Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Das Hephaisteion in Athen - standhaft programmatisch close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Das Hephaisteion in Athen - standhaft programmatisch

Scholary Paper (Seminar), 2004, 30 Pages
Author: B.A. Felix Reid
Subject: Archaeology

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 30
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V27711
ISBN (E-book): 978-3-638-29682-3
ISBN (Book): 978-3-638-64957-5
File size: 1746 KB

Abstract

Der Autor geht in der komprimierten Arbeit »Das Hephaisteion - standhaft programmatisch« gezielt auf die bewegte Baugeschichte und den ungewöhnlich guten Erhaltungszustand dieses einzigartigen, klassischen Sakralbaus Athens ein, um sich anschließend der Frage der ursprünglichen Weihung und Nutzung nähern zu können. Die unvergleichliche Fülle an erhaltenem Bauschmuck des Tempels wird in ihrer durchdachten Gesamtkomposition betrachtet und untereinander sowie historisch in Beziehung gesetzt, um nähere Erkenntnisse zu Baugeschichte und Intention zu erarbeiten. Besonderes Augenmerk wird dabei der Darstellung der Heldentaten der klassischen Heroen zuteil, deren Bildprogramm Rückschlüsse auf die politische Situation der noch jungen Demokratie zulässt. Über eine detaillierter Analyse des reichen Bauschmuckes und prägnante Vergleiche mit zeitnahen Bauten werden Ansätze zur chronologischen Einordnung vorgestellt: »Auch wenn bislang nicht alle Elemente des Skulpturenschmuckes zweifelsfrei benannt werden konnten, lässt sich doch über die immer noch reichen Reste der Bauskulptur des Hephaisteions ein schlüssiges Bildprogramm erkennen. Dadurch wird auch die nach wie vor immer mutmaßliche Motivation des Bauwerkes über seine sakrale Funktion der Götterverehrung hinaus erkennbar. Unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Veränderungen im 5. Jhd. v. Chr. und den vielen ideologisch konnotierten Bauschmuck-Plastiken der Zeit kann aber eine weitere Funktion als politisches Denkmal…..«


Excerpt (computer-generated)

Das Hephaisteion - standhaft programmatisch

von: Felix Reid

 


Inhalt

I. Einleitung S. 3

II. Lage und Geschichte des Baus S. 4

III. Baukörper und Architektur S. 7

IV. Skulpturenschmuck

IV.1 10 Ost-Metopen, Heraklestaten S. 10
IV.2 Nord- und Süd-Metopen, Theseustaten S. 13
IV.3 Cella-Fries im Westen, Kentauromachie S. 14
IV.4 Zur Ostfries-Problematik S. 16
IV.5 Zu Versuchen der Giebel-Rekonstruktion S. 19

V. Ansätze zur Datierung

V.1 Chronologische Übersicht S. 22
V.2 Resümee S. 23

VI. Abbildungen S. 25

VII. Bibliographie S. 30
 


 

 

I. Einleitung:

Der marmorne Tempel, der sich beharrlich über der Agora von Athen erhebt, ist einer der am besten erhaltenen Monumentalbauten der griechischen Antike. Das ist sicher ein Grund dafür, dass sich die archäologische Forschung schon eine ganze Zeit mit dem Heiligtum beschäftigt hat, welches – je nach Deutungsansatz – als Theseion1 oder Hephaisteion benannt wurde. Hier wird die zweite Benennung gebraucht werden, da nach aktuellem Forschungsstand 2 eine Zuweisung des Baues als Ort für die Götterverehrung von Athena Hephaisteia und Hephaistos als gesichert erscheint. Das sich das Bauwerk rund 2500 Jahre als standfest erwiesen hat, ist sicher bemerkenswert, zumal kaum andere Monumente Athens die Zerstörungen der persischen Besatzer um 480 v. Chr. nahezu schadlos überdauert haben. Deshalb soll im Folgenden auch auf den Bau und seine Erhaltung eingegangen werden, bevor der in Stein gemeißelte Bauschmuck des Hephaisteions in seiner Komposition betrachtet werden wird. Zur Baubeschreibung kann nur ein knapper Überblick über die Vielzahl der in der Literatur dokumentierten Einzelheiten gegeben werden.

Wahrscheinlich genauso relevant für das hervorragende Bild, dass man sich noch heute von dem dorischen Peripteros machen kann, ist seine Lage abseits der Akropolis3, die sich schon auf Grund ihrer Festungsfunktion immer im Fokus der angreifenden Gegner der Polis befunden haben muss. Auch die Christianisierung des Tempels im 5. Jhd. n. Chr. hat sicher zur Erhaltung des Bauwerkes beigetragen, wenn auch zum Preis einiger Eingriffe in die Bausubstanz. Da dessen ungeachtet nicht alle Bauelemente in situ vorha nden sind, muss im Rahmen der Beschäftigung mit dem Bauschmuck auch auf Probleme der Zuweisung und Deutung der Bildthemen eingegangen werden. Dazu werden exemplarisch Forschungsergebnisse vorgestellt und auf ihre Kompatibilität mit den bisherigen Erkenntnissen geprüft, um sich der Rekonstruktion eines zusammenhängenden Bildprogrammes zu nähern. Nur so lässt sich ein aussagefähiges Bild des Tempels der Athena Hephaisteia und des Hephaistos in seiner Funktion unter chronologischen und kulturell-gesellschaftlichen Aspekten herausbilden.

II. Lage und Geschichte des Baues:

Sowohl die überragende Lage des Tempels auf dem Kolonos Agoraios – dem Hügel am Westrand der Agora in Athen – als auch der herausragende Erhaltungszustand des Baus selbst ziehen die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. So wird der Tempel auch schon bei Pausanias’ Agora-Rundgang4 im 2. Jhd. n. Chr. erwähnt – namentlich als Hephaisteion. Eine etwas exaktere Einbettung in die Topographie lässt sich aus einer weiteren antiken Schriftquelle von Harpokration entnehmen: „Sie pflegten Tagelöhner als kolonetai zu bezeichnen, weil diese am kolonos nahe der Agora standen, wo sich das Hephaisteion und das Eurysakeion befinden. Dieser kolonos hieß Agoraios.“5 Es gibt aber ebenso archäologische Hinweise auf die im näheren Umkreis ausgeübten Tätigkeiten, nämlich ausgegrabene Reste von Bronzeguss-Gruben, Schmelzöfen und Schlackenrückständen – in diesem Zusammenhang und in der Häufung wohl als ein verlässliches Zeichen dafür zu werten, dass einst Metallverarbeitende Betriebe im Umkreis des Tempelareales zu finden waren. Denn solche Ansiedlungen von Metallwerkstätten nur anlässlich eines beliebigen Tempelbaues fänden wohl keine Entsprechung. Eine Kumulation und auch Etablierung von Handwerksbetrieben einer Profession um einen zentralen Kultort wäre durchaus vorzustellen, zumal wenn man das Fachgebiet des ausgewiesenen Schmiedegottes Hephaistos betrachtet. Im Norden und Osten grenzten verschiedene öffentliche Funktions- und Sakralbauten an das Hügelareal6, die aber auch bei verdichteter Bebauung der Westflanke der Agora bis ins 2. Jhd. n. Chr. immer einen Zugang zum Tempelareal frei ließen.

Der Baugrund auf dem Hügel selbst besteht aus unebenem, natürlichem Kalkstein und war in früheren Zeiten teilweise mit weichen Tonschichten und Erdreich bedeckt; heute ist er allerdings großflächig bis auf den Fels erodiert. Im Gegensatz zu den Grabungen auf der Akropolis konnten hier keine Reste eines Vorgängerbaus sicher nachgewiesen werden. Das Fundament des Hephaisteions besteht aus Kalksteinplatten verschiedener Qualität und Herkunft7. Für Peristasis und Cella wurde hingegen weißer Marmor aus den damals neuerschlossenen Steinbrüchen von Pentelikon im attischen Bergland – nordöstlich von Athen – verbaut. Für den Bauschmuck ist durchweg teurerer, importierter Inselmarmor von den Kykladen (parischer, aber auch naxischer) verwendet worden. Der plastische Schmuck des Metopen-Triglyphen-Frieses der Osthälfte zeigt eine Auswahl der mythologischen Taten des Herakles und des Theseus, wovon sich nach der überholten Theorie, der Tempel sei ein Heroon des Herakles, des Theseus oder beider zusammen gewesen, die parallele Benennung des Tempels als Theseion abgeleitet hat. Eine solche Themenkomposition ist ebenso im Bauschmuck des Schatzhauses der Athener in Delphi, datiert auf das Ende des 6. Jhd. v. Chr., zu finden.8 Die Benennung als Theseion findet sich beispielsweise auch in einem Bericht des Hauptmanns von Predl über den Einzug der bayerischen Truppen unter König Otto am 1. April 1833. Damals wurde der Bau als Repräsentationsobjekt und Kulisse für die Befreiung von der türkischen Besatzung genutzt. Das geheiligte Areal (Temenos) um den Tempel selbst war von einer Mauer (Peribolos) eingefasst, die im 3. Jhd. v. Chr. nach Osten und Norden erweitert wurde9. Im Bereich des Temenos sind planvoll und regelmäßig in den Fels gearbeitete Schächte samt Fragmenten von tönernen Pflanzkübeln verzeichnet worden, die das Rechteck des Tempelgrundrisses umrahmen. Dieser bemerkenswerte Befund einer antiken Gartenanlage im Tempelareal samt mutmaßlich geheiligten Bäumen wurde über die Tonfragmente ebenso auf das 3. Jhd. v. Chr. datiert. Die antiken Pflanzschächte sind heute wieder begrünt, was den nach wie vor guten Erhaltungszustand des Tempels unterstreicht. Im 1. Jhd. v. Chr. dann wurde der Eingang zum Temenos nach Osten verlegt, eventuell in Zusammenhang der Errichtung einer monumentalen Freitreppe zur Agora.

Wiederum verschont blieb der Grundbau bei den Zerstörungen Athens sowohl im Zuge der sullanischen (86 v. Chr.) als auch der herulische Invasion (267 n. Chr.). Allerdings liegt nach wie vor der Verdacht nahe, dass ein Teil der nicht mehr vorhandenen Giebelskulpturen – wie auch an anderer Stelle – ihre weitere Bestimmung im Schmuck römischer Villen hellenistischer Epoche hatten. In byzantinischer Zeit ist das Hephaisteion in eine Kirche des heiligen Georg umfunktioniert worden, wahrscheinlich mit angeschlossenem Kloster. Besonders in der byzantinischer Frühzeit des 5. Jhd. n. Chr. war der Bau von Kirchen in heidnische Tempel üblich, allerdings ohne die äußere Erscheinung grundlegend zu beeinflussen. Im Rahmen dieser Christianisierungs-Maßnahmen sind in diesem Fall schrittweise bis in das 7. Jhd. n. Chr. einige bauliche Änderungen10 vorgenommen worden: Wichtigste Maßnahme war der Wechsel der Hauptseiten-Orientierung von Ost nach West und damit einhergehend eine Verschließung des einstigen Ostzuganges mit einer Apsis. Dazu wurden die Ostwand samt Eingangstür sowie das Säulenpaar des Pronaos entfernt. In den Kernbau, d.h. in Cella und Pronaos, ist ein Tonnengewölbe integriert worden, das bei Restaurierungsarbeiten 1835 ausgebessert wurde. Im Zuge dieser Umgestaltung sind zusätzliche Türen, z.B. in die Rückwand des Opisthodoms, gebrochen worden. Weiterhin wurde nahezu der gesamte Innenraum des Tempels für die Anlage von unterirdischen Grabanlagen (Schachtgräbern) aufgebrochen. Nur die Bereiche des christlichen Altares im Osten und unterhalb der Apsis blieben verschont. Letztlich wurde im Innenraum der Cella neuer Stuckverputz angebracht. Unter Frankenbesatzung außerhalb der Stadtmauern gelegen, kam dem Bau auf dem Kolonos Agoraios als Kirche nur sporadische Aufmerksamkeit zu. Er wurde nicht regelmäßig genutzt, da es genug andere Kirchen in zentraler Lage gegeben hat. Der Tempel war wohl ursprünglich Athena Hephaisteia und Hephaistos geweiht11, beide als Gottheiten des Handwerks, speziell der Schmiedekunst, verehrt.

[...]


1 zur Problematik der Benennung siehe H.Koch „Studien zum Theseustempel in Athen“, 1955, 9ff.

2 einen Überblick bei K.Reber „Das Hephaisteion in Athen – ein Monument für die Demokratie“ in JdI 113, 1998, 31ff.

3 nämlich ca. 500 m Luftlinie – für die antiken Stadtdimensionen nicht so wenig.

4 Pausanias I, 14.6

5 zitiert nach J.M.Camp „Die Agora von Athen“, 1989, 91.

6 siehe Abbildungen 1 - 3.

7 näheres zu den verwendeten Materialien bei Koch (1955), 44f.

8 A. Gorys „Wörterbuch Archäologie“, 1997, 422.

9 siehe J. Travlos „Bildlexikon zur Topographie des antiken Athen“, 1971, 261 und hier Abb. 1 b), c).

10 dazu Abb. 5

11 ‘two solid arguments’ bei H.A. Thompson und R.E. Wycherley „The Athenian Agora“, 1972, 142/145.


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:


This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/27711/das-hephaisteion-in-athen-standhaft-programmatisch
please wait Please wait