 2003) Ein aktuelleres Beispiel: „Albacete (rpo). Job verloren: Da drehte der ehemalige Polizeichef der südspanischen Stadt Albacete durch. Er schoss bei einem Amoklauf auf drei Kollegen. Anschließend versuchte er, sich selbst das Leben zu nehmen.
Wie der staatliche Rundfunk RNE berichtete, wurden bei der Bluttat nach inoffiziellen Angaben zwei Beamte getötet. Der Täter war kürzlich als Chef der paramilitärischen Polizeitruppe "Guardia Civil" (Zivilgarde) in Albacete abgelöst worden. Er feuerte daraufhin im Hauptquartier der Einheit mit einer Dienstwaffe auf seinen Nachfolger, auf den Polizeiarzt und einen Offizier.“ (rp-online, 2003) Während Mobbing derzeit als Modewort gehandelt wird (Neuberger, 1999) und damit in das Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt ist, nehmen Aggressionen in Form von Gewalt eine eher untergeordnete Stellung ein. Physische Gewalt am Arbeitsplatz fällt zwar unter Leymanns Kategorisierung der Mobbinghandlungen (Neuberger, 2003, 23) wird aber in der Häufigkeit des Auftretens bei Opfern relativ selten genannt (Schlaugat, 1999, 30). Laut einer Studie der International Labour Organization (im folgenden ILO genannt) (2000) nimmt Gewalt am Arbeitsplatz jedoch weltweit zu und ist "damit nicht das Problem einzelner Länder, Kulturen, spezieller Arbeitsumgebungen oder Berufe". Frauen sind vor allem in Form von sexueller Gewalt betroffen, was laut ILO an ihrer Überrepräsentation in besonders gefährdeten Berufen liegt. Hierzu zählen Taxifahrer, Berufe im Gesundheitsbereich und Pflegeberufe, Lehrer, Sozialarbeiter, weibliche ausländische Beschäftigte und besonders weibliche Schichtarbeiter, die nachts arbeiten müssen. Frauen sind schon deshalb besonders gefährdet, weil sie überdurchschnittlich häufig in Tätigkeitsfeldern arbeiten, in denen sie alleine männlichen Mitarbeitern oder Kunden gegenüberstehen. In dieser Ausarbeitung werden Aggressionen untersucht, die nicht längerfristig oder systematisch auftreten, sondern sich in Gewalt äußern. In den Vereinigten Staaten ist Gewalt ein integraler Bestandteil der Forschung über das Verhalten in Organisationen mit der Überschrift „Aggression und Gewalt am Arbeitsplatz“, zu Beginn der Forschung stand Gewalt dort im Vordergrund (Baron und Neuman, 1997). Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, wie Aggressionen am Arbeitsplatz entstehen können, unter welchen Bedingungen sie sich in Gewalt entladen und wie man ihnen entgegenwirken kann. In den folgenden Abschnitten sollen zunächst Definitionen für Aggression und Gewalt gefunden werden. Anschließend werden einige theoretische Modelle für Aggression vorgestellt.
2 KONZEPTE UND MODELLE DER AGGRESSION
Unter Aggression verstehen Mummendey und Otten (2002) gezieltes Verhalten mit der Absicht, jemand anderem zu schaden. Aggression ist freiwillig, zielgerichtet und nicht zufällig. Die Wahrnehmung von Aggression beruht auf Interaktion (Akteur-Opfer-Divergenz: beide beurteilen die Situation unterschiedlich). LeBlanc und Kelloway (2002) definieren Gewalt in Organisationen als physische Angriffe und Drohungen sowie nicht-physische Gewalt in Form von z. B. Anschreien oder Fluchen. Nachfolgend einige Konzepte und Modelle zu Ursachen der Aggression im Überblick (Geen, 2001): 1. Freud sah Aggression als Trieb, Erschaffung und Zerstörung seien beide im Menschen verankert über Libido und Destrudo bzw. Eros und Thanatos. Problematisch an diesem Modell: es enthält keine Prädiktoren und damit ist keine Operationalisierung oder empirische Überprüfung möglich. 2. Lorenz sah Aggression als Instinkt und ebenfalls fest in der menschlichen Persönlichkeit verankert (sexuelle Aggression, Territorialität etc.). Problematisch an seinem Modell ist die Grundlage der Tierbeobachtung und die anschließende Übertragung auf den Menschen. Tiere sind jedoch keine Menschen und Aggression ist zu vielfältig und kulturell geprägt, um sich auf einen Instinkt zurückführen zu lassen. Berkowitz kritisierte hieran: die Biologie verdamme den Menschen nicht zum Krieg (Nolting, 2002). 3. Biologische Ursachen: Aggression kann auf Hormone oder Gene bzw. biologische Defekte zurückzuführen sein (Serotonin, Testosteron, YY-Chromosom). 4. Dollard et al.: Von ihnen stammt die Frustrations-Aggressions-Hypothese, die gleich nach ihrer Veröffentlichung stark kritisiert wurde. Frustration sei die Bedingung für Aggression, jeder Aggression gehe Frustration voraus und Aggression sei immer die Reaktion auf Frustration. Später wurde das Modell dahingehend modifiziert, dass Aggression eine mögliche Reaktion auf Frustration ist.
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