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Hauptseminararbeit, 2003, 21 Seiten
Autor: Sabrina Prinzen
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Details
Institution/Hochschule: Universität Trier (Ältere deutsche Philologie)
Tags: Untersuchung, Bursche, Börse, Verschiedene, Wörter, Ursprung, Etymologie
Jahr: 2003
Seiten: 21
Note: 2,3
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-29643-4
Dateigröße: 210 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Universität Trier, Fachbereich II- Germanistik
Hauptseminar: Etymologie
6. Semester
Die etymologische Untersuchung von Bursche und Börse.
Verschiedene Wörter - ein gemeinsamer Ursprung
von: Sabrina Prinzen
1. Einleitung 2
2. `Börse 1´ 4
3. `Bursche´ 5
3.1. Übergang von einem Kollektivum zu einem Individuativum 6
3.2. Bezeichnungsübertragung für etwas Räumliches auf die dabei befindliche Person 7
3.3. Genusveränderung aufgrund der Numerusfestlegung 8
3.4. Lautliche Entwicklungen 8
4. `Börse 2´ 9
4.1. These 1 10
4.2. Zusammenhänge zwischen `Börse 1´ und `Börse 2´ 11
4.3. Verlagerung von einer Gruppenzugehörigkeitsbezeichnung zu einer Räumlichkeitsbezeichnung 11
4.4. Zwei parallele semantische Bedeutungen der nnl. Form `beurs´ 13
4.5. These 2 13
4.6. Die Änderung der semantischen Struktur und deren Folge 14
5. Fremdwort oder Entlehnung? 16
6. Fazit 17
7. Abkürzungsverzeichnis 19
8. Literaturverzeichnis 19
1. Einleitung
Die Etymologie beschäftigt sich mit der Herkunft der Wörter und erforscht verwandte Wörter und Wortbestandteile sowohl innerhalb einer bestimmten Sprache als auch innerhalb verschiedener Sprachen und Dialekte. Auf diese Weise versucht man, Wörter auf eine erste Wortform und eine erste Bedeutung, auf einen Entstehungsursprung zurückzuführen. Schaut man sich die Wörter `Bursche´ und `Börse´ der Gegenwartssprache an, so würde man aufgrund ihrer lautlichen Merkmale kaum erkennen, dass diese Wörter miteinander verwandt sind und einen gemeinsamen Entstehungsursprung aufweisen. Dieser Ursprung liegt im mlat. `bursa´ in der Bedeutung `Leder, Lederbeutel´, abgeleitet von der griechischen Form `byrsa´ `Tierfell, Leder´. Die mlat. Form gibt Anlass zur Entstehung von `Börse 1´, `Börse 2´, Bursche und Burse mit ihren jeweils unterschiedlichen semantischen Bedeutungen.
Die Wörter mit semantisch drei bzw. vier Bedeutungen weisen eine lange, teilweise holperige und sehr verdunkelte Entwicklung auf. Doch wie und in welchen Sprachen und Dialekten findet die Entwicklung statt? Die Aufgabe des Etymologen besteht bei seiner Erforschung darin, ungeklärte Schatten zu durchleuchten. Dabei fällt sowohl die lautliche als auch die semantische Entwicklung in seinen zu untersuchenden Aufgabenbereich. Er begibt sich auf den Weg der historischen Sprachwissenschaft und versucht, den Entwicklungsweg der Wörter vom eigentlichen Ursprung ausgehend zu beschreiben. Dabei muss er die Vorfrage klären, ob es sich beim zu erforschenden Wort um ein Erbwort1 oder um ein Lehnwort2 handelt. Dabei stellt er beispielsweise dar, an welcher Stelle sich Wörter auseinanderentwickelt bzw. aufgespalten haben und inwieweit sich die Bedeutungen geändert haben und aus einem ursprünglichen Wort mit einer Bedeutung ein Wort mit zwei unterschiedlichen Bedeutungen entstanden ist. Den Begriffen Homonymie3 und Polysemie4 kommt bei der Erforschung der Wortabstammung eine besondere Rolle zu. Oft „hat Polysemie zu Homonymie geführt: zwei Bedeutungen ein und desselben Wortes haben sich soweit auseinanderentwickelt, daß die Verbindung zwischen ihnen schließlich abgerissen ist und sie als zwei unabhängige lautgleiche Termini aufgefaßt werden.“5 Diese Art der Übergänge kann den Verfasser eines etymologischen Wörterbuchs in eine schwierige Lage bringen. Homonymie und Polysemie bringen Schwierigkeiten mit sich, da sich die beiden Begriffe nur schwer voneinander unterscheiden lassen. Zwei Formen mit zwei unterschiedlichen inhaltlichen Bedeutungen sollen aufgrund der ungleichen Semantik als zwei Wörter angesehen werden.6 Der Forscher geht den etymologischen Weg der Wörter bzw. deren Entwicklungsgeschichte rückwärts und taucht tief in die Geschichte der Sprache(n) bzw. der bestimmten Wörter ein, um sich somit nicht nur deren lautliche Weiterentwicklung, sondern vor allem auch der semantischen Entwicklung zu widmen. Dabei muss der Etymologe muss oft zu Hypothesen greifen, die jederzeit falsifiziert werden können. Bei der Erforschung ist wichtig, das zu untersuchende Wort nicht zusammenhangslos zu durchleuchten, sondern in einen sprachgeschichtlichen Zusammenhang zu bringen.
In welcher Sprachschicht taucht das heutige Wort zum ersten Mal auf? Handelt es sich dabei tatsächlich um das gesuchte Wort? Wo ist es zuerst belegt? Was war seine ursprüngliche Bedeutung und wie hat es sich semantisch entwickelt? Warum findet überhaupt ein Bedeutungswandel statt? Handelt es sich um eine Entlehnung oder um ein Fremdwort? Ich habe mich intensiv mit den Wörtern „Bursche“ und „Börse“ beschäftigt und habe auf dem weiten Weg der Etymologie viele interessante Aspekte aufgespürt und näher beleuchtet, um mehr Licht ins Dunkel zu bringen. Im Folgenden werde ich eine Darstellung der Wörter `Börse 1´, `Bursche´ und `Börse 2´ hinsichtlich ihrer Wortgeschichte unter Berücksichtigung der lautlichen und semantischen Entwicklungsstruktur geben. Des weiteren werde ich auf spezifische Merkmale der einzelnen Wörter eingehen und näher durchleuchten. In 5. gebe ich Definitionen der Begriffe Entlehnung und Fremdwort und versuche, darzustellen, worum es sich bei den jeweiligen Wörtern handelt. Im Fazit werde ich die mir auftauchende Problematik und nicht geklärte Entwicklungen und Fragestellungen in der historischen Darstellung der Wörter `Börse 1´, `Bursche ´ und `Börse 2´ aufnehmen und erläutern. Des weiteren werde ich ein Resümee über die wissenschaftliche Etymologie an sich ziehen. Die angeführte Graphik soll die Entwicklungsgeschichte von `Börse 1´, `Bursche´ und `Börse 2´ besser veranschaulichen und den Entwicklungskomplex verdeutlichen. Im Abkürzungsverzeichnis erläutere ich kurz die verwendeten Abkürzungen, im Literaturverzeichnis gebe ich die benutzte Literatur an.
2. Börse 1
[...]
1 Als Erbwörter bezeichnet man Wörter, die schon immer im Sprachwortschatz vorhanden waren bzw. erwiesenermaßen nicht entlehnt wurden. Erbwörter sind vor allem Zahlwörter (eins, zwei,...) und Verwandtschaftswörter (Mutter, Vater...)
2 Das Lehnwort ist ein aus einer anderen Sprache übernommenes Wort, das aufgrund von Anpassung der Betonungs-, Laut- und Wortbildungsgesetze der jeweiligen Sprache als solches nicht mehr erkannt wird (z.B. Mauer aus lat. murus).
3 Unter Homonymie versteht man gleich lautende Wörter, die eine unterschiedliche inhaltliche Bedeutung haben (z.B. Kiefer- Kiefer). Ursprünglich handelte es sich bei solchen Wörtern um ein einziges Wort.
4 Bei Polysemie hat dasselbe Wort mehrere Bedeutungen (z. B. Schloss: Gebäude- Türschloss)
5 Vgl. Ullmann, Stephen: S. 425
6 Vgl. Ullmann, Stephen: S. 426
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